Donnerstag, 16. August 2018

Willkommen in Russland!

Nachdem der Blog an der Sonne bei einem Bierchen geschrieben war, legte die Prinzessin Anastasia auch schon ab. Wir sassen noch eine Weile auf dem Oberdeck, ehe es uns doch zu frisch wurde. Wir begaben uns in unser kleines Zimmerchen und liessen uns unsere Sandwiches schmecken. Es zog uns danach aber wieder ans Tageslicht und wir erkundeten die oberen Decks. Im Duty-Free war unglaublich viel los, wir quetschten uns aber trotzdem noch dazwischen. Ohne Einkäufe verliessen wir diesen wieder und setzten uns einen Stock höher auf zwei Sessel im Korridor. So konnten wir die Leute beobachten und gleichzeitig auch draussen den Sonnenuntergang beobachten. Nachdem wir im Konzertsaal noch einigen musikalischen Darbietungen unser Gehör schenkten, machten wir uns auf den Weg ins Bett. In der Nacht liess mich mein Hals wieder nicht richtig schlafen. Zudem war das dauerhafte Brummen des grossen Dieselmotors gar nicht so monoton wie man sich das denkt. Auch die Vibrationen in der kleinen Kabine. Alles in Allem wollte es einfach nicht so wirklich eine ruhige Nacht sein. 



Trotzdem wachte ich morgens relativ fit auf. Die letzten zwei Stunden waren ruhig und voller Schlaf. Das tat nochmals richtig gut. Auch die leckeren Croissants, welche wir uns gestern kauften, trugen zu einem guten Start in den Tag bei. Um 09:00 Uhr sollte die Fähre anlegen. Wir hatten schon viele Storys gehört, dass man sich dann für zwei Stunden an die Passkontrolle stellen muss und man zusehen soll, dass man früh vom Schiff wegkommt. Deshalb waren wir auch früh auf den Beinen und wollten uns schon kurz nach 8 Uhr auf Deck 4 begeben, wo sich der Ausgang befand. Schnell wurden wir jedoch vom Personal vertrieben und man machte uns auf ein Schild aufmerksam, welches den Aufenthalt auf Deck 4 bis 30 Minuten NACH Anlegen der Fähre verbietet. Erst ab 09:30 Uhr können die Ersten also das Schiff verlassen. Na super. Da blieben uns noch anderthalb Stunden. Melanie bemerkte in dieser Zeit, dass wir ja noch eine City-Tour gebucht hatten. Dabei handelt es sich lediglich um den Transfer ins Hotel, der einem jedoch als City-Tour verkauft wird. Der Grund ist einfach. Um ohne Visum einreisen zu können, muss man eine touristische Aktivität in Russland gebucht haben. Et voila: die City-Tour. Wir bekamen einen Sticker auf unseren Pullover, und mussten uns um 08:55 Uhr im Unterhaltungsraum einfinden. Phuuu... zum Glück erinnerte sich Melanie noch an diese Buchung. Kurz nach neun Uhr wurden alle Teilnehmer dieser City-Tour vom Personal abgeholt und durch schmale Zwischengänge auf Deck 4 geführt. Und siehe da: kurz nach 09:00 Uhr, 20 Minuten vor allen Anderen, konnten wir das Schiff verlassen. Die Passkontrolle der Russen stellte sich dann aber schon bei den wenigen Leuten als sehr mühsam heraus. Eine bis zwei Minuten pro Person dauerte die Kontrolle. 6 geöffnete Schalter. Wenn das Schiff voll ist: 2'700 Personen. Was waren wir froh, nach einer halben Stunde in der frischen russischen Luft zu stehen. 



Die City-Tour war dann nicht nur bei der Buchung ein kleiner Fake. Auch vor Ort stellte sie sich als mühsam heraus. Alle 10 Minuten fuhr ein City-Bus an den Isaacs Square, wo aber keine Menschenseele hin wollte. So fuhren die Busse eben leer. Zu den beiden Sokos-Hotels, welche im Paket der Fährgesellschaft angeboten wurden, fuhr jedoch einfach kein Bus. Erst um 11:00 Uhr käme ein Reisecar für uns. Uns so standen wir uns mit vielen anderen Wartenden die Füsse in den Bauch. Es war jedoch noch nicht ganz 11 Uhr als die dauerhafte Nörgelei und Fragerei den Fahrern der City-Busse auf die Nerven gingen und sie uns ausserplanmässig in unser Hotel fuhren. Fahren durch die Stadt war schon sehr aufregend. Die Gegend um den Hafen wirkt schon sehr ärmlich und zerfallen. Der Verkehr zudem ist ein Abenteuer. Da fährt man innerorts im 50er auch gerne Mal über 80 und die Farben an der Ampel werden auch eher als Empfehlung angesehen, als als Verkehrsregel. Doch wir kamen wohlbehalten an unserem Hotel an und traten in die Eingangshalle.

Wir staunten nicht schlecht ob dem luxuriösen Palast, welchen wir hier betraten. Es war leider noch zu früh um unser Zimmer zu beziehen, doch wir wurden sehr nett empfangen, unser Gepäck mit einer Nummer versehen und sicher weggeschlossen. Wir entschieden uns, uns auf eine erste Erkundung der Stadt zu begeben. Wir traten aus dem Hotel und waren gespannt was für eine Welt uns hier erwarten würde. Das mystische Russland. Verkehrschaos, Rowdies, Obdachlose, dunkle Gestalten und vodkagefüllte Typen, die jeden Abzocken wollen. Und wir müssen unsere Leser enttäuschen. Wir entdeckten nichts von all dem. Wenn sich St. Petersburg in den ersten Stunden von anderen Grossstädten unterschied, dann höchstens im positiven Sinne. Sehr sauber, sehr ordentlich, sehr freundlich und eigentlich genau gleich wie ein Spaziergang in Luzern oder Bern. Der einzige Unterschied: es ist wirklich alles nur auf russisch bezeichnet und es kann wirklich niemand hier englisch.

