Montag, 25. Juni 2018

Durchs Gebirge nach Flam

Auch diese Nacht freute ich mich über die tolle Schlafmaske – nur als sie mir um 5 Uhr in der Früh vom Gesicht rutschte, bin ich natürlich aufgewacht. Ich schlief aber schnell weiter und wachte erst wieder auf als der Wecker klingelte. Leider hatten wir kein Brot mehr und so wurde mein morgendlicher Hunger erst gestillt, nachdem wir einen nahen Coop aufgesucht hatten. So waren wir aber schon unterwegs und rauschten schon bald wieder nordwärts.

Der Reiseführer machte schon bald einen grossen Abstecher ins Gebirge. Der Abstecher sei zeitaufwändiger als gedacht lasen wir auf den bunten Seiten. Da entschieden wir uns diesen Abstecher bleiben zu lassen und fuhren weiter auf der E16 in Richtung Voss. Landschaften sehen wir ja genug und sind nicht traurig wenn wir eben einmal eine Strecke mit vielen Tunnels fahren. Zwischen den Tunnels sahen wir uns aber an den Seen und Landschaften satt, welche in gewissen Abschnitten beinahe nicht voneinander zu unterscheiden waren. Wie ein Spiegel schob sich der See in das Tal und in allen Buchten standen Autos, deren Insassen mit fotografieren beschäftigt waren. 



In Voss angekommen, stand auch schon unser erster Halt an. Eine kleine aber interessante Schlucht erwartete uns. Unter dem Eispanzer der Eiszeit hat sich ein kleiner Fluss hier tief in die schwarzen Felsen gegraben. Nur ein paar Meter konnten wir über einen Pfad in die Schlucht vorstossen. Doch dies reichte völlig aus um uns zu verzaubern. Das eisblaue Wasser schimmerte an den schwarzen Granitwänden, so dass man dachte jemand hätte einen Scheinwerfer darauf gerichtet. Viele Gletschertöpfe zeugten von der Geschichte dieser Schlucht. Und auch hier waren wir wieder weit weg von der Touristenroute und konnten die Schlucht in Ruhe geniessen. 




Ob der nächste Halt auch so ruhig sein wird? Der Tvinnefoss schien im Reiseführer ein Wasserfall wie viele Andere zu sein. Doch schon von weitem entdeckten wir das weisse Wasser, welches tosend die senkrechte Wand hinunter brauste. Dabei fiel das Wasser über hunderte kleine Kaskaden, was dem Wasserfall einen wundervollen Glanz gab. Viele Leute hatte es hier nicht und so konnten wir in Ruhe ein paar Fotos schiessen. Die vier oder fünf Nasen mochten uns dabei nicht zu stören. Wir wollten noch kurz ein Foto von weiter unten schiessen, als wir plötzlich eine Horde von Menschen bemerkten. Acht (ACHT!!!) Reisecars einer Reisegruppe waren gerade auf den grossen Parkplatz gefahren und hat ihre Insassen auf diesen wundervollen Ort losgelassen. Da gab es für uns nur einen Ausweg: zusammenpacken und so schnell wie möglich verschwinden. 




Gemütlich tuckerten wir auf der E16 nordwärts und genossen die Gegend. Bei Stalheim sollen wir aber abzweigen und einen Ausflug in dieses Dorf unternehmen. Nicht unbedingt wegen dem Dorf selbst. Mehr wegen der Strasse, welche nach dem Dorf wieder hinunter auf die E16 führt. Nur wer sich mit dem Womo traut, sollte diese Piste auch wirklich befahren. Die Anderen sollten Mitfahrende ausladen, wenden, durch den Tunnel und unten auf die Wandernden warten. Kam für mich natürlich nicht in Frage. Wir hielten kurz am höchsten Punkt und sammelten uns für die Abfahrt. Doch da kam doch plötzlich wieder ein Reisecar nach dem Andern der grossen Reisegruppe. Diese nahmen die 18% Gefälle und die 14 sehr engen Serpentinen mit ihren Reisecars in Angriff. Na also dann kommen wir ja locker runter. Wären wir auch, wäre da nicht der Bus vor uns gewesen. Dieser hat sich in einer Serpentine das Heck neu gestaltet und musste unterwegs einen längeren Halt einlegen um die Bremsen abzukühlen. Ja also dafür ist diese Strasse einfach nicht gemacht. Doch es war auch so eine der spektakulärsten Strassen, welche wir mit dem Womo je befahren haben. Die Videos davon sind sicher toll geworden. 



