Sonntag, 22. Juli 2018

Die grosse Reise nach Spitzbergen

Die letzte Nacht machte zuerst wieder keinen ruhigen Eindruck. Gegen 2 Uhr in der Früh war wohl das Musikfestival, welches uns schon am baden hinderte, beendet und die ganze Menschenmasse pilgerte in die Hotels der Innenstadt. Anscheinend führte sie der schnellste Weg auch am Womo-Stellplatz vorbei. Grölend und singend zogen sie durch die Strassen, ein Blick nach draussen zeigte, dass dort sogar schon die Sonne schien. Doch eine Stunde später war auch der letzte Partygänger in der Innenstadt angelangt und ich konnte die restliche Nacht wundervoll schlafen. Melanie bemerkte von dem Ganzen natürlich auch diese Nacht mal wieder nichts. Was hat die für einen Schlaf.

Wir waren trotzdem beide sehr munter als uns der Wecker aus dem Schlaf riss. Heute war ja auch der grosse Tag. Der Tag der Abreise in den hohen hohen Norden. Zum Frühstück wurde der Kühlschrank leergegessen und der restliche Inhalt in Alufolie als Mittagessen verpackt. Wir waren die Ersten, welche sich vom Stellplatz verabschiedeten und aufbrachen. Viel zu früh waren wir dran. Doch was wollten wir hier herumsitzen und warten? Wir entsorgten noch alle Abfälle und Flüssigkeiten und stellten unser Wohnmobil vor der Werkstatt ab, welche sich in unserer Abwesenheit hoffentlich um die Heizung kümmert. Wir selbst versuchten uns eine Stunde früher als geplant ein Taxi an den Flughafen zu rufen. Doch irgendwie konnten wir keine Taxinummer der Flughafenhomepage erreichen. Es waren auch alles so kurze Nummern. Langsam wurden wir nervös. Doch zum Glück geht heutzutage ja alles online. So buchten wir ein Taxi und keine 5 Minuten später bog auch schon ein Kleinbus um die Ecke. Der aufgestellte Afrikaner kurvte uns zum Flughafen und sorgte für ordentlich Unterhaltung in dem Kleinbus. Wir verabschiedeten uns jedoch schon nach kurzer Fahrt wieder und betraten die Abflughalle des Flughafen Tromso.

Hier zeigte sich das, was man auch aus der Schweiz kennt. Personal kostet unnötig Geld und wird deshalb einfach weggelassen. Die SAS besitzt hier keinen einzigen Mitarbeiter mehr am Check-In. Jeder muss seine Boardkarte selbst am Automaten lösen und auch dort sein Gepäck einchecken. Auch am Baggage-Drop: keine Angestellten. Den Bändel muss man sich selbst ans Gepäckstück kleben, den Bändel mit dem Strichcode selbst einlesen und das Gepäck selbst auf die Reise via Förderband schicken. In einem fremden Land ist dies ein wenig umständlich, doch unser Gepäck war eingecheckt. Wir hofften einfach, dass es zum gleichen Ort reisen würde wie wir. Aufgabegepäck hatten wir übrigens nur wegen den Flüssigkeiten (Shampoo kostet 10 Franken die Flasche). Danach ging es schon ab durch die Zollkontrolle in den Zollfreibereich. Natürlich steppte hier nicht gerade der Bär. Viele Leute drängten sich um das Gate, von welchem ein Flieger bald nach Oslo starten sollte. Doch in den zwei oder drei Duty-Free-Shops war nicht viel los. Einer war sogar geschlossen. Man darf jedoch festhalten, dass man hier nach der Zollkontrolle noch immer mehr Möglichkeiten hat als in Berlin Tegel. Uns interessierten die Läden nicht so wirklich und wir begaben uns zu unserem Gate. Dieses befand sich im Untergeschoss, wo alle Flüge ins Nicht-Schengen-Ausland eingecheckt werden. Die Verbindung nach Longyearbyen ist die Einzige, welche dies betrifft. Ansonsten verkehren hier nur Flüge innerhalb Norwegens. So hatten wir hier unsere Ruhe und waren lange die einzigen Wartenden. Das änderte sich erst, als ich mich kurz auf die Toilette begab. Der Zoll nahm die Arbeit auf und als ich zurückkehrte hatte sich schon eine lange Schlange vor dem Schalter gebildet. Die Ersten werden die Letzten sein...

Nachdem wir auch nach der Zollkontrolle kurz warteten, konnten wir pünktlich den Flieger besteigen. Die Boeing 737 war ausserordentlich gut gefüllt. Die Verbindung zu den Rentieren scheint doch noch zu rentieren. Man war der jetzt schlecht... Wir setzten uns gleich hinter die Reihe 12... Vielflieger merken: in die Reihe 14. 13 gibt es bei Flugzeugen nicht, weil bringt Unglück. Wir hoben mit ein wenig Verspätung ab und waren schon bald über den Wolken angekommen. Die Sonne begrüsste uns und schien uns ins Gesicht. Das Wetter unter uns schien toll zu sein. Nur die Lofoten waren wie üblich in ihrem Nebelbad gefangen. Der Flug verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle und bald senkten wir uns wieder unter die Wolkendecke. Hier sah es doch aus dem Flieger schon kühler aus als noch in Tromso. Doch auch ansonsten schien hier alles anders. Bald berührten die Räder den Boden und mit heftigem Bremseinsatz kam der Vogel zum Stillstand.






Nachdem die grosse Schlacht ausgestanden war (scheinbar bekommt der Erste, welcher den Flieger verlässt, noch immer 20 Gratisflüge...) traten auch wir in die kalte Luft von Spitzbergen. Ein neues Land, welches wir noch nie bereisten und wohl auch nicht daran dachten einmal zu bereisen. Svalbard & Jan Mayen Islands. Schon am Gepäckband begrüsste uns der erste Eisbär. Zum Glück war dieser ausgestopft und wir konnten in Sicherheit auf unser Gepäck warten. Und siehe da: es kam sogar an. Wir machten uns auf den Weg zum Bus, welcher zwischen dem Flughafen und der Stadt pendelt und sogar direkt vor unserem Hotel halten sollte. Der Busfahrer hatte noch einen kleinen Witz auf der Lippe, die Mimik blieb jedoch Norwegen-Typisch völlig unberührt. Nachdem alle Gepäckstücke abgeholt wurden, machte sich der Bus auf den Weg durch den Nieselregen. Die Fahrt dauerte länger als gedacht, wobei wir aber schon viel von der kleinen Forschungsstadt erblicken konnten. Wir bemerkten schnell: hier ist ein anderer Ort. Etwas, was wir noch nie gesehen haben. Eine wirklich total andere Welt. Man sieht den Häusern an, dass hier niemand einfach so wohnt. Die Insel lebt noch immer von den Kohleminen, von den Forschern und von ein paar wenigen Touristen. Und um diese drei Sachen dreht sich hier alles. 


Wir erreichten unsere Unterkunft, das Gjestehuset102. Das einzige Motel auf der Insel besticht durch ihren Preis, aber auch durch Authentizität. Das Motel kostet einen Drittel der wenigen, teuren, schicken Hotels auf der Insel. Doch hier wohnt man in einem ehemaligen Arbeiterhaus der Kohleminenarbeiter und der Inhaber hat hier als Minenarbeiter selbst jahrelang gewohnt. Authentischer geht es wohl kaum. Wie in allen Gebäuden im Norden und vor allem in Spitzbergen hiess es hier erstmals: Schuhe aus und herein in die warme Stube. Wir fassten unseren Schlüssel an der Rezeption und machten uns nach einem kleinen Breefing gleich in unsere Zimmer. Zwei Betten, eines links an der Wand und eines rechts. Ein kleines Waschbecken. Ein Schrank. Ein Spiegel. Ende der Einrichtung. Die Wände sind dünn, die Holzdielen im Korridor laut. Die Dusche, das WC, ein Fernsehzimmer und eine Küche teilen wir uns mit der ganzen Etage. Klingt nach wenig Luxus – macht das Erlebnis jedoch noch viel echter. 




