Sonntag, 15. Juli 2018

Auf die Lofoten folgen die Vesteralen

„Und so stehen wir nun hier zwischen Strasse und Fjord und geniessen die Aussicht und das Nachtessen. In der Stunde, welche wir schon hier stehen, fuhren 3 Autos vorbei (und kein einziges Womo). Das könnte also wieder eine ruhigere Nacht werden.“

Damit schloss ich gestern den Blog. Ich hatte wohl also das Unheil heraufbeschworen. Denn die Nacht war definitiv nicht die Beste. Eher schon beinahe die Schlechteste der Reise. Kaum einmal im Bett und eingeschlafen weckte uns der Wind. Er pfiff um unser Womo und brachte dieses zum wanken. Immer und immer wieder kam er vorbei. Manchmal noch begleitet von Regen, welcher auf das Blech prasselte. Länger als 30 Minuten am Stück habe ich nie geschlafen. Bei jedem Aufwachen ein Blick nach draussen: Nebel aber hell als ob wir schon 10 Uhr in der Früh hätten. Beim Blick auf die Uhr war es aber immer mitten in der Nacht.

So sassen wir beide heute etwas gerädert auf dem Fahrer- / Beifahrersitz. Das Wetter war regnerisch und die Berge versteckten sich in den tiefhängenden Wolken. Doch einfach wieder unter der Decke verkriechen war heute nicht. Die Fähre wartete. So machten wir uns auf die kurze Fahrt zum Anleger in Fiskebol und reihten uns hinter ein Auto und ein Womo, welche als Einzige schon hier waren. Wir nutzten die Wartezeit um zu frühstücken, was genau noch beendet wurde ehe die Fähre eintraf und uns aufnahm. Wieder unter 6 Meter Länge eingestuft, wurde unser Womo im Bauch der Fähre verstaut und wir machten uns auf den Weg in das gemütliche Obergeschoss. Über eine halbe Stunde später waren wir dann in Melbu und hatten somit die Lofoten schon wieder verlassen. Die Inseln der Vesteralen, welche wir nun die nächsten Tage besuchen, sehen den Lofoten sehr ähnlich – gehören jedoch nicht dazu.

Wir bahnten uns unseren Weg durch diese neue Landschaft. Wie auf den Lofoten hielten wir uns möglichst von der Hauptroute, der E10, fern und hatten so unsere Ruhe. Ein Halt hier und ein Halt dort um ein paar tolle Fotos zu schiessen, lagen natürlich auch drin. Die Natur hier war wieder ein Traum und wir konnten nicht genügend aus dem Fenster starren. Der Nebel hob sich ein wenig und so hatten wir einigermassen gute Sicht, wenn auch keine Sonne. Wir bahnten uns unseren Weg über grosse Spannbetonbrücken, entlang einiger Fjorde und entdeckten auch hin und wieder einen kleinen Schatz am Wegesrand, sei es in Form eines Geocaches oder auch eines bemalten Felses, welcher eine Seerettung im Jahre 1923 oder 1924 darstellte. 









So war auch schon bald Mittagszeit und der Hunger kam. Wir stellten unser Womo neben die Indre Eidsfjord Kirke ab und genossen ein wenig die Aussicht. Wir blätterten noch kurz in den Tolinos und ich legte mich für eine halbe Stunde schlafen, ehe wir uns dem Essen widmeten. Auch nach dem Essen wurde nochmals kurz gelesen und so dauerte die Mittagspause heute ein bisschen länger als gewohnt. Aber an einem regnerischen Sonntag darf das auch durchaus so sein. 



Wir machten uns danach auf den Weg in den Westen der Insel und legten auch hier immer wieder einen Halt ein. Nach einem Tunnel, welcher uns in den südlichsten Teil brachte, legte sich auch der Nebel und die Sonne drückte ein wenig Licht durch die Wolken. Nur eine kleine Besserung, welche das Ganze jedoch enorm viel freundlicher machte. Nach einem Besuch der roten Kirche von Bo begaben wir uns in Skagen sogar noch auf eine kleine Wanderung zu einer Skulptur. Mann am Meer – das kennen wir doch von Dänemark. Da waren es sogar mehrere. Hier ist es eine einzelne stählerne Figur, welche aufs Meer blickt. 




Ein kleines Fischerdorf lockte uns mit einem wunderschönen Hafen und frisch renovierten Fischerhäuschen noch in seinen Hafen. Dort lagen die kleinen Boote, welche bei dem Seegang heute kräftig durchgeschüttelt wurden.



Ebenfalls durchgeschüttelt wurden die vielen Möwen am Vogelfelsen in Nykvag. Mit gewohnter Geräuschkulisse sassen die vielen Möwen in ihren Nestern, stritten sich um diese und verschwanden immer Mal wieder zur Nahrungssuche. Wir zogen weiter bis zum nordwestlichsten Punkt des Abstechers – nach Hovden. Der Hafen hier ist ein Magnet für Wohnmobilfahrer, welche in ihrem Wohnmobil die Mitternachtssonne geniessen möchten. Natürlich stand bei diesem schlechten Wetter nur ein Zürcher Womo auf dem Platz, dessen Insassen wohl nicht begriffen, dass die Mitternachtssonne bei Wolkendecke nicht zu sehen ist. Die Leser aus dem Kanton Zürich mögen mir diesen Spruch nachsehen (und wir standen ja jetzt auch da...). 



Wir packten unsere Tolinos aus und vertieften uns in unseren Geschichten bis der Hunger uns von den Bildschirmen ablöste. Melanie begann zu kochen und ich den Blog zu schreiben. Nach dem leckeren Nachtessen wollten wir uns wie geplant noch auf den Rückweg von dieser Halbinsel machen. Die Mitternachtssonne versteckte sich heute und bei der Weiterfahrt konnten wir das Womo noch ein wenig Heizen – mit der Heizung vom Führerhaus. Die Strecke war über grosse Teile dieselbe wie wir schon hergefahren waren. Langsam drückte sich aber ein wenig Licht durch die Wolken. Von Sonnenschein aber doch noch einiges entfernt. Nach knapp einer Stunde kamen wir dann auch an unserem Übernachtungsplatz in Klo (jep das ist der Name der Ortschaft) an. Wir waren mutig und stellten unser Womo wieder direkt ans Meer. Noch ist es windstill und absolut ruhig hier. Hoffen wir, dass es diese Nacht so bleibt. Nun gibt es noch ein Bierchen zum Sonntag ehe es ins warme Bettchen geht. 




Samstag, 14. Juli 2018

Lofoten - Tag 2

Ruhig war die Nacht hier auf dem Parkplatz von Å nicht wirklich. Die vielen Wohnmobilisten, Motorradfahrer, Autoschläfer und Zeltbewohner sorgten für einen ständigen Geräuschpegel und auch die Möwen gaben hier wieder alles. Ich sage schon immer, dass ich nirgends so gut schlafe wie im Wohnmobil. Dem ist eigentlich noch immer so. Aber die Kombination aus Helligkeit, Möwengeschrei und hier sogar noch vielen anderen Campern liegt mir nicht so. Ja ein klein wenig freue ich mich auf mein dunkles und absolut ruhiges Schlafzimmer Zuhause. Doch bis dahin bleibt noch Zeit und so soll es auch sein.

