Die letzte Nacht machte zuerst
wieder keinen ruhigen Eindruck. Gegen 2 Uhr in der Früh war wohl das
Musikfestival, welches uns schon am baden hinderte, beendet und die
ganze Menschenmasse pilgerte in die Hotels der Innenstadt.
Anscheinend führte sie der schnellste Weg auch am Womo-Stellplatz
vorbei. Grölend und singend zogen sie durch die Strassen, ein Blick
nach draussen zeigte, dass dort sogar schon die Sonne schien. Doch
eine Stunde später war auch der letzte Partygänger in der
Innenstadt angelangt und ich konnte die restliche Nacht wundervoll
schlafen. Melanie bemerkte von dem Ganzen natürlich auch diese Nacht
mal wieder nichts. Was hat die für einen Schlaf.
Wir waren trotzdem beide sehr
munter als uns der Wecker aus dem Schlaf riss. Heute war ja auch der
grosse Tag. Der Tag der Abreise in den hohen hohen Norden. Zum
Frühstück wurde der Kühlschrank leergegessen und der restliche
Inhalt in Alufolie als Mittagessen verpackt. Wir waren die Ersten,
welche sich vom Stellplatz verabschiedeten und aufbrachen. Viel zu
früh waren wir dran. Doch was wollten wir hier herumsitzen und
warten? Wir entsorgten noch alle Abfälle und Flüssigkeiten und
stellten unser Wohnmobil vor der Werkstatt ab, welche sich in unserer
Abwesenheit hoffentlich um die Heizung kümmert. Wir selbst
versuchten uns eine Stunde früher als geplant ein Taxi an den
Flughafen zu rufen. Doch irgendwie konnten wir keine Taxinummer der
Flughafenhomepage erreichen. Es waren auch alles so kurze Nummern.
Langsam wurden wir nervös. Doch zum Glück geht heutzutage ja alles
online. So buchten wir ein Taxi und keine 5 Minuten später bog auch
schon ein Kleinbus um die Ecke. Der aufgestellte Afrikaner kurvte uns
zum Flughafen und sorgte für ordentlich Unterhaltung in dem
Kleinbus. Wir verabschiedeten uns jedoch schon nach kurzer Fahrt
wieder und betraten die Abflughalle des Flughafen Tromso.
Hier zeigte sich das, was man
auch aus der Schweiz kennt. Personal kostet unnötig Geld und wird
deshalb einfach weggelassen. Die SAS besitzt hier keinen einzigen
Mitarbeiter mehr am Check-In. Jeder muss seine Boardkarte selbst am
Automaten lösen und auch dort sein Gepäck einchecken. Auch am
Baggage-Drop: keine Angestellten. Den Bändel muss man sich selbst
ans Gepäckstück kleben, den Bändel mit dem Strichcode selbst
einlesen und das Gepäck selbst auf die Reise via Förderband
schicken. In einem fremden Land ist dies ein wenig umständlich, doch
unser Gepäck war eingecheckt. Wir hofften einfach, dass es zum
gleichen Ort reisen würde wie wir. Aufgabegepäck hatten wir
übrigens nur wegen den Flüssigkeiten (Shampoo kostet 10 Franken die
Flasche). Danach ging es schon ab durch die Zollkontrolle in den
Zollfreibereich. Natürlich steppte hier nicht gerade der Bär. Viele
Leute drängten sich um das Gate, von welchem ein Flieger bald nach
Oslo starten sollte. Doch in den zwei oder drei Duty-Free-Shops war
nicht viel los. Einer war sogar geschlossen. Man darf jedoch
festhalten, dass man hier nach der Zollkontrolle noch immer mehr
Möglichkeiten hat als in Berlin Tegel. Uns interessierten die Läden
nicht so wirklich und wir begaben uns zu unserem Gate. Dieses befand
sich im Untergeschoss, wo alle Flüge ins Nicht-Schengen-Ausland
eingecheckt werden. Die Verbindung nach Longyearbyen ist die Einzige,
welche dies betrifft. Ansonsten verkehren hier nur Flüge innerhalb
Norwegens. So hatten wir hier unsere Ruhe und waren lange die
einzigen Wartenden. Das änderte sich erst, als ich mich kurz auf die
Toilette begab. Der Zoll nahm die Arbeit auf und als ich zurückkehrte
hatte sich schon eine lange Schlange vor dem Schalter gebildet. Die
Ersten werden die Letzten sein...