Doch was machen wir denn die nächsten Tage nun hier? Die Stadt darf man ohne Guide nämlich nicht verlassen. Überall lauern Eisbären und andere wilde Genossen und ohne Gewehr und Können wird man diesen meist nicht Herr. So buchten wir diverse Ausflüge hier im Gjestehuset102. Denn der Inhaber kennt hier natürlich jeden und weiss auch, welche Angebote für Touristen am besten sind. Wir konnten also unkompliziert alle Touren im Hotel buchen und werden jeweils hier direkt an der Türe abgeholt. Eine super Sache und sehr freundlich wie das Ganze ablief. Welche Touren wir uns ausgesucht haben, werdet ihr in den nächsten vier Tagen hier erfahren.

Nun war es aber Zeit für einen ersten Gang vor die Türe. Nicht weit sollte uns dieser führen. 200 Meter entfernt wartete ein Geocache auf uns, unser erster Fund in Svalbard und Jan Mayen – ein wirklich seltener Länderpunkt. Doch schon die 200 Meter waren wieder unbeschreiblich. Ich kann das Gefühl wirklich nicht beschreiben, das einem beschleicht, wenn man hier durch die Strassen läuft. Die Gebäude, die Minen an den Hängen, die Berge, die Art... alles so speziell. Ein paar Dinge habe ich am Ende des Blog noch als FunFacts zusammengestellt.

Nun mussten wir aber essen. Melanie war schon seit Stunden hungrig und langsam nicht mehr zu halten. Gleich gegenüber von unserem Motel erwartete uns dann auch das Coal Miners Diner. Im Gegensatz zum Namen kam das Restaurant edel und chic rüber.Wir zogen die Schuhe aus und traten ein. Bestellt wird hier an der Theke und wir entschieden uns für zwei Beef-Burger mit Bratkartoffeln und je ein 0,33Liter Süssgetränk. 57 Franken bezahlten wir dafür, was wir als ganz okay befanden. Die Burger waren dann auch wirklich lecker. Sehr lecker sogar und die Kartoffeln ein Traum. Das erste Restaurant seit langer Zeit und dann noch so ein leckeres – wir waren begeistert. Spät war es schon als wir das Coal Miners Diner verliessen und direkt zu unserem Hotel spazierten. Ein Gang über die Strasse – hier wie ein kleines Abenteuer. 





Und nun noch ein paar FunFacts über Spitzbergen.

Longyearbyen ist eine rosarote Zone. Hier kann man sich frei bewegen. Ausserhalb der Zone ist es jedoch Pflicht eine Waffe auf sich zu tragen, um sich gegen Eisbären verteidigen zu können. Natürlich ist das Tragen einer solchen Waffe nur lizenzierten Guides und Einheimischen gestattet.

In der Stadt ist das Tragen von geladenen Waffen verboten und das Mitführen von Waffen (auch ungeladen) in der Schule, dem Museum, dem Flughafen und dem Einkaufszentrum verboten.

Alle Gebäude auf Spitzbergen stehen auf Holzpfählen. Dies um den Permafrost im Boden auch in den Siedlungen nicht aufzutauen. Der Boden ist nämlich hier überall gefroren (auch im Sommer), weshalb auch sämtliche Leitungen (Strom, Wasser, Abwasser) oberirdisch verlaufen.

Die Schuhe werden hier vor Eintritt in jedes Gebäude ausgezogen. Egal ob Motel, Restaurant, Einkaufsladen oder Postfiliale – Schuhe aus. Im Restaurant gibt einem das ein gemütliches Wohnzimmer-Feeling. Kuschlig.

In der Stadt Longyearbyen haben die Gebäude keine abschliessbaren Türen. Dies aus dem Grund, dass wenn sich ein Eisbär in die Stadt wagt, jeder in das nächstgelegene Gebäude fliehen kann – auch wenn es sich dabei um ein Wohngebäude handelt.

Die Kohlenminen der Russen sind hier auch heute noch in Betrieb. Die meisten Einheimischen arbeiten noch immer in den Minen, die meisten davon Russen.

Spitzbergen gehört etwa so zu Norwegen wie das Fürstentum Lichtenstein zur Schweiz. Eigentlich ist alles gleich aber es ist eben ein separates Land (mit der Insel Jan Mayen zusammen).


Samstag, 21. Juli 2018

Von Someroy wieder zurück nach Tromso

Die letzte Nacht stellte doch noch eine Premiere dar. Zum ersten Mal begaben wir uns im Trainer eingemummelt in die Welt der Träume. Es war doch ein wenig frisch, die Hoffnung ist ja aber da, dass es die letzte solche Nacht ist – oder zumindest die Zweitletzte. Wir hoffen es.

Doch heute früh sah die Welt schon wieder anders aus. Die Sonne drückte schon gegen die Wolken und wärmte unser Womo, als wir uns aus dem Bett schälten. Da unser Klo bereits schon länger rot blinkte und somit voll war, mussten wir zuerst ein paar Meter an die Entsorgungsstelle fahren. Dort leerten wir den Tank und machten uns nochmals auf eine kleine Fahrt bis an den Rand der wunderschönen Insel Sommaroy. Dort gab es bei bester Aussicht ein wunderbares Frühstück. 





Gestärkt ging es also wieder in Richtung Tromso. Wir verliessen die Insel mit ihren karibischen Stränden und die Strasse folgte nun immer wieder einem anderen Arm des Fjords. Bei einem wunderschönen Badeplatz legten wir einen kleinen Halt ein und entdeckten ein junges Paar beim morgendlichen schwimmen. Also zogen auch wir uns die Badebekleidung an und wagten uns in das kalte Wasser. Für mich ist das morgens ja nicht wirklich was und so blieb es bei mir bei der maximalen Wasserhöhe von Mitte Oberschenkel. Melanie war auch heute die furchtlosere und so sah man schon bald nur noch ihren Kopf. Im Womo wurde dann nur schnell abgetrocknet und sofort weitergefahren. 



Kaum losgefahren klingelte mein Handy. Eine nette Dame des TCS rief an um noch die letzten Details zur Panne zu klären. Der ETI Schutzbrief übernimmt das Hotel für die Nacht vom Donnerstag auf Freitag nächster Woche in Tromso, da wir unser Womo erst am Freitag aus der Werkstatt holen können. Dies weil wir erst zu spät abends landen. Sämtliche Taxifahrten zwischen Werkstatt, Flughafen, Hotel und wieder Werkstatt übernehmen sie ebenfalls, genauso wie wahrscheinlich die 100 Franken Telefonkosten zur Organisation der Reparatur. Was für eine positive Nachricht. Nichteinmal um die Buchung des Hotels hatten wir uns zu kümmern. Alles erledigt der TCS für uns. Ein genialer Service, der uns wenigstens die Umstände um die Panne versüsste. Wir rätselten noch was wir für ein Hotel bekommen werden. Doch als die SMS mit der Buchungsbestätigung eintraf, waren wir wirklich überrascht – ihr werdet sehen.

Der Himmel riss immer mehr auf und so war die Fahrt über das Fjell heute ganz anders als sie es noch gestern war. Gestern neblig, nass und mystisch. Heute sonnig, freundlich und traumhaft. Kurz vor Tromso wagten wir dann noch einen Abstecher auf die Insel Hakoy. Über eine schmale Brücke, auf Holzstelzen gebaut, erreichten wir die kleine Insel und konnten ein Brautpaar beim Fotoshooting am Ufer beobachten. Ein wunderschöner Ort um solch spezielle und einmalige Fotos zu schiessen. Wir machten uns aber noch ein kleines Stück weiter an einen geschichtlich interessanten Ort. An den Koordinaten angekommen, wähnten wir uns schon beinahe wieder am falschen Ort. Aber wir sind ja in Norwegen und die schreiben das Zeug hier einfach nicht an. Also Womo geparkt und mutig durch etwas wie einen privaten Vorgarten geschritten und schon waren wir da. Ein Monument aus dickem Stahl erinnert hier an die Tirpitz. Die Tirpitz war im zweiten Weltkrieg das grösste eingesetzte Deutsche Kriegsschiff und wurde am 12. November 1944 von Englischen Spezialbomben vor der Insel Hakoy versenkt. Der Stahl für das Monument wurde aus dem Wrack des Kriegsschiffes geschnitten und an dieser Stelle, wo man den Ort des Geschehens einsehen kann, aufgestellt. 



