Montag, 10. September 2018

Wandertag im Dzukija Nationalpark

Wie erwartet lag eine ruhige Nacht hinter uns, als wir uns zum Frühstück an den Tisch setzten. Hier am Ende der Strasse kam die ganze Nacht kein Auto vorbei und nichts störte unseren Schlaf. Wir berieten uns beim Frühstück, ob wir nun die Wanderung durch den Nationalpark doch noch in Angriff nehmen oder ob wir direkt weiterfahren. Schlussendlich war aber klar, dass wir den Rundweg, welcher auch in Jonas Reiseführer beschrieben war, noch erwandern möchten. Nachdem alles gepackt war begaben wir uns auf die sieben Kilometer.

Der Weg startete durch einen wunderschönen Wald. Wir wanderten auf einem schmalen Pfad, welcher sich zwischen den Bäumen hindurch schlängelte, die aus dem moosigen Boden in den blauen Himmel ragten. Wie überall hier im Baltikum wuchsen hunderte Pilze aus dem Boden und warteten auf die fleissigen Einheimischen mit ihren Körben. Unsere Pilzkenntnisse reichten leider nicht aus, um uns hier ein Nachtessen zu sammeln. Eine Pilzkontrolle wie in der Schweiz wird hier ja wohl nicht zu finden sein. Wir verliessen den Wald kurz um ein kleines Stück dem Bahndamm entlang zu spazieren, ehe wir in ein sumpfiges Gebiet vorstiessen. Hier spiegelte sich die Sonne in den kleinen Seen. In den Seen wuchsen viele Sträucher und Bäume, sodass wir annehmen mussten, dass nicht immer so viel Wasser hier stand. Diese Vermutung wurde auch bald bestätigt, als wir einen Steg überqueren sollten. Diese hölzerne Brücke stand heute leider komplett unter Wasser und war unpassierbar.





GPS-Gerät sei Dank konnten wir dieses Problem lösen und waren nach ein paar Minuten querfeldein schon wieder auf dem Wanderweg. Die Piste wurde nun immer sandiger. Den Höhepunkt erreichte dies, als wir nach einigen Minuten auf einer Sanddüne von der Grösse eines halben Eishockeyfeldes standen. Die Sonne brannte hier auf uns hinunter und man konnte meinen, wir seien in der Wüste gelandet. Wir durchquerten in der Folge ein kleines Dorf, welches sich total vom restlichen Litauen unterschied. Hier lebten die Menschen in alten, aber gut erhaltenen, Holzhütten. Hühner und Schafe rannten im Hof herum, Hofhunde bewachten das kostbare Gut. Hier schien die Welt stehen geblieben zu sein. Wir verliessen das Dorf mit seinen sandigen Strassen und tauchten wieder in den Wald ein. Schon lange waren die sieben Kilometer vorbei und wir waren noch weit weg von unseren Wohnmobilen. Doch die traumhafte Natur liess uns dies vergessen. Durch hohes Gras und duftenden Farn verfolgten wir einen kleinen, klaren Fluss und konnten von Hügeln aus mehrmals auf seine schön geschaffene Ebene blicken. Zuletzt ging es nochmals durch ein Dorf. Dieses Mal ein Grösseres. Hier waren die Häuser wieder gemauert und einige Jugendliche vor der Schule belebten das Dorf. Noch schnell über die Bahngeleise und so standen wir nach 13,8 Kilometern wieder an unseren Fahrzeugen. Eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Wanderung. Wohl die vielfältigste auf der bisherigen Reise. Wir freuten uns, dass wir uns dazu entschlossen hatten, die Runde zu wandern. Überhitzt hüpften wir in den See und gönnten uns danach ein leckeres Mittagessen.








Nun war es aber an der Zeit weiter zu fahren. Das nächste Ziel hiess Druskininkai. Dort kauften wir noch kurz ein, ehe wir uns in die Stadtmitte zur Tourist-Info begaben. Im dortigen WLAN planten wir unsere Route durch Polen, damit wir für die nächste Etappe bereit sind. Vier Stunden entfernt lag unser nächstes, wichtiges Ziel und so entschlossen wir uns, noch die Hälfte der Route zu fahren. Wir kurvten durch Druskininkai und betrachteten das ordentliche und moderne Städtchen aus den Fenstern ehe wir schon bald nach Polen einreisten. Die Einreise war wie immer kein Ding. Innerhalb der EU kennt man ja keine Grenzen mehr. Zum Lachen brachte uns aber das Schild, welches in jedem Land nach der Grenze steht, und einem die üblichen Geschwindigkeiten im Lande anzeigt. In Polen wären dies:

