Freitag, 10. August 2018

Im heissen Süden Finnlands angekommen

Ruhig liegt das Biathlon-Stadion von Kontiolathi im Sommer hier. So konnten wir eine ruhige Nacht verbringen und dank dem gratis Strom wachte auch unser Womo mit vollen Akkus auf. Die Steckdosen, welche man im Norden von Norwegen, Schweden und Finnland findet, dienen im Winter dazu, die Standheizungen der Fahrzeuge mit Strom zu versorgen. Und im Winter hat es hier sicherlich auch viel mehr Autos. Spannend war es so ein Stadion und auch so eine Rennstrecke einmal im Sommer zu sehen. Wer weiss – vielleicht können wir uns ja einmal ein Biathlon in diesem Stadion von Zuhause aus verfolgen. Die Sonne schien schon zünftig vom Himmel, als wir unsere Kabel im Womo verstauten und uns auf den Weg machten.

Auch unser heutiges Ziel lag schon wieder über drei Stunden entfernt im Süden. Jedes Mal, wenn wir momentan das Navi bedienen, ändert der Breitengrad. Waren wir in Spitzbergen noch bei 78°, am Nordkapp noch bei 73°, so sind wir nun nur noch bei 61°. So schnell geht es. Sind wir erst einmal bei 47° angelangt, dann sind wir wieder Zuhause. Doch daran wollten wir nicht denken und fuhren weiter südwärts. In der Hälfte der Fahrstrecke, entdeckte ich ein braunes Schild am Strassenrand, welchem ich eigenmächtig folgte. Der Vorteil solcher Schilder in Finnland ist, dass die Entfernung des Abstechers an den angezeigten Ort immer ersichtlich ist. Hier waren es 600 Meter und für eine kleine Pause schien das genau richtig. Es erwartete uns ein sehr gut erhaltener finnischer Hof mit einer alten orthodoxen Kirche. Die Kirche war wirklich wunderschön und durch die Sonne duftete das dunkle Holz heimelig nach Harz. Das Innere war leider verschlossen und so blieb uns nur die Aussenansicht. Ein Blick auf die Locus-Karte zeigte uns, dass nur ein kurzer Multicache an diesem Ort versteckt war. Dieser entführte uns zuerst zu einer Freiluftbühne, bei der das Bühnenbild schon auf die nächste Vorstellung wartete. Weiter ging es dann in den Wald. Die Schilder am Waldlehrpfad waren leider nur auf finnisch, die Antworten zum Finden des Caches konnten wir jedoch trotzdem sammeln und die Dose auch punktgenau am Ende der Runde finden. Ein interessanter und vergessener Pfad durch den Wald, den wir hier fanden. Viel mehr Leute als die wenigen Geocacher scheinen ihn jedoch nicht mehr zu begehen. 





Bevor wir weiterzogen, wurde auf dem Parkplatz noch am Listing zu unserem GIFF-Event im November gefeilt. Es war schliesslich 10 Uhr und somit hatten auch die Server in der USA den Datumssprung auf den 10. August geschafft, womit es nur noch drei Monate bis zum Event wären und das Listing veröffentlicht werden kann. Das Listing war also eingereicht und wurde noch ein letztes Mal gelesen. Früher nutzten wir noch Doodle für die Anmeldung, was man nun aber nicht mehr darf, da Doodle Werbung schaltet, die Groundspeak nicht in den Kram passt. Also wurde eine Ersatzlösung aus der Schweiz (wo Doodle übrigens auch herkommt) gefunden. Erst jetzt bei der letzten Kontrolle entdeckten wir den fatalen Zusatz: Dieser Service wird auf Ende August 2018 eingestellt. Na super. Also musste alles wieder schnell geändert werden und so war beinahe wieder eine Stunde um, bis das Listing erneut eingereicht wurde. 

Weiter ging die Reise nun also Richtung Süden. Doch auch die zweite Hälfte der Fahrt, unterteilte ich in zwei Hälften, indem ich einem braunen Schild folgte. Was einem dabei erwartet, weiss man nie. Hier in Finnland ist das Meiste nur finnisch angezeigt und wenn eine andere Sprache auf den Schildern Platz hatte, dann hat man sich für Russisch entschieden. Die Grenze lag ja auch nur etwa 30 Kilometer von der E6 entfernt, auf der wir uns gerade befanden. Wer sich übrigens wundert, warum wir hier noch weniger Ortsangaben in den Blog stellen als schon in Norwegen, dem sei der Name des Aussichtsturmes verraten, den wir nun am Ende des kurzen Abstechers entdeckten. Der Pien-Rautjärven Luontokohteet Pohjanranta war nicht hoch. Doch trotzdem konnten wir von seiner kleinen Plattform aus wunderschön in die Ferne blicken. Hier fand 2015 der Finnische Vogelbeobachtungs-Event statt, bei dem an einem Tag über 100 verschiedene Vogelarten beobachtet werden konnten. Doch für so eine Aktion war es uns heute zu heiss. Wir schossen Fotos und verzogen uns schnell wieder im klimatisierten Womo. 