So brachte uns heute auch der Wecker einfach nicht aus dem Bett. Die meisten Wohnmobile hatten den Platz schon verlassen als wir die Fenster öffneten. Wir sassen gemütlich an den Frühstückstisch und betrachteten nochmals die Vermutungen unserer treuen Leserschaft, welche auf verschiedenen Wegen eingetrudelt waren. Ein paar Leute lagen wirklich richtig mit der Vermutung, dass es ab dem 22. Juli für uns noch weiter in den Norden geht als es Norwegen uns möglich macht. Svalbard und Jan Mayen heisst das Land, welches wir besuchen werden. Natürlich haben wir uns für die Hauptinsel Spitzbergen entschieden und fliegen von Tromso nach Longyearbyen. Wir sind gespannt auf diesen Trip, welcher bis zum 26. Juli dauert. Wir werden sicherlich einiges auf der tollen Insel unternehmen – wobei man ohne Guide die Stadt nicht verlassen darf, ausser man hat die Erfahrung und das Werkzeug um sich gegen wilde Tiere wie zum Beispiel Eisbären zu verteidigen. Wir sind sehr gespannt und freuen uns sehr auf die Reise welche der User „stettfurter“ als erster erraten hatte und sich somit über ein Mitbringsel freuen kann (das Mitbringen eines Schlittenhundes ist NICHT möglich!).

Wir rafften uns auf uns anzuziehen und das warme Womo zu verlassen. Nein es war auch heute, trotz schlechtem Wetter und fehlender Heizung, nicht kalt in unserem Womo. Draussen in Å jedoch wehte ein frischer Wind. Wir besuchten die kleine Ortschaft trotzdem und schlenderten zum Ortskern. Dieser bestand aus ein paar wenigen Gebäuden und dem Stockfischmuseum. Stockfisch ist eine Spezialität der Lofoten und es handelt sich dabei eigentlich um luftgetrockneten Dorsch. Dieser ist durch die Lufttrocknung generell unendlich haltbar und wird vor allem nach Italien exportiert. Von dort kamen auch die ersten Hersteller dieser Spezialität. Ein paar Italiener erlitten auf den Lofoten Schiffbruch und brachten den Einheimischen die Herstellung bei. Momentan ist jedoch keine Saison und die vielen Holzgestänge, welche überall in der Landschaft stehen, waren alle leer. Nur wenige hatten noch die abgetrennten Köpfe hängen. Diese werden nach Nigeria exportiert, wo sie der Bevölkerung als Zutat für eine herzhafte Fischsuppe dienen. Das Museum selbst hatte aber leider erst ab 11 Uhr geöffnet. Norwegische Öffnungszeiten eben. So begnügten wir uns damit die malerische Umgebung zu fotografieren und ein wenig durch die Gassen zu flanieren. 





Heute waren wir ja sozusagen am Südkap der Lofoten aufgewacht, womit es wieder nur eine Reiserichtung geben konnte. Zudem hatten wir auf der Fahrt zu diesem südlichsten Punkt auch schon die meisten Sehenswürdigkeiten und Abstecher angefahren und konnten so heute bei dem schlechten Wetter wieder einen Fahrttag einlegen. Den Wanderparkplatz der geplanten Wanderung zum Kofjell fuhren wir an, liessen die Wanderung selbst jedoch sein. Der angepriesene Rundumblick blieb heute durch tiefhängende Wolken sicherlich aus und so konnten wir uns den zweistündigen Anstieg wohl ersparen. Lieber legten wir einen Halt in dem Fischerort Reine ein. Auf der Suche nach einem Parkplatz fanden wir hier immerhin noch einen Stockfischhersteller, welcher noch die Köpfe der Dorsche an den Stangen hängen hatte und konnten Fotos schiessen. Der Geruch von den Fischen sollte uns danach für Stunden verfolgen. Die Suche nach einem Parkplatz war dann aber auch hier wieder sehr schwer und nur mit viel Glück fanden wir beim Verlassen des Dorfes noch einen Platz an dessen Eingang. So konnten wir doch noch Fotos vom Hafen und den schönen Häusern schiessen. 





Wir begaben uns danach auf eine wirklich längere Fahrt. Wir verfolgten die E10 bis nach Leknes, wo uns einer von zwei Rema1000 der Lofoten erwartete. Die Fahrt war wie immer ein Erlebnis für sich. Hier auf den Lofoten ist es ein noch grösseres Abenteuer als im Resten Norwegens. Die Landschaft ist sagenhaft schön und man kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Auch mit den tiefen Wolken, welche an den Berggipfeln hängen blieben, war es ein Genuss um die grünen Erhebungen zu kurven. Hier ist Fahrtzeit keine „verlorene“ Zeit – hier ist sie ein wunderschöner Teil der Reise. Dies setzten wir auch nach dem Einkauf bei Rema1000 fort. Aufgrund unseres Hungers jedoch nur bis knapp ausserhalb des Ortes. Dort auf einem Hügel erwartete uns ein Picknickplatz mit schöner Weitsicht und wir stillten unseren Hunger mit Brot, Käse, Schinken und Roastbeef.



Den erneuten Badeabstecher nach Haukland liessen wir heute aber doch bleiben, da es doch wieder ein paar Kilometer zurück wären. Uns erwarten im Norden wieder strahlend weisse Sandstrände, welche wir sicherlich wieder besuchen werden.

So ging es also auf vier Rädern wieder weiter durch die grüne Landschaft. Nur ab und zu unterbrachen wir unsere Fahrt um uns an einem kleinen Platz an der Natur zu ergötzen. Irgendwann gehen einem einfach die Superlative aus für diese Inselgruppe. Wir rauschten an Svolvaer vorbei, wo wir vorgestern die Lofoten zum ersten Mal betraten und durften von dort an wieder Neuland betreten. Austvagoya hiess die Insel, welche wir nun auf der E10 befuhren. Auch hier fand die Entdeckungsreise aus dem Wohnmobil statt. Melanie machte viele Videos von der Fahrt, die wir aber wieder nicht hochladen können. Der abrupteste Halt verursachte jedoch eine Dame am Strassenrand. Nein sie wollte nicht die Strasse überqueren. Aber sie stand an einem bunten Vogelhaus, welches an einem Baum angebracht war und hielt eine Tupperdose in den Händen. Das kann nur ein Cache sein. Also in die Eisen getreten, rechts ran und prompt konnten wir einen weiteren Fund verbuchen und eine deutsche Cacherin kurz kennenlernen, welche für 10 Tage einen Roadtrip durch Norwegen bestreitet. Da bleibt nicht viel Zeit um mit anderen Leuten zu reden und so war sie zügig wieder davon gebraust. An der nächsten Haltebucht grapschte sie schon wieder an einer Leitplanke herum, wir liessen es aber bleiben und fuhren weiter.

Erst ein wunderbar angelegter Picknickplatz am Austnesfjord vermochte uns zu stoppen. Wir stellten uns neben ein Wohnmobil mit Berner Kennzeichen (die Lofoten sind übrigens überfüllt mit Schweizern! Echt unglaublich.) und machten uns über hölzerne Stege auf den Weg zu einem kleinen Aussichtsplateau. Wir genossen die Ruhe und die mystische Stimmung an diesem Fjord. Im Wohnmobil zurück merkten wir, dass uns das Fahren doch mehr ermüdet hatte als wir dachten. Doch wir haben unser Zuhause ja immer dabei und so war es kein Problem. 15 Minuten lesen, 15 Minuten schlafen und schon waren wir wieder fit. Der Platz bot ein freies WLAN, welches wir noch zum loggen nutzten und um uns noch ein wenig mit Spitzbergen zu beschäftigen. Dann ging es weiter in den Norden. 



Bis zur Fähre, welche uns auf die Insel Vesteralen chauffieren sollte, schafften wir es nicht mehr. War aber auch nicht unser Ziel. Wir verliessen die E10 nämlich gleich nach dem Picknickplatz wieder, machten uns auf den Weg ins Hinterland. Hier zogen wir an diversen Fjords entlang und entdeckten überall wunderbare Plätze direkt am Wasser. Einige waren schon durch Wohnmobile besetzt. Wir suchten uns einen aus, welcher in der Nähe von Fiskebol lag, damit wir morgen früh gut die 08:30 Uhr Fähre anpeilen können. Und so stehen wir nun hier zwischen Strasse und Fjord und geniessen die Aussicht und das Nachtessen. In der Stunde, welche wir schon hier stehen, fuhren 3 Autos vorbei (und kein einziges Womo). Das könnte also wieder eine ruhigere Nacht werden. 