Innerorts zwischen 05:00 Uhr und 23:00 Uhr      50km/h
Innerorts zwischen 23:00 Uhr und 05:00 Uhr      60km/h
Ausserorts einspurige Strasse                               90km/h
Ausserorts zweispurige Strasse                           100km/h
Autostrasse einspurig                                          100km/h
Autostrasse zweispurig                                        120km/h
Autobahn                                                             140km/h

Ein riesiger Wirrwarr. Doch wie in den baltischen Ländern bemerkten wir bald, dass hier die Geschwindigkeiten ebenfalls höchstens als Empfehlung angesehen werden. Schon bald erreichten wir unseren Übernachtungsplatz in der Nähe eines Sees. Es dämmerte schon als wir unsere Mobile auf dem Platz abstellten und den Grill einheizten. Dieser verweigerte heute erst den Dienst, sodass die Beilagen zuerst ohne Fleisch gegessen werden mussten. Das leckere Schaschlik verspeisten wir dann sozusagen als Nachspeise. Ein mystischer Bodennebel zog durch die Dunkelheit und ermahnte uns langsam die Betten aufzusuchen. Dies taten wir dann auch und so löschten wir die Lichter heute für einmal ein bisschen früher.

Sonntag, 9. September 2018

Ein gemütlicher Tag im litauischen Nationalpark

Als morgens der Wecker klingelte lag eine ruhige Nacht hinter uns. Als ich einmal kurz nach Mitternacht aufgewacht war, war von der lauten Musik schon nichts mehr zu hören. Auch sonst war hier am See trotz Stadtnähe nichts los. Wir frühstückten und begaben uns danach auf die Fahrt in den Dzukija Nationalpark, wo wir den heutigen Tag mit wandern verbringen wollten.

Die Reise begann für mich gemütlich. Während Melanie unser Wohnmobil sicher über die litauischen Strassen lenkte, schrieb ich den Tagebucheintrag und bearbeitete die Fotos. So verging die Zeit wie im Flug und gerade als ich fertig war, fuhr Melanie auch schon auf den Parkplatz eines Aussichtsturmes im Nationalpark. Dieser neu gestaltete Turm ragte hier hoch aus dem Wald. Wir erkletterten die vielen Stufen und genossen die Aussicht von der höchsten Plattform. Während wir die Flusslandschaft zu unseren Füssen beobachtete schwankte der Turm hin und her. Dies war irgendwann fast zu viel und wir machten uns daran, wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen. Unten angekommen berieten wir dann über das weitere Vorgehen. Die Wanderungen aus Jonas Reiseführer waren alle in einer anderen Ecke des Nationalparks und so beschlossen wir dorthin zu fahren.





Diese Fahrt war anfangs ebenso gemütlich. Doch plötzlich wollte das Navi wieder eine Schotterpiste nehmen. Wir befragten Google Maps, welches uns mitteilte, dass wir entweder 27 Minuten Schotterpiste oder 1 Stunde 20 Minuten Teerstrasse fahren können. Wir entschieden uns natürlich für die 27 Minuten Schotterpiste. Anfangs waren wir sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. So eine Schotterpiste hatten wir selten erlebt. Wie auf Wolken schwebten wir durch den lettischen Wald. Doch wir freuten uns zu früh. Bald schon wurde dem Schotter immer mehr Sand zugemischt und die Strasse bestand nur noch aus zwei tiefen Spurrinnen mit einem Sandhaufen in der Mitte. Mehrere Male strich ich diesen Hügel mit unserem Unterboden flach und war froh, keine grossen Steine darin zu finden. Es war definitiv eine sehr abenteuerliche Fahrt aber so schlecht lief es gar nicht. Es war noch immer um einiges angenehmer als die finnischen Pisten mit den kleinen aber fiesen Wellen drin.

Nach ein paar Kilometern auf Teerstrassen erreichten wir auch unseren angepeilten Platz, kurz hinter der Ortschaft Marcinkonys. Wir stellten unsere Mobile ganz an den Rand des Parkplatzes. Nur eine ebene Wiese trennte uns so von dem schönen See mit Sandstrand. Die Sonne schien heiss vom Himmel und schnell war der Plan für den Tag klar. Wir liessen die Wanderung beiseite und entschlossen uns einen Tag hier zu verbringen. Es uns gemütlich zu machen. So wurde die Markise ausgefahren, die Stühle und Jonas Tisch ausgepackt (wir haben ja noch immer keinen). Wir starteten gleich damit, unsere Wäsche noch ein letztes Mal von Hand zu waschen und in die Sonne zu hängen. Als dies erledigt war vertrieben wir uns den restlichen Tag mit verschiedenen Ballspielen, schwimmen, lesen, Musik hören, quatschen und einer ausgedehnten Trainingseinheit. Wir waren alle gut erholt, als wir bends zwei Dosen Chilli Con Carne unter dem Bett hervorkramten und mit dem restlichen Reis von gestern zum Abendessen aufwärmten. Früh war es leider schon wieder dunkel und wir verzogen uns ins Wohnmobil, lasen ein wenig in unseren Tolinos und schlossen danach unsere Augen.