Nun konnte ich die Strecke nicht immer halbieren und einen Halt machen. So wären wir ja nie am Ziel. So ignorierte ich das eine oder andere braune Schild, bis wir auf den Parkplatz unseres Zieles rollten. Der Veijo Rönkönnen Skulpturgarten, wurde vom gleichnamigen Künstler zwischen 1964 und seinem Tod im 2010 erschaffen. Hunderte Skulpturen sammelten sich über die Jahre in dem kleinen Wald mit Atelier an der E6 an. Sehr zur Freude von Melanie starteten wir an einem Feld voller nackter Männer. Die Skulpturen befanden sich dabei in allen nur erdenklichen Posen. Unsere Yoga-Lehrerin Carmen hätte ihre wahre Freude an dem herabschauenden Hund, dem starren Krieger oder dem verwurzelten Baum gehabt. Der Rundgang führte uns weiter zu Skulpturen, die im Gegensatz zu den Yoga-Männern ein Gesicht hatten. Während die Menschen in Beton nur relativ grob und ohne Einzelheiten dargestellt waren, befanden sich in ihren Mündern etwas was wirklich wie echte Zähne aussah. In den Augenhöhlen warteten täuschend echte Glasaugen. Zusammen mit den Fratzen, welche einige Damen und Herren schnitten, gab es eine relativ gruselige Kombination. Doch weiter ging es mit Kindern. Schon viel friedlicher. Turnende Kinder bei Übungen wie im Turnverein – nur komplett nackt. Wir verliessen das FKK-Areal und wanderten nun den angezogenen Nonnen und Priestern entlang (obwohl der Priester einem nackten Knaben hinterherrannte) bis zu wunderbaren Skulpturen, welche auch als Blumentopf hinhielten. Am meisten Zeit verbrachten wir jedoch bei vier üppig behängten Johannisbeersträuchern. Wir zupften einige Beeren ab, bis unsere Zungen belegt und unsere Mägen voll waren. Noch einen Blick auf die nackten Männer und wir zogen davon. 








Ich entdeckte in der neuen Stellplatz-App einen Platz in der Natur ganz nahe von dem Skulpturgarten. Dieser lag am Fluss und sollte auch mit tollen Wanderungen flussabwärts aufwarten, sowie mit einem Badeplatz. Wir parkten zehn Minuten später unser Womo am Parkplatz, packten den Rucksack, zogen uns leichte Kleider an und wanderten los. Im Wald und am stehenden Fluss entlang waren die Temperaturen einigermassen auszuhalten. So spazierten wir flott flussabwärts und waren überrascht, als wir nach 15 Minuten schon am Wendepunkt den Fluss überquerten. Wir besuchten kurz den Badeplatz, welcher aber voller Wasserpflanzen war und deshalb auch von uns gemieden wurde. So waren wir schon bald wieder am Womo. Doch es war noch zu früh und vor allem zu heiss um sich jetzt hinzupflanzen. Also wurde schnell der nächste Stellplatz am Wasser gesucht.

Mit dem neuen App kein Problem und wir fanden 38 Kilometer entfernt einen Platz direkt am See. Einsam und mit Badeplatz. Das einzige Problem war diesen zu erreichen. Er lag zwar an einer Teerstrasse, welche aber einen riesigen Bogen von unserem Standort zum Stellplatz zog. Als zweite Option gab es eine Schotterpiste, welche relativ direkt führte. Wir entschieden uns für die Schotterpiste und wurden mit einer wunderschönen Fahrt belohnt. Viele viele Kilometer stoben wir über Schotter durch den einsamen Wald. Über 30 Minuten lang nur wir, die Piste und der Wald. Traumhaft. Doch auf den letzten drei Kilometern mussten wir für die Abkürzung bezahlen. Der Regen spülte kleine Wellen in den Schotter und mehr als Schritttempo lag nicht mehr drin. Auch so wurde der Hausrat schon ordentlich durchgeschüttelt. Belohnt wurden wir dann aber mit einem wunderbaren Stellplatz direkt am See. Ganz so einsam war es dann doch nicht, zumal schon ein schwedisches Paar ihr Womo hier installiert hatte. Wie gesagt waren es Schweden und keine Norweger, was bedeutet, dass wir sehr schnell ins Gespräch kamen und eine ganze Weile quatschten, ehe wir endlich ins erfrischende Wasser sprangen. Trotz einer Wassertemperatur von 24°C wirkte dieses erfrischend. Wir waren wohl endgültig in der Hitzeglocke angekommen, welche sich seit Monaten über Mitteleuropa legt. Wir legten uns noch ein wenig an die Sonne und beschlossen, den Tag morgen hier am See zu verbringen, wenn das Wetter so bleibt wie es heute war. Bis zu unserer Fähre nach St. Petersburg haben wir noch fünf Tage Zeit und es trennen uns nur noch etwa 4 Stunden von der finnischen Hauptstadt. Also liegt ein Faulenzer-Tag gut drin. 






Donnerstag, 9. August 2018

Das typische Finnland - entdeckt im Koli Nationalpark




Als wir heute früh aufwachten und die Fenster öffneten, staunten wir ob der wundervollen Stimmung am See. Was sich hier vor unserem Fenster abspielte war einfach ein Traum. Melanie stand sofort auf und schoss einige Fotos von der schönen Szenerie. Mit diesem Ausblick schmeckte das Frühstück gleich doppelt gut und wehmütig verliessen wir danach den Platz.



Wie immer hier in Finnland stand auch heute viel Fahrstrecke auf dem Programm. Die erste führte uns zu einem Lidl, welcher direkt am Weg lag. Dort konnten wir nochmals den Kühlschrank füllen und uns ein fertiges Mittagessen kaufen. Es war jedoch noch ein wenig zu früh, dieses auch zu verspeisen und so tuckerten wir noch ein wenig weiter der E65 entlang. Ein hellblauer Ford Focus überholte uns und plötzlich knallte es an unserer Frontscheibe. Ein Stein schlug ziemlich genau mittig im unteren Bereich in die Scheibe. Dort wo auch das Navi per Saugnapf befestigt war. Das kennt man ja. Doch heute war anders. Ein schwarzer Fleck von der Grösse eines 10-Rappen-Stücks prangte nun an der Frontscheibe. Der erste Gedanke: Sch... Der Zweite: Carglass repariert, Carglass tauscht aus. Unglaublich wie eine Werbung es schafft, einen bei einem Zwischenfall gleich an diese Firma denken zu lassen. Alles richtig gemacht. Doch was machen wir nun? Natürlich würde der ETI-Schutzbrief das alles wieder regeln. Zuerst wollten wir jedoch abklären, ob die Versicherung den Schaden bezahlt. Mir war es, dass Glasschäden komplett gedeckt wären. Ein kurzes Telefon mit der Helvetia später, wussten wir, dass es auch wirklich so war. Und sogar ohne Selbstbehalt. Eine sehr kompetente Beratung, dank der wir entschlossen den Schaden nun erst einmal so zu belassen und nur auf der Reise zu reparieren, wenn der Steinschlag Risse bildet. Ansonsten werden wir das erst in der Schweiz reparieren lassen. Die Umtriebe werden wohl weniger gross sein.