Als erstes zog uns die Festung Peter und Paul an. Die Festung steht auf einer Insel und diese wird heute vor allem als Museumsinsel genutzt. Hier in den alten Kasernengebäuden finden sich diverse Ausstellungen über Themen wie Tutenchamun, Leonardo Da Vinci und natürlich russische Zarenfamilien. Die Museen liessen wir wieder links liegen, während wir uns für die Zarenfamilien doch ein bisschen mehr interessierten. Besser gesagt für ihre Grabstätten. Die Leichname werden nämlich in Särgen aus Marmor in der Kirche zum Heiligen Peter und Heiligen Paul aufbewahrt. Wir kauften uns ein Eintrittsticket (CHF 7 pro Person) und traten nach einer kurzen Wartezeit ein. Erneut waren wir sprachlos. Der Prunk und das viele Gold im Inneren der Kirche überwältigten uns. Vor allem nach den total schmucklosen Holzkirchen Skandinaviens und Finnlands, war das hier einfach erschlagend. Die riesige Kirche bot uns reichlich Inhalt um eine ganze Weile in ihr zu verweilen und Fotos zu schiessen. Doch wir hatten noch immer nichts gegessen und das mussten wir nun ändern. 





Das Problem wenn man in St. Petersburg essen gehen möchte, ist wieder dasselbe wie immer hier in dieser Stadt. Speisekarte lesen: unmöglich. Personal finden, welches Englisch spricht: unmöglich. Wir hörten, dass einem manchmal nur der Gang zu McDonalds (MakDonalds heisst er hier), BurgerKing oder Subways bleibt. Wir entschieden uns für einen BurgerKing gleich um die Ecke. Doch weit gefehlt, dass es hier einfacher werden würde. Jeder der in der Schweiz in den letzten zwei Jahren in einem McDonalds war kennt sie: die Bestellautomaten. Am Schalter ist ja niemand mehr, nein es müssen Automaten sein. Und diese hier waren in russisch. Irgendwann fanden wir in der kyrillischen Schrift das Symbol für Englisch und freuten uns, dass der Automat das Hauptmenü auf englisch präsentierte. Doch nach dem Hauptmenü war auch wieder Ende. Jedes Untermenü war wieder in russisch. Keine Chance auf diese Weise etwas zu bestellen. Also suchten wir doch den Schalter auf. Natürlich konnte der dort anwesende Mitarbeiter kein englisch. Doch es vereinten sich drei Mitarbeiter, welche zusammen einige Brocken hinbekamen und wir konnten etwas bestellen. Wir waren gespannt was wir wohl erhalten würden. Wir konnten es kaum glauben, doch alles war korrekt und lecker. Mit Händen und Füssen klappt es also irgendwie dann doch und die Leute hier können zwar kein englisch, sind jedoch sehr hilfsbereit und auch gewillt sich irgendwie mit einem zu verständigen.

Gut genährt (oder trifft es gefüllt besser?) wanderten wir durch wundervoll grüne Parkanlagen wieder in Richtung Hotel. Vorbei am städtischen Zoo und den vielen schönen Kanälen, war es ein kurzer Spaziergang bis zu unserem Hotel. Das Zimmer war nun bereit und konnte von uns bezogen werden. Wieder konnte das Hotel uns überraschen. Ein sehr geräumiges Zimmer erwartete uns, welches ich weder in Grösse noch in Ausstattung oftmals so zu Gesicht bekam. Ein besonderes Highlight war das Bad mit Regendusche und viel Milchglas. Wir wollten hier fast nicht wieder weg. Doch es war erst kurz nach 15 Uhr und so zog es uns nochmals in die Stadt. 






Auch das Stadtzentrum lag in angenehmer Distanz von etwa 15 Minuten Fussmarsch vom Hotel. Wir beäugten die ganzen Häuser, welche sich am Nevsky Prospect aneinander reihten. Diese Strasse wird oft als der Mittelpunkt der Stadt bezeichnet. Und wirklich: hier tobte das Leben. Laden reihte sich an Laden, viele Menschen waren auf der Strasse unterwegs und von überall her schallte Musik. An den Plätzen traten teilweise ganze Bands mit Gitarren und Schlagzeug auf und spielten meist russische Musik. Die Menschen sassen dazu auf dem Boden an der Sonne. Befreiten ihre geschundenen Füsse von den Schuhen und liessen es sich gut gehen. Eine friedliche Stimmung überall und für uns ein Flair, welches wir selten auf einem Städtetrip erleben durften. Das Hauptziel unserer Wanderung war dann aber die Erlöserkirche „Church of the Saviour on the Spilled Blood“. Von Weitem entdeckten wir diese spezielle Kirche. Die Türme waren mit goldenen und bunten Zwiebeln geschmückt, wie man es von Russland aus dem Bilderbuch kennt. Doch die beiden Kirchen in Moskau und St. Petersburg sind die Einzigen dieser Bauweise. Die Kirche war schon von Aussen ein Augenschmaus. Für den Preis von CHF 3.50 pro Person durften wir jedoch auch noch einen Blick in das Innere werfen. Die Kirche unterschied sich dabei massiv von der Peter und Paul Kirche. Auch hier ging es prunkvoll zu und her. Italienischer Marmor und Gold waren in grossen Mengen zu finden. Doch das Spezielle waren die Bilder im Innern. Sie überzogen die gesamte Fläche der Wände und Decken und waren ausschliesslich aus kleinen Steinen zusammengebaut. Ein einziges gigantisches Mosaik breitete sich über uns aus. Einfach nur wow! Ein Bauwerk, welches seinesgleichen sucht.