Unterwegs konnten wir unseren Blick immer wieder auf einen tollen Wasserfall richten. Nach der letzten geschafften Serpentine war auch ein Wanderweg zu diesem ausgeschildert, welcher uns mit 30 Minuten Wanderzeit durchaus attraktiv erschien. Wir parkten und wanderten gemütlich die 7 Minuten zum Wasserfall. Für 30 Minuten hätten wir kriechen müssen. Aber schon okay denn die Wanderzeit schien die Touristen wieder davon abzuhalten hierhin zu spazieren. Wir genossen den Wasserfall und vor allem das glasklare Wasser, welches sich in wilden Passagen eisblau färbte. Solch wunderschönes Wasser haben wir echt noch nie gesehen. Wir schossen Fotos und machten uns auf den Rückweg. Am Parkplatz war dann der Pannendienst auch schon mit einem Reisecar beschäftigt. Das Vorderrad war entfernt und der Mechaniker schraubte mir schwerem Werkzeug an dem Fahrzeug herum. Bei unserem Womo war zum Glück noch alles heil geblieben und wir fuhren weiter.




Nun begannen die Tunnelpassagen. Ein 11,8 Kilometer langer Tunnel bildete den Auftakt. Dies ist ganz schön lange. Besonders wenn man norwegische Tunnels kennt. Viele sind nicht einmal beleuchtet. Dieser hier war es immerhin spärlich. Aber spärliche Beleuchtung in Verbindung mit fehlender Belüftung ist eine heftige Mischung für den Fahrer. Auch das totale Fehlen irgendwelcher Sicherheitseinrichtungen oder Fluchtmöglichkeiten (es gibt nirgends einen Fluchtstollen oder Schutzraum) ist man sich als Schweizer so gar nicht gewohnt. Nach dem langen Tunnel folgte eine sehr kurze Passage ehe wir wieder für 5 Kilometer im Berg verschwanden. Schon bald verschwindet die E16 hier im längsten Festland-Strassentunnel der Welt. 24 Kilometer lang ist dieser. Der Gotthard Strassentunnel ist mit seinen 16,9 Kilometern im Vergleich ja schon ein Kurzer (aber trotzdem die Nummer vier der Welt).

Wir bogen aber noch vor diesem Tunnel ab. Unser Ziel für heute war nämlich Flam. Nach ein paar Kurven konnten wir dann auch den Hafen des kleinen Dorfes erblicken. Obwohl man den Hafen eigentlich gar nicht sah. Der Grund dazu kam aus Italien und hiess Costa Favolosa. Dieses riesige Kreuzfahrtschiff stand hier im Hafen, umringt von genau den Bussen, welche wir heute mehrfach sichteten. Das Bild, welches einem so ein Schiff in so einem engen Fjord bietet, kann man gar nicht beschreiben. An einem Meereshafen ist man sich die Dinger ja gewohnt und die kommen eben auch von riesigen Meer. Aber wie dieses Ungetüm durch diesen Fjord passt ist uns schleierhaft. Als wir dabei waren das Schiff zu betrachten kam auch immer mehr die Sonne raus. Über 20 Grad zeigte das Thermometer und wir beschlossen uns dies auszunutzen und uns ins Wasser zu stürzen. Schnell im Womo umgezogen und schnellen Schrittes an den Fjord. Viele Leute vom Schiff waren noch hier und beäugten uns skeptisch. Das ist der Moment in dem man einfach ins Wasser steigen muss. Ohne sich etwas anmerken zu lassen. Doch während das Wasser mit den Füssen noch okay war, war es ab Kniehöhe nur noch extrem kalt. Nicht einfach ein wenig kalt. Arschkalt. Die Atmung klappte nur noch oberflächlich und tausende Nadelstiche verletzten die Haut. Auch andere machten sich jetzt auf den Weg ins Wasser und der Tenor war „wann hat man schon das nächste Mal die Chance in einem Fjord zu schwimmen“. Recht haben sie. Wir konnten das nun von unserer Bucketlist streichen und uns an den Strand zum Trocknen legen. 




Trocken und gewärmt steuerten wir unser Womo die letzten Kilometer bis zum Schlafplatz. Diese führten uns entlang der Flambahn in die Berge. Die Flambahn ist sowas wie die Rhätische Bahn und schwingt sich über Brücken und Tunnels in die Berge. Mit dem Wohnmobil klappte dies ebenfalls – obwohl ein Schild im Tal die Strasse als „not suitable for camping vehicles“ kennzeichnete. Auch mit einem grösseren Mobil als unserem wäre das kein Problem. Nach 20 Minuten spannender Fahrt erreichten wir unser Ziel mitten in den Bergen. Hier werden wir wohl ziemlich alleine und ungestört die Nacht verbringen. Nur ein paar Meter weiter befindet sich ein Bahnhof – für zwei oder drei Ferienhäuser. Hier werden wir morgen früh die Flambahn besteigen und ein kleines Stück mit ihr in die Berge fahren um danach zurück zu unserem Womo zu wandern.





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