Samstag, 8. September 2018

Zu Besuch in Kaunas

Früh trieb es uns nach einer ruhigen Nacht aus den Wohnmobilen und zum Frühstück. Auf dem Parkplatz war noch immer nichts los. Nur gestern Abend trafen wir hier einen älteren Herren, der im Gespräch mit Jonas uns eine kleine Wanderrunde empfohlen hatte. Diese wollten wir heute Früh in Angriff nehmen und so standen wir schon bald mit Wanderschuhen vor der ersten Treppe, welche den Einstieg zu der Wanderung markierte. Zu Beginn führte der Trampelpfad immer wieder über solche Treppen. Hoch und runter. Wir begegneten sandigen Abbrüchen, welche sich zum Fluss hinunter erstreckten und auch mehreren wirklich riesigen Eichenbäumen. Einige lagen schon vermodert am Boden, während andere ihre prächtige, grüne Krone präsentierten. Kurz später entdeckten wir mitten im Wald auch noch ein LostPlace. Ein dort platzierter Geocache verriet uns, dass es sich bei dem Gebäude um eine Wassermühle handelte. Ein paar Treppen später standen wir aber nach knapp sieben Kilometern und zwei Stunden wieder an unseren Mobilen. Der Parkplatz war plötzlich überfüllt und ein Auto nach dem Anderen fuhr vor, in der Hoffnung noch einen Platz zu ergattern. Wir packten unsere sieben Sachen und machten wenigstens zwei Automobilisten eine Freude, indem wir ihnen Platz machten. 



Die Weiterreise führte uns direkt nach Kaunas. Die Stadt im Süden des Landes soll ein kleiner Geheimtipp sein und so waren wir gespannt, was uns hier erwarten würde. Was uns beim ersten Versuch gar nicht erwartete waren freie Parkplätze. Jeder Zentimeter war zugeparkt. Strassen, Plätze, Sperrflächen – einfach alles. Mit so vielen Menschen hätten wir hier nicht gerechnet. Park4Night verriet uns dann noch einen echten Geheimtipp. Unweit der Altstadt, auf der anderen Seite des Flusses, fanden wir einen kostenlosen Parkplatz, der mehr als genug Platz bot. Wir parkten unsere Mobile und begaben uns zu Fuss die wenigen Minuten in die Altstadt. Dort angekommen war der Grund für die Menschenmassen schnell klar. In der gesamten Innenstadt fand ein riesiger Markt statt. Wie bei uns wurden hier viele einheimische Spezialitäten und Handwerksprodukte angeboten. Wir schlenderten freudig durch die Marktstände und versuchten trotzdem die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erhaschen. Das Datum schien auch beliebt bei heiratswilligen Paaren zu sein. Fünf Brautpaare entdeckten wir alleine im Umkreis von 100 Metern um den zentralen Stadtplatz. Nachdem wir auf einer Bühne diverse Darbietungen beäugt hatten, bahnten wir uns erneut einen Weg durch die Menschenmassen und mein Magen knurrte bei all den leckeren Speisen. Doch im Wohnmobil wartete schon unser Nachtessen auf uns, welches wir heute einkauften, um zusammen zu kochen. 



Nachdem wir das Zentrum verliessen, nahm der Menschenstrom merklich ab. Wir wanderten einer tollen Promenade entlang, welche leider in einer riesige Baustelle mündete. Doch auch so konnten wir noch ein paar interessante Gebäude wie das Kriegsmuseum oder die Kathedrale besuchen. Auch das grösste Gebäude der Stadt, ein LostPlace, konnten wir immerhin von unten ansehen. Einige Jugendliche kletterten auf der Bauruine herum und grüssten vom Dach im 11. Stockwerk. Schlussendlich zog es uns noch auf die städtische Insel, auf der das Stadion von Zalgiris Kaunas stand. Jonas als grosser Fan des Basketball erklärte uns, dass die baltischen Staaten mitunter die besten europäischen Teams im Basketball stellen und auch Zalgiris in der letzten Saison sehr weit in den Playoffs vorgestossen waren. Leider war heute aber kein Spiel und Jonas war enttäuscht, dass auch kein Fanshop zu finden war. 