Völlig verzückt von dieser Kirche spazierten wir noch ein bisschen über den angrenzenden Markt und zurück über den Nevsky Prospect bis zu unserem Hotel. Es war schon Abend doch der BurgerKing hielt weiterhin unsere Bäuche gefüllt. So wurde im Hotel kurz geduscht, um danach den Spa-Bereich aufzusuchen. Das grösste Spa der Stadt erreichten wir mit einem speziellen Lift, praktisch vor unserer Zimmertüre. Zuvor waren wir noch schnell an der Rezeption. Auf die Frage ob der Spabereich ein Nacktbereich sei oder ob man angezogen in die Sauna geht, schaute uns die nette Dame zuerst mit grossen Augen an und hakte nach, als ob sie uns nicht verstanden hätte. Auf erneute Nachfrage meinte sie: „Natürlich angezogen!“. Und so traten wir in Badehose in den Spabereich und staunten über das riesige Angebot. Diverse Saunen, Dampfbäder, Saunarium, Hamam, Whirlpools, Bäder und mittendrin ein riesiger Pool mit Massagedüsen und Platz zum planschen. Wir genossen den Abend im Spa und konnten uns wirklich gut erholen. Die Saunagänge waren knackig, packen die Russen bei 95°C in der Sauna doch gerne noch zwei oder drei Kellen Wasser drauf um danach in der Schneegrotte bei -15°C barfuss im Schnee zu stehen.

So war es schon beinahe 22.00 Uhr als wir uns zum Nachtessen im Restaurant einfanden. Nach einem kleinen Happen gingen wir dann auch schon auf unser Zimmer und legten uns hin. Ein anstrengender Tag lag hinter uns und somit sicherlich eine Nacht mit viel tiefem Schlaf vor uns.



Mittwoch, 15. August 2018

Der Weg zu Prinzessin Anastasia

Wie erwartet verbrachten wir eine ruhige Nacht auf unserem Waldparkplatz im Nationalpark. Die zwei Damen, welche sich mit ihrem Auto in der Nacht neben uns stellten waren heute früh auch schon wieder wach und lüfteten ihr Auto, hängten die Bettdecke über die Türen. Wir lagen auch heute schon wieder bis neun Uhr im Bett herum und wussten,dass wir dies die nächsten Tage ändern müssen.

Nach dem Frühstück verliessen wir den Nationalpark über die Schotterpiste, über welche wir schon hergefahren waren. Die wellige Piste konnte uns nichts anhaben, lernten wir doch, dass je schneller man über die Wellen fährt, desto weniger rüttelt es im Womo. Also auf finnischen Schotterpisten immer Vollgas. Nur wenige Minuten dauerte es ehe wir unser nächstes Ziel erreichten. Dabei handelte es sich „nur“ um den nächsten Wanderparkplatz. Denn um nicht zu früh in Helsinki zu sein, mussten wir uns noch ein wenig beschäftigen. Und was bietet sich da besseres an, als nochmals durch einen finnischen Wald zu wandern. Wohl das letzte Mal auf der Reise.

Gesagt, getan. Wir spannten die Wanderschuhe an unsere Füsse und machten uns auf den Weg. Der ausgesuchte Wanderweg war wieder einer, welcher im Winter als Langlaufloipe dient. Doch dieses mal war der Weg breit gekiest. Das ist einfach nicht so unseres. Wir wandern lieber abseits auf verschlungenen Pfaden. Und so suchte ich uns eben eine neue Route auf unserem GPS-Gerät. Diese führte dann teilweise fast ein wenig zu sehr durch den Dschungel, doch wir entdeckten lauschige Plätze an einsamen Seen. Genau so lieben wir das. Der Wald sieht oftmals aus wie Zuhause. Aber niemals schafft man es in der Schweiz so viele Stunden im Wald zu wandern ohne einem Menschen zu begegnen. Nach über einer Stunde begegneten uns aber plötzlich drei Hunde. Aus dem Nichts tauchten die drei auf und zwei stürmten laut bellend auf uns zu. Bellende Hunde beissen nicht dachten wir uns und begrüssten die Hunde freundlich. Damit hatten die wohl nicht gerechnet und sie schauten baff zu ihrem Besitzer. Dieser entschuldigte sich vielmals für den Vorfall, rechnete er wohl auch nicht mit anderen Menschen hier so fernab jeglicher Zivilisation. Melanie hatte mit anderen Tieren wesentlich mehr Probleme. Ein Deodorant oder eine Creme lockte zuhauf Getier an, welches sich auf ihr niederliess und vor allem in die Haare krabbelte. Die Tiere sahen aus wie eine Kreuzung aus einer Spinne, einer Zecke und einer Fliege. Ich zupfte die Tierchen fleissig aus Melanies Haaren, die immer genervter von den kleinen Plagegeistern war. Schlussendlich schafften wir es doch wieder auf über neun Kilometer, auf welchen wir von vier gesuchten Geocaches immerhin zwei fanden.




Zurück im Womo ging es an die Vorbereitungen für die nächsten Tage. Die Geocaches von St. Petersburg mussten offline heruntergeladen werden, da dort auch unser UPC-Abo kein gratis Internet bietet, die Fähre von Helsinki nach Tallinn wurde auf Montag gebucht und natürlich musste gepackt werden. So viel brauchen wir aber mittlerweile für drei Tage nicht mehr. Unglaublich. Früher schleppten wir für drei Tage London zwei riesige Koffer mit. Ist man einmal vier Monate unterwegs, lernt man schnell, dass es mit wesentlich weniger geht. Dass es nicht pro Tag drei Outfits braucht. Und so war auch schnell alles in eine kleine Reisetasche und unseren Rucksack gepackt. Nun mussten wir uns schon fast ein wenig beeilen und so fuhren wir schon bald los, mit dem Ziel Helsinki.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde Fahrt erreichten wir den Camping Rastila. Hier wird unser Womo die nächsten Tage verbringen, solange wir in St. Petersburg verweilen. Der einfachste Stellplatz kostet hier 17 Euro pro 24 Stunden, was uns eigentlich sehr fair erschien. So steht das Womo 24 Stunden bewacht und umzäunt am Stadtrand von Helsinki und wir können ohne Sorge nach St. Petersburg reisen. Ich hatte bei der Buchung beim Camping schon angegeben, dass wir nach St. Petersburg fahren und man kannte das alles schon bestens dort. So wurde heute gefragt wann wir mit der Fähre ablegen und wann zurückkehren, sodass wir nur den Stellplatz und keine Personen bezahlen mussten. Am Empfang wurde uns auch mitgeteilt, mit welcher U-Bahn und mit welchem Tram wir an welches Hafenterminal fahren müssen. Vorgedruckte Infoblätter lagen auch schon bereit. Ein wirklich super Service vom überaus freundlichen Personal. Wir parkten unser heissgeliebtes Womo und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt.