Freitag, 13. Juli 2018

Der erste Tag auf den Lofoten

Obwohl unser Womo direkt an der Schotterpiste stand, konnten wir eine ruhige Nacht verbringen. Ein Blick aus dem Fenster verriet uns heute morgen dafür, dass Lofoten-Wetter herrschte. Eine dichte Wolkendecke hing so tief über der Insel, dass die Spitzen der grünen Berge darin versanken. Es sah kalt und ungemütlich aus – doch das Womo war trotz der noch immer defekten Heizung warm und gemütlich. Das Wetter schien dafür wirklich nicht so toll, was sich aber im Verlaufe des Tages relativierte. Zudem herrscht im Sommer hier oftmals der Nebel und dieser wurde uns heute immerhin erspart.

Wir frühstückten und machten uns schon bald auf den Weg nach Henningsvaer. Das Venedig der Lofoten wurde uns sowohl vom Reiseführer wie auch von unserem Höhlenführer Hovard empfohlen. Somit legten wir gerne einen Abstecher ein. Abstecher von der Hauptroute sind hier auf den Lofoten sowieso was ganz anderes. Zu gerne legt man hier einen Schlenker mehr ein und erkundet die Welt, welche hinter dem nächsten Felsen links und rechts der E10 liegt. Hinter jeder Kurve taucht man in eine andere Landschaft und hinter jeder Kuppe erklingt ein „oooohhhh“ aus unseren Mündern. So auch auf dem Weg nach Henningsvaer, welcher über diverse Bogenspannbrücken an einen Landzipfel führt auf dem das kleine Dorf liegt. Wir parkten unser Womo am Ortsrand. Die Parkuhr war schon aufgebaut und die Elektrorohre verlegt. In Betrieb war die neue Parkuhr jedoch noch nicht und so kamen wir vielleicht als einige der letzten Besucher in den Genuss eines kostenlosen Parkvergnügens. Wir machten uns zu Fuss auf den Weg durch das kleine Dorf. Gestartet waren wir bei der Brygge der kleinen Ortschaft. Die typischen Holzhäuser stehen hier in Reih und Glied. Allesamt auf Stelzen über das Wasser gebaut um sie in jedem Fall gut per Schiff erreichen zu können. Auch der Rest der Ortschaft war schön und verträumt. Auch wenn sich mittlerweile der Inhalt eines Reisebusses aus Österreich durch die Strassen kämpfte. Wir nahmen einfach ein wenig Abstand und erwanderten eine Anlage, welche zum Trocknen von Stockfisch genutzt wird, aber momentan leer war. Auch der rostige Fernsehturm wurde von uns unter die Lupe genommen, von wo aus wir einen tollen Ausblick über die Ortschaft hatten. Zurück beim Womo konnten wir uns gerade noch am sehr geschickt geparkten Reisebus vorbei zwängen und uns auf die Weiterreise begeben. 





Kaum zurück auf der Europastrasse E10 wendeten wir uns auch schon wieder von ihr ab. Während auf der E10 noch reger Verkehr herrschte und Wohnmobil um Wohnmobil an uns vorbei zischte, war es hier wie ausgestorben. Kein Tourist scheint sich hierhin zu verirren. So gefällt uns das. Wir machten einen Halt bei der Kirche von Gimsoy, welche wir interessiert betrachteten. Die Kirche ist direkt an der Küste und drei gewaltige Stahlseile halten die kleine Holzkirche fest, damit sie der Wind nicht vom Fundament bläst. Die alten Gräber werden hier von gusseisernen Zäunchen umringt und tragen eiserne Grabplatten, auf welchen Todesjahre wie 1830 zu finden sind. Auffallend auch wie viele Gräber hier aus den Jahren 1942 und 1943, also aus den Jahren der Belagerung durch die Deutschen, stammen. Wir waren verblüfft an diesem Ort keinen einzige Person anzutreffen. Die Weiterfahrt führte uns der Küste entlang, bis wir die kleine Insel Gimsoy umrundet hatten und wieder an der gut gefüllten E10 landeten. 



So war die Lust gross auf einen weiteren solchen Abstecher. Auch der Norden der Insel Vestvagoya bot uns einen solchen an und dieser war genau so ruhig wie schon der Vorhergehende. Keine Menschenseele verirrte sich hier nach Kvalnes wo wir uns zum Mittagessen auf einen kleinen Kiesplatz an einem See stellten. Das Fahren ist hier auf den Lofoten echt ein Erlebnis. So viel Natur zu sehen. Man könnte Wochen oder Monate lang wandern. Oder eben wenigstens mit dem Auto die Lofoten erkunden. Wieso die alle einfach stur auf der E10 nach unten rasen, können wir uns nicht erklären. 





Heute muss das Mittagessen einmal stärker erwähnt werden. Oder die Mittagspause, denn das Essen war wie immer und das was darauf folgte das Spezielle. Wir hatten bei unserem Rundgang durch Henningsvaer eine angeregte Diskussion über eine Reise. Eine Reise, welche schon länger in unseren Köpfen herumschwirrt und wir heute früh wieder zurück in die Schublade steckten aus welcher wir sie hervorgeholt hatten. Doch eine Ecke der Idee schaute wohl noch raus und wir fingen beide wieder damit an. Es ist vielleicht nicht der beste Zeitpunkt und beachtet man wie günstig wir momentan hier durch Nordeuropa ziehen bringt es auch ein wenig das sparsame Budget durcheinander. Doch wir diskutierten hin und her. Wir googelten dies und das. Und last Minute ist ja auch immer günstiger. Irgendwann fanden wir uns im Womo wieder, wie wir Kreditkarteninformationen in Felder tippten und tatsächlich Urlaub buchten. Urlaub vom Urlaub. Und dieser Urlaub wird am 22. Juli 2018 – also Sonntag in einer Woche – starten. Doch wo geht es hin? Das ist nun die Quizfrage an den aufmerksamen Leser. Wir beschlossen uns einen kleinen Wettbewerb zu starten. Demjenigen, der als erstes das Ziel unserer Reise errät, winkt ein Souvenir, welches wir von dieser Destination mitbringen werden. Vom Wettbewerb ausgeschlossen sind lediglich die Aargauer und St. Galler, welche uns heute begegneten respektive damals in Karlskoga. Also los: ab in die Kommentarfunktion mit euren Tipps.