Nun waren wir aber hungrig. Wir suchten uns einen Platz zum Essen und entdeckten auch bald einen schönen Platz unter Bäumen neben der Strasse. Da die Sonne auch heute wieder vom Himmel knallte, waren wir froh um den schattigen Platz. Während wir speisten, fuhren immer wieder Autos vor, deren Fahrer schnell im See eine Abkühlung suchten und danach wieder weiterfuhren. So gezielt wie sie es taten, verriet, dass die Leute hier in der Mittagspause noch gerne einen schnellen Gang zum See unternahmen. Nach dem Essen waren wir dann auch schnell soweit, dass wir unsere Badeklamotten anzogen und uns zum nahen Steg begaben. Ein kleiner Hüpfer und Melanie war im kühlen Nass. Nach all den Badeeskapaden in den Fjorden und im Eismeer, schaffte auch ich es hier in diesem See, schnell im Wasser zu sein. Das Wasser war nicht wirklich warm aber auch nicht kalt. Eigentlich perfekte Temperatur. Im tiefen See konnte man nicht stehen und so machten wir eine kleine Runde, ehe wir wieder die hölzerne Treppe am Steg erklommen. Eine perfekte Abkühlung und eine richtige Wohltat. 



So liess sich die nächste Stunde, welche unsere restliche Fahrt dauerte, viel besser aushalten. Die Wälder hier hatten nun sogar langsam Löcher, zwischen denen immerhin einmal Seen oder Wiesen auftauchten. Manchmal sah die Landschaft schon wieder aus wie in der Schweiz. Doch dort waren wir bei Weitem noch nicht. Der nächste Halt war nämlich der Koli-Nationalpark. Von hier versprachen wir uns einen Ausblick über die Finnische Seenlandschaft, welche man im Katalog immer entdeckt, wenn es um Finnland geht. Doch am Parkplatz angekommen roch es nach Regen und der Himmel war total von Wolken verdeckt. Also packten wir unsere Regenjacken und Regenhosen ein und machten uns auf den Weg. Vom Parkplatz auf die erste Anhöhe führten viele viele Treppenstufen. Die Alternative wäre eine Standseilbahn. Doch diese Kosten wollten wir uns sparen. Im letzten Moment bemerkten wir zum Glück, dass die Bahn kostenlos zu benutzen war und ersparten uns somit die ersten Höhenmeter mit der in der Schweiz gefertigten Konstruktion. Doch danach erwartete uns eine Wanderung, mit drei Bergspitzen. Klingt heftig, war es aber überhaupt nicht. Die Hügel waren für uns ein Klacks und der erste, der Ukko-Koli, war schnell bestiegen. Die Aussicht an diesem tollen Felsen haute uns beinahe um. Die Sicht über den See mit seinen, komplett von Fichten bewachsenen, Inseln war traumhaft. Hier angekommen riss auch gleich der Himmel auf und die Sonne begann wieder das Land zu beleuchten. Schnell flohen wir wieder in den Wald und machten uns auf den Weg zum Akka-Koli, welcher jedoch aufgrund der umliegenden Bäume, überhaupt keine Aussicht bot. Viele Touristen schienen hier umzudrehen, denn von hier an waren wir beinahe alleine. Selber schuld würden wir sagen, denn der letzte Gipfel, der Paha-Koli bot mit Abstand die spektakulärste Aussicht. Kaum wanderte man über die vom Eis abgeschliffenen Felsen nach ganz oben, hatte man das Gefühl die Landschaft zu überfliegen. Der See, die Inseln, die umliegenden Wälder – genau so stellt man sich Finnland vor. 









Es dauerte eine ganze Weile bis wir die Aussicht lange genug auf uns wirken gelassen hatten, ehe wir uns auf den Rückweg begaben. Wir wählten dazu aber einen anderen Wanderweg, welcher wiederum von keiner Menschenseele besucht wurde. Der W10 scheint nicht so besucht zu sein, obwohl er der längste Wanderweg Europas ist und von Süditalien bis ans Nordkapp führt. Wir bogen aber schon vor dem Erreichen von Süditalien wieder vom Weg ab und trafen schon bald wieder auf unser Womo. Wir suchten uns einen schönen Platz zum Übernachten aus der neuen App und waren noch nicht ganz schlüssig ob wir einen naturnahen Platz am See oder einen Platz am Stadion mit gratis Strom anfahren wollten. Doch die Beiden lagen dicht beieinander und wir fuhren einfach mal in die Region. Melanie kam mal wieder in den Genuss einer langen Fahrt am Steuer, da ich noch einiges zu tun hatte. Bis zum Stadion, das wir uns nun als Ziel ausgesucht hatten, schrieb ich den Blogeintrag, bearbeitete Fotos und bereitete alles für die Eröffnung unseres GIFF-Events vor, welche morgen stattfinden sollte. Am Stadion angekommen entdeckten wir wirklich Stellplätze mit gratis Stromanschluss und waren trotzdem die einzigen Menschen hier. Wir genossen die Abendsonne sowie das Nachtessen und führten noch die Arbeiten fertig. 