Nachdem wir auch nach der
Zollkontrolle kurz warteten, konnten wir pünktlich den Flieger
besteigen. Die Boeing 737 war ausserordentlich gut gefüllt. Die
Verbindung zu den Rentieren scheint doch noch zu rentieren. Man war
der jetzt schlecht... Wir setzten uns gleich hinter die Reihe 12...
Vielflieger merken: in die Reihe 14. 13 gibt es bei Flugzeugen nicht,
weil bringt Unglück. Wir hoben mit ein wenig Verspätung ab und
waren schon bald über den Wolken angekommen. Die Sonne begrüsste
uns und schien uns ins Gesicht. Das Wetter unter uns schien toll zu
sein. Nur die Lofoten waren wie üblich in ihrem Nebelbad gefangen.
Der Flug verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle und bald senkten
wir uns wieder unter die Wolkendecke. Hier sah es doch aus dem
Flieger schon kühler aus als noch in Tromso. Doch auch ansonsten
schien hier alles anders. Bald berührten die Räder den Boden und
mit heftigem Bremseinsatz kam der Vogel zum Stillstand.
Nachdem die grosse Schlacht
ausgestanden war (scheinbar bekommt der Erste, welcher den Flieger
verlässt, noch immer 20 Gratisflüge...) traten auch wir in die
kalte Luft von Spitzbergen. Ein neues Land, welches wir noch nie
bereisten und wohl auch nicht daran dachten einmal zu bereisen.
Svalbard & Jan Mayen Islands. Schon am Gepäckband begrüsste uns
der erste Eisbär. Zum Glück war dieser ausgestopft und wir konnten
in Sicherheit auf unser Gepäck warten. Und siehe da: es kam sogar
an. Wir machten uns auf den Weg zum Bus, welcher zwischen dem
Flughafen und der Stadt pendelt und sogar direkt vor unserem Hotel
halten sollte. Der Busfahrer hatte noch einen kleinen Witz auf der
Lippe, die Mimik blieb jedoch Norwegen-Typisch völlig unberührt.
Nachdem alle Gepäckstücke abgeholt wurden, machte sich der Bus auf
den Weg durch den Nieselregen. Die Fahrt dauerte länger als gedacht,
wobei wir aber schon viel von der kleinen Forschungsstadt erblicken
konnten. Wir bemerkten schnell: hier ist ein anderer Ort. Etwas, was
wir noch nie gesehen haben. Eine wirklich total andere Welt. Man
sieht den Häusern an, dass hier niemand einfach so wohnt. Die Insel
lebt noch immer von den Kohleminen, von den Forschern und von ein
paar wenigen Touristen. Und um diese drei Sachen dreht sich hier
alles.
Wir erreichten unsere Unterkunft,
das Gjestehuset102. Das einzige Motel auf der Insel besticht durch
ihren Preis, aber auch durch Authentizität. Das Motel kostet einen
Drittel der wenigen, teuren, schicken Hotels auf der Insel. Doch hier
wohnt man in einem ehemaligen Arbeiterhaus der Kohleminenarbeiter und
der Inhaber hat hier als Minenarbeiter selbst jahrelang gewohnt.
Authentischer geht es wohl kaum. Wie in allen Gebäuden im Norden und
vor allem in Spitzbergen hiess es hier erstmals: Schuhe aus und
herein in die warme Stube. Wir fassten unseren Schlüssel an der
Rezeption und machten uns nach einem kleinen Breefing gleich in
unsere Zimmer. Zwei Betten, eines links an der Wand und eines rechts.
Ein kleines Waschbecken. Ein Schrank. Ein Spiegel. Ende der
Einrichtung. Die Wände sind dünn, die Holzdielen im Korridor laut.
Die Dusche, das WC, ein Fernsehzimmer und eine Küche teilen wir uns
mit der ganzen Etage. Klingt nach wenig Luxus – macht das Erlebnis
jedoch noch viel echter.