Wir waren also ganz aus dem Häuschen, da Urlaub gebucht wurde. So was erfüllt einem ja immer mit Vorfreude. Doch hier auf den Lofoten ist auch das kein Problem. Ein paar Kurven später waren wir mit unserem Kopf schon wieder auf dieser wundervollen Inselgruppe angekommen. Angekommen waren wir dann bald auch schon am Lofoten Wikingermuseum. Das klang einigermassen interessant, wenn auch für 25 Franken nicht ganz günstig. Doch der Parkplatz war so brutal überfüllt, dass uns spätestens dort die Lust auf einen Besuch verging. Viel lieber wollten wir die weissen Sandstrände von Haukland sehen. Diese sollen sehr schön und einen Besuch wert sein. Dafür hielt sich aber auch hier der Verkehr in Grenzen. Am Strand selbst aber war trotz dem schlechten Wetter emsiges Treiben. Viele Zelte waren aufgeschlagen und ihre Bewohner versammelten sich dick eingemummelt an den Picknicktischen auf der grünen Wiese. Wir fanden gerade noch einen Parkplatz, schnappten uns die Kamera und spazierten zum schneeweissen Strand. Das Wasser schimmerte in eisigem blau. Eine Dame im Bikini stellte sich immerhin bis zu den Knien in das kalte Meer und liess sich in dieser Position fotografieren. Wir entsannen uns, dass unsere Badeeinlage die letzten beiden Tage nicht stattfand und spazierten zurück zum Wohnmobil. Mit Badehose/Bikini und Badetüchern bewaffnet stürmten wir kurz später wieder den Strand. Der Reisebus aus Österreich war mittlerweile auch hier aufgekreuzt und die vielen Reisenden bevölkerten nun den Strand. Kaum hatte uns der erste Tourist bemerkt, drehten sich immer mehr Köpfe in unsere Richtung. Na toll – jetzt gab es kein Zurück und auch kein viertelstündiges Einwasserungs-Ritual. Also rannten wir beide los und hüpften in das kalte Nass. Doch das Meer war überraschend warm. Also natürlich war es kalt. Sehr kalt. Aber wir hatten wirklich schon kältere Gewässer auf unserer Reise und vielleicht härtet uns das tägliche Bad mittlerweile auch ab. So planschten, schwammen und tauchten wir im glasklaren Wasser der Lofoten. Ein Traum! Die Österreicher erkundeten sich danach gespannt nach uns und konnten nicht glauben, dass wir jetzt einfach so in Badebekleidung vor ihnen standen. Doch genau so marschierten wir auch zurück zum Wohnmobil. Durch alle Leute in Mützen und dicken Jacken. Wir hatten warm. Richtig warm. 



Wir zogen uns um und rollten wieder vom Parkplatz. Ein klein wenig weiter wollten wir von einem zweiten, privaten, Sandstrand noch ein paar Fotos schiessen, da dort weniger Touristen unterwegs waren. Die gleiche Idee hatte auch ein Pärchen aus dem Kanton Aargau, welches nur kurz nach uns auf den kleinen Kiesplatz neben der Strasse fuhr. Natürlich kamen wir ins Gespräch und natürlich dauerte dieses auch ein wenig länger. Erst als uns allen doch wieder ein wenig kalt wurde, verabschiedeten wir uns von den Beiden und wünschten ihnen weiterhin eine tolle Reise. Sie besuchen momentan nur die Lofoten (fuhren erst am Samstag los), planen jedoch eine Jahresreise durch Europa und/oder Nordamerika. Immer wieder toll zu sehen, dass Leute sich zu so einer Reise entscheiden. Wir können es nur jedem empfehlen. 



Das alte Problem des Hungers kreuzte schon bald wieder auf. Wir beschlossen für das Nachtessen den kleinen Fischerort Sund aufzusuchen. Mit bester Aussicht konnten wir dort unser Zuhause parken und machten uns in der Küche und am Laptop an die Arbeit. Mit dieser schönen Aussicht hatten wir es nach dem leckeren Nachtessen natürlich nicht eilig zu verschwinden. Doch wir wollten heute unbedingt noch bis an das südliche Ende der Lofoten reisen. Å heisst die Ortschaft an diesem Zipfel der Insel Moskenesoya. Damit ist es logischerweise die Ortschaft mit dem kürzesten Ortsnamen der Welt. Doch der wahre Grund für unsere Reise bis dorthin ist, dass es eben nur eine Strasse bis Å gibt. Morgen soll ein wenig besseres Wetter herrschen und so können wir morgen die Lofoten von unten her nach oben aufrollen. So fuhr Melanie also noch die halbe Stunde und ich schrieb den Blogeintrag fertig. Hier auf einem relativ trostlosen Stellplatz werden wir nun die Nacht verbringen und freuen uns auf morgen und auch ein wenig auf die Urlaubsreise vom 22. Juli. Wohin führt die denn nun? Die Auflösung folgt wenn die richtige Antwort gefallen ist...






Donnerstag, 12. Juli 2018

Die letzten Kilometer vor den Lofoten

Auch heute in der Früh wachten wir wieder in einem sehr warmen Wohnmobil auf. Die Sonne beheizte unser Mobil um 8 Uhr wohl auch schon seit einigen Stunden. Am Badeplatz, wo wir die Nacht verbrachten, störte unseren Schlaf nur ein Auto, welches gleich neben uns parkte. Der Hundehalter machte eine Runde mit seinen beiden Hunden und verschwand dann wieder. Und das um 03:30 in der Nacht. Aber die Sonne schien ja auch schon wieder – warum also nicht.

Wir machten uns aus dem Bett und an das Frühstück. Nach diesem machten wir uns auf die Weiterfahrt. Weit kamen wir nicht, bis wir die erste Bilgarage (Autowerkstatt) entdeckten. Wir hielten auf dem Vorplatz und fragten am Empfang freundlich nach einem Multimeter um unsere Dieselpumpe zu messen. Der Herr war sehr freundlich und holte uns auch sofort ein Multimeter aus der Werkstatt. Wir machten uns also an die Messung und stellten fest, dass keine Spannung an der Pumpe anliegt. Heisst die Heizung gibt gar keinen Befehl an die Pumpe, womit uns die CaraNord morgen auch nicht weiterhelfen kann und wir diesen Termin telefonisch absagten. Wir gaben das Multitool zurück und plauderten noch ein wenig mit dem Werkstattleiter. Wirklich sehr freundlich die Garage hier und wir waren froh, dem Problem wieder ein Stück näher gekommen zu sein.

Um die Zeit hier in der Gegend zu überbrücken hatten wir einen Besuch in der Svarthamarhola geplant. Diese wurde uns von den Deutschen Auswanderern empfohlen. Ein unterirdischer Gletscher wartet dort in einer Grotte auf die Entdeckung. Obwohl wir nun nicht mehr in der Gegend bleiben müssen, da wir die Dieselpumpe selber kontrollierten, wollten wir die Höhle besuchen. Wie beschrieben parkten wir vor einem Tunnel. Sowohl Google wie auch die Auswanderer beschrieben das so. Doch da war kein Wanderweg. Weit und breit nichts. Auch kein Weg auf unserer Karte, auf unserem Navi und auf dem Smartphone. Also fragten wir erneut Onkel Google und erhielten vor allem die Meldung über diverse Deckeneinstürze in letzter Zeit. Von einem Besuch werde abgeraten. So hatte sich die Suche nach dem Weg auch erübrigt und wir zogen weiter.

Der nächste Halt war dann schon ganz in der Nähe von Fauske. Diese Kleinstadt hat nämlich einen Ort, oder besser ein Produkt, welches sie weltberühmt gemacht hat. Jeder Norweger zumindest kennt den Namen Fauske und weiss, dass von dort der ganz berühmte rosafarbene Marmor stammt. Ankerske heisst der Marmor, welcher das Rathaus von Oslo, das UN-Parlament in New York oder den Palast des japanischen Kaisers schmückt. Bei der Anfahrt entdeckten wir von Weitem schon die senkrechten Wände der Marmorgrube. Zudem waren die Strassen hier wie weiss gepudert. Der Marmorstaub vom Abbau legte sich überall nieder. Der Abbaustätte selbst durfte man sich dann leider nicht nähern und ein Wald versperrte jegliche Sicht. Früher waren wohl immer wieder Souvenirjäger auf dem Gelände angetroffen worden, was in einem Steinbruch natürlich lebensgefährlich ist. Darum hat man nun einen grossen Steinhaufen aus dieser Grube einfach vor den Haupteingang gekippt. Dort hat es einen kleinen Parkplatz, man kann halten und in dem Haufen nach einem Stück rosafarbenen Marmor suchen. Natürlich fanden wir auch ein kleines Stück, welches wir mit nach Hause nehmen können. 