Nachdem wir wieder auf der direkten Route waren, folgten wir dieser nun auch bis nach Tromso. Wir unterquerten den Flughafen, von welchem aus morgen unsere Expedition in noch nördlichere Gefilde startet und steuerten direkt die nördlichste Universität der Welt an. Auf dem Weg zum Parkplatz, welcher der Reiseführer uns anpries, durchfuhren wir beinahe den ganzen Campus und konnten ihn begutachten. Wir stellten enorme Parallelen zu der Uni Konstanz fest. Teils Gebäude sehen aus, als ob sie von dort importiert wären. Doch das zu der Ferienzeit verlassene Gelände war natürlich nicht unser eigentliches Ziel. Dieses fand sich einen kleinen Fussmarsch entfernt. Bei schönstem Sonnenschein machten wir uns also im T-Shirt auf den Weg zum nördlichsten botanischen Garten der Welt. Man muss wissen, dass Tromso als sehr sehr sehr nördliche „Grossstadt“ natürlich aus diversen „nördlichste... der Welt besteht“ und auch sehr gerne damit wirbt. Das letzte Stück des Weges führte uns so über den (natürlich) nördlichsten Geologiepfad der Welt, auf welchem so ziemlich jedes Gestein, was wir kennen ausgestellt war. Und natürlich noch viele mehr. Stein ist Stein kann man hier nun wirklich nicht sagen – doch dass es da so viele Unterschiede gibt hätten wir niemals gedacht.

Doch mehr als die Steine interessierten uns die Pflanzen. Der botanische Garten Tromso beheimatet unzählige Pflanzen aus sämtlichen arktischen Regionen der Welt. Und dabei ist der Garten wundervoll gestaltet. Von allen botanischen Garten auf unserer Reise, war dieser der Einzige, welcher uns schon nur durch die Gestaltung längere Zeit zu fesseln vermochte. Überall führten kleine Wege durch die Felslandschaften, welche über und über von Blumen und Sträuchern bewohnt wurden. Sämtliche Pflanzen konnte man somit von nahem betrachten und wie in einem Freizeitpark waren diese in Themenbereiche gegliedert, sortiert nach Herkunft. Und als wir so durch den Garten schlenderten, bemerkten wir ihn plötzlich. Den Frauenschuh. Endlich entdeckten wir eine solche Orchidee. Nicht ganz in freier Natur aber immerhin halb. Wir freuten uns sehr über diese Entdeckung, schossen Fotos und betrachteten natürlich auch noch die anderen einheimischen Orchideenarten. Wir befassten uns noch kurz mit der interessanten Geschichte des botanischen Gartens, der auf dem Areal eines ehemaligen Bauerngutes entstanden ist. Ein Teil wurde vom letzten Besitzer damals an die Bildung vermacht, welche hier den Garten erbaute. Den restlichen Teil des Hofes vermachte der Bauer nach seinem Tode ebenfalls an das Bildungsministerium und auf diesem Gebiet steht heute nun die Universität. Nur zwei kleine Gebäude liess man zur Erinnerung stehen. Beide im botanischen Garten – eines als Güterschuppen und eines als süsses, kleines Café.







Den Rückweg wählten wir durch das Universitätsgelände und wanderten auf den kleinen Wegen zwischen den hohen Gebäuden hindurch. Es war schon wieder warm geworden und zu nachmittäglicher Stunde bekam auch ich Lust auf ein kleines Bad. Im Reiseführer fand sich dazu nur unweit eine Gelegenheit, welche wir nun ansteuerten. Doch genau an diesem schönen Ort war alles abgeriegelt. Ein Musikfestival findet dieses Wochenende hier am Ufer des Fjords statt. Also suchten wir weiter. Vorbei an der Werkstatt erreichten wir das Hafengebiet. Es war Samstag und bald 16 Uhr. Das ist gut in Norwegen. Meistens bezahlt man die Parkplätze in den Städten nur Montag bis Freitag 07:00 bis 20:00 Uhr und Samstags 07:00 bis 16:00 Uhr. Und siehe da: beim Polarmuseum war es sogar nur bis 15 Uhr, weswegen sich schon die Wohnmobilfahrer am ausbreiten waren. Wir stellten uns dazu und freuten uns über die gratis Park- und Übernachtungsmöglichkeit. Vor dem Baden wollten wir noch einen kleinen Spaziergang in die Stadt unternehmen. Nur gerade hier um die Ecke. Wir kamen dabei (nicht ganz zufällig) an unserem Hotel für nächste Woche vorbei und bestaunten den Neubau hier am Hafen. Nebenbei betrachteten wir die vielen Menschen, welche hier alle in den Gartenrestaurants sassen und sich vor allem Bier und kleine Speisen gönnten. In einem Geschäft fand ich noch schöne Socken für mich.

Kleiner Zwischentext: aber falls ihr jemals plant nach Norwegen oder Spitzbergen zu fahren: nehmt schöne Socken mit. Hier zieht man überall vor dem Betreten der Räumlichkeiten die Schuhe aus. In Restaurants, Geschäften, Hotels einfach überall. Nur unfreundliche Touristen wagen es hier im Norden mit ihren Schuhen irgendwo einzutreten. Ausnahme sind natürlich Geschäfte in den grossen Einkaufszentren.

Gut. Nun habe ich also neue Socken entdeckt, damit ich in Spitzbergen nicht mit meinen Socken, welche nicht nur wegen den Löchern an Käse erinnern, in die Restaurants eintreten muss. Doch leider hatte Melanie die Geldbörse im Womo gelassen. So gab es eine Extrarunde zum Womo und zurück und bis wir erneut auf dem Rückweg zum Womo waren, begann es sogar noch zu regnen. So wird das wohl nichts mehr mit vor dem Womo in der Wiese rumsitzen. Doch dafür hatten wir auch keine Zeit. Nach einem leckeren Chili-Con-Carne musste ja auch noch gepackt werden. Koffer haben wir natürlich keinen dabei und so muss alles für die 5 Tage Spitzbergen in eine kleine Reisetasche und einen Rucksack. Die kleine Reisetasche werden wir dabei sogar als Reisegepäck aufgeben müssen, da wir ansonsten ja gar kein Duschgel und Shampoo nach Spitzbergen mitnehmen können – und das Zeug ist dort noch teurer als hier in Norwegen.

Wir machen uns nun einen gemütlichen Abend und freuen uns auf die kommenden Tage im hohen hohen Norden. Und darauf, dass wenn wir zurückkommen (nach einer tollen Hotelnacht in Tromso) unser Womo wieder völlig betriebsbereit ist und wir die Weiterfahrt ungehindert geniessen können. 


Freitag, 20. Juli 2018

Tromso und Sommaroy (Eintrag Nr. 101)

Als wir beide heute am Frühstückstisch sassen war die Laune schon wieder ein wenig besser als noch gestern Abend. Wir hatten gestern noch lange gequatscht und gut geschlafen, was sicherlich seinen Teil dazu beitrug, dass wir gemütlich nach Tromso kurvten.

Das erste Ziel war natürlich die Werkstatt und je mehr wir uns dieser näherten, desto ruhiger wurde es im Womo. Werden die als unsere letzte Chance uns helfen? Wir parkten unser Womo ein und traten in das sehr schön gestaltete Gebäude. Wir wurden sofort freundlich empfangen und man suchte das Ersatzteil für uns. Man fand dieses sogar und schickte uns damit zur Reparaturannahme. Auf dem Weg dorthin bemerkte Melanie, dass ein Preisschild auf der Schachtel klebte, welches einen Betrag von beinahe 400 Franken zeigte. Ein erster kleiner Schock. Der Zweite folge in der Werkstatt. Wie vermutet muss man die Heizung aus dem Womo ausbauen, auseinandernehmen, die Zündkerze ersetzen, bei der Gelegenheit alle Dichtungen ersetzen (die in dem 400 Franken Kit ebenfalls dabei sind) und dann alles wieder ins Womo einbauen. Kosten: Nochmals ca. 600 Franken. Dauer: 4 Stunden. Und so viel Zeit sei schwierig aufzutreiben. Doch der nette Herr machte uns Mut, bat uns aber nach 13 Uhr wiederzukommen wenn der Werkstattleiter vor Ort ist.