Mit der U-Bahn waren wir schnell in der Stadt Helsinki. Wir entschlossen uns, noch ein wenig einzukaufen, da das Essen auf dem Schiff teuer zu sein schien. Wir kauften also Sandwiches und machten uns zu Fuss auf die letzten Meter zum Fähranleger West. Wir sahen unser Schiff, die Princess Anastasia, schon von weitem und waren gespannt. Die Bewertungen des Schiffes reichen von „Super“ bis „Katastrophe“. Man muss dazu aber sagen: es ist eine Fähre. Viele Leute erwarten scheinbar ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff und vergessen dies. Dass das Schiff unter russischer Flagge steht und von Italienern geführt wird, liess uns jedoch schon ein wenig Chaos erwarten. Der Check-In lief jedoch sehr zügig und wirklich überaus freundlich ab. Die Dame erklärte uns wirklich alles und wir fühlten uns bereit, zum ersten Mal in unserem Leben so ein grosses Schiff, 1700 Personen finden hier Platz, zu betreten. Am Eingang stand schon die halbe Besatzung Spalier, begrüsste uns und half uns, unsere Koje zu finden. Einen Aufzug und einen endlosen Korridor später erreichten wir diese auch. Ein paar wenige Quadratmeter, ein Kajütenbett, ein kleines Bad. Mehr war da nicht. Aber alles war sauber und in bester Ordnung. Dem Schiff war das Alter anzusehen, aber für uns reichte dies wirklich gut aus.

Nachdem wir kurz das Zimmer einrichteten, machten wir einen Rundgang über das Schiff. Wir entdeckten den Duty-Free-Shop und die vielen Restaurants, ehe wir aufs Oberdeck traten. Das ganze Schiff machte einen sehr gepflegten und ordentlichen Eindruck. Keine Ahnung was die Leute hier zu motzen haben. Auf dem Oberdeck gönnte ich mir ein Bier und schrieb diesen Eintrag. Wir lauschen hier noch ein wenig der Musik ehe wir den Abend wohl mit lesen verbringen werden ehe wir uns bei Zeiten schlafen legen. Morgen geht es früh los. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir morgen wirklich in Russland aufwachen.




Dienstag, 14. August 2018

Rund um Helsinki

Mein Hals liess die Nacht nicht ganz so ruhig werden wie andere zuvor. Ebenfalls kümmerte sich ein Autofahrer darum, der morgens um 05:00 Uhr erst zwanzig Mal die Autotüre öffnete und schloss, ehe er mit laufendem Motor zehn Minuten vor unserem Womo parkte. So wurde es auch heute wieder nach neun Uhr, ehe wir beim Frühstück anzutreffen waren. Aber auch heute liess uns das kalt. Wir hatten ja Zeit.

Nach dem Frühstück nahmen wir uns zuerst die Zeit, das kleine Dorf anzusehen, welches uns diesen schönen Parkplatz für die Nacht zu Verfügung stellte. Schon bei der Durchfahrt gestern bemerkten wir, dass wir hier nicht in irgend einem Dorf gelandet waren. Das ganze Dorf schien wie ein Museum – und wir waren eigentlich nur wegen dem Gratis-Platz aus der App hier. Der morgendliche Rundgang war jedoch genau das richtige. Das Dorf / Museum lag ruhig und verlassen vor uns. Der kleine See spiegelte die traditionellen Gebäude und man hörte nur das Singen der Vögel und einen rauschenden Bach in der Ferne. Wir spazierten durch die wirklich sehr gepflegte Anlage, schossen Fotos und entdeckten viele Infos auf den vielen Tafeln. Unter anderem, dass dieses Dorf Strömfors heisst. Eine ebenso interessante Geschichte erzählte die Kirche auf der anderen Seite des Flusses, welcher früher plötzlich die Grenze zwischen Finnland und Schweden markierte. Darum musste das Dorf eine ganze Weile auf die schöne Holzkirche Routsinpyhtää verzichten. Nein mir ist keine Katze über die Tastatur gelaufen – die Kirche heisst echt so. Wir betrachteten weiterhin die schönen Restaurants und stellten uns vor, wie hier an schönen Sonntagen wohl das Leben tobt. Ein wirklich wundervoller Ort, den es zu besuchen lohnt. 









Nach der ausgiebigen Besichtigung rollten wir weiter. Immer weiter auf Helsinki zu. Eine Städtebesuch stand als nächstes auf dem Programm. Jedoch nicht in Helsinki sondern 60 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt, in Porvoo. Diese Stadt ist jetzt vielleicht nicht so bekannt wie die grosse Millionenstadt im Süden, jedoch ebenso sehenswert. Sogar die einzige finnische GeoTour findet man hier. Doch für all diese Caches hatten wir leider keine Zeit und beschränkten uns auf ein paar wichtige Orte. Wir starteten mit einem virtuellen Cache im ältesten Stadtteil von Porvoo. Hier fühlten wir uns mit den Holzhäusern und dem Steinboden sehr nach Norwegen zurückversetzt. Während Norwegen die Häuser bis heute so baut, änderte sich das in Finnland und solche alten Quartiere sind sehr selten zu sehen. Als nächstes entdeckten wir eine historische Speicherreihe, ähnlich den Bryggen in Norwegen. Ein Restaurant baute sich sogar eine Terrasse in Form eines alten Schiffes in den Kanal. Alles wirklich sehr stimmig und auch das Holz duftete schon wieder bis auf unsere Seite des Kanals. Von einem kleinen Felsen konnten wir einen Blick über die Stadt schweifen lassen, ehe wir dem Kanal entlang die schönen Cafes an der Promenade betrachteten. Nach einem kleinen Einkauf bei Lidl, wo ich endlich Bonbons für meinen Hals bekam, ging es weiter in Richtung Helsingfors, wie Helsinki auf schwedisch heisst, was übrigens die Amtssprache in Süd-Finnland ist. In der Hauptstadt redet man also auch, oder vor allem, schwedisch. 