Das nächste Ziel war im Navi programmiert. Doch wir kamen keinen Kilometer ehe wir wieder rechts ran mussten. Der Truma- Servicetechniker rief an. Kaum zu glauben aber wir waren noch immer irgendwo auf der Rückrufliste. Durch die Tatsache, dass ich in den letzten Tagen doch schon dies und das versucht hatte, hatten wir ein gutes Gespräch und konnten viele Lösungsansätze durchgehen. Dazu brauche ich aber noch ein wenig Material, welches ich wohl am besten in einer Werkstatt finde. Doch am besten wäre es natürlich dies gleich in der Garage zu machen, welche auch mit dem Diagnosegerät ausgerüstet ist. Es gibt verschiedene Ursachen: die Dieselpumpe ist defekt – kann man easy ersetzen; die Leitung zur Dieselpumpe ist defekt – kann man easy ersetzen; die Steuerplatine ist defekt – kann man easy ersetzen. Alles Dinge die schnell erledigt wären und die Teile seien innerhalb eines Tages auch hier in Nordnorwegen. Die Chancen stehen also super, dass in dieser Garage unser Problem mit vereinten Kräften gelöst werden kann. Denn dass eine Heizung welche so funktioniere komplett auseinandergebaut oder ersetzt werden hätte müssen, sei ihm noch nie untergekommen in den 10 Jahren, die er dort arbeitet. Wir werden jedoch nicht direkt zu dieser Garage fahren sondern unseren Weg ganz gemütlich so fortsetzen wie geplant und irgendwann werden wir dann schon an dieser Garage ankommen. Bis da geht es gut auch ohne die Heizung.

Es war aber eine grosse Erleichterung, dieses Problem endlich ein wenig zur Seite schieben zu können. So war die Laune im Führerhaus auch um einiges besser als wir für eine lange Fahrtstrecke auf der E6 nordwärts rollten. Es wurde wieder gelacht, gesungen und die Landschaft genossen. Das Wetter heute war wieder traumhaft und die 17 Grad fühlten sich an wie 25. Einen Halt legten wir zum ersten Mal bei Kjelvik ein. Ein richtig alter Häuslerhof, wo die Zeit stehen geblieben ist. Die vielen kleinen Häuser sind noch original eingerichtet und werden auch immer am letzten Tag im August noch ihrer Bestimmung nach genutzt. Die ganze Siedlung ist ein Museum, dessen Eintritt wir uns aber ersparten. Lieber wollten wir ins Gjerdalen reisen. Ein Seitental, welches unser Reiseführer uns wärmstens empfahl. Wir fuhren von der E6 ab, ein paar Kilometer später, erst auf Teer dann auf Schotter, hinderte eine Barriere uns jedoch an der Weiterfahrt. Diese ist erst ab dem 15. Juli jeweils geöffnet – was in drei Tagen ist. Wir genossen auf der Rückfahrt trotzdem noch den schönen Kobbvatn ehe wir wieder auf die E6 bogen. 





Nun fuhren wir immer weiter nordwärts, bis uns kurz nach 12 der Hunger ausbremste. Wir zogen von der Hauptstrasse auf einen grossen Parkplatz, welcher mit einem Blumenkopfsymbol warb, welcher für eine Sehenswürdigkeit steht. Helleristninger stand auf dem Schild, was bedeutet, dass an diesem Ort wieder alte Felsritzungen auf uns warteten. Melanie konnte sich knapp im Zaum halten und wir nahmen zuerst das Essen ein. Danach wagten wir uns aber doch über die Schären, welche uns extrem an den Süden des Landes erinnerten. Allgemein fühlt man sich hier wieder wie im Süden – ob wir irgendwo an der E6 die falsche Richtung einschlugen? Wir hoffen es nicht. Wir betrachteten also die beiden lebensgrossen Rentiere, welche hier weideten. Vor tausenden von Jahren in den Fels poliert. Nicht gemalt, nicht geritzt – nein wirklich in den Fels poliert. 





Nördlich wartete als nächster Stopp Innhavet. Ein kurzer Stopp sollte es werden.
Punkt 1: Abwasser entsorgen. Zwei Womos standen schon vor uns an der Entsorgungsstelle und hatten gefühlte Jahre ehe ihre Tanks leer waren und wir an der Reihe waren.
Punkt 2: Wasser füllen. Das ging ganz flott.
Punkt 3: Womo waschen. Hier hatte es eine wunderbare Waschstation und wir möchten ja nicht das dreckigste Womo auf der Fähre heute Abend sein. Doch die Familie vor uns schien gerade den letzten Urlaubstag zu verbringen und der Herr putzte sein Wohnmobil unendlich lange und sehr gründlich. Es glänzte danach aber wirklich wie neu. Unser Womo war wohl traurig nicht so eine gründliche Behandlung bekommen zu haben, doch es ist nun wieder ansehnlich.

Nun machten wir uns auf den Weg zum Fähranleger in Skutvik. Von hier aus wollen wir auf die Lofoten übersetzen. Schon bei der Anfahrt merkten wir, dass wir hier in eine komplett andere Landschaft kommen, als wir sie bisher von Norwegen kennen. Schroff stehen die grünen Felsen hier in der Landschaft und trotz blauem Himmel und warmen Temperaturen sind die Gipfel stets von Nebel umhüllt. Wirklich traumhaft und das schon hier auf dem Festland. Am Fähranleger war noch nicht viel los, was daran liegen mag, dass die nächste Fähre erst um 18:30 fährt und wir erst 15:30 Uhr hatten. Doch drei Stunden warten ging in Ordnung. Wir hatten zu tun. Mit neu erworbenem Sekundenkleber reparierte ich den Tankdeckel (hält Bombe), wir schrieben schon einmal unsere Tagebücher, putzten das Bad, saugten und bemerkten im letzten Moment, dass wir noch kochen und essen sollten. Auf der Fähre darf man ja nicht im schönen Womo bleiben und an Deck ist alles viel zu teuer. 




So machten wir uns mit einem geputzten Wohnmobil und gefüllten Bäuchen auf den Weg in den Schlund der Fähre. Mit geschicktem Einladen der vielen Autos konnten wirklich alle in der grossen Fähre verstaut werden und es ging schon bald los. Zwei Stunden dauerte die Überfahrt von Skutvik nach Svolvaer, welche wir grösstenteils mit unseren Tolinos verbrachten. Ich begann jetzt auch noch „Fünf“ von der Dame Poznanski zu lesen – der Krimi über Geocaching. Kurz vor dem Ziel waren wir fast alleine in der Fähre. Wir bemerkten, dass es eben doch noch ein Sonnendeck gibt, eilten dort hinauf und bewunderten die traumhafte Insel, welche langsam in unserem Sichtfeld erschien. Filmfans wissen was ich meine wenn ich sage: es war wie die Ankunft in Jurassic Park / Jurassic World. Die grün überwachsenen Felsen erhoben sich majestätisch und begrüssten uns auf dieser Inselgruppe. Ein paar Fotos später sassen wir schon wieder in unserem Wohnmobil und wurden in die Freiheit entlassen.



Schnell schossen wir gleich nach dem Fähranleger in Svolvaer ein paar Fotos der sehr schönen Lofoten- Kathedrale ehe wir auf eine Schotterstrasse zu unserem ersten potentiellen Übernachtungsplatz abbogen. Na super – Schotterstrasse und ich habe doch erst gerade das Womo frisch gewaschen. Aber dreckig wird es hier in Norwegen sowieso wieder. Am Ende dieses Weges soll eine Campingwiese für Reisende mit dem Zelt auf uns warten, welche auch über zwei Parkplätze verfügt auf denen diverse Womos Platz finden. Unsere Hoffnung war klein noch einen Platz zu ergattern. Sommerferien, schöner Platz und späte Anreise – nicht die besten Vorzeichen. Und so kam es auch, dass wir gerade noch genügend Platz fanden unser Womo zu wenden und uns wieder von dem tollen Ort zu verabschieden. Ein friedlicher Fleck Erde hier hinten, auf welchem die Bewohner der Zelte miteinander Ball spielten, am Lagerfeuer sassen und sich mit neuen Bekanntschaften austauschten. So soll Reisen sein. Wir hatten auf dem Hinweg schon einen Franzosen entdeckt, welcher einen Platz zwischen Strasse und Meer entdeckt hatte und mit seinem Womo dort stand. Das war nun unser Plan B. Und siehe da: unser Womo passt noch bestens auf den Platz und so stehen wir nun hier mit wundervollem Blick über eine kleine Bucht mit den typischen, auf Holzpfählen gebauten, Häuschen der Fischer. Hier lässt es sich gut leben. Doch die Sonne soll uns nicht täuschen. Es ist schon spät geworden und ein ereignisreicher Tag geht dem Ende zu. 