Mittwoch, 8. August 2018

Es weihnachtet sehr

Heute früh öffnete ich die Augen und war prima ausgeschlafen. Ein Blick auf mein Tolino zeigte eine Uhrzeit von 07:10, was bedeutete, dass 10 nach 8 war, wegen der Zeitverschiebung. Melanie erwachte auch ein wenig, sah auf den bereits der Zeit angepassten Wecker und verlautete, dass es 07:10 Uhr war. Hier in Finnland. Na toll. Wie hat denn das Tolino die Zeit umgestellt? War ich das am Ende noch selbst? Melanie döste also weiter und ich beschloss ein wenig zu lesen. Als der Wecker um 08:00 Uhr klingelte und wir uns langsam aus dem Bett bewegten, zeigte Melanies Handy kurz nach 9 Uhr. Also hatte das Tolino eben doch recht und der Wecker hat sich irgendwie zurückgestellt. Wir waren also ganz schön spät dran, genossen unser Frühstück und verabschiedeten uns von dem schönen und ruhigen Übernachtungsplatz.

Das erste Ziel war Weihnachten. Vom Datum her ist Weihnachten sogar noch so weit entfernt, dass noch nicht einmal Coop und Migros die Artikel in den Regalen bereithalten. Doch in Rovaniemi ist das anders. Hier wohnt Santa Claus, der Weihnachtsmann oder wie man ihn auch immer nennen will. Hier ist das ganze Jahr Weihnachten und so verkommt an diesem Ort die Tatsache, dass der Polarkreis genau durch dieses Dorf verläuft, beinahe zur Nebensache. Wir parkten unser Wohnmobil und begaben uns auf eine skurrile Reise. Eine sehr skurrile Reise. Begleitet von Weihnachtsmusik, welche uns aus Lautsprechern an den Strassenlaternen beschallte, wanderten wir durch ein Dorf aus schönen Holzhütten. Das erste Gebäude versprach uns schon, dass hier Santa wohnt und auch gerne in seinem Wohnzimmer für Fotos bereitstehen würde. Nachdem wir uns durch die Japaner gekämpft hatten, welche schon den Plastik-Weihnachtsmann am Eingang zum ausflippen fanden, fanden wir uns in einem schönen „Museum“ wieder. Verschiedene Weihnachtsbilder wurden hier traditionell veranschaulicht und das sogar ohne Eintritt zu verlangen. Dann blickten wir durch einen dunkeln Gang zu Santa. Da war doch tatsächlich der echte Santa und fand die Zeit Fotos zu schiessen. Diese konnte man danach für geschenkte 25 Euro im Shop erwerben. Melanie zerrte mich davon und obwohl ich weinte und mich am Boden wälzte, durfte ich kein Foto mit Santa machen.

Als ich mich wieder gefangen hatte, machten wir uns auf die Weiterreise durch das surreale Dorf und besuchten den Polarkreis und das Santa Claus Postamt. Hier kommen alle Briefe der Welt zusammen, welche an den Weihnachtsmann geschrieben werden. Ausser die Schweizer. Die Schweiz hat ein eigenes Weihnachtsmann Postamt, bei welchem gesammelt und geantwortet wird. Hier konnte man Briefe oder Pakete nach Hause senden lassen. Mit dem sehr beliebten Santa Claus Postoffice Poststempel. Man konnte sogar wählen, ob die Sendung schnellstmöglich oder pünktlich zu Weihnachten beim Empfänger ankommen soll. Versandkosten eines Briefes: Ab 8 Euro! Wir stürmten wieder nach Draussen und spazierten durch das Dorf. Souvenirshop reihte sich hier an Souvenirshop. Nur das kitschigste Zubehör für Weihnachten konnte hier erworben werden. Santa-Figuren, Baumschmuck, Tischschmuck und allerlei unnützes. Ab und an mischte sich noch ein Arctic Circle Tshirt dazwischen – das war es dann aber auch. Mir gefielen die Mitarbeiter am besten, welche sich in klischeehafte Elfen-Kostüme zwängen mussten und somit natürlich den ganzen Tag ungefragt als Fotomotiv hinhalten mussten. Dass sie nebenbei auch noch das ganze Jahr zu Weihnachtsmusik in einem Shop arbeiten müssen, in dem künstliches Weihnachtsaroma freigesetzt wird, weckte ein wenig Mitleid in mir. Nachdem wir am anderen Ende des Dorfes auch noch dem zweiten echten Santa keine 25 Euro bezahlen wollten (dieses Mal ging es schon besser), machten wir uns wieder auf den Weg zum Womo. Wir sahen noch die vielen kleinen Holzhäuschen, welche man sich mieten kann. Wir wollen gar nicht erst wissen, was ein solches Holzhäuschen wohl zur Weihnachtszeit kostet. 










Nun ging es aber in die Stadt Rovaniemi. Wir dachten immer, dass es sich bei Rovaniemi um dieses Weihnachtsdorf handelt. Das stimmt nicht. Die grosse Stadt wartete 10 Kilometer südlich des Weihnachtstrubels und überraschte uns. Eine Autobahn fuhr in sie hinein, was schon ein grosses Ding war. Über zwei Monate sahen wir keine Autobahn mehr und waren darum sehr erfreut. Zudem bestand die Stadt aus richtigen Häusern. Also so richtig gemauert, betoniert, 4 Stockwerke hoch und mit vielen Wohnungen. Auch sowas hatten wir seit Oslo nicht mehr gesehen. Was die Stadt aber vor allem bot war ein Power. Der nordische Media Markt sollte sicherlich eine Auswahl an Handys für mich bereithalten. Und so war es auch. Wir wurden sehr freundlich bedient und nach einigem Hin und Her entschied ich mich für ein Huawei P20 lite. Bei den günstigen UPC Abos ist kein Handy „inbegriffen“ wie bei den teuren Swisscom-Abos und so war ich nun selbst verantwortlich ein Handy zu kaufen. Ich entschied mich darum gegen ein teures Model von Apple oder Samsung und für ein günstigeres, welches jedoch genau dem Abbild des Flagschiffs iPhone X entsprach. Ich googelte die Preise bei digitec.ch und bemerkte, dass das Handy in der Schweiz und in Finnland genau gleich viel kostete. Also bat ich den Verkäufer mir ein solches auszuhändigen. Dabei gab es aber wieder ein Problem. Er habe nur noch zwei Stück. Nummer 1 sei pink. Dies fiel natürlich weg. Und Nummer 2? Ja Nummer 2 war schon einmal geöffnet. Ein Kunde kaufte es, nahm es nach Hause, bemerkte, dass es das Falsche war und tauschte es um. Es war ein Mal eingeschaltet (Funktionskontrolle) und sogar die Original-Folie war noch drauf. Für mich war das kein Problem. Als er mir dann ungefragt auch noch 20% Preisnachlass versprach, waren wir im Geschäft und ich glücklicher Besitzer eines neuen Smartphones.