Wir passierten also das Ortsschild von Helsingfors / Helsinki. Für die Fähre nach St. Petersburg waren wir noch einen Tag zu früh. Also durchquerten wir die Stadt mithilfe der Stadtautobahn, welche uns ohne irgendwelchen Stau oder Verzögerungen auf die andere Seite der Hauptstadt führte. Dort fuhren wir noch ein bisschen mehr als eine halbe Stunde weiter und erreichten den Nuuksio Nationalpark. St. Petersburg war ein gutes Stichwort und wir checkten nochmals unsere Mails, ob denn nun die Hotelproblematik gelöst werden konnte. Wir erhielten eine sehr nette Mail, in der man sich für die Umstände entschuldigte und uns mitteilte, dass das ursprünglich gewünschte Hotel die Buchung nun doch bestätigte, es seien Zimmer frei geworden. Dies freute uns natürlich sehr und so können wir morgen ganz beruhigt die Fähre besteigen. Zuerst waren wir jetzt aber im Nationalpark. Wir parkten auf dem einsamen Waldparkplatz und suchten uns eine Wanderung von der Infotafel aus. Unsere Wahl fiel auf den Korpinkierros-Trail, welcher uns in 7,2 Kilometern durch den Nationalpark führen sollte. Wieder wurden die Wanderschuhe geschnürt, der Rucksack gepackt und ab ging die Wanderung. Der breite Wanderweg führte uns immer tiefer in die Wälder. Anfangs traf man auf den rollstuhlgeeigneten Pfaden sogar noch Japaner mit FatBikes (die Fahrräder mit den gaaaanz dicken Reifen) an, was sich aber erledigte, nachdem die ersten Steigungen und schmalen Pfade mit Wurzeln erwandert werden mussten. Hier waren wir wieder alleine. Die Höhenmeter merkte ich ganz schön im Hals und so war ich froh waren es immer nur kurze Anstiege. Wir suchten noch drei Geocaches auf dem Weg, ehe wir nach 9,4 Kilometern wieder auf dem Parkplatz waren. Ein bisschen mehr als angegeben war das ja schon und die Caches waren alle am Wegesrand. Aber irgendwie schienen wir auch auf dem falschen Parkplatz angekommen zu sein. Der Parkplatz war gefüllt mit Autos und da waren sogar diverse Verkaufsstände für Sportartikel aufgestellt worden. Wir entdeckten inmitten des Rummels unser Womo und wussten, dass wir doch richtig waren. Nur hatte sich inzwischen ein Orientierungslauf-Event hier breit gemacht. Überall wurde eingedehnt, umgezogen und warmgelaufen. Wir setzten uns genüsslich ins Womo und betrachteten das Gratis-Kino, welches sich vor unserer Frontscheibe abspielte. So verbrachten wir einen ruhigen Abend und werden bald noch in die letzte Nacht im Womo starten. Morgen Abend geht es schon auf die Fähre, auf welcher wir die Nacht verbringen werden, ehe wir Donnerstagmorgen in St. Petersburg wieder von Bord gehen werden. 






Montag, 13. August 2018

Ein ruhiger Montag

Hin und wieder fielen ein paar Regentropfen auf unser Dach. Ansonsten war die Nacht ruhig. Aber nicht nur das. Als ich gestern im Bett lag, öffnete ich kurz vor Mitternacht nochmals die Rollos des Fensters. Und dabei entdeckten wir, dass es zum ersten Mal seit Ewigkeiten wirklich dunkelste Nacht war. Ob Rollo offen oder geschlossen machte absolut keinen Unterschied. Ich begrüsse es zwar, ohne Schlafmaske zu schlafen und meinen Rhythmus wiederzuhaben. Doch irgendwie war es schon auch cool als man einfach um 23:30 Uhr noch ein wenig die Natur beobachten konnte oder gar eine Wanderung um diese Zeit startete. Doch dies ist am 62. Breitengrad nun endgültig vorbei.

Auch heute schafften wir es irgendwie sehr lange im Bett rumzuliegen und sassen erst sehr spät am Frühstückstisch. Mein Hals, welcher mich gestern schon ein wenig plagte, machte sich heute noch heftiger bemerkbar. Die Klimaanlage schien mir nicht gut bekommen zu sein. Doch nach dem Essen sah die Welt schon besser aus und wir brüteten einen Plan für heute aus. Da das Boot nun nur noch am Wochenende fährt, waren die Wanderungen im Nationalpark sehr eingeschränkt. Und die grosse mehrtägige Runde sollte es dann doch nicht sein. Also musste Ersatz her, welchen wir eine Autostunde südlicher auch fanden.