Mittwoch, 11. Juli 2018

Morgens sonnig - Nachmittags bewölkt

Ruhig war die Nacht am Polarkreis. Und sie war trotz ausgefallener Heizung relativ warm. Das ist der Vorteil, wenn praktisch 24 Stunden die Sonne auf das Blech des Wohnmobils scheint. Nur das kalte Wasser am Morgen war auch heute gewöhnungsbedürftig. Doch da jammern wir auf hohem Niveau. Nach dem Frühstück machten wir uns nochmals auf den Weg ins Polarcirclecenter um ein T-Shirt zu kaufen, in welches sich Melanie gestern ein wenig verliebt hatte. Nach diesem kleinen Einkauf machten wir uns dann aber auf die Weiterfahrt. Wir wussten, dass uns heute eine lange Fahrt bevorstehen wird. Nicht so lang jedoch wie die unserer Schweizer Nachbarn von gestern Abend.

Die Geschichte muss ich noch kurz erzählen. Die beiden Schweizer hatten ein deutsches KN (Konstanz) Kennzeichen und ein gemietetes Wohnmobil. Dem Dialekt an stammten sie auch aus unserer Region. So kamen wir ins Gespräch und sie fragten, seit wann wir denn unterwegs seien. Die Verblüffung konnten die Beiden nicht verstecken, als wir erzählten, dass wir seit dem 21. April on Tour seien. Nur ungern erwähnten die Beiden, dass sie seit Freitag (Heute ist Mittwoch – also seit 6 Tagen) auf dem Weg seien. Ihr Ziel sind die Lofoten, wo sie zwei Wochen verbringen und dann wieder in einer Woche nach Hause rollen. Krasses Programm.

Ja wir nahmen es nun ein wenig gemütlicher und waren immer noch leicht säuerlich wegen dem Service der Firma Truma und der Tatsache dass eben unsere Heizung noch immer defekt ist. Bei unserem ersten Halt bemerkten wir jedoch plötzlich etwas sehr verwirrendes. Mein Handy konnte nicht telefonisch erreicht werden. Ausgehende Anrufe und Internet kein Problem – doch ankommen konnten keine Anrufe. Dasselbe bei Melanies Handy. Kann ja nicht sein. Also telefonierten wir mit der UPC. Der Support war wirklich Spitzenklasse – hier wurde uns beiden sofort geholfen und wir fanden heraus, dass der Norwegische Partneranbieter wohl ein Problem haben muss. Wir wechselten das Netz auf einen anderen Anbieter und schon klappte alles wieder bestens. Hut ab vor so einem freundlichen und guten Kundendienst. Doch das relativierte auch den schlechten Dienst der Firma Truma. Die haben uns beide schlichtweg nicht erreicht – man hätte eine Mail schreiben können, doch das wollen wir der Firma jetzt nicht gross anlasten.

Fürs Erste war uns das jedoch egal. Wir machten uns auf eine angepriesene Wanderung. Ein Spaziergang traf es eher. Ein wundervoller Weg führte uns in die Junkersura. Ein kleines, grünes, wildes Tal, welches von einem Tankstellenparkplatz erwandert werden konnte. Den Anfang machte eine wirklich spektakuläre Hängebrücke. Das was ihr an Höhe fehlt, macht sie durch Wackeligkeit wieder gut. Immer nur eine Person aufs Mal durfte auf das Bauwerk und diese wurde ordentlich hin und her geworfen. Das Tal gefiel uns dann sehr. Wir waren wieder komplett alleine hier und stapften frohen Mutes vorwärts. Immer öfters kreuzten grosse Felsblöcke unseren Weg, welche von den steilen Felsen bis auf den Wanderweg hinuntergestürzt waren. Dabei hinterliessen sie kleine Schneisen im Wald. Das war uns irgendwie nicht so ganz geheuer, zumal man wegen dem tosenden Fluss auch keinerlei Geräusche hören konnte. Als die herumliegenden Blöcke immer mehr wurden, entschieden wir uns umzudrehen. Der Spaziergang war kurz, jedoch sehr entspannend und gemütlich. Er liess uns die Sache mit der Heizung vergessen und auch die Tatsache, dass ich vor der Wanderung beim Tanken noch den äusseren Tankdeckel abgerissen hatte und wir da einen neuen organisieren müssen. 




Nun ging die Fahrerei aber erst richtig los. Wir folgten noch eine Weile der E6 nordwärts ehe unser Navi diese Hauptstrasse verlassen wollte, um die nächsten Ziele anzufahren. Wir wurden über ein wirklich wunderschönes Fjell geführt, welches an Idylle kaum zu übertreffen war. Ganz oben auf dem Fjell entdeckten wir die Ljosenhammer Ziegenalm. Eine Ansammlung typischer norwegischer Bauten und eine riesige Ziegenherde, welche vor den Gebäuden graste. Doch lange konnten wir uns diese Herde nicht ansehen. Eine andere Herde belagerte wieder die Strasse – Schafe. Einige legten sich genüsslich hin als wir uns mit dem Wohnmobil einen Weg durch die weissen Fellknäuel bahnen wollten. Melanie musste sogar aussteigen um Schafe von der Fahrbahn zu stossen. Im Gegensatz zum Wohnmobil schien Melanie jedoch bedrohlicher zu wirken und so konnte sich jedes Schaf doch noch alleine aufraffen. Immer wieder mussten wir auf dieser Strecke abbremsen und uns mit den mähenden Schafen auseinandersetzen.

Nach dem Fjell tauchte endlich wieder einmal ein Fjord vor uns auf. Dies freute uns sehr und wir wussten auch, dass an diesem Fjord etwas ganz speziell ist. Der Fjord ist an einer Stelle in seiner Mitte sehr schmal. Dies bedeutet, dass beim Wechsel der Gezeiten sich der ganze Fjord über diesen engen Teil leeren oder füllen muss. Dadurch entsteht ein sogenannter Gezeitenstrom und hier nicht irgendeiner sondern der Grösste der Welt. Der Fjord kann sich hier innert Stunden zu einer Art Fluss entwickeln mit Fliessgeschwindigkeiten bis 40 Kilometern die Stunde. 400 Millionen Kubikmeter Wasser wechseln hier bei Ebbe und bei Flut jeweils die Seiten. Dabei entstehen hier am Saltstraumen gerne auch riesige Strudel. Ein Mahlstrom, welcher alles in die Tiefe reisst was ihm in den Weg kommen würde. Wir parkten unser Womo und spazierten auf die riesige Brücke, welche den Fjord hier überspannt. Viel war nicht zu erkennen. Es fühlte sich an, als ob ein Fluss unter einem durchführen würde und es war schwer zu begreifen, dass dies nur ein Gezeitenstrom ist. Die Strömung war auch nicht gerade so stark, sodass wir nur vereinzelt kleine Strudel entdecken konnten. Doch wir haben immerhin welche gesehen!