Natürlich musste jetzt Melanie ans Steuer, da ich mein neues Spielzeug einrichten musste. Ich beliess es jedoch bei WhatsApp, LocusMap (fürs Geocaching das weitaus beste App) und einigen Einstellungen. Die Sonne brutzelte uns durch die Fenster und wir hatten eine richtig lange Fahrtstrecke vor uns. Über drei Stunden entfernt lag unser nächstes Ziel. Und drei Stunden in Finnland heisst, drei Stunden durch den Wald. Nichts anderes als Bäume auf allen Seiten. Keine Aussicht und nichts. Das Fahren hier ist wirklich viel langweiliger als in Norwegen. Wir hielten hier und da an einem See oder Fluss, aber mehr war hier nicht. So wird es auch kein Problem sein, bis zum 15. August in Helsinki zu sein, um den Abstecher nach St. Petersburg zu unternehmen.

Wir erreichten unser Ziel kurz nach 16 Uhr. Eine Kunstinstallation mit dem Namen „Das schweigende Volk“ nahmen wir ins Visier und bemerkten schon bei der Anfahrt, dass diese Installation grösser war als wir uns das dachten. Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, schauten wir uns auf dem Feld um, dass aus hunderten Vogelscheuchen besteht. Über zwei zusammengeschraubte Latten wurden hier verschiedenste Kleidungsstücke gelegt und viele warteten sogar mit Details wie Haarspangen, Halsketten, Handtaschen oder Sonnenbrillen auf. Wir konnten uns frei bewegen und uns die Figuren ansehen, ohne dass uns echte Leute dazwischen in die Quere kamen. Nachdem ich Melanie in der Masse wieder gefunden hatte, machten wir uns aber bald schon auf die Weiterfahrt. 





In Norwegen hatten wir immer unser Schulz-Reisebuch, welches uns an die tollen Plätze zum Übernachten schickte. Davor verliessen wir uns auf das App von ProMobil. Doch hier in Finnland taugte das absolut nichts. Die erste Nacht in Finnland wies uns noch Schulz, die Zweite war vor dem Hotel und letzte Nacht ein riesiger Zufalls- und Glücksgriff von Melanie. Etwas Neues musste her. Und da kamen mir die zwei Berner in den Sinn, welche zwei Mal neben uns übernachteten. Sie erzählten was von der App „Park4Night“ und genau diese App lud ich mir nun als dritte App auf mein Huawei. Ich öffnete die App und war begeistert. Stellplätze, Campingplätze, Entsorgungsstationen, Parkplätze und Plätze zum frei stehen (Wildcampen) waren verzeichnet. Und dies in grosser Zahl. Ich entdeckte einen gut klingenden Platz 30 Kilometer südlich der Vogelscheuchen und diesen fuhren wir an. Eine Schotterstrasse führte uns an einen See und wir staunten. Direkt am Wasser, ganz alleine, mitten im Nirgendwo. Ein traumhafter Ort, welche uns die App als erstes Ergebnis hier lieferte. Hier kochten wir und hier werden wir sicherlich einen wundervollen Abend verbringen. 


Dienstag, 7. August 2018

Die Finnische Landschaft erkundet

Nicht nur die Autos um uns herum brummten heute früh als wir aufwachten. Doch das legte sich nach einem gepflegten Frühstück wieder und auch Raffi sah fit aus, als er noch zu einem letzten Schwatz am Womo vorbeischaute. Päde hat es leider ein wenig erwischt – jedoch nicht von den vielen Apple Cider, ihn plagten Halsschmerzen. Wir quatschten noch eine Weile ehe sich die Beiden in Richtung Norden aufmachten, während wir die E75 in Richtung Süden verfolgten.

Einsam war die Fahrt wieder auf der breiten Strasse, welche hauptsächlich durch Wälder führte. Ja das Fahren hier in Finnland ist nicht ganz so aufregend wie in Norwegen. Wald, Wald und nochmals Wald. Dieser wurde erst von der Stadt Sodankylä unterbrochen. Eine der wenigen Städte hier im Norden. Doch wir freuten uns sehr auf diese Stadt, da uns hier ein Lidl erwartete. Wir freuten uns über einen Wechsel der typischen Produkte und einen bekannten Einkaufsladen. Eingekauft hatten wir aber gar nicht so viel. Die kleinen Mini-Pizzas, welche gleich auf dem Parkplatz verzehrt wurden, durften jedoch nicht fehlen. So ging es gestärkt weiter in Richtung Rovaniemi.

Das Dorf des Weihnachtsmanns am Polarkreis war unser eigentliches Ziel. Unter anderem wollten wir dort auch noch ein neues Handy kaufen, da mein Samsung wohl definitiv das Zeitliche gesegnet hat. Doch es kam wie so oft anders als man denkt. Ein paar Kilometer vor dem Ziel entdeckte Melanie eine kleine Cacherunde. Dies kam mir auch sehr gelegen, hatte ich doch keine Lust den ganzen Tag nur durch den Wald zu fahren. Ich wollte auch mal wieder raus. So verschoben wir den Weihnachtsmann und das Handy auf morgen und fuhren über eine Schotterpiste zum nahen Parkplatz.

Hier erwartete uns ein liebevoll gestalteter Parkplatz mit vielen Wegweisern, Wandertafeln und Informationen zur Natur und der Tierwelt. Und das sogar auf Finnisch, Englisch und Deutsch. Hier fühlten wir uns sofort wohl und an die Kanadischen Nationalparks erinnert. Schnell schnürten wir unsere Wanderschuhe und betraten den Wald.