Im Winter verläuft eine Langlaufloipe durch die Wälder am Stadtrand von Kouvola. Im Sommer zieht sich lediglich eine Schneise durch den Wald, welche an die winterliche Nutzung erinnert. Und genau dieser Loipe entlang legte ein findiger Geocacher einen Powertrail mit 69 Dosen plus Bonus. Dies verleitete uns dazu unser Womo auf den Parkplatz des Langlaufzentrums abzustellen und die Fahrräder zu satteln. Der Popo schmerzte noch ein wenig von Vorgestern. Davon liessen wir uns jedoch nicht abhalten und wir starteten auf die Runde. Wie gesagt handelte es sich dabei nicht wirklich um eine Strasse oder einen Weg, sondern um eine Loipe. Momentan regierte hier der Wildwuchs und nur ein schmaler Pfad, wohl von den Geocachern, führte uns von Dose zu Dose. Mit dem Fahrrad war dies aber ganz gut zu meistern. Die steilen Anstiege und Schussfahrten forderten uns da schon mehr. Die Natur gefiel uns dabei aber ganz gut. Mitten im Wald und keine Menschenseele weit und breit. Ein oder zwei Wolken zogen zwischendurch vorbei und liessen ein paar Tropfen auf unsere Köpfe fallen. Ansonsten herrschte optimales Wetter. Nach 25 Dosen wurde dann auf einer Lichtung an der Sonne auch noch der Hunger gestillt.

So war alles bestens. Beinahe. Mein Hals machte Probleme und Melanie war nicht mehr so motiviert, zumal wir noch nicht einmal den Wendepunkt erreicht hatten. Bei der Nummer 26 bot sich aber eine Abkürzung zur Nummer 49 an. Wir überlegten hin und her und entschlossen uns, diese Abkürzung zu nutzen. Schnell radelten wir die 2 Kilometer und stiegen kurz vor Schluss wieder in den Trail ein. Nun war es nicht mehr so weit und zwei Feuchtgebiete und diverse Dosen später waren wir am Womo angekommen. Obwohl wir nicht alle Dosen entdeckten, konnten wir trotzdem noch den Bonus loggen, welcher auch gleich am Parkplatz lag. Mein Hals war froh, dass wir uns für die Abkürzung entschieden hatten. Ein schöner Trail mit guten Caches und Wegen, doch für heute reichte auch die Hälfte.







Das nächste Ziel stellte die Stadt Kotka dar. Wiederum eine Stunde Autofahrt später erreichten wir die Stadt und blickten endlich wieder über das Meer. Das hatten wir echt schon lange nicht mehr gesehen, die vielen Seen in Finnland trösteten aber bisher gut darüber hinweg. Wir machten eine kleine Tour durch die Stadt und ich kaufte mir einen Bluetooth-Lautsprecher, welchen ich schon lange kaufen wollte und welchen man dank einer Aktion bei DNA wohl niemals wieder zu diesem Preis erhalten wird. Einen Virtual-Cache später machten wir uns schon wieder auf die Weiterfahrt.

Auf einem schönen Picknickplatz an einem Fluss kamen wir wieder zum Stillstand. Überraschend war das kleine Dorf, welches sich gleich hier in der Nähe befindet. Dieses werden wir morgen sicherlich noch besichtigen fahren. Ansonsten haben wir nämlich noch keine Pläne. Der einzige Programmpunkt ist höchstens, eventuell das mit dem Hotel in St. Petersburg noch zu organisieren. Das Reisebüro der Fährgesellschaft schrieb uns nämlich eine Mail, dass sie das schöne Hotel, welches wir buchten, nicht mehr reservieren konnten, da es schon ausgebucht ist. Sie präsentierten uns jedoch eine sehr gute Ersatzlösung welcher wir heute Abend per Mail zustimmten. Mal sehen ob das so einfach klappt oder ob wir da morgen nochmals ran müssen.


Sonntag, 12. August 2018

Beim Kummakivi und im Nationalpark

Das mit dem Abend vor dem Womo ausklingen lassen klappte gestern Abend nicht ganz wie geplant. Ruhig lagen wir auf unseren Liegestühlen, als ich eine Dame entdeckte, welche am nahen Schild inmitten des Parkplatzes herumhantierte. Sofort war mir klar, dass dies eine Geocacherin ist, welche den ersten Cache des Trails suchte. Als sie ihn eine Weile nicht fand, ging ich zu ihr hin um ihr einen Tipp zu geben. Schnell fand die Finnin die Dose und wir plauderten ein wenig. Sie kam auf einen Cache der Runde zu sprechen, den auch wir leider nicht loggen konnten. Es handelte sich dabei um einen T5 (für Muggels: für die braucht man ein Hilfsmittel; z.B. zum Klettern) und wir hatten natürlich nichts dabei. Sie hätte die benötigte Leiter im Auto gehabt, traute sich alleine jedoch nicht auf den Felsbrocken zu steigen. Kurzerhand beschlossen wir unsere Kräfte zu vereinigen und zu diesem T5 zu fahren. Wir räumten unseren Kram ins Womo und sassen bald im Auto der Finnin. Wir bretterten über die Schotterpiste zu dem Geocache. Wie die Finnen Schotterpiste fahren hat etwas von Rally im Fernsehen. Volle Pulle, Schlaglöcher sind egal. Angekommen kämpften wir uns mit der Leiter im Gepäck durch eine Moorlandschaft, ehe wir am Felsen angekommen waren. Schnell installierten wir die Leiter und ich kletterte auf den Stein. Die Dose war schnell entdeckt und wir trugen unsere Namen im Logbuch ein. Nachdem wir zurückgefahren waren, setzte sich die Cacherin noch mit uns an den See. Die Stimmung war genial. Ein Abendrot vom Schönsten. Das hatten wir im immer hellen Norden lange nicht mehr gesehen. Die Finnin parkte ihr Auto neben unser Womo und beschloss im Auto zu schlafen, um heute auf einen weiteren Powertrail zu gehen. Die Finnen spinnen auf die Trails. Nur so schaffen sie die gigantischen Fundzahlen. Die angetroffenen Cacher vom Nachmittag hatten 22'000 Funde und die Finnin, welche nun neben uns ihr Bett installierte, hatte sogar 32'000 Cachefunde auf dem Konto. 




Nach einer erneut ruhigen Nacht am See, hatten wir wieder Sonntagsblues. Es war schon neun Uhr als wir unter der Decke hervor krabbelten und unsere Nachbarin war schon weitergezogen. Wir genossen ein letztes Frühstück mit der Aussicht auf den wundervollen See, ehe wir unser nächstes Ziel anvisierten. 50 Minuten Fahrt lagen vor uns um einen Stein im Wald zu besuchen. Klang nicht so interessant, doch wir hatten Zeit und liessen uns überraschen.