So. Nun war Mittag durch und die lockere Zeit des Geniessens sollte ein Ende haben. Wir rollten auf den Platz einer langersehnten Wohnmobilgarage. Ein riesiges Zentrum mit 45 Jahren Berufserfahrung. Unsere Hoffnung war gross hier Hilfe zu finden. Und wir wurden bitter enttäuscht. Immerhin schickte sich einmal jemand an wenigstens ins Womo zu schauen und ein paar Worte mit uns zu reden – doch von Dieselheizungen hätten sie hier leider keine Ahnung. Er empfahl uns jedoch zu einer anderen Garage zu fahren, welche nur 40 Autominuten entfernt sei. Die seien noch ein wenig grösser und hätten vielleicht einen Techniker. Wir folgten dem Aufgebot und standen schon bald in einer weiteren Garage. Doch dieser Herr hier wollte uns nicht helfen. Er habe keine Leute, keine Ahnung von Heizungen und keine Zeit für uns. Keine 5 Minuten liess er sich auf uns ein. Und für das waren wir 40 Minuten gefahren. Super. Wir hätten da wohl besser erst angerufen anstelle einfach blind hinzufahren. Also sahen wir unsere einzige Hoffnung wieder in Truma. Schon beim ersten Klingeln ging eine Dame an das Telefon. Und siehe da: die Dame setzte sich ausserordentlich für uns ein. Auch wenn sie kein Techniker war. Sie hörte sich unser Problem an, schlug Fehlermeldungen nach und meinte, dass ein Techniker nur so am Telefon nichts machen könne. Da müssten wir in eine Garage. Welche wusste sie auch nicht, gab uns aber die Nummer des Norwegischen Generalimporteurs der Truma Heizungen. Ja so geht doch Kundenservice auch wenn dank der teuren Servicenummer die Zusatzkosten nun von 64 auf 92 Franken anstiegen. Wenn einem wenigstens geholfen wird sind die 28 Franken ja noch einigermassen zu verkraften. Dieser Generalimporteur war dann auch super freundlich, machte uns jedoch nicht viel Hoffnung in Norwegen jemanden zu finden, welcher sich mit Wohnmobilheizungen auskennt. Er konnte uns jedoch eine Garage in Bodo nennen – 10 Minuten von der ersten Garage welche wir heute als erstes anfuhren. Wieso hatte uns der Herr dort nur 40 Minuten durch die Pampa geschickt anstelle uns an die am nächsten gelegene Garage zu verweisen. Nun waren wir wieder eine Garage weiter und auch dort: kein Personal – keine Zeit. Doch der Werkstattchef erbarmte sich unser und gab uns einen Termin für Freitag 12 Uhr. Also übermorgen. Das ist voll okay so. Er werde die Dieselpumpe prüfen und sonst noch ein zwei Dinge – mehr könne er jedoch auch nicht tun.

Mit dieser Info in der Tasche machten wir uns vom Gelände und besichtigten erstmals die Stadt Bodo. Die zweitgrösste Stadt in Nordnorwegen wartet mit 30'000 Besuchern und einem schönen Hafen, einigen grossen Einkaufszentren und einer toller Kirche. Diskussionsthema Nummer eins blieb natürlich das Garagendesaster von Norwegen. Hier will einem irgendwie einfach keiner zuhören oder geschweige dann helfen. Wir fuhren weiter in Richtung Fauske, die 40 Minuten Strecke, welche wir heute schon zwei Mal zurücklegten. Denn dort in der Nähe möchten wir morgen wandern bevor wir Freitag die Strecke wieder zurückfahren zu der Garage. Während Melanie Nachtessen kochte, hielt ich es jedoch nicht mehr aus. Ich kroch unter das Womo und baute die Dieselpumpe ab. Nach Diesel stinkend hatte ich nun die Erkenntnis, dass die Leitung nach der Pumpe praktisch leer war. Also kriegt die Heizung wirklich kein Diesel mehr. Jetzt ist die Frage, ob die Dieselpumpe defekt ist, oder ob sie von der Steuerung der Heizung gar nicht angesteuert wird. Dazu müsste ich messen ob Spannung anliegt, hatte jedoch kein Messgerät dabei. Das wurmte mich natürlich wieder. Doch so schnell lässt sich keines Auftreiben. Mein Plan besagt nun, dass wir morgen zu der unfreundlichen Garage fahren und uns ein Multimeter ausleihen (das wird doch wohl auch hier in Norwegen möglich sein) um die Pumpe zu messen. Falls diese Spannung erhält ist sie wohl defekt und wir können uns überlegen wie wir hier in der Pampa einen Ersatz dafür auftreiben. Wird sie nicht angesteuert liegt es an der Elektronik und wir können noch auf eine Garage 6 Autostunden nördlich von hier hoffen. Die einzige Garage in Nordnorwegen mit einem Truma Diagnosegerät. Doch falls es kein einfacher Fehler sei, könne er uns auch nicht helfen, meinte der nette Herr dort heute in bestem Deutsch am Telefon – er habe ein Diagnosegerät aber von der mechanischen Reparatur eines solchen Gerätes keine Ahnung. 





Nun stehen wir am Rande von Fauske an einem Badeplatz. Hier konnten wir unseren Wasservorrat noch ein wenig auffüllen und die Abendsonne geniessen. Es ist schon spät und wir gehen bald schlafen. Das Hin und Her heute hat Kraft gekostet und uns müde gemacht. Wir hoffen auf mehr Zuversicht morgen und wie gesagt wäre eine Weiterreise ohne Heizung und Warmwasser zwar nicht so luxuriös aber durchaus durchführbar.


Dienstag, 10. Juli 2018

Marmorslottta und schon fast am Polarkreis

Da half alles Hoffen nichts – die Nacht war kalt. Unter der Decke kein Problem, da war es lauschig warm. Doch im Womo war es alles andere als das. Die Frontscheibe war sogar leicht gefroren. Auch das Fehlen von warmem Wasser machte das Ganze nicht so angenehm.

So nahmen wir erst unser Frühstück ein und warteten ehe unsere Hausgarage erreichbar war. Natürlich konnten auch die über Telefon keine Diagnose stellen und uns auch nicht gross weiterhelfen. Sie empfahlen uns eine nahe Wohnmobilwerkstatt zu suchen. Fast alle Womo seien mit Truma-Heizungen unterwegs und so sollte sich jede Womo-Werkstatt damit auskennen. Wir entdeckten eine in Mo i Rana, 30 Minuten von hier. Wir verabschiedeten uns von den Nachbarn, welche uns mit vielen Tipps versorgten und rollten talwärts. In Mo i Rana angekommen dann aber die Ernüchterung. Man habe nur einen einzigen Mechaniker und der habe Unfall. Dieser erscheine diese Woche sicherlich nicht mehr. Na toll. Man empfahl uns eine Werkstatt in der nächsten Stadt im Norden. Fahrzeit: 4 Stunden. Da wäre die Truma-Vertragswerkstatt in Mosyoen näher. Aber eben wieder zurück in südlicher Richtung. Wir entschlossen uns, dort anzurufen. Frühster Termin sei morgen nach der Mittagspause. Aber auch dann wohl nur vielleicht, eher jedoch Donnerstag. Hm. Zwei Tage jetzt hier doof rumstehen? Irgendwie hatten wir da auch keinen grossen Bock darauf. Also die Werkstatt im Norden angerufen – geht niemand ran. Stundenlang nicht. Dafür erreichten wir jemanden beim Truma Servicecenter in München. Jedoch nur die Telefondame. Ein Techniker werde uns zurückrufen. Dies war gegen 10 Uhr.

Der Himmel heute war blau, komplett Wolkenlos und das Thermometer zeigte über 20°C an. Kein Tag um hier nur so zu sitzen. Die eigentlich geplante Gletscherwanderung zum Svartisen verwarfen wir schon vor dem Heizungsproblem. Über 10 Kilometer pro Weg über Stock und Stein. Das war uns dann doch zu weit, zumal wir am Nigardsbreen schon einen tollen Gletscher gesichteten hatten. Ein kleiner Geheimtipp unserer Nachbarn juckte uns dafür in den Fingern. Und so machten wir uns auf den Weg zur Marmorslottet.