In der Zwischenzeit klärten wir die Kosten ab. Wir telefonierten in die Schweiz zu unserer Stammwerkstatt, welche den Preis total mit 800 bis 900 Franken angab. In Deutschland errechneten wir uns einen Preis von umgerechnet ebenfalls 700 bis 800 Franken. Zudem müssten wir uns in Deutschland 5 bis 6 Wochen im Voraus anmelden, was unseren Reiseplan je nach dem massiv durcheinanderwirbeln würde. Und das wegen ein paar Franken. Also blieben nur noch die Optionen, dass wir warten bis Zuhause oder es hier in Norwegen reparieren lassen würden – WENN sie denn Zeit finden würden. Kostet uns zwar 200 oder 300 Franken mehr als Zuhause – dafür hätten wir die nächsten 3 Monate Heizung und Warmwasser.

Ja der Schock über diesen hohen Preis musste verdaut werden. Und was gibt es da besseres, als noch mehr Geld auszugeben. Doch dieser mittelmässige Betrag war schon länger eingeplant und keine spontane Idee. Wir wollten etwas von dieser Reise mitnehmen, dass uns für immer bleibt. Neben den Erinnerungen soll dies ein kleines Tattoo eines Künstlers aus Tromso sein. Und diesen besuchten wir. Wie hier im Norden üblich liessen wir unsere Schuhe vor der Türe und traten in das Studio. Max war gerade an der Arbeit und hatte dadurch nicht viel Zeit. Wir sprachen uns trotzdem kurz ab und bleiben in Verbindung. Er wird hoffentlich während unserem Spitzbergen-Aufenthalt fleissig zeichnen und uns diese Zeichnung nach der kleinen Reise unter die Haut bringen.

So war es doch schnell 13:00 Uhr und wir machten uns zurück in die Werkstatt. Der Werkstattleiter war derjenige, welcher uns gestern am Telefon so schroff abwies und mich dabei so richtig wütend gemacht hatte. Doch siehe da – von Angesicht zu Angesicht ein sehr freundlicher Herr, welcher uns half wo er nur konnte. Und siehe da: wir bekamen die Zusage, dass wir das Womo Sonntagabend hier parken und nächsten Freitag abholen können. Er kann uns nicht zu 100% versprechen, dass es erledigt ist bis da. Doch irgendwo werden sie unser Womo schon noch dazwischen quetschen. Nun waren wir wieder einen Schritt weiter. Das Einzige war jetzt noch der Preis. Die fast 1'000 Franken waren echt ein Schock. Doch die Reparatur muss ja so oder so gemacht werden und kostet auch in der Schweiz nur etwa 200 – 300 Franken weniger. Dafür 3 Monate warm. Rechnet man die Ersparnis für Duschen auf Campingplätzen, die Umstände welche uns das alles bereiten würde und die 80 Franken, welche wir für den Parkplatz am Flughafen einsparen, dann sind wir ja schon fast wieder auf dem selben Betrag wie Zuhause. Und dafür wäre endlich wieder Ruhe und der Kopf frei für die restliche Reise. Fazit: die sollen das reparieren.

So. Mit der Entscheidung fiel eine Last von uns und wir konnten uns endlich entspannt auf die Weiterreise begeben. Wir waren zwar nur 12 Minuten neben dem Flughafen Tromso, doch dort müssen wir ja erst Sonntag hin. Also was machen wir nun noch so lange? Wir konsultierten unseren Reiseführer und entdeckten einen Namen, welcher im Gespräch mit den Einheimischen beim Rentier am Strand auch fiel. Sommaroy. Eine kleine Halbinsel westlich von Tromso, etwa eine Stunde entfernt. Hier soll es die schönsten Strände und das tollste Meer von ganz Norwegen geben. Von diesem wollten wir uns nun natürlich selbst überzeugen. Das Wetter wurde immer besser, je weiter wir fuhren und auf Sommeroy war es zwar ebenfalls bewölkt, jedoch viel heller und freundlicher. So blitzten uns auch unendlich viele Sandstrände immer und immer wieder entgegen. Sogar die kleinen Inselchen, welche nur so 50 Meter vom Ufer entfernt lagen, hatten jeweils ihre eigenen Sandstrände. Und das Wasser strahlte türkis. Wirklich wundervoll.

Wir parkten unser Womo auf einer grünen Wiese direkt am Meer. Vor uns ein Österreicher, neben uns ein Waadtländer. Die Nachbarschaft stimmt schon einmal und wir begaben uns auf Erkundungstour, nachdem wir uns mit leckeren Himbeeren einen Zvieri gemacht hatten. Wir entdeckten einen Geocache und wanderten die wenigen Meter bis zu dem wunderschönen Ort, welcher er uns zeigen wollte. Nach einigen Fotos suchten wir wieder unser Womo auf. Auch der heutige Tag machte uns hungrig und Melanie kochte uns Spaghetti Bolognese. Das war wirklich sehr lecker und gab uns Kraft für eine weitere kleine Tour. 





Diese Tour sollte zu ein paar kleinen Inselchen vor der Küste führen, welche ich auf Google Maps entdeckt hatte. So weit schien es auch gar nicht bis zu diesem Strandabschnitt und so zogen wir los. Schon nach wenigen Minuten nahmen wir einen nahen Sandstrand unter die Lupe, welcher wieder karibisch anmutete mit dem weissen Sand und dem glasklaren Wasser. Wir entdeckten dabei, dass der Strand gar nicht aus weissem Sand besteht. Viele kleine Muschelteile und zerborstene Kaltwasserkorallen bilden hier den Strand. Wirklich eine spezielle Mischung, welche sich in der Hand sehr speziell anfühlte. Doch von hier an war uns nun der direkte Weg zu unserem Ziel versperrt. Privater Hotelstrand, erklärte uns ein grosses Schild. So mussten wir um die ganze Hotelanlage herumspazieren, was uns eine gute Viertelstunde Umweg kostete. Aber das war uns heute egal. Die Route der Strasse entlang war nicht die schönste aber wir genossen es sehr, einfach wiedereinmal nebeneinander her zu gehen und zu quatschen. Und nach 10 Minuten war auch das Heizungsthema durch und wir widmeten uns mal wieder anderen Themen. Es ist wirklich schön so Zeit füreinander zu haben und einfach ein wenig zu quatschen. Ohne Ablenkung. Sollte man eigentlich auch Zuhause öfters einmal machen. 





So waren wir nach einer halben Stunde dann doch noch bei den Inseln angelangt und staunten wieder über die norwegische Schönheit. Die kleinen Felseninseln, mit grün bewachsenen Ebenen, bewacht von schreienden Möwen. Weit hinten am Horizont tat sich die Wolkendecke auf und machte das Schauspiel perfekt. Es tat so gut nach all dem Ärger einfach wieder an so einem Ort in der Natur zu stehen und die Batterien mit ihrer Schönheit aufzuladen. Natürlich schossen wir einige Fotos bevor wir uns auf den Rückweg machten. Es war erst kurz nach 20:00 Uhr als wir schon wieder am Wohnmobil waren. Die richtige Zeit um noch unter die Decke geknuddelt ein paar Seiten in unseren Tolinos zu lesen. 





Donnerstag, 19. Juli 2018

Die Kälte ist zurück

Pünktlich um 08:00 Uhr standen wir heute ausgeschlafen vor der Werkstatt und drängten an den Empfang. Der Parkplatz war nicht mehr so gefüllt wie gestern und von den 10 Mobilen, welche hier übernachtet hatten waren wir auch die Ersten. Trotzdem hiess es natürlich, dass wir uns ein wenig noch gedulden müssen.

