Auch diese Nacht freute ich mich über
die tolle Schlafmaske – nur als sie mir um 5 Uhr in der Früh vom
Gesicht rutschte, bin ich natürlich aufgewacht. Ich schlief aber
schnell weiter und wachte erst wieder auf als der Wecker klingelte.
Leider hatten wir kein Brot mehr und so wurde mein morgendlicher
Hunger erst gestillt, nachdem wir einen nahen Coop aufgesucht hatten.
So waren wir aber schon unterwegs und rauschten schon bald wieder
nordwärts.
Der Reiseführer machte schon bald
einen grossen Abstecher ins Gebirge. Der Abstecher sei
zeitaufwändiger als gedacht lasen wir auf den bunten Seiten. Da
entschieden wir uns diesen Abstecher bleiben zu lassen und fuhren
weiter auf der E16 in Richtung Voss. Landschaften sehen wir ja genug
und sind nicht traurig wenn wir eben einmal eine Strecke mit vielen
Tunnels fahren. Zwischen den Tunnels sahen wir uns aber an den Seen
und Landschaften satt, welche in gewissen Abschnitten beinahe nicht
voneinander zu unterscheiden waren. Wie ein Spiegel schob sich der
See in das Tal und in allen Buchten standen Autos, deren Insassen mit
fotografieren beschäftigt waren.
In Voss angekommen, stand auch schon
unser erster Halt an. Eine kleine aber interessante Schlucht
erwartete uns. Unter dem Eispanzer der Eiszeit hat sich ein kleiner
Fluss hier tief in die schwarzen Felsen gegraben. Nur ein paar Meter
konnten wir über einen Pfad in die Schlucht vorstossen. Doch dies
reichte völlig aus um uns zu verzaubern. Das eisblaue Wasser
schimmerte an den schwarzen Granitwänden, so dass man dachte jemand
hätte einen Scheinwerfer darauf gerichtet. Viele Gletschertöpfe
zeugten von der Geschichte dieser Schlucht. Und auch hier waren wir
wieder weit weg von der Touristenroute und konnten die Schlucht in
Ruhe geniessen.
Ob der nächste Halt auch so ruhig sein
wird? Der Tvinnefoss schien im Reiseführer ein Wasserfall wie viele
Andere zu sein. Doch schon von weitem entdeckten wir das weisse
Wasser, welches tosend die senkrechte Wand hinunter brauste. Dabei
fiel das Wasser über hunderte kleine Kaskaden, was dem Wasserfall
einen wundervollen Glanz gab. Viele Leute hatte es hier nicht und so
konnten wir in Ruhe ein paar Fotos schiessen. Die vier oder fünf
Nasen mochten uns dabei nicht zu stören. Wir wollten noch kurz ein
Foto von weiter unten schiessen, als wir plötzlich eine Horde von
Menschen bemerkten. Acht (ACHT!!!) Reisecars einer Reisegruppe waren
gerade auf den grossen Parkplatz gefahren und hat ihre Insassen auf
diesen wundervollen Ort losgelassen. Da gab es für uns nur einen
Ausweg: zusammenpacken und so schnell wie möglich verschwinden.
Gemütlich tuckerten wir auf der E16
nordwärts und genossen die Gegend. Bei Stalheim sollen wir aber
abzweigen und einen Ausflug in dieses Dorf unternehmen. Nicht
unbedingt wegen dem Dorf selbst. Mehr wegen der Strasse, welche nach
dem Dorf wieder hinunter auf die E16 führt. Nur wer sich mit dem
Womo traut, sollte diese Piste auch wirklich befahren. Die Anderen
sollten Mitfahrende ausladen, wenden, durch den Tunnel und unten auf
die Wandernden warten. Kam für mich natürlich nicht in Frage. Wir
hielten kurz am höchsten Punkt und sammelten uns für die Abfahrt.
Doch da kam doch plötzlich wieder ein Reisecar nach dem Andern der
grossen Reisegruppe. Diese nahmen die 18% Gefälle und die 14 sehr
engen Serpentinen mit ihren Reisecars in Angriff. Na also dann kommen
wir ja locker runter. Wären wir auch, wäre da nicht der Bus vor uns
gewesen. Dieser hat sich in einer Serpentine das Heck neu gestaltet
und musste unterwegs einen längeren Halt einlegen um die Bremsen
abzukühlen. Ja also dafür ist diese Strasse einfach nicht gemacht.
Doch es war auch so eine der spektakulärsten Strassen, welche wir
mit dem Womo je befahren haben. Die Videos davon sind sicher toll
geworden.
Unterwegs konnten wir unseren Blick
immer wieder auf einen tollen Wasserfall richten. Nach der letzten
geschafften Serpentine war auch ein Wanderweg zu diesem
ausgeschildert, welcher uns mit 30 Minuten Wanderzeit durchaus
attraktiv erschien. Wir parkten und wanderten gemütlich die 7
Minuten zum Wasserfall. Für 30 Minuten hätten wir kriechen müssen.