Doch was machen wir denn die
nächsten Tage nun hier? Die Stadt darf man ohne Guide nämlich nicht
verlassen. Überall lauern Eisbären und andere wilde Genossen und
ohne Gewehr und Können wird man diesen meist nicht Herr. So buchten
wir diverse Ausflüge hier im Gjestehuset102. Denn der Inhaber kennt
hier natürlich jeden und weiss auch, welche Angebote für Touristen
am besten sind. Wir konnten also unkompliziert alle Touren im Hotel
buchen und werden jeweils hier direkt an der Türe abgeholt. Eine
super Sache und sehr freundlich wie das Ganze ablief. Welche Touren
wir uns ausgesucht haben, werdet ihr in den nächsten vier Tagen hier
erfahren.
Nun war es aber Zeit für einen
ersten Gang vor die Türe. Nicht weit sollte uns dieser führen. 200
Meter entfernt wartete ein Geocache auf uns, unser erster Fund in
Svalbard und Jan Mayen – ein wirklich seltener Länderpunkt. Doch
schon die 200 Meter waren wieder unbeschreiblich. Ich kann das Gefühl
wirklich nicht beschreiben, das einem beschleicht, wenn man hier
durch die Strassen läuft. Die Gebäude, die Minen an den Hängen,
die Berge, die Art... alles so speziell. Ein paar Dinge habe ich am
Ende des Blog noch als FunFacts zusammengestellt.
Nun mussten wir aber essen.
Melanie war schon seit Stunden hungrig und langsam nicht mehr zu
halten. Gleich gegenüber von unserem Motel erwartete uns dann auch
das Coal Miners Diner. Im Gegensatz zum Namen kam das Restaurant edel
und chic rüber.Wir zogen die Schuhe aus und traten ein. Bestellt
wird hier an der Theke und wir entschieden uns für zwei Beef-Burger
mit Bratkartoffeln und je ein 0,33Liter Süssgetränk. 57 Franken
bezahlten wir dafür, was wir als ganz okay befanden. Die Burger
waren dann auch wirklich lecker. Sehr lecker sogar und die Kartoffeln
ein Traum. Das erste Restaurant seit langer Zeit und dann noch so ein
leckeres – wir waren begeistert. Spät war es schon als wir das
Coal Miners Diner verliessen und direkt zu unserem Hotel spazierten.
Ein Gang über die Strasse – hier wie ein kleines Abenteuer.
Und nun noch ein paar FunFacts
über Spitzbergen.
Longyearbyen
ist eine rosarote Zone. Hier kann man sich frei bewegen. Ausserhalb
der Zone ist es jedoch Pflicht eine Waffe auf sich zu tragen, um sich
gegen Eisbären verteidigen zu können. Natürlich ist das Tragen
einer solchen Waffe nur lizenzierten Guides und Einheimischen
gestattet.
In
der Stadt ist das Tragen von geladenen Waffen verboten und das
Mitführen von Waffen (auch ungeladen) in der Schule, dem Museum, dem
Flughafen und dem Einkaufszentrum verboten.
Alle
Gebäude auf Spitzbergen stehen auf Holzpfählen. Dies um den
Permafrost im Boden auch in den Siedlungen nicht aufzutauen. Der
Boden ist nämlich hier überall gefroren (auch im Sommer), weshalb
auch sämtliche Leitungen (Strom, Wasser, Abwasser) oberirdisch
verlaufen.
Die
Schuhe werden hier vor Eintritt in jedes Gebäude ausgezogen. Egal ob
Motel, Restaurant, Einkaufsladen oder Postfiliale – Schuhe aus. Im
Restaurant gibt einem das ein gemütliches Wohnzimmer-Feeling.
Kuschlig.
In
der Stadt Longyearbyen haben die Gebäude keine abschliessbaren
Türen. Dies aus dem Grund, dass wenn sich ein Eisbär in die Stadt
wagt, jeder in das nächstgelegene Gebäude fliehen kann – auch
wenn es sich dabei um ein Wohngebäude handelt.
Die
Kohlenminen der Russen sind hier auch heute noch in Betrieb. Die
meisten Einheimischen arbeiten noch immer in den Minen, die meisten
davon Russen.
Spitzbergen
gehört etwa so zu Norwegen wie das Fürstentum Lichtenstein zur
Schweiz. Eigentlich ist alles gleich aber es ist eben ein separates
Land (mit der Insel Jan Mayen zusammen).









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