Dafür lockte uns laute Musik in den Süden der Insel. Schon bald entdeckten wir eine riesige Bühne auf welcher Musik gespielt wurde, während tausende Menschen die Wiese davor säumten. Ein Festival. Natürlichen wollten wir da hin und waren überrascht, als wir auch einfach kostenlos ein Eintrittsbändel um den Arm bekamen und eintreten konnten. Von nahem klang das einheimische Schlagerduo jedoch schon nicht mehr so toll, beendete jedoch seine Show gerade. Doch das grösste Problem für mich war der Hunger. Ich hielt es nicht mehr aus und musste mir das Angebot ansehen. Wir verstanden nichts von der Karte und fragten einen Einheimischen, welcher sich gerade was lecker aussehendes bestellt hatte, um was es sich dabei handelte. Wir bestellten für vier Euro ebenfalls einen Teller mit kleinen, in Teig gehüllten, Fleischbällchen mit grandios leckerer Pilzsauce. Eine Wohltat. Die Band, welche sich nun bereit machte, sah auch vielversprechender aus. Junge Leute. Schlagzeug. Gitarren. Bass. Als der Sänger zum Mikrofon griff ging auch schon das Kreischkonzert los. Wir bemerkten schnell, dass es sich bei dem Künstler wohl um den lettischen Justin Bieber handeln musste. Schnulzige Lieder und junge Mädchen, welche in der ersten Reihe um die Wette kreischten. Wir hörten uns zwei oder drei Lieder an, ehe wir uns beschlossen das Festival zu verlassen und zu unseren Womos zurückzukehren. 



Hier an der vielbefahrenen Strasse wollten wir unsere Nacht nicht verbringen und fuhren so zu einem See, welcher etwa 40 Minuten südlich lag. Die Dämmerung war schon sehr weit fortgeschritten, als wir an dem Platz ankamen und unsere Wohnmobile an den See parkten. Schnell fanden wir uns alle in unserem Womo ein und kochten ein leckeres Hähnchen Süss Sauer. Aus frischen Zutaten zauberten wir uns ein schmackhaftes Abendessen. Danach quatschten wir noch ehe wir uns ins Bett legten. Auch hier schien in der Nähe ein Festival stattzufinden. Die wummernden Bässe waren gut zu hören, störten unsere müden Augen jedoch nicht beim zufallen.

Freitag, 7. September 2018

Die Schweiz zu Besuch in Trakai

Die Nacht inmitten der Stadt Vilnius war ruhiger als gedacht. Erst als früh morgens die Reisebusse den Parkplatz verliessen und im Park nebenan die Laubbläser in Betrieb genommen wurden, wachten wir auf. Wir entschlossen uns, nach einem Frühstück nochmals in die Stadt zu spazieren und uns das Künstlerviertel auch noch bei Tag anzuschauen. Auf dem Weg dorthin überraschte uns jedoch in erster Linie ein Facebookpost in der schweizerischen Geocaching-Gruppe GEOcaching Schweiz.




Wir amüsierten uns über einen solchen Zufall, zumal der Cache am alten Spielplatz ja wirklich in der Pampa lag. Sofort kontaktierten wir natürlich die beiden uns bekannten Cacher und schrieben ein wenig hin und her. Da sie denselben Tagesplan hatten wie wir, war uns auch schnell klar, dass wir die Beiden heute sicherlich irgendwo noch treffen werden. In der Künstlerstadt war es jedenfalls nicht. Der kleine Staat in der Stadt lag ruhig hier und wusste mit einer eindrücklichen Verfassung mit 41 Punkten zu überzeugen, welche an einer Mauer auch in Deutsch angebracht war. Melanie und ich kümmerten uns noch um zwei Verträge, welche wir unterschreiben mussten und per Post nun die Reise in die Schweiz antraten. Speziell auch hier wieder, dass die Reise von Litauen in die Schweiz um einiges günstiger war, als wenn wir den Brief in Frauenfeld in den Postkasten geworfen hätten. Wir trafen Jasmin und Jonas danach in einem Cafe wieder, wo wir uns noch ein wenig unterhielten ehe wir uns durch die Altstadt zurück zu unseren Wohnmobilen machten. 