Aber schon okay denn die Wanderzeit schien die Touristen wieder davon
abzuhalten hierhin zu spazieren. Wir genossen den Wasserfall und vor
allem das glasklare Wasser, welches sich in wilden Passagen eisblau
färbte. Solch wunderschönes Wasser haben wir echt noch nie gesehen.
Wir schossen Fotos und machten uns auf den Rückweg. Am Parkplatz war
dann der Pannendienst auch schon mit einem Reisecar beschäftigt. Das
Vorderrad war entfernt und der Mechaniker schraubte mir schwerem
Werkzeug an dem Fahrzeug herum. Bei unserem Womo war zum Glück noch
alles heil geblieben und wir fuhren weiter.
Nun begannen die Tunnelpassagen. Ein
11,8 Kilometer langer Tunnel bildete den Auftakt. Dies ist ganz schön
lange. Besonders wenn man norwegische Tunnels kennt. Viele sind nicht
einmal beleuchtet. Dieser hier war es immerhin spärlich. Aber
spärliche Beleuchtung in Verbindung mit fehlender Belüftung ist
eine heftige Mischung für den Fahrer. Auch das totale Fehlen
irgendwelcher Sicherheitseinrichtungen oder Fluchtmöglichkeiten (es
gibt nirgends einen Fluchtstollen oder Schutzraum) ist man sich als
Schweizer so gar nicht gewohnt. Nach dem langen Tunnel folgte eine
sehr kurze Passage ehe wir wieder für 5 Kilometer im Berg
verschwanden. Schon bald verschwindet die E16 hier im längsten
Festland-Strassentunnel der Welt. 24 Kilometer lang ist dieser. Der
Gotthard Strassentunnel ist mit seinen 16,9 Kilometern im Vergleich
ja schon ein Kurzer (aber trotzdem die Nummer vier der Welt).
Wir bogen aber noch vor diesem Tunnel
ab. Unser Ziel für heute war nämlich Flam. Nach ein paar Kurven
konnten wir dann auch den Hafen des kleinen Dorfes erblicken. Obwohl
man den Hafen eigentlich gar nicht sah. Der Grund dazu kam aus
Italien und hiess Costa Favolosa. Dieses riesige Kreuzfahrtschiff
stand hier im Hafen, umringt von genau den Bussen, welche wir heute
mehrfach sichteten. Das Bild, welches einem so ein Schiff in so einem
engen Fjord bietet, kann man gar nicht beschreiben. An einem
Meereshafen ist man sich die Dinger ja gewohnt und die kommen eben
auch von riesigen Meer. Aber wie dieses Ungetüm durch diesen Fjord
passt ist uns schleierhaft. Als wir dabei waren das Schiff zu
betrachten kam auch immer mehr die Sonne raus. Über 20 Grad zeigte
das Thermometer und wir beschlossen uns dies auszunutzen und uns ins
Wasser zu stürzen. Schnell im Womo umgezogen und schnellen Schrittes
an den Fjord. Viele Leute vom Schiff waren noch hier und beäugten
uns skeptisch. Das ist der Moment in dem man einfach ins Wasser
steigen muss. Ohne sich etwas anmerken zu lassen. Doch während das
Wasser mit den Füssen noch okay war, war es ab Kniehöhe nur noch
extrem kalt. Nicht einfach ein wenig kalt. Arschkalt. Die Atmung
klappte nur noch oberflächlich und tausende Nadelstiche verletzten
die Haut. Auch andere machten sich jetzt auf den Weg ins Wasser und
der Tenor war „wann hat man schon das nächste Mal die Chance in
einem Fjord zu schwimmen“. Recht haben sie. Wir konnten das nun von
unserer Bucketlist streichen und uns an den Strand zum Trocknen
legen.
Trocken und gewärmt steuerten wir
unser Womo die letzten Kilometer bis zum Schlafplatz. Diese führten
uns entlang der Flambahn in die Berge. Die Flambahn ist sowas wie die
Rhätische Bahn und schwingt sich über Brücken und Tunnels in die
Berge. Mit dem Wohnmobil klappte dies ebenfalls – obwohl ein Schild
im Tal die Strasse als „not suitable for camping vehicles“
kennzeichnete. Auch mit einem grösseren Mobil als unserem wäre das
kein Problem. Nach 20 Minuten spannender Fahrt erreichten wir unser
Ziel mitten in den Bergen. Hier werden wir wohl ziemlich alleine und
ungestört die Nacht verbringen. Nur ein paar Meter weiter befindet
sich ein Bahnhof – für zwei oder drei Ferienhäuser. Hier werden
wir morgen früh die Flambahn besteigen und ein kleines Stück mit
ihr in die Berge fahren um danach zurück zu unserem Womo zu wandern.










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