Die Temperaturen heute waren nicht mehr so hoch wie gestern. Ein kleines Lüftchen kühlte das Wohnmobil aus und langsam zogen auch immer mehr Wolken auf. So hatten wir heute die Motivation die Zeit wieder sinnvoll zu nutzen. Das Wohnmobil wurde aufgeräumt, geputzt und kleinere Dinge repariert. So ist es nun wieder ordentlich unter dem Bett und in meiner kleinen Werkstatt im Heck des Mobils. Zudem freuen wir uns, dass die Badezimmertüre nicht mehr quietscht und die Dichtung am hinteren Dachfenster wieder richtig montiert ist. Nebenbei haben wir immer wieder ein wenig in unseren Tolinos gelesen und uns unterhalten. So war dann doch schnell schon Mittag und meine Geduld liess langsam nach. So begab ich mich wieder an den Empfang und diskutierte ein wenig mit dem Mitarbeiter dort. Dies tat ich so lange bis dann der Chef nach vorne kam und 10 Minuten später stand unser Wohnmobil in der Garage.

Dort passierte lange nichts. Ich dachte schon, man hätte es einfach in die Halle gestellt, damit ich Ruhe gebe, als der Chef persönlich mit einem Mechaniker, einem Lehrling und dem Diagnosegerät an unser Womo trat. Schnell wurde die Heizung freigelegt und der Computer eingesteckt. Schon bequem heutzutage, wenn man den Fehler nicht mehr selber suchen muss. Doch reparieren muss man es dann eben doch noch selber. Uns wunderte vor allem, dass zuvor über einen Tag lang niemand Zeit hatte und nun gleich drei Personen 15 Minuten auf einen PC-Bildschirm glotzen konnten. Aber uns soll es ja recht sein. Nach diesen 15 Minuten wurde der PC zusammengepackt und das Womo aus der Garage gefahren. Ohne Funktionstest oder dergleichen. Ein schlechtes Zeichen.

Und so war es dann auch ein wenig. Die gute Nachricht: es ist nur die Zündkerze, welche defekt ist (laut Diagnosegerät). Die Schlechte: sie hätten weder eine solche Zündkerze, noch jemanden der weiss wie man diese ersetzt. Na super. Dann kam aber nochmals eine gute Nachricht. Sie hatten den Importeur kontaktiert und dieser bestätigte, dass eine Challenger-Garage in Tromso so eine Zündkerze an Lager hat. Und nach Tromso fahren wir ja sowieso. Es keimte langsam Hoffnung auf und wir malten uns schon ein wenig aus, dass wir unser Womo nächste Woche in diese Garage stellen können. So wird die Heizung repariert und unser Womo muss nicht am Flughafen stehen (günstiger und sicherer). Die Leute in der Garage waren nun wirklich nett und wegen der langen Wartezeit mussten wir sogar nichts bezahlen. Sehr fair! So beschlossen wir uns im Shop noch den Teppich zu kaufen, welchen wir gestern dort entdeckten um doch noch ein wenig Geld hier zu lassen.

Die Werkstatt gab uns die Daten der Garage in Tromso und wir beschlossen dort anzurufen. Es handelt sich dabei schliesslich auch um die letzte Truma- und Challenger-Vertretung auf unserer Reise bis Polen. Weder Schweden, Finnland noch die baltischen Staaten haben eine solche Vertretung. Wir wurden schnell weitergereicht und man bestätigte uns, dass ein solches Teil vorhanden sei. Man könne es uns auch ersetzen – am 20. August 2019. Also in einem Monat. Haaaaaalt! So nicht! Ich diskutierte Ewigkeiten mit dem Werkstattleiter am Telefon. Das ersetzen der Zündkerze ist eine Sache von 30 Minuten und ein kleiner Notfall. Uns da einen Monat warten zu lassen... das geht doch nicht. Aber geht anscheinend wohl. Man bot uns an das Teil abholen zu können und uns eine Garage zu suchen, welche es einbaut. Doch bei ihnen hätten wir keine Chance. Ja Scheisse nochmal. Entschuldigung. Aber das machte mich jetzt wirklich wieder wütend. Da hat man endlich das Teil und alles und dann weigern die sich hier einfach wieder dieses auszutauschen. Ja also die Dienstleistungen hier in Norwegen sind tatsächlich noch schlechter als ihr Ruf.

Wir rätselten also hin und her. Heute kamen wir nicht mehr weiter. Also entschlossen wir uns, Morgen dort hinzufahren und nochmals mit der Garage zu sprechen. Am Telefon ist es immer leicht jemanden abzuwimmeln. Wir werden alles versuchen. Mindestens das Ersatzteil kaufen. Vielleicht erreichen wir über Truma (Heizungshersteller) oder Challenger (Womohersteller) noch etwas. Denn diese Garage schimpft sich ja Servicecenter und da kann es ja kaum sein, dass man einen Monat für eine 30 Minütige Notfallreparatur warten muss.

Wir machten uns also auf den weiteren Weg in den Norden. Die Stimmung war natürlich ein wenig betrübt. Es ging dabei nicht einmal um die Heizung selbst. Wir erfrieren nicht ohne. Und duschen müssen wir dann eben auf dem Campingplatz oder in einem Hallenbad (geht meistens für ein paar Franken) – nein es ist die Art der Leute hier, einem einfach desinteressiert wegzuschicken. Nichteinmal nette Worte finden sie meist. Das nervt uns total. Doch bevor wir morgen in Tromso einrollen,wollten wir noch einen Halt im Grünen machen. Auf dem Weg befindet sich mit der Jettegryter noch eine sehenswerte Schlucht. Diese wollten wir nun also besuchen und fanden uns schon bald auf einer Schotterpiste wieder. Diese wurde immer enger, bis wir uns irgendwann dachten, dass diese Piste jetzt also sogar für Schulz-Verhältnisse sehr gewagt ist. Ein Blick aufs Smartphone verriet uns dann, dass wir uns auf der falschen Flussseite bewegten. Die richtige Schotterpiste wartete auf der anderen Seite. Also wendeten wir und fuhren gegen die dunkeln Wolken, welche bedrohlich blitzend in unsere Richtung zogen. So wird wohl aus der Wanderung nichts und aus der Schotter- eine Schlammpiste. Also verzichteten wir auf den Abstecher und fuhren weiter. Kurz später brach es aus den Wolken und die Strassen wurden zu kleinen Bächen. Der Belag hier in Norwegen ist nicht so eben wie bei uns und die vielen Löcher und Spurrillen sorgten für Bootfahrt-Feeling.

So gab es noch einen Stopp um zu tanken und einen um einzukaufen, ehe wir an einem kleinen Picknickplatz im Grünen unser Nachtlager bezogen. Melanie kochte leckere Köttbullar, nachdem ich mich als Heizungsmonteur versuchte und Teile der Heizung auseinandernahm. Nur mit einer Explosionszeichnung bewaffnet. Wenn uns niemand hilft dann muss es eben selber gehen. Doch ich scheiterte an der Demontage. Vielleicht geben die uns in der Garage wenigstens dafür einen Tipp oder wir rufen einmal nach Schwarzenbach in unsere Stammgarage an – vielleicht kann der Womo-Heiler Herr Lehmann uns erklären wie wir vorgehen müssen. Irgendwie sollte das doch zu machen sein.

Noch ist es im Womo warm, nur Melanie holte sich wieder kalte Finger beim Abwasch. Langsam sind wir am Ende mit unserem Latein und irgendwie interessiert es niemanden. Keine Werkstatt, keinen Hersteller, keinen Service. Mal sehen wie diese unschöne Geschichte weitergeht. Natürlich versucht man sich die Laune nicht verderben zu lassen. Doch gerade an so Tagen wie heute ist dies nicht so einfach. Doch wir haben ja Spitzbergen vor Augen: 5 Tage auf welche wir uns richtig freuen.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Es geht heiss zu und her in der Wohnmobilwerkstatt

Wiederum lag eine ruhige Nacht hinter uns, als uns die Hitze heute aus dem Bett drückte. Das Wohnmobil hatte sich auch früh morgens schon wieder aufgeheizt und dementsprechend erwartete uns vor der Türe ein strahlend blauer Himmel und eine lachende Sonne.

Zügig machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Bardufoss. Hier befindet die einzige Wohnmobilwerkstatt Nordnorwegens, welche sich mit Truma-Heizungen auskennt und auch Bereitschaft signalisierte uns zu helfen. Wir wurden jedoch am Telefon schon vorgewarnt, dass wir keinen Termin vereinbaren können und die Warteschlange teilweise mehr als einen Tag lang ist. Dies ist hier in Norwegen ganz normal – nicht nur bei Werkstätten.