Über wundervolle Stege schwebten wir über den Waldboden und tauchten tief zwischen die Bäume. Kaum im Wald angekommen lichteten sich auch die Wolken immer mehr und Sonnenschein begleitete uns fortan. Der hölzerne Weg führte über wackelige Brücken, welche mit Schildern auf einen Abstand von fünf Metern zwischen den Wanderern bestanden und welche tosende Flüsse überquerten. Die wundervolle Natur nahm uns sofort wieder gefangen und wir waren hin und weg. Schnell kamen wir voran und wurden nur durch die teilweise doof versteckten Caches gebremst. Beinahe jeden Zweiten der Runde konnten wir nicht aufspüren. Doch das war uns egal. Wir freuten uns so über diesen tollen Weg, die vielen Heidelbeeren am Wegesrand und die riesigen Moore, welche den Wald verdrängten, uns aber auf den Stegen passieren liessen. Ein schöner Aussichtsturm markierte den Wendepunkt der Wanderung, welche auch auf dem Rückweg durch schönste Natur führte. Begeistert kamen wir nach drei Stunden und 10 Kilometern am Parkplatz an, ohne auf der Wanderung auch nur einen Menschen getroffen zu haben. Für eine Weiterfahrt war es uns um 19:00 Uhr zu spät und wir beschlossen gleich hier am Parkplatz zu bleiben. Melanie war noch am Zubereiten des Nachtessens, als die letzten Autos den Platz verliessen und uns in der Einsamkeit zurückliessen. 











Komischerweise empfingen wir hier in der Einsamkeit ein offenes WLAN, welches uns mit einigermassen brauchbarem Internet versorgte. Dieses nutzten wir auch gleich aus um wieder einen Urlaub von unserem Urlaub zu buchen. Dieser stellt kein grosses Geheimnis mehr dar und so dürfen wir euch verraten, dass wir in einer Woche, am 15. August, mit dem Schiff von Helsinki nach St. Petersburg reisen werden. 3 Tage können wir auf diesem Weg ohne ein Visum Russland betreten und eine sehr interessante Stadt erkunden. Unser Womo wird die Tage wohl leider in Helsinki bleiben müssen. Doch wir werden unserem Liebling wohl einen Campingplatz gönnen, auf dem er für 17 Euro pro Tag sicher und ruhig steht. Die Buchung von Fähre und Hotel zog sich in die Länge, sodass es schon spät war, als wir die Buchungsbestätigung im Postfach fanden. Nun freuen wir uns auf einen weiteren tollen Abstecher. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Fähre schon in einer Woche in Helsinki ablegt und wir so nur noch eine Woche Zeit haben, Finnland bis dort zu erkunden. Doch die nächste Fähre hätte erst am 23. August abgelegt, was für uns wiederum leider zu spät war. Oft hört man jedoch, dass Finnland von ganz unten bis ganz oben immer dasselbe bietet und so haben wir es vielleicht in einer Woche schon gesehen oder fahren dann nach St. Petersburg eben nochmals einen oder zwei Tage ein wenig nordwärts von Helsinki. Wir müssen uns einfach wieder ein wenig umstellen. In Norwegen, dem Hauptziel unserer Reise, versuchten wir jeden Winkel zu sehen und nahmen uns die zwei Monate dazu. In jedem Land können wir dies leider nun nicht mehr machen. Ansonsten kommen wir nie mehr in Frauenfeld an. Auf der Anfahrt nach Norwegen machten wir es ja auch bereits so und es klappte bestens. Müssen eben nur wieder diesen Trott finden.




Montag, 6. August 2018

Zu Besuch in Finnland

Nach dem Nachtessen hatten wir gestern noch die Idee unsere Laufschuhe zu schnüren und uns noch zu der Kirche zu begeben, auf deren Wanderparkplatz wir unser Womo stehen hatten.Wir beschlossen uns die 4,5 Kilometer pro Weg zu joggen und fanden uns schon bald im Lauftempo auf einem wunderschönen Trampelpfad. Wir blieben immer wieder stehen um die Natur zu geniessen und natürlich auch um zu verschnaufen. Die Sonne setzte sich gegen die Wolken durch und auch im Wald stiegen die Temperaturen zum Abend nochmals an. Bald kamen wir an der Wilderneskirke an. Wie der Name verrät ist die Kirche wirklich mitten in der Wildnis erbaut worden. Um sie herum sahen wir die vielen kleinen Häuschen, in denen die Gläubigen damals hausten um am Gottesdienst in dieser Kirche teilnehmen zu können. Teilweise sind sie heute noch in Gebrauch, auch wenn in der Kirche nur noch ein Gottesdienst im Jahr stattfindet. Die Tore der Kirche sind jedoch jederzeit geöffnet und so traten wir ein. Eine mystische Stimmung. In der Kirche war es Dunkel. Nur das Licht, welches hinter uns durch die Türe fiel und ein paar Strahlen zwischen den Brettern der vernagelten Fenster, erhellten den Raum ein wenig. Da wir joggen waren, hatten wir weder Foto- noch Videokamera dabei, was wir nun ein wenig bereuten. Doch wir werden die überraschende Entdeckung in unseren Köpfen speichern. Die schmucklose, hölzerne Kirche war die abendliche Reise wirklich wert.