Ins Navi wurden die Koordinaten von einem Parkplatz in Trakai einprogrammiert. Dieses schöne Städtchen wartete neben einem schönen Zentrum auch noch mit einer alten Burg, welche sich auf einer Insel im See befand. Melanie fuhr, während ich an unserem Tagebucheintrag arbeitete. Im Stadtzentrum suchten wir uns dann einen Parkplatz, auf welchem unsere drei Mobile Platz finden würden. Dabei hielten wir seitlich an einer Strasse und wurden schon von zwei Personen winkend empfangen. Nein es waren keine Einheimischen und auch nicht die beiden Cacher aus dem Facebook-Post. Es waren zwei Reisende, welche wir seit einer gefühlten Ewigkeit verfolgt hatten. Im doppelten Sinne. Zum einen verfolgen wir die beiden Blogger, welche aus unserer Region stammen, schon lange auf www.comewithus2.com und natürlich auf Instagram unter comewithus2. Die Beiden haben es sich zum Ziel gesetzt mit ihrem Wohnmobil „Karl“ alle 47 europäischen Länder zu bereisen. Wir verfolgten die Beiden jedoch auch auf den Strassen des Nordens. Vor über zwei Monaten trafen wir Karl auf einem Parkplatz am Nigardsbreen-Gletscher in Norwegen. Von Lui und Steffi war damals aber keine Spur. Karl war ganz alleine und genoss seine Pause. Natürlich verfolgten wir den Blog und Instagram danach noch mehr und bemerkten, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzten, dass wir uns immer wieder nur um wenige Tage verpassten. Und heute standen die Beiden einfach auf der Strasse und winkten uns zu. Freudig begrüssten wir uns und begannen natürlich sofort zu quatschen. Jonas kannte die Blogger ebenfalls schon aus einem kurzen Gespräch, welches er vor einer Woche schon mit ihnen führte. Natürlich hatten wir sehr viel zu reden und so verlegten wir die Runde schon bald von der Strasse in ein nahes Restaurant. Bei einem Bier und leckerem Essen verging die Zeit viel zu schnell und wir alle mussten irgendwann weiter. Wer weiss, vielleicht schaffen wir es auch die Beiden einmal in der Heimat anzutreffen. Es war toll die Menschen, welche man im Internet schon länger verfolgt, auch einmal kennenzulernen und zu merken, dass die Beiden in Wirklichkeit ebenso sympathisch und bodenständig sind wie in ihrem Blog.



Weiter ging es nun also zu der eigentlichen Attraktion. Die Burg, welche auf der Insel thronte, wartete mit einem riesigen Innenhof, von welchem uns nur eine Kasse trennte. 8 Euro kostete der Eintritt. Wir betrachteten, was es für die 8 Euro zu sehen gab und mussten merken, dass es nicht viel war. Für nur einen Euro mehr wurde uns auf der Burg in Estland einiges mehr geboten. So verzichteten wir auf den Besuch des Inneren und machten uns an die Umrundung des Bauwerkes. Beinahe übersahen wir noch einen Geocache, konnten uns im letzten Moment jedoch noch an den Nullpunkt begeben und uns im Logbuch eintragen. Dieses Mal hinter unseren beiden befreundeten Cachern aus der Heimat. Wie wenn diese es bemerkt hätten, vibrierte mein Handy mit einer neuen Nachricht der Beiden. Wir bemerkten, dass wir keine 200 Meter auseinander waren und trafen uns auf der Brücke zum Festland. Jonas und Jasmin kapselten sich dann ab, um ein wenig das Städtchen anzusehen. Schnell war ihnen klar, dass das hier wieder eine Weile dauern wird. Wir quatschten über unsere Reisen, Geocaching, Gott und die Welt ehe wir uns wieder verabschiedeten. Wir mussten auch wirklich langsam weiterfahren und unseren beiden Mitreisenden konnten wir nicht nochmals eine stundenlange Kaffeeparty zumuten. 




So fuhren wir also weiter nach Kernave. Dort warteten hohe Grashügel auf uns, auf welchen früher einmal eine Festung stand, welche die Stadt beschützte. Von dieser waren aber nicht einmal mehr Überreste zu entdecken. Wir wanderten über die vielen Treppenstufen auf zwei der unzähligen Hügel und schossen viele Fotos von der tollen Aussicht und der grünen Hügellandschaft. Es war schon nach 16 Uhr und wir mussten bemerken, dass wir unser Tagesziel Kaunas wohl nicht mehr erreichen werden. Zudem war Freitag und da ist das Schlafen in der Stadt meistens etwas ungemütlich. Wir bequatschten lange die Weiterreise und mussten bemerken, dass die Zeitplanungen und Ziele sich langsam aber sicher nicht mehr in Einklang bringen liessen. So verabschiedete sich Jasmin von uns und rollte ohne uns weiter. Mit der Weiterreise bis in den Iran hat sie noch einige Kilometer vor sich und wir hoffen, dass sie diese unbeschadet und ohne Pannen übersteht. Ebenso hoffen wir sie in der Heimat (sei es nun ihre oder unsere) wiederzusehen. 





Im Trio ging es also weiter. Ganz in der Nähe parkten wir auf einen schönen Wanderparkplatz. Bald schon brutzelte das Fleisch in der Pfanne und Jonas kochte uns leckere Spaghetti Aglio e Olio. Später spielten wir auf der Wiese noch Volleyball, bis wir den Ball in der Dunkelheit nicht mehr erkennen konnten. Gemütlich sassen wir anschliessend zusammen und liessen den Tag gemütlich ausklingen.