Den offiziellen Parkplatz des Kummakivi, so heisst der Stein, erreichten wir mit dem Womo leider nicht. Ein paar hundert Meter davor war Schluss und wir parkten am Strassenrand. Die Schotterpiste war zu steil und zu viele Löcher jagten uns Angst ein. So entdeckten wir ein Schild, welches uns über einen Umweg zu diesem Kummakivi leiten wollte. Da genau auf dem Umweg noch ein Multicache lag, entschlossen wir uns diesen Umweg auf uns zu nehmen. Wir wanderten auf einem verwachsenen Trampelpfad einem See entlang. Die Stelle, welche dem Multi und dem Umweg den Namen gab, war dann aber schon sehr speziell. Eine „Brücke“ führte über den See in Richtung Kummakivi. Brücke ist jedoch das falsche Wort. Schwimmende Inseln aus Erde und Gras waren mit kleinen Brettern und Fichtenstämmen verbunden und führten mitten über den See. Erst dachten wir, dass es sich um einen Damm handelt, bis wir auf der ersten grünen Insel bemerkten, dass diese schwimmt, somit sehr wackelt und bei längerem stehen bleiben sogar droht unterzugehen. Somit war es ein wahrer Balanceakt den See zu überqueren. Doch es führte kein Weg an der abenteuerlichen Variante vorbei. Wir konnten danach dafür den Final des Multis finden und standen schon bald am Kummakivi. 



Unser erster Gedanke: OH MEIN GOTT! Wie gross der war. Wir kennen die ausbalancierten Steine ja von diversen Wanderungen, auch in der Schweiz. Doch dieser Stein hatte die Grösse eines kleinen Einfamilienhauses. Und dieses Einfamilienhaus stand auf einer Fläche von 1x1 Meter auf einem anderen Stein. Gut war zu erkennen, dass sich der ausbalancierte Fels von einem Berg gelöst hatte und von Gletschereis hierhin transportiert wurde. Der untere Stein war von diesem Gletscher total rundgeschliffen und die grosse Last wurde einfach vom schmelzenden Eis auf ihm abgelegt. Wir schossen viele Fotos und Videos von dem beeindruckenden Riesen und wunderten uns, dass diese Attraktion keine Menschen anzog. Kein Schild weit und breit und ebenso keine Leute. Wir konnten uns beinahe nicht sattsehen, machten uns dann aber doch auf den Rückweg. Wir wählten den direkten Weg, welcher uns die „Brücke“ ersparte und dafür am Final des zweiten Multis vorbeiführte. 




Hungrig landeten wir wieder am Wohnmobil. Doch Essen musste zuerst gekauft werden. Also nichts wie los nach Imatra zum Lidl. Eine knappe Stunde fahrt zeigte das Navi an und wir beschlossen uns, dies durchzuhalten. Noch 9 Minuten. Noch 8 Minuten. Noch 7 Minuten. „HAAAALT – Lueg e mol det. Det fahremer ane“. So klang es vom Beifahrersitz und Melanie zeigte auf eine wunderschöne Kirche. Kirche in allen Ehren, aber ich habe Hunger. Natürlich interessierte das Niemand und wir standen kurz später am Parkplatz der Kirche von Ruokolahti. Der wunderschöne Holzbau erwartete uns mit offenen Türen und wir traten ein. So eine grosse Holzkirche sahen wir selten. Imposant ihr Inneres, welches typisch für den Norden komplett schmucklos ausfiel. Nur eine riesige Orgel war neben einem kleinen Altar, einer Kanzel und vielen Bänken zu sehen. Doch auch im Umfeld der Kirche fanden wir viele interessante Orte. Kriegsgräber aus dem zweiten Weltkrieg säumten die Umgebung und erinnerten an den verlustreichen Krieg hier an der finnisch-russischen Grenze. Ein Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert erinnerte uns an die Stabskirchen in Norwegen und duftete nach harzigem Holz, wie die Kirche von vorgestern. Irgendwann gewann aber der Hunger die Oberhand und so wurde sogar der Geocache an der Kirche links liegen gelassen. 





Wir mussten uns zurückhalten im Lidl. Jeder kennt das, wenn man mit Hunger einkaufen fährt. Wir schafften dies einigermassen, doch schon auf dem Parkplatz brach es aus uns aus. Die Teller wurden auf den Tisch gestellt und ab ging die Post. Nach der Stärkung bemerkten wir, dass wir noch gar keine Ahnung hatten, was als nächstes kommt. So wurden Karten und Infos studiert. Ganz in der Nähe befand sich der Repovesi Nationalpark. Dieser sah sehr interessant aus und war sogar auf unserer Reiseliste zu finden. So könnten wir auf dem Weg dorthin noch ein paar Caches finden, dann dort schlafen und morgen auf Wanderung. Doch auf der Homepage entdeckten wir, dass am beliebten Fox-Trail (hat nichts mit dem Spiel Fox-Trail zu tun, mehr mit dem Tier, dem Fuchs) die Hängebrücke zusammengefallen ist. Diese Passage wird nun von einem Schiff überbrückt, welches bis zum 12. August jeweils bis 18:00 Uhr verkehrt. Also nur noch heute.