Wie von den Deutschen gestern schon bemerkt war die Hauptstrasse zur Marmorslottet gesperrt. Eine Umleitung war signalisiert führte jedoch über 12 Kilometer durch die wildeste Landschaft. Alles auf Schotterweg. Die Schrauben in der Küche kann ich so wohl alle wieder nachziehen. Doch wir erreichten den Parkplatz. Dachten wir zumindest. Ein Schild wies uns vor einigen Kilometern in diese Sackgasse und ansonsten war hier nichts. Auch am Parkplatz selbst – kein Hinweis auf die Marmorschlucht. Selbstbewusst begaben wir uns über den einzigen Trampelpfad auf den Weg. Selten hatten unsere Füsse Bodenkontakt. Immer wieder führten uns hölzerne Stege über den matschigen Untergrund. Nach 10 Minuten endlich ein Schild, welches uns die Richtigkeit unserer Wanderung bestätigte. 500 Meter und einen Abstieg später standen wir dann da: in der Marmorschlucht.

Wir hatten einen Moment ehe wir unsere Begeisterung in Worte fassen konnten. Ein grosser, türkisfarbener Fluss hat sich hier über tausende von Jahren durch den Marmor gefressen. Hinterliess dabei die fantastischsten Spuren und schliff den Marmor spiegelglatt. Am ersten Ort, den wir entdeckten war der Marmor noch ein wenig gräulich. Weiter oben schimmerte er jedoch schneeweiss. Die typischen Strukturen und Schichten waren klar zu erkennen und wir waren begeistert. Das Wasser schimmerte durch die Sonne und den marmorweissen Boden des Flusses in einer Farbe, welche sich nicht beschreiben lässt. Ein traumhafter Ort. Wir verbrachten einige Zeit hier mit dem Bestaunen der Felsen und dem Schiessen einiger Fotos ehe wir uns mit dem klappernden Womo auf den Rückweg machten. Ein genialer Tipp, welchen wir hier bekommen haben. Falls ihr mitliest: Vielen Dank!!!







Nun hatten wir Hunger und machten uns auf zum Parkplatz, an welchem wir auch schon übernachtet hatten. Dieser war nur ein Katzensprung vom Ende der Schotterstrasse entfernt. Hier stellten wir uns hin und meldeten uns nochmals bei Truma – der Nachteil unseres Ausflugs: wir hatten dort des öfteren kein Handyempfang und natürlich rief der Techniker genau in dieser Zeitspanne an. Wir baten also um erneuten Rückruf. Die Zeitspanne konnten sie auch dieses Mal nicht nennen. Wir verbrachten also die Zeit ein wenig an der Sonne. Melanie duschte in der Hoffnung die Sonne habe das Wasser im Tank ein wenig erwärmt, erfror jedoch dabei fast. Ich entschloss mich den Blog bis hierhin schon einmal zu verfassen. 2 Stunden warten wir nun bald auf den Rückruf, wissen noch immer nicht ob wir uns doch schon auf den Weg gegen Norden wagen sollen. Die Heizung brauchen wir die nächsten Tage ja nicht unbedingt und man könnte die auch erst im Norden reparieren. Falls uns Truma aber ins Servicecenter schickt, wäre es ärgerlich noch weiter in den Süden fahren zu müssen. Wir werden sehen – die Geschichte bremst uns zwar aus. Doch es bringt nichts sich nun zu ärgern. Wir haben ja ein wenig Zeit, das Wetter ist super und so machen wir das Beste daraus.

Zwei Stunden später hatten wir aber keine Lust mehr auf diesem Parkplatz herumzustehen. Wir machten uns auf die Weiterreise. Die Werkstatt im Norden wird es schon richten und ansonsten müssen wir eben eine andere Lösung finden. Wir rollten auf alle Fälle wieder und das sogar in Richtung Norden. Die E6, welche wir hierzu folgten, war hier eine einzige Baustelle. Und dies über eine Distanz von an die 100 Kilometern. Die neue Hauptstrasse wird auch hier vorangetrieben und das Passieren zum jetzigen Zeitpunkt ist zeitaufwändiger als gedacht. Wir legten gegen 16 Uhr noch eine Pause ein, riefen nochmals bei Truma an. Wir entschieden kurzerhand noch weiter zu fahren. Weiter zu unserem nächsten grossen Ziel. Dem Polarkreis.

Dieser begrüsste uns mit einem riesigen Parkplatz und einem Besucherzentrum auf dessen Dach die grossen Zahlen 66°33' prangten. Der Wissenschaftliche Name des Polarkreises: 66 Grad, 33 Minuten, Nördliche Breite. Wir hatten Glück und noch nicht viele Wohnmobile waren auf dem Parkplatz. Wir schnappten uns den Parkplatz in der vordersten Reihe mit der Türe und dem Blick auf die zwei kleinen Bergen im Westen. Ansonsten nur Einöde. Die letzten Bäume entdeckten wir vor ein paar Kilometern. Wie aus Ehrfurcht scheinen sie von diesem Ort hier fernzubleiben. Im Winter soll es hier ja auch richtig kalt zu und her gehen. Die Geleise verschwinden hier immer wieder in einer Art langgezogener Garage. Dort können im Winter ganze Züge Schutz vor den Schneestürmen suchen. Die parken dann einfach ein paar Stunden da. Doch heute bei 22°C war daran nicht zu denken. Wir genossen den Polarkreis indem wir im T-Shirt auf unseren Campingstühlen vor dem Womo sassen. Ein paar Klamotten gingen noch in die Wäsche, es wurde gegessen und auch ein Bier aus dem Kühlschrank wurde noch aufgetischt. Geniessen in vollen Zügen. Schon bald stellte sich ein weiteres Womo neben uns und wir wurden in bekanntem „Sali zäme“ begrüsst. So haben wir wieder Nachbarn aus der Heimat.

Nachdem der Wind ein klein wenig auffrischte, machten wir uns doch noch auf den Weg zum Zentrum selbst. Wir spazierten die paar Meter gemütlich in Richtung des Gebäudes. Ein Denkmal zum Gedenken an die ersten Erbauer der E6 zog jedoch unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die „Blutstrasse“ wird sie manchmal genannt. Tausende Kriegsgefangene aus Russland, Jugoslavien und Polen mussten die Strasse in der Zeit der Deutschen Besetzung bauen. Schuften bis man tot umfiel war das Motto in dieser dunkeln Zeit. Wir trafen an diesem Monument auf Abraham. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte uns, dass seine Reise in Luzern startete und sie auch dort enden wird. Er ist aus Kanada, aber seine Tochter studiert in Luzern. Und die war er besuchen ehe er auf einen Roadtrip ans Nordkapp startete. Nachdem wir uns von ihm verabschiedeten, und das Monument hinter uns liessen, waren wir am berühmten Hügel angekommen, an dem sich jeder verpflichtet fühlt, sich mit einem Steinmännchen zu verewigen. So ist es hier fast unmöglich sich zu bewegen ohne etwas umzuwerfen. Wir schossen Fotos und machten uns noch auf einen kleinen Rundgang durchs Polarsirkelzenter um die ausgestopften Tiere zu betrachten. Eisbär, Polarfuchs, Robbe, Wolf, Elch und Luchs begrüssten uns in Lebensgrösse. Und die ist bei Eisbären und Elchen grösser als man denkt. 






Wir machten uns zurück ins Womo und waren froh, als wir dieses noch immer in der Sonne und somit völlig aufgeheizt vorfanden. Truma hat sich natürlich noch immer nicht gemeldet und so steht uns eine weitere Nacht ohne Heizung bevor. Doch es ist heute doch einiges wärmer als gestern noch und so sehen wir dem Ganzen gelassen entgegen – es wäre nur schön doch einmal noch etwas von dieser Firma zu hören.