Und so fanden wir uns gegen 10 Uhr in ebendieser Warteschlange. Sofort kam ein sehr netter Herr und schaute sich das Problem schon einmal grob an. Der Fehlercode, welcher die Heizung von sich gibt, wurde notiert und abgeklärt. Dann aber die schlechte Botschaft: da muss ein Mechaniker ran. Und auf einen solchen hiess es eben zu warten. Zu Beginn dieser Wartezeit begaben wir uns noch ein wenig in den riesigen Shop und die Womo-Ausstellung. Eine riesige Firma hier, welche vor allem Hymer und Bürstner in ihrer Ausstellung präsentiert. Ein einziges Wohnmobil konnte uns überzeugen, vielleicht einmal der Nachfolger unseres Womos zu werden. Doch bis dahin werden wir noch einige Reisen zusammen unternehmen. Gekauft haben wir jedenfalls kein neues Wohnmobil. Zumal die Preise hier auch beinahe das Doppelte betragen wie in der Schweiz. Unter 120'000 Franken findet man hier kein rollendes Zweitheim – und trotzdem hat fast jeder Norweger eines. Neben seinem 120'000 Franken Tesla (oder 150'000 Franken Volvo) und seinem schicken Eigenheim. Und das mit 28 Stunden arbeiten die Woche...

Auch einen Abstecher in den Shop wagten wir noch und schafften es tatsächlich ohne einen Einkauf diesen wieder zu verlassen. Beinahe wäre es ein kleiner Tisch geworden. Doch um 5cm passte dieser nicht unter das Bett und muss darum auf einen anderen Käufer warten. Die Warteschlange draussen war gewachsen und vor uns nahm sie leider überhaupt nicht ab. Die Werkstatt arbeitete unter Hochdruck und sogar die Mittagspause wurde durchgearbeitet. Wir sassen indessen in unserem Wohnmobil und schwitzten vor uns hin. Die Hitze war heute echt wieder beinahe unerträglich und das Womo zeigte teilweise 38°C Aussentemperatur an. Es war eine kleine Qual hier zu warten. Doch verlorene Zeit war es keineswegs. Zumal wir heute bei der Hitze sowieso keine Wanderung oder dergleichen unternommen hätten und „nur“ an einem See gelegen hätten. Immerhin an einem See. Aber so konnten wir endlich ein paar Dinge erledigen, welche schon länger anstanden. Die Visa wurde neu geladen, Rechnungen schon einmal bezahlt, diverse Sachen gegoogelt, gelesen, ich schrieb Texte für die Homepage eines neuen Sportprojekts – wir hatten einiges zu tun. So wurde uns nicht langweilig. 

 


Kurz vor 16:00 Uhrmachte ein Angestellter dann die Runde und erklärte uns, dass heute nichts mehr laufen wird. 28 Stunden Arbeitswoche heisst eben auch, dass um 16:00 Uhr überall Schluss ist und so auch hier in der Werkstatt. Wir sollen morgen um 08:00 Uhr wieder hier sein und er setze sich für uns ein. Doch auch für morgen kann er einfach nichts versprechen. Wir dürften aber hier auf dem Areal übernachten. Kostenlos inklusive Strom und Frischwasser. Sehr freundlich.

Wir packten unsere sieben Sachen und machten uns schnellstmöglich auf den Weg an den nächsten See. 15 Minuten später war dieser erreicht und wir schmissen uns in das Wasser. Doch dieses war heute gar nicht so kalt. Der Bodensee ist meist kälter und dieser liegt 2'454 Kilometer südlicher. Wir planschten eine Weile in dem See und beschlossen uns danach, doch noch etwas aus dem Abend zu machen. Dazu steuerten wir den nahen Malselvfoss an. Ein Wasserfall mit Lachszentrum, nur ein paar Kilometer von der Werkstatt entfernt. Wir parkten ein wenig weg vom Touristenzentrum (da kostet es Gebühren und Eintritt) und schlugen uns über einen kurzen Trampelpfad durch den Wald. Nur um da zu stehen wo die zahlenden Touristen nun auch standen. Wir fotografierten den schönen Wasserfall und machten noch einen Abstecher zum Lachsfenster. Dort konnte man durch ein Fenster in das Wasser der Lachstreppe sehen. Wir waren ganz schön erschrocken, was dort für riesige Brummer ihre Kreise zogen. Solch grosse und schöne Lachse sahen wir selten. Wir kraxelten den Trampelpfad wieder zu der kleinen Anhöhe hinauf und machten uns auf den Rückweg. 






Bei der Werkstatt auf dem Stellplatz waren wir natürlich nicht alleine. Doch Platz war genügend und wir stellten uns auf den Kiesplatz, welcher an ein Wäldchen grenzt. Hier konnten wir sogar grillen und draussen essen. Die Hitze erinnert auch heute noch an den jährlichen Sommerurlaub in Süditalien und wir hofften auf eine kleine Abkühlung, als Wolken aufzogen. Doch diese zogen vorbei und wir müssen heute wohl mit der Hitze leben. Duschen würde abkühlen – denn kaltes Wasser haben wir auch nach dem heutigen Tage noch. Wollen wir hoffen, dass sich das morgen doch noch ändert. Ansonsten wird es langsam knapp. Sonntags geht unser Flieger in ein definitiv kälteres Gebiet dieser Erde.


Dienstag, 17. Juli 2018

Ein Sommertag in Narvik

Mitternachtssonne ja oder nein? Diese Frage stellten wir uns gestern zwischen 23:00 und Mitternacht einige Male. Da war sie wie wieder hier, jedoch nur um kurz darauf wieder hinter der Wolke zu verschwinden. Doch war sie Mitternacht da? Wir würden sagen jein. Sie schien, jedoch nicht ganz direkt und ungehindert. So eine halbe Mitternachtssonne also – doch besser als nichts. Wir standen auf dem Damm und schauten uns das Schauspiel an, schossen Fotos und hatten Spass, dass es um Mitternacht so aussieht, wie bei uns kurz nach 21:00 Uhr. Das Problem kam erst danach. Wir stellten uns noch ein paar Meter weiter auf einen grösseren Parkplatz zu den anderen Wohnmobilen und wollten schlafen. Doch wenn man erst um halb eins nachts die Rollläden schliesst, wird das nichts mit baldigem Schlaf. Es war nach halb zwei als unsere Tolinos schlafen gingen und mit ihnen auch wir. 



Klar stellten wir den Wecker da heute nicht auf 07:30 Uhr, sondern erst später. Doch wir erwachten irgendwie schon vor dem Wecker. Wieso denn das nun wieder? Wir mussten nachdenken, ehe wir bemerkten, dass es derselbe Grund ist wie im Sommerurlaub: die Hitze. Die Sonne heizte unser Wohnmobil und liess uns schnell die Fenster öffnen. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und warme Temperaturen warteten also auf uns und wir folgten dem Ruf.

Diesem Ruf folgten wir nach Osten und verliessen somit nun auch die Vesteralen. Eine wundervolle Insel, welche den Lofoten in nichts nachsteht und viel weniger von Touristen besucht ist. Damit ist hier die leichte Abneigung Wohnmobilen gegenüber, welche auf den Lofoten mittlerweile spürbar ist, nicht ganz so ausgeprägt. Hier kann man noch überall frei stehen und der Nachbar aus dem Haus nebenan kommt eher noch auf einen Schwatz vor die Tür, anstelle einem wegzuschicken. Wieder auf dem norwegischen Festland hielten wir den östlichen Kurs in Richtung Bjerkvik. Einen kleinen Abstecher gönnten wir uns, welcher uns an einen langen, weissen Sandstrand führte. Leider war gerade Ebbe und der Strand sah nicht so einladend aus wie gedacht. Das hinderte uns nicht daran ein klein wenig dort zu verweilen und einen Spaziergang am Strand zu unternehmen. Wir blätterten also so in unserem Reiseführer und bemerkten, dass unser nächstes Ziel wohl erst Narvik sein wird. Dies bedeutet zwar einen Abstecher von fast 40 Kilometern pro Weg in Richtung Süden, doch das wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Unser Reiseführer empfahl uns wärmstens den Besuch des Geysir von Narvik, welcher um 13:00 Uhr täglich ausbricht. Wir drückten die Koordinaten in unser Navi und die Ankunftszeit betrug 13:03. Nun aber nichts wie los. 