Nach der sportlichen Betätigung konnten wir eine wundervolle Nacht im finnischen Wald geniessen. Doch früh klingelte unser Wecker, da wir heute einen wichtigen Termin hatten. Dazu fuhren wir gleich nach dem Frühstück los und stellten bei der Abfahrt den Wassererwärmer ein. So konnten wir nach einer Stunde Fahrt noch eine warme Dusche nehmen, um auch sauber und wohlriechend anzukommen. Und dies taten wir 30 Fahrminuten später auch. Wir waren in Saariselkä angekommen und standen mit dem Wohnmobil vor einem verlassenen Hotel in einer verlassenen Stadt. Sofort erkannten wir, dass hier im Winter ordentlich was los ist – doch im Sommer scheint die Gegend keine Touristen anzuziehen. Trotzdem hausten hier im Hotel zwei besondere Touristen, welche mit dem Mietwagen auf dem Weg von Finnland ans Nordkapp hier einen Halt einlegten. Einer der Beiden kam nun auf uns zu. Nach beinahe vier Monaten trafen wir hier im finnischen Nirgendwo einen unserer besten Freunde, Raffi.

Gross war die Freude über das Wiedersehen. Wir machten uns auf den Weg ins Hotelzimmer, wo auch sein Reisebuddy Päde, uns ebenfalls wohlbekannt, schon wartete. Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen und kamen beinahe nicht mehr vom Sofa in dem geräumigen Zimmer weg. Doch wir konnten ja den Tag nicht so verbringen. Also packten wir unsere sieben Sachen und fuhren mit dem Mietwagen ein kleines Stück. Schon ausserhalb des Dorfes wartete ein Powertrail entlang eines Wanderweges auf uns. Kaum gestartet, begann es zu regnen. Doch wir bemerkten dies beinahe nicht. Wir waren vertieft in Gespräche über dies und das, nur jeweils kurz unterbrochen von einem Geocache. Die Natur war auch hier wirklich schön und wir erfreuten uns noch immer am Anblick von richtigen Bäumen. Als der Regen nachliess machten wir einen Stopp bei einem umgefallenen Baum, verspeisten unsere Brote und gönnten uns ein Wiedersehens-Bier.






Bald waren wir zurück beim Auto. Nass waren wir und kalt war uns ebenfalls. Doch in Finnland ist dies kein Problem. Denn jedes Hotelzimmer hat hier eine Sauna. So auch das von Raffi und Päde. Und das Gute daran war, dass sogar vier Personen in dieser Sauna Platz fanden. So wurde zurück im Hotel schnell die Sauna eingeheizt und es folgten drei Saunagänge mit anschliessenden Ruhephasen, welche wieder Zeit für Geplapper liess. Ein Wellnesstag mit Freunden in Finnland – ein gutes Tagesprogramm.

Sauna macht dann aber auch hungrig und so suchten wir schon bald ein Restaurant auf. Auch hier in Finnland bekamen wir sehr leckeres Essen in heimeliger Atmosphäre serviert. Aber auch hier waren wir überrascht, von den Preisen. Einiges teurer als Schweden scheint Finnland also doch zu sein. Auch beim Alkohol wieder. Ich freute mich schon sehr auf günstiges Bier, musste jedoch feststellen, dass dies hier genauso teuer ist wie in Norwegen und so beliess ich es bei einem Glas Wasser. Umso mehr Bier floss danach wieder im Hotelzimmer. Der Abend begann mit ein oder zwei Bier und fand die Fortsetzung bei einem Prosecco. Raffi hat ihn extra gekauft, um mit uns auf unsere Verlobung anzustossen. Natürlich wollten die Beiden auch alle Details wissen und den Ring begutachten. Weiter führte der Abend mit einer Flasche Frauenfelder Bürgerwein, ehe er über einen kleinen Umweg mit finnischem Vodka, wieder mit Bier endete. Der Weg ins Womo war dann um ein Uhr in der Früh zum Glück nur ein kurzer und kaum berührten unsere Köpfe das Kopfkissen, war Schicht im Schacht. 

Sonntag, 5. August 2018

Bye Bye Norwegen

Kurz vor dem verdienten Schlaf gab es gestern Abend noch ein wenig Kino für uns. Direkt aus dem Bett konnten wir dieses betrachten. Lange rätselten wir, was die beiden jungen Männer mit dem Firmenwagen an diesem verlassenen Ort machen. Die Antwort kam, als sie den Generator im Auto anliessen und Schläuche zum Klo zogen. Die beiden Jungs leerten die Trockenklos auf den Wanderparkplätzen. Samstagabend um 23:10 Uhr. Na wieso auch nicht. Weitere 10 Minuten hatten die Beiden bis sie den Müllbeutel aus dem Mülleimer ersetzt hatten. Oft haben sie das anscheinend noch nicht gemacht. Da die ganze Zeit die Musik auf volle Lautstärke lief, waren wir froh als die Beiden sich auf den Weg zum nächsten Einsatz machten. Doch kurz vor Verlassen des Platzes legten sie den Rückwärtsgang ein und kamen wieder angefahren. Anscheinend hatten sie auf dem Weg zum Klo etwas verloren. Mit dem Handy leuchteten sie den Weg ab und suchten nach dem Gegenstand. Bald fanden sie ihn und fuhren nun wirklich davon. Immer wieder spannend aus dem Bett solche Aktionen zu beobachten. Doch um Mitternacht war dann Schlafenszeit und dank dem schlechten Wetter schlossen wir bereits die dritte Nacht infolge die Augen ohne eine Schlafmaske anzuziehen. Und wir schliefen herrlich. 



Sonntag, bewölkt, nass. Drei gute Gründe morgens die Bettecke nochmals bis zur Nasenspitze hochzuziehen und eine Extrarunde einzulegen. Viel vor hatten wir heute auch nicht. So war es schon 10 Uhr als wir beim Frühstück sassen und uns danach langsam auf den Rückweg nach Kirkenes machten. Auch diese Stunde kam uns sehr holperig vor. Gestern hatten wir diesen Teil noch als relativ ruhig erlebt. Da der Display meines Smartphones seit gestern Abend wieder nicht funktionierte, war der erste Halt in Kirkenes der Parkplatz von Rema 1000. Ein letztes Mal nutzten wir das schnelle WLAN des Discounters um den Blog online zu stellen, unseren Cache in Bugoynes einzureichen und diverse Kleinigkeiten zu googeln.