Donnerstag, 6. September 2018

Durch die Mitte Europas nach Vilnius

Frisch und munter trafen wir uns heute in der Früh zum Frühstücken. Dabei kam es zu einem Wiedersehen mit Stocki, welche gestern Abend nicht mehr zu Gegen war, weswegen wir dachten sie sei eingefangen worden. Kaum war der Gedanke fertig gedacht, tauchte auch schon ein Ruderboot mit zwei Rangern auf, welche sich mit Netzen bewaffnet auf die Jagd nach der Ente machten. Stocki hielt wacker dagegen, konnte jedoch schlussendlich eingefangen werden. Keine Ahnung, was die litauischen Ranger mit der Ente anstellen werden. Wir hoffen jedoch sehr, dass ihr geholfen wird und sie schon bald ohne Stock wieder auf dem See ihre Runden ziehen kann.

Nach dem Frühstück verabschiedete sich dann auch Jasmin von uns. Wir beide und auch Jonas entschlossen uns, hier noch eine Runde zu wandern, ehe wir uns in die Hauptstadt begaben. Jasmin begab sich lieber schon früher nach Vilnius, da Jakob noch neue Reifen benötigte. Die alten waren durch und hier kosten neue Reifen nur einen Bruchteil von dem, was sie in Deutschland kosten würden. 120 Euro bezahlte sie später für zwei Reifen inklusive Montage und dem Einstellen der Spur. Wir hofften bei der Verabschiedung, dass wir Jasmin wirklich später in Vilnius wieder treffen. Aber man weiss ja nie wie es einem auf Reisen ergeht.

Wir machten uns also zusammen mit Jonas auf die kleine Wanderung über den botanischen Pfad, welcher gleich bei uns am Parkplatz startete. Wir durchquerten einen wirklich schönen Wald, der mit seinem moosbedeckten Boden die ideale Umgebung für Pilze darstellte. Die kleinen Dinger wuchsen überall und so war es auch nicht überraschend, dass auch in diesem Wald die Einheimischen mit ihren Eimern und Körben durch den Busch schlichen. Wie in den anderen beiden baltischen Ländern schien es auch hier eine Art Nationalsport zu sein. Bald schon wechselten wir vom Wald in eine Schilflandschaft mit einigen kleinen Seen. Wir wanderten wieder über Holzstege, welche hier jedoch nicht wirklich gepflegt wurden. Die Hölzer waren sehr morsch, immer wieder fehlte ein Brett und sogar die Aussichtsplattform ragte schief in den See, machte den Eindruck, dass sie jeden Moment einstürzen könnte. Lange brauchten wir nicht für die knapp vier Kilometer und so fuhren auch wir schon bald vom Parkplatz in Richtung Vilnius.





Nach einer halben Stunde steuerten wir schon wieder einen See an. Dieses Mal um uns die mittlerweile übliche Brotzeit zu gönnen. Wir setzten uns mit der Decke in den Schatten, da die Sonne schon wieder vom Himmel brannte. Bald schon machten wir uns aber auf den Weg zum nächsten Ziel. Und dieses lag zentral. Sehr zentral. Der zentralste Punkt von ganz Europa sozusagen. Nur ein paar Kilometer ausserhalb von Vilnius wies uns der Wegweiser zu einem Golfplatz, neben dem sich das geografische Zentrum von Europa befindet. Wir machten einen kleinen Spaziergang zu dem zentralen Punkt, welcher durch eine Kompassrose am Boden gekennzeichnet worden war. Ebenso flatterten zahlreiche europäische Fahnen an den Masten im Wind. Die Flagge der Schweiz fehlte jedoch. Schade, zumal es sich hier ja nicht um die Mitte der Europäischen Union, sondern wirklich des Kontinents handelt. Jonas meinte, dass wer keinen Mitgliederbeitrag bezahlt, eben auch keine Flagge bekommt. Na das wäre dann ja eine teure Flagge geworden. Wir betrachteten noch die goldene Krone, welche neben dem zentralen Punkt auf eine Marmorsäule gesetzt wurde. Dies geschah 2004 bei der Aufnahme von Litauen in die EU. Wir bemerkten auf der Tafel, dass wir an drei der vier äussersten Punkten Europas schon waren. Norden: Spitzbergen, Süden: kanarische Inseln, Westen: Azoren. Nur der östlichste Punkt im Uralgebirge fehlt uns noch. Da haben wir ja wieder ein Ziel. 