Nördlich von Narvik mussten wir noch einen Fjord-Arm umfahren. Nicht mehr viele werden wohl in diesen Genuss kommen, da man für die E8 gleich bei Narvik eine riesige Brücke über den Fjord baut. Die Baustelle und die Brücke sahen sehr imposant aus. Kaum hatten wir den Stadtrand erreicht, verfolgten wir schon einer Strasse, welche uns den Berg hinauf führte. Vorbei an der Talstation der Fjellheisbahn, immer weiter nach oben. Bis zu einem kleinen Kraftwerk. Dieses wurde in die Trinkwasserhauptleitung gebaut, welche die Stadt mit dem kostbaren Wasser versorgt. Das Kleinkraftwerk produziert pro Jahr so 10 Gigawatt Strom, womit es 500 Haushalte mit Strom versorgen kann. Dank wenig Verkehr zeigte die Uhr erst 12:55 Uhr und wir konnten sogar noch die wundervolle Aussicht über die Stadt geniessen, ehe pünktlich auf die Sekunde der Geysir ausbrach. Nein natürlich kein echter. Aus welchen Gründen auch immer lässt das Kraftwerk täglich um diese Zeit, das Wasser aus einem Rohr an der Aussenfassade des Gebäudes schiessen. Mit 44 Bar Druck erreicht die Fontäne eine Höhe von 75 Metern. Wenn man da nicht aufpasst, wird man schnell einmal nass hier. Wir nutzten den feinen Wassernebel der 10 minütigen Vorstellung, zu einer Abkühlung ehe wir hier mit Blick über die Stadt zu Mittag assen. 





Nun war aber die Erzverladestadt Narvik an der Reihe. Wo Erz verladen wird gibt es auch Minen? Wieder ein Jein. Hier wird tatsächlich Erz aus einer Mine verladen. Diese befindet sich jedoch beinahe 300 Kilometer entfernt in Schweden. Die Mine von Kiruna ist aber dann auch nicht irgend eine Mine, sondern die Grösste der Welt. Und sie wächst noch immer. Die Stadt Kiruna befindet sich deshalb momentan gerade im Umzug. 19'000 Einwohner werden mitsamt allen Gebäuden, Einrichtungen und allem umgesiedelt. Man stelle sich den Aufschrei in der Schweiz vor, würde man Frauenfeld komplett umsiedeln. Hier wo die Mine der grösste Arbeitgeber ist, stellten sich nur sehr wenige gegen die Vergrösserung der Mine, dessen Erz mit dem Zug, der Ofotban nach Narvik gebracht und mit Schiffen in die Welt versandt wird. Diese Bahn wollten wir heute für einen kleinen Wanderausflug benutzen und uns die tolle Bahnlinie ins Fjell ansehen. Aber die Wanderung würde 2,5 Stunden dauern und der Zug für den Rückweg fährt erst über 5 Stunden später. Das war uns zu viel Zeit zum Rumsitzen und wer uns kennt, weiss, dass wir das nicht mögen. Dafür machten wir nun einfach ein wenig die Stadt unsicher. Das Womo konnten wir gratis parken und uns zu Fuss auf den Weg in die sehr gepflegte Stadt begeben. Hier gefiel es uns wirklich sehr. Eine saubere, freundliche und sehr ausgeräumte Stadt. Die Plätze schienen alle neu angelegt, die Gebäude eben erst fertiggestellt. Das Erz scheint auch hier die Kassen zu füllen. Besonders freuten uns hier aufgestellte Trinkbrunnen, welche bei der heutigen Hitze erfreulich kaltes Wasser von sich gaben. Wasser das schon durch die Turbine des Kleinkraftwerks geflossen war. 






Die Hitze war nun aber wirklich langsam zu viel. Das Thermometer des Autos vermeldete nach dem Parken 37°C, welches sich nach der Abfahrt jedoch relativierte, jedoch nicht unter 28°C fiel. Nun musste wieder ein Badeplatz her. Schnellstens! Und schon am Stadtrand von Narvik entdeckten wir diesen und warfen uns in Badebekleidung. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, welche heute schwitzten und um Abkühlung bettelten. Die Liegewiese war gut gefüllt mit allerlei Leuten. Die Jugend versammelte sich natürlich hier um den heissen Ferientag am kühlenden Fjord zu verbringen. Aber auch viele andere Einwohner schienen Ferien zu haben oder gerade nicht zu arbeiten. Kein Wunder – die Wochenarbeitszeit in Norwegen beträgt im Sommer 28 Stunden (im Winter 37,5 Stunden). Die Stimmung war auch hier wieder wunderbar friedlich. Abwechselnd kümmerte sich eine Gruppe Jugendlicher um die musikalische Beschallung (in anständiger Lautstärke), Leute grillten und Kinder hetzten Bällen über die Wiese und zwischen den liegenden Gästen hindurch. Hier in Norwegen scheint die Toleranz anderer Leute gegenüber ein wenig grösser zu sein als wir das von Zuhause kennen. Wir stürzten uns natürlich auch ins Wasser, lasen auf unseren Tolinos und gönnten uns noch unsere Kannelbollen, welche wir uns zuvor noch bei Spar kauften. Falls ihr jemals nach Norwegen fahrt: die müsst ihr unbedingt essen. Eine Art Zimt-Nuss-Blätterteig-Schnecke. Super Lecker!

So verbrachten wir also unseren Nachmittag mit ein wenig Sommerurlaubsfeeling. Man weiss nie ob das nächste Mal erst wieder 2019 sein wird. Erst nach 17 Uhr machten wir uns auf die Weiterfahrt in den Norden. Morgen wollen wir in Bardufoss sein, wo sich die Womo-Garage befindet, welche vom Hersteller unserer Heizung als „Servicepartner“ angegeben wird. Ein Anruf dort bestätigte uns letzte Woche ja schon, dass sie wenigstens ein Diagnosegerät besitzen. Heizen müssen wir momentan ja wirklich nicht – doch warmes Wasser fehlt noch immer. Wir fuhren also noch ein paar Kilometer in diese Richtung bis zu einem Übernachtungsplatz, welcher unser Reiseführer uns empfahl. Und siehe da: im Gegensatz zu den Womos am teuren Camping ein paar Kilometer zuvor, standen wir hier mit einer traumhaften Aussicht über einen Arm des Fjords. Leicht erhöht mit viel Grün und ebenen Plätzen. Das Hotel, welchem diese Plätze einst als Parkplatz diente, ist verlassen und so stören wir hier niemanden. Auch unsere Nachbarn nicht, ein Norweger und ein Berner Womo, sowie eine Jurassierin in ihrem Auto. Wir packten sofort die Stühle aus, heizten den Grill ein, öffneten ein Bier – und schnell war 22:00 Uhr. Doch die Sonne liess uns das auch heute vergessen. 


Montag, 16. Juli 2018

Das Comeback der Sonne auf den Vesteralen

Wundervoll ausgeschlafen wachten wir heute auf, als der Wecker klingelte. Nichts störte unsere Nachtruhe. Keine Möwen, keine Menschen, keine Autos und keine Naturspektakel. Eine richtig erholsame Nacht war das. Als kleine Zugabe sah auch das Wetter heute gar nicht so schlecht aus. Der Nebel und die Wolken waren ein wenig höher und so war unten auf der Erde die Sicht relativ gut.