Der nächste Halt stellte der hässliche Stellplatz von Kirkenes dar. Er war im Reiseführer Wort wörtlich so angepriesen worden und hielt immerhin was er versprach. Doch wir mussten hier ja auch nicht schlafen, sondern wollten nur die Entsorgungsstation nutzen. Wir nutzten die Gunst der Stunde zudem um unseren Wassertank komplett zu leeren um diesen und den Filter der Wasserpumpe zu reinigen. Ebenfalls mussten wir eine Wasserleitung wieder an seinen Platz legen, da diese immer gegen die Badezimmerwand knallte, was zu lauten Geräuschen bei der Nutzung von Wasser führte. Ein kleiner Service der Wasseranlage sozusagen. Während diesem Service wurden wir von zwei sehr netten Luzernern angesprochen, welche hier ebenfalls eine Pause einlegten. Sie hatten die gleiche Route wie wir hinter sich und die gleiche noch vor sich. Sie waren jedoch schon zum zweiten Mal auf dieser Route. Das erste Mal bereisten sie diese jedoch noch in einem VW Bulli und dies war vor 38 Jahren. Man könnte die Beiden schon fast als kleine Pioniere bezeichnen. Wir unterhielten uns über die super Infrastruktur für Womofahrer, welche in der Schweiz leider so überhaupt nicht vorhanden ist und noch vieles mehr. Während sie dort zu Mittag assen, hatten wir noch keinen Hunger – hatten wir doch erst spät gefrühstückt. Unser Weg führte uns nun in Richtung Abschied.

Kurz später quälte uns aber doch noch der Hunger. Dank einem militärischen Halteverbot durften wir aber wieder kilometerweit nicht halten. Als das Verbot aufgehoben war, hielten wir an der erstbesten Gelegenheit und schlemmten nach Herzenslust. Auf der Weiterfahrt entdeckten wir einen Wasserfall, welchen wir auch gleich fotografierten. 



Wem der Wasserfall bekannt zu sein scheint, muss keine Angst haben, er wäre in seinem früheren Leben ein Norweger gewesen. Nein es war der gleiche Wasserfall wie gestern – der Skoltefoss. Heute entdeckten wir lediglich einen anderen Ort, von welchem man auch bei geschlossener Brücke einen guten Blick auf die Wassermassen hatte. Gleich vor dieser Brücke bogen wir heute aber in Richtung Süden und standen schon bald an der Norwegisch- Finnischen Grenze. Wehmütig verliessen wir Norwegen, welches wir am 4. Juni zum ersten Mal betraten. In diesen zwei Monaten lernten wir ein Land kennen, das wirklich Seinesgleichen sucht. Die Natur ist unbeschreiblich. Wunderschön, verblüffend, wild, abwechslungsreich. Manchmal ist hinter jeder Kurve eine neue Landschaft verborgen. Die Wildtiere, die Sehenswürdigkeiten, die falonroten Häuschen, die Fischerdörfer, die traumhaften Strände. Man kann Norwegen nicht beschreiben – nur erleben. Über das einzige Manko, die sehr unfreundlichen Menschen, kann man bei einer solchen Landschaft schon einmal hinwegsehen. Es hat ja zum Glück genügend Deutsche, Finnen, Tschechen und Schweden hier, welche immer sehr freundlich und jederzeit für einen Schwatz bereit waren. Wir loggten noch einen letzten Cache, 2 Meter vor der Grenze und betraten danach wieder Boden der Europäischen Union. 





Einen Kilometer nach der Grenze beschwerte ich mich bei Melanie, dass die Landschaft noch immer gleich aussieht wie in Norwegen. Natürlich war dies nicht ganz ernst gemeint, kennt die Natur doch keine Landesgrenzen. Doch Finnland schien sich dies zu Herzen genommen zu haben und änderte nach einem weiteren Kilometer die Landschaft von jetzt auf gleich. Die Birken wurden durch Fichten ausgetauscht, die Berge wichen spiegelglatten Seen und sogar die Wolken wichen dem blauen Himmel. Wir waren verzaubert. Solch eine üppige Vegetation hatten wir schon lange nicht mehr gesehen und wir freuten uns sehr darüber. Schon bald stoppten wir an einem See und loggten unseren ersten Cache in Finnland. Uns stand noch eine lange Fahrt bis nach Inari bevor, wo unser heutiges Ziel lag. Das Navi zeigte noch anderthalb Stunden und die Ankunft darum um 17:00 Uhr. Doch das kann ja gar nicht sein. Ein Blick aufs Smartphone zeigte: nichts. Display ist ja defekt. Ein Blick auf Melanies Smartphone zeigte dann aber, dass die Finnen wirklich eine Stunde Zeitverschiebung zu „unserer“ Zeit haben. Das wussten wir nicht und waren überrascht, dass es nun schon 16:00 Uhr war und nicht wie eben noch 15:00 Uhr. Eine Stunde einfach so gestohlen. 





Wir kamen dann aber doch in Inari an und erkundeten den kleinen Ort. Finnland hat wieder ganz andere Öffnungszeiten der Läden. 07:00 Uhr bis 23:00 Uhr und das an sieben Tagen die Woche. Also auch heute Sonntag. Wir stürmten den einzigen Supermarkt in dem kleinen Dorf und konnten es nicht fassen. Hier war wirklich alles noch teurer als in Norwegen. Das kann nur daran liegen, dass wir hier in einem kleinen Dorf sind. Wie bei uns der Volg eben meist auch teurer ist in den Dörfern. Wir hatten einen vollen Kühlschrank und machten uns so also wieder davon. Der Wanderparkplatz vor Inari war nun der letzte Übernachtungsplatz, welchen wir aus dem Schulz-Reiseführer besuchten. Danach führt deren Heimweg-Route über Schweden direkt zur Fähre nach Hause. Wir machten es uns auf dem Platz bequem, begrüssten die Zürcher Nachbarn und kochten unser Nachtessen.