Das nächste Ziel war aber erstmals die Hauptstadt von Litauen. Wir erreichten die Stadt Vilnius schon bald, besuchten am Stadtrand noch einen Lidl, ehe wir uns durch den hektischen Verkehr der Hauptstadt kämpften. An zwei frischen Unfallstellen fuhren wir vorbei, was bei der Fahrweise hier keine Verwunderung auslöste. Ein dritter konnte beinahe noch verhindert werden, als ein Fahrzeug einem Feuerwehrlastwagen mit Blaulicht und Sirene vor die Schnauze fuhr. Ja man muss sich an die Fahrweise im Osten gewöhnen. Aber je mehr man mitmacht, desto einfacher kommt man durch. So standen wir bald auf dem Parkplatz nahe am Stadtzentrum. Auf einem videoüberwachten und umzäunten Parkplatz konnten wir hier für 30 Cent die Stunde parken. Wir stellten unsere beiden Mobile ab und machten uns auf den Weg in die Stadt.

Wir erkundeten die tollen Gassen der Altstadt und auch ein paar wenige der insgesamt 26 Kirchen, welche auf dem Gebiet der Innenstadt zu finden waren. Die Altstadt war hier nicht so mittelalterlich wie in Tallinn und nicht so lebendig wie in Riga, jedoch trotzdem absolut sehenswert. Aber doch war es eher wieder eine der Art, durch welche man in zwei oder drei Stunden durch ist. Wir wollten aber noch unbedingt ins Museum of Illusions, welches hier in Vilnius als eines der besten Museen angepriesen wurde. Zu diesem Zweck stiess auch Jasmin wieder zu uns und wir freuten uns, wieder im Quartett unterwegs zu sein. Wir betrachteten viele optische Illusionen in dem tollen Museum. Alles war sehr interaktiv und man konnte alles anfassen und mit diversen Experimenten seine Sinne überlisten. Auch eine Lichtshow, welche um 19:00 Uhr aufgeführt wurde, wusste uns zu begeistern. Wir schossen noch viele Fotos in den speziell eingerichteten Räumen, welche mit der Optik spielten, ehe wir hungrig wieder durch die Strassen von Vilnius pilgerten. 













Wir entdeckten einen Italiener, welcher mit Pizza warb, was uns heute schon den ganzen Tag vorschwebte. Wir setzten uns und genossen die absolut leckere, original italienische, Pizza und den Rotwein. Nachdem Melanie sich mit dem Chef ein wenig in italienischer Sprache unterhielt, wurde natürlich auch noch ein Amaretto und Grappa spendiert. Wir wanderten noch durch das Künstlerviertel zu unseren Womos, während auch Jasmin ihren Jakob zu unseren beiden Wohnmobilen umparkte. Am Parkplatz angekommen waren wir alle müde und so war in allen Mobilen auch schon bald Lichterlöschen.

Mittwoch, 5. September 2018

Eine Kanutour durch den Aukstaitija Nationalpark

Auf das Gewitter folgte eine ruhige und entspannte Nacht. Das Wetter zeigte sich am Morgen danach zwar nicht von seiner besten Seite, aber immerhin schienen die Wolken sämtliche Wassertropfen schon losgeworden zu sein. Wir frühstückten alle zusammen und ich schrieb meinen Blog. Jasmin kam plötzlich ganz aufgeregt zu uns, da sie eine Ente entdeckt hatte, in der etwas wie ein Pfeil steckte. Ein Pfeil war es dann wohl nicht aber ein ca. 50 Zentimeter langes Stöckchen ragte aus der Ente. Scherzhaft bemerkten wir, dass es sich wohl um eine Stockente handeln muss und gaben der Ente den Namen „Stocki“. Doch wir konnten Stocki nicht einfach so ansehen. Wir wollten ihr helfen. Wir beobachteten, dass Stocki schwimmen, spazieren und sogar fliegen konnte mit dem Holz. Sie schien schon eine Weile so zu leben und die Wunde war wohl schon verheilt. Rausziehen war natürlich keine Option. Ist es nie! Wir wollten Stocki also einfangen und wenigstens das Hölzchen kürzen, damit die Ente nirgendwo hängen bleibt. Doch so zutraulich Stocki auch war, bemerkte sie schnell was wir vor hatten und floh immer wieder. Wir wollten die Ente nicht stressen und beschlossen, sie in Ruhe zu lassen und wollten es später beim Park Ranger melden.

So war es auch heute schon später, als wir unsere Wohnmobile absperrten und uns zu Fuss in das kleine Dorf begaben. Wir besuchten die Tourist Info und informierten uns über diverse Ausflugsmöglichkeiten. Wir entschlossen uns schon zuvor für eine Kanu-Tour, fanden in der Info dann auch noch die passende Route und wanderten motiviert zu der Bootsvermietung. Dort waren nur zwei Typen zu gegen, welche gerade mit dem Bau eines neuen Häuschens beschäftigt waren. Die Beiden klärten uns auf, dass der Chef erst in 15 Minuten zurückkehren wird und wir warten sollten. Als wir dann zur nächsten Bootsvermietung wechseln wollten, klappte es plötzlich doch, dass die beiden Handwerker uns zwei Kanus, Paddel und Schwimmwesten aushändigten. Sie behielten eine Identitätskarte zurück und entliessen uns ins Abenteuer.