So fuhren wir den direktesten Weg zum Nationalpark und standen kurz nach 16 Uhr auf dessen Parkplatz. Wir packten den Rucksack und schnürten die Wanderschuhe, schnappten das Navi, die Kamera, das Handy. Wir entdeckten bald die gut ausgeschilderte Bootshaltestelle und warteten auf dem Steg am schönen See. Sobald uns der Kapitän am anderen Ende erblickt hatte, tuckerte er mit dem kleinen Boot zu uns und holte uns ab. Wir kamen in den Genuss einer kurzen aber sehr schönen und kostenlosen Bootsfahrt ehe wir am anderen Ufer wieder abgesetzt wurden. Danach folgte über sieben Kilometer schönste Wanderung. Gleich zu Beginn mussten wir zwar die ganzen Höhenmeter über eine endlos erscheinende Treppe erklimmen, wurden jedoch mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Über verträumte Pfade wanderten wir durch den Nationalpark und begegneten nur vier anderen Wanderern, welche uns entgegen liefen. Die mussten sich aber beeilen um noch vor 18 Uhr am Bootssteg zu sein. Wir fanden einige Caches, wanderten und plauderten, ehe wir an der zweiten abenteuerlichen Seequerung des Tages standen. Eine „Fähre“, welche an zwei Seilen befestigt über den See gezogen werden konnte. Da die Fähre am anderen Seeufer parkte, mussten wir diese erst zu uns ziehen, was schon fünf Minuten dauerte. Die Überfahrt klappte dann schneller als gedacht und wir kamen auch tatsächlich trockenen Fusses am anderen Ufer an. Ein kurzer Weg war es nun noch zum Womo. Eine wunderschöne Wanderung, wenn auch länger als erwartet. Doch 2 Stunden war eine gute Zeit und so waren wir auch hungrig genug um uns gleich wieder an den Tisch zu setzen. Heute bleiben wir hier im Nationalpark und verbringen sicherlich eine ruhige Nacht auf dem leeren Parkplatz.







Samstag, 11. August 2018

Der gemütliche Tag am See

Als ich heute früh ausgeruht durch den Wecker geweckt wurde, wusste ich bereits, dass das Wetter wohl nicht so toll sein würde wie noch gestern. Ansonsten wäre ich wohl eher von der Hitze aufgewacht. Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigte ein paar Wolken, welche die Morgensonne verdeckten. Danach folgte jedoch nichts als blauer Himmel. Das war eine perfekte Mischung und so stand meinem gemütlichen Tag am See nichts mehr im Wege. Ich sass an den Frühstückstisch und musste bemerken, dass sich doch noch etwas in den Weg stellen konnte. Melanies Tatendrang.

Direkt hier am See startete eine Geocaching-Runde mit stolzen 65 Geocaches. Die Idee stand nun im Raume, diese Caches zu besuchen. Es handelte sich dabei um eine Hauptrunde, mit vielen kleinen Abstechern, einigen grösseren Abstechern und sogar noch einer Zusatzrunde. Ich verspürte ebenfalls Lust mich ein klein wenig zu bewegen und stimmte zu, die Hauptrunde zu absolvieren und vielleicht, je nach Lust und Laune, noch einen oder zwei Abstecher.

Wir schnappten also unsere Fahrräder und machten uns auf den Weg. Breite Schotterpisten führten uns von Cache zu Cache, was zusammen mit einer optimalen Temperatur und sehr einfach versteckten Geocaches zu raschem Vorankommen führte. So standen wir schon sehr bald am Wendepunkt der Hauptrunde. Das ging ein wenig zu schnell für uns. Also wurde noch die Zusatzrunde in Angriff genommen. Aber da einfach an den Abstechern vorbei brausen kann man ja auch nicht. Also wurden auch diese erledigt. Es wurde immer wärmer, doch wir radelten und radelten durch den finnischen Wald. Klar trafen wir an einem sonnigen Samstag da immer wieder einmal auf andere Geocacher. Diese waren alle mit ihren Autos unterwegs – es ist hier in Finnland nicht verboten im Wald auf den Pfaden Auto zu fahren, aber ein wenig faul ist es ja schon. Wir freuten uns aber sehr hier auf Finnen zu treffen, zumal sich daraus immer längere Gespräche ergaben. Auch die Finnen sind sehr offen und freundlich im Gegensatz zu den Norwegern. Um die Mittagszeit kam der Hunger, doch ausser einer Flasche Wasser und vier Keksen hatten wir nichts dabei. Wir rechneten ja nicht mit so einer Tour. Doch es kam wie es kommen musste: erst als jeder einzelne Cache des Waldes geloggt war (mit Ausnahme eines T5-Caches) radelten wir zum Womo und zum lang ersehnten See zurück.






Die Sonne knallte auch dort auf unsere Köpfe sowie auf unser Womo. Selten wechselte ich so schnell meine Kleidung von Wanderung auf Schwimmen. Keine fünf Minuten nach dem Erreichen des Womos lag ich schon im kühlen See. Eine traumhafte Abkühlung, welche auch Melanie genoss. Nach einem kurzen Badeplausch kam der Hunger wieder zurück. Schnell wurde eine Dose Ravioli geöffnet. In der Zeit in der Melanie die leckeren Ravioli auf den Tellern (und im Rest der Küche) verteilte, liess ich die Markise raus, spannte sie mit Sturmbändern ab und stellte die Stühle darunter. Den Tisch stellte ich in Gedanken ebenfalls auf, ruht er doch noch immer in Frauenfeld im Keller.

Nach dem einfachen aber leckeren Mittagessen durfte ich dann endlich meinen Tagesplan verfolgen. Faul lag ich mit dem Tolino und einer Dose Bier auf meinem Stuhl und blickte ab und an über den schönen See. Natürlich konnte ich nicht allzu lange still sitzen und so loggte ich die 65 Caches unseres morgendlichen Exzesses und pflegte noch meine Gesichtsbehaarung. Nicht dass Sven im Herbst noch einen Schock bekommt wenn er mich trifft (er fürchtet sich vor den Filzläusen in meinem Bart). Schneller als es uns lieb war wurde es Abend. Nachdem das leckere Abendessen den Weg in unsere Mägen fand, zogen auch schon die abendlichen Wolken auf. Die Sonne war verschwunden und es hatte angenehm abgekühlt. Ich machte mich trotzdem nochmals auf den Weg ins Wasser, ehe wir den Abend ein wenig wärmer angezogen vor unserem Womo ausklingen liessen.