Wir nutzten dies und machten uns von unserem Schlafplatz auf den Weg nach Nyksund. Eine Schotterpiste führte uns über einige Kilometer in dieses Fischerdorf an der Aussenkante der Vesteralen. Neben den erfolgreichen Fischern lebten hier auch einige Pelztierzüchter, welche zehntausende Füchse in Zuchtfarmen hielten. Der Ort boomte, was man auch heute noch an den grossen Bryggen erkennen kann. Doch in den Siebzigern kam der Umschwung. Der Staat setzte Umsiedlerprämien aus, um die grösseren Häfen wie zum Beispiel den von Myre im Süden zu festigen. Nyksund wurde verlassen und zum Geisterdorf. Seit 1984 wohnen jedoch wieder Menschen in dem kleinen Ort. Ein Jugendprojekt machte Nyksund bekannt und private Investoren helfen auch heute noch den Ort vor dem Zerfall zu retten und sogar Stück für Stück in den Zustand der glanzvollen Zeiten zu versetzen. Wir entdeckten viele Häuser, welche frisch renoviert oder gerade in Renovation waren, aber auch Gebäude, welche sehr zerfallen sind. So war es eine Mischung zwischen Lost Place und neuem Fischerdorf. Sehr eindrücklich und interessant. Nach einem Rundgang auf dem wir praktisch alleine waren, machten wir uns wieder über die Schotterpiste auf die Weiterreise.





Kurz vor unserem Schlafplatz der letzten Nacht rissen wir einen Nothalt. Da war doch tatsächlich noch ein klein wenig Stockfisch aufgehängt. Eine kleine deutsche Reisegruppe machte sich schon über die Farm her und schoss Fotos. Wir glauben gewissen Leuten fiel nicht einmal auf, dass wir nicht zur Gruppe gehörten. Wir kamen so also doch auch noch in den Genuss Stockfisch zu betrachten. Einiges appetitlicher und weitaus geruchsärmer als die Köpfe auf den Lofoten. 




Wir machten uns auf den Weg zur nächsten Halbinsel, welche ebenfalls noch zu den Vesteralen gehört. Den grossen Abstecher nach Andenes zur Walbeobachtung liessen wir aus. Die 1200 NOK (fast 150 Franken) pro Person waren uns dann doch etwas zu heftig und vielleicht haben wir auf Spitzbergen ja dann Glück, wo wir definitiv eine Schiffsreise unternehmen werden. So bot uns diese Halbinsel nur die Möglichkeit einzukaufen, das Womo zu entsorgen und zu tanken. Eine Fähre (welche uns wieder unter 6 Metern taxierte) brachte uns dann auf die dritte und letzte Halbinsel, welcher wir wieder ein bisschen mehr Beachtung schenken werden. Als wir die Fähre verliessen schien uns diese jedoch nicht nur auf eine andere Halbinsel gebracht zu haben, sondern in eine weit entfernte Destination. Denn plötzlich schien die Sonne und der Himmel war fast durchwegs blau. 



So machten wir uns auf den Weg zum nördlichsten Punkt der Halbinsel. Unser Reiseführer schlug uns dort den Badeplatz Elgsnes vor und der sah im Buch ganz passabel aus. Die Anfahrt selbst war schon ein Spektakel. Erst die wundervolle Sicht über einen kleinen Zipfel des Fjords und auf dem weiteren Streckenverlauf begegnete uns dann auch noch das erste Rentier. Mitten auf der Strasse stand es, machte im Gegensatz zu den Schafen jedoch sofort Platz um uns passieren zu lassen. Ein echtes und lebendiges Rentier in freier Wildbahn. Ein riesiges Erlebnis. Kurz später überwanden wir eine Anhöhe und konnten unseren Blick erneut über einen tollen Fjord schweifen lassen. Wir schossen einige Fotos, welche beinahe die letzten unserer Spiegelreflex geworden wären. Kurz später lag die Kamera auf dem Boden. Hart war sie aufgeschlagen. Doch sie war nicht die Einzige – nein ich fiel mit ihr. Die hinterlistige Leitplanke hatte beim Überqueren nach meinem Schuh gegriffen und heftig daran gezogen. Und so kam es, dass ich mich ordentlich auf die Fresse legte. Inklusive aufgeschürftem Handgelenk und rot glühender Handballen. Melanie war aber so nett und hat mir geholfen. Gleich nachdem sie sich vergewisserte, dass der teuren Kamera auch keinesfalls etwas passiert war. Naja – immerhin kam ein schönes Foto dabei raus. Ich bitte den Leser dieses Foto besonders zu betrachten, nun wo er weiss, wie viel Schweiss und Blut dahintersteckt. 


(Dieses Foto bitte speziell gut beachten)

Auch hier lag eine längere Schotterpiste vor uns, ehe wir an unserem Ziel waren. Diese verschwieg uns der Reiseführer zwar, sie war jedoch gut zu befahren. An ihrem Ende war dann auch wirklich das Ende. Ein Parkplatz für vielleicht zehn Autos und ein wundervoller Strand. Eine Bucht wie aus dem Bilderbuch. Nur das eine dicke Schwemmholz am Strand trübte dessen Reinheit. Doch halt! War das wirklich Schwemmholz? Nein das ist doch... kann das sein? Wir wagten uns langsam an das vermeintliche Holz und waren uns schnell sicher, dass es ein Rentier ist. Ein Rentier, welches hier am Strand liegt und die sommerlichen Temperaturen im Sand geniesst. Wir waren ganz aus dem Häuschen und konnten uns dem Tier auf etwa 20 Meter nähern. Es schien uns nicht wahrzunehmen und blieb liegen. Es stand nur einmal kurz auf um seine Position ein wenig zu verändern und legte sich dann unter lautem Gestöhne wieder hin. Es war sehr eindrücklich sich so einem Rentier in freier Wildbahn so zu nähern und dann noch an einem Traumstrand. Wir waren hin und weg. Kurz später war es dann auch das Rentier und es wanderte ein wenig weiter, blieb jedoch in der Bucht am Wasser stehen. Wir trafen dann noch auf vier Einheimische, welche ebenfalls das Rentier beobachteten. Lange redeten wir über unseren Trip und sie versorgten uns mit einigen Tipps für die Umgebung.




Nun war es aber an der Zeit unsere Badesachen anzuziehen und uns ins kalte Nass zu stürzen. Kalt war hier wirklich wiedereinmal Programm. So kalt war es wohl seit dem Fjord in Flam nicht mehr. Doch erfrischend und belebend war es natürlich auch so und wir verliessen das Wasser erst, als wir bemerkten, dass rund herum überall hunderte von kleinen Quallen mit uns die Bucht teilten. Also schnell zum Wohnmobil und das Salzwasser abgeduscht. Das ungeheizte Wasser schien heute nicht einmal so kalt.




Der weitere Weg führte uns wieder die schöne Strecke zurück, ehe wir nach links in Richtung Harstad schwenkten. Dort legten wir nur einen kleinen Halt ein. Wir besuchten die Anna Rogde. Eine alte Dame, welche einen Weltrekord hält. Sie ist das älteste noch eingesetzte Zweimast-Segelschiff der Welt. Ihre erste Reise bestritt sie 1868 und auch heute läuft sie noch regelmässig aus dem Hafen von Harstad aus. Man könnte in dieser Stadt auch noch das Grottenbad besuchen – was wir auch kurz noch auf dem Schirm hatten. Ein Hallenbad und Spa, welches sich in einer Grotte unter der Stadt befindet. Also total im Untergrund. Hört sich speziell an, sieht speziell aus, ist jedoch vor allem auf Familien mit kleinen Kindern ausgelegt und nicht auf Paare, wie teilweise andere Erlebnisbäder und Wellnessoasen. 



Unser letztes Ziel des Tages lag 30 Minuten südlicher und ist wiederum ein Badeplatz. Von hier soll man einen wundervollen Blick auf die Mitternachtssonne haben, wenn die Sonne dann scheint. Und das tat sie. Wir stellten uns auf den grossen Parkplatz, grillten und liessen uns das Abendessen schmecken. Nun beim Schreiben des Blogs erscheinen langsam die ersten Wolken am Himmel. Keine grossen und nichts schlimmes. Doch wir haben trotzdem schon wieder ein wenig Angst, unsere erste Mitternachtssonne doch noch zu verpassen. Hier in Norwegen ist diese noch knapp bis zum 25sten Juli zu sehen und bis da weilen wir ja noch einige Zeit in Spitzbergen. Dort erwarten wir wegen dem typischen Wetter (bewölkt) keine Mitternachtssonne. Umso mehr hoffen wir auf heute. Ob wir sie wohl sehen werden? Wir wissen es in wenigen Stunden und ihr erfahrt es gleich morgen.