Uns stand zuerst die Überquerung des doch relativ grossen Sees bevor. Hier herrschte ein wenig Strömung und auch kleine Wellen machten den Anfang schwerer, als er uns sonst schon fiel. Es dauerte ein wenig, ehe die beiden Teams eingespielt waren und sich zielgerichtet auf einen kleinen Durchgang zusteuerten. Dieser sehr romantische Weg führte uns durch eine Art Urwald, welcher immer wieder von kleinen Häuschen mit Bootsanlegestellen unterbrochen wurde. Das Wasser war nur wenige Zentimeter tief hier. Strömung oder Wellen gab es keine und man konnte sich sehr gemütlich fortbewegen. Es erinnerte uns an, die leider mittlerweile abgebrannte, Attraktion „Piraten in Batavia“ im Europa Park. Nur in real. 






Nach der wunderschönen Passage folgte wieder ein kleiner See, den wir aber schon bald wieder in die nächste Querung verliessen. Diese war komplett anders. Das Ufer bestand hier aus Schilf, welches weit in die Passage hineinwuchs. Das Wasser selbst war von Seerosenblättern bedeckt und nur ein kleiner Korridor blieb in der Mitte frei. Immer wieder hörte man das Geräusch der Blätter, wenn sie das Kanu berührten. Ziemlich genau in der Mitte der Durchfahrt blühte eine Seerose. Eine einzige auf dem ganzen Weg. Wir besuchten die Blume und Jonas nahm sogar ein Kentern in Kauf um an der Blume zu riechen. Am nächsten See entschlossen wir uns dann, an einem Zeltplatz an Land zu gehen und dort eine kleine Brotzeit zu halten. 




Nun stand der Rückweg auf dem Programm, welcher uns aber über einen Umweg noch zu drei Caches führen sollte. Zwei davon befanden sich auf einer Insel und einer auf dem Festland. Nur ein kleiner Umweg von 600 Metern pro Weg war dafür nötig. Bald schon kämpften wir uns durch das Schilf an das Ufer der ersten Insel. Schon dieses Unterfangen war nicht sehr leicht. Ebenfalls schwieriger als gedacht war das Bewegen auf der Insel. Sie schien nicht viel Besuch zu haben und alles war überwuchert. So kam es, dass wir den Geocache tatsächlich nicht finden konnten und ohne Fund abziehen mussten. Bei Insel Nummer zwei schafften wir es schon gar nicht einen Anlegeplatz zu finden, doch immerhin auf dem Festland wurden wir nach kurzer Suche fündig. Nachdem wir die Seerosen-Passage zurückgerudert waren, konnten wir immerhin auf einer weiteren Insel doch noch einen T5-Cache entdecken und loggen.

Schon bald fuhren wir durch den Urwald zurück und genossen erneut die tolle Stimmung. Die Arme waren schon müde, als wir nochmals über den See zu der Vermietung paddelten. Doch wir schafften die grosse Tour und waren nach beinahe fünf Stunden wieder am Startpunkt angekommen. Wir bezahlten die 20 Euro Miete pro Kanu und wanderten gemütlich zurück zu unseren Wohnmobilen. Beauty-Abend Teil 2 stand an, nachdem gestern das Gewitter uns unterbrach. Jasmin, Naildesignerin von Beruf, kümmerte sich um Melanies Fingernägel, während sich Jonas, Student von Beruf, um meine Haare kümmerte. Jonas gab alles an der Maschine und zauberte nach und nach eine Frisur auf meinen Kopf. Manchmal musste er die Maschine von den vielen Haaren befreien, welche sich bei 7mm Höhe eben ansammelten. Nach einem dieser Befreiungen, klang die Maschine plötzlich sehr laut an meinem Kopf. Jonas schaute ganz erschrocken und meinte nur „Aber das sind keine 7 Millimeter“. Naja – ich habe jetzt eine Frisur mit 3 Millimeter auf der Seite. Ist auch gut. So hält sie länger, ehe der nächste Friseurbesuch nötig ist. Das Endergebnis liess sich jedenfalls sehen und zufrieden nahmen wir beide ein Bad im See, an welchem wir noch immer mit unseren Womos standen. Wir kochten zusammen Nachtessen und quatschten noch ein wenig, ehe wir sehr früh schon in unsere Mobile krochen. Nach ein bisschen lesen fielen mir auch schon die Augen zu. Ein anstrengender Tag ging wieder zu Ende.