Sonntag, 23. September 2018

Noch ein letzter Tag in Polen

Nicht ganz überraschend verbrachten wir eine gute und vor allem ruhige Nacht inmitten von Krakau. Eines lernten wir in den letzten sechs Monaten. Die Nächte von Samstag auf Sonntag sind meistens laut und oft erhält man Besuch von Jugendlichen mit lauter Musik und Autos, welche sich den gleichen Platz ausgesucht hatten. Um das zu vermeiden versuchen alle immer möglichst an die entlegensten Orte zu fahren. Doch diese Orte kennt die lokale Jugend jeweils auch. Darum ist genau das Gegenteil das beste: rein ins Getümmel. Mitten in der Stadt ist meistens nichts los. Die Menschen feiern in den Restaurants und Discos. Parkt man nicht gerade an einer Hauptachse und ganz am Rande des Zentrums, so bleibt man von all dem verschont.

So konnten wir uns gut ausgeschlafen auf eine erneute Erkundung der Stadt Krakau begeben. Wir hatten gestern wohl noch nicht alles gesehen und wanderten deshalb nochmals die 15 Minuten in die Stadt. Kurz vor den Toren der Altstadt entdeckten wir einen Flohmarkt, auf dem lauter Einheimische zu finden waren. Wir schlenderten über den Markt auf dem wirklich alles verkauft wurde. 80% von den Waren wären bei uns in der Schweiz auf dem Müll gelandet – hier in Polen bekommen sie eine zweite Chance, nochmals gebraucht zu werden. Und dabei ist nichts zu alt oder zu obskur um verkauft zu werden. Ein Typ verkaufte sogar seine riesige Sammlung an pornografischen Heften und DVDs.

Wir erreichten schon bald die Stadt, welche im Tageslicht wieder sehr freundlich aussah. Viele Menschen waren hier unterwegs und wir stellten überrascht fest, dass auch am Sonntag alle Läden geöffnet waren. Im katholischen Polen hätten wir dies nicht erwartet. So schlenderten wir mit den vielen Menschen durch die Altstadt Krakaus. Immer wieder kreuzten wunderschöne Kutschen mit ebenso schönen Pferden unseren Weg. Eine solche Kutschenfahrt durch die Altstadt schien hier ein Muss zu sein. Wir betrachteten einige Kirchen und ältere Gebäude, welche allesamt frei zugänglich waren. Am Ende der Altstadt entdeckten wir dann noch die Burg der Stadt und machten uns auch an deren Erkundung. Die Innenhöfe des tollen Bauwerks konnten wir uns umsonst ansehen, auf einen Blick von Innen verzichteten wir aber. Dieser hätte jedoch auch nicht wirklich viel gekostet.









Zurück in der Altstadt wollten wir uns ein Cafe suchen, um dort etwas zu trinken. Was wir fanden war ein bestens gelegenes italienisches Restaurant, welches auch leckere Pizza anbot. So wurde aus unserem kurzen Halt schon schnell ein Mittagessen. Dabei quatschten wir noch ein wenig über die nächsten Tage und unseren Plan die ukrainische Stadt Lviv zu besuchen. Man merkte, dass Jonas in seinem Kopf immer mehr studierte. Schlussendlich verblieben wir dabei, dass wir das Salzwerk bei Krakau auslassen und Jonas dafür mit uns die Ukraine besucht. Diese Entscheidung freute uns natürlich sehr und so machten wir uns sofort an die Planung. Bei dieser konnten wir zum Glück sehr von Infos und dem Wissen von comewithus2 profitieren. Die Beiden hatten den Trip auch gerade vor ein paar Tagen gewagt und versorgten uns auch sofort mit den wichtigsten Infos. Nachdem wir sie nach Weissrussland lotsten, machten sie nun dasselbe mit uns auf dem Weg in die Ukraine.

Nach einer erneuten Durchquerung der Altstadt waren wir gut verköstigt wieder bei unseren Mobilen angelangt. Zügig machten wir uns auf den Weg, da wir schon nahe an die Grenze fahren wollten und auch noch ein Programmpunkt auf dem Papier stand. Das „Painted Village“ genannte Zalipie.

Bald erreichten wir das kleine Dorf, welches in Polen sehr berühmt ist. Das nur aufgrund einer Art Graffiti-Kunst. Eine mittlerweile über 90-jährige Frau zieht nämlich seit Jahren durchs Dorf und bemalt Häuser, Bänke, Tische, Mülleimer, Unterstände und sogar Hundehütten mit bunten Blumen. Natürlich hat sie dabei das Einverständnis der Eigentümer. Das Dorf war ein wenig verstreuter als wir uns das vorstellten. Es gab leider keinen Dorfkern von dem aus man die ganzen Häuser betrachten konnten. Mehr war es ein Gebiet, auf welchem alle 300 Meter ein Haus erschien, welches ein Blumengemälde beheimatete. So wanderten wir vor allem im Dorf herum und betrachteten hier und dort die Häuser. So verstreut wirkte das Ganze nicht so spektakulär wie erwartet und wir besuchten vor allem zwei schöne Spots, welche auch von einem Hochzeitspaar zum Fotoshooting genutzt wurden. Wir verliessen das Dorf schon bald wieder und fuhren noch eine Weile in Richtung Grenze. Dort parkten wir inmitten eines Waldes und stellten schnell die Stühle ins Freie. Der Grill wurde angeworfen und Fleisch brutzelte auf dem heissen Rost. Ein gemütlicher Abend nahm seinen Lauf. Immer wieder fragten wir uns, was uns in dem Land im Osten wohl morgen erwarten wird. Doch wir sind frohen Mutes, dass dieses Abenteuer wieder ein ganz spezielles wird. Es begann leicht zu regnen und winden, als wir uns spätabends ins Innere des Womos verzogen und uns auch schon bald hinlegten. 





Samstag, 22. September 2018

Ein nachdenklicher Tag in Auschwitz

Früh klingelte heute der Wecker. Früh heisst mittlerweile 07:00 Uhr bei uns. Doch wir hatten ja einen guten Grund, den Wecker so früh zu stellen. Ohne zu frühstücken zogen wir schnell eine Hose und einen Pullover über und machten uns auf den Weg zum Haupteingang. Dort hofften wir in einem Kassenhäuschen noch Tickets zu erhalten. Schon als wir in der Schlange standen, sahen wir auf dem grossen Bildschirm, dass für die Führung auf Deutsch um 10:30 Uhr noch 8 Plätze verfügbar waren. Die Hoffnung war gross und wir wurden nicht enttäuscht. Als wir an der Reihe waren, waren noch immer sechs Tickets unverkauft. Knapp 10 Franken kostete uns das Ticket für die dreistündige Führung. Der Eintritt in die Stätte ist kostenlos, jedoch sehr beschränkt. Deshalb bräuchte man auch für einen kostenlosen Eintritt ein Ticket, welches man definitiv Wochen zuvor online bestellen sollte. Doch für geführte Touren scheint es um 07:30 Uhr noch immer hie und da Plätze zu haben, welche jedoch schnell weg sind.

Wir wanderten gemütlich zurück zu unseren Womos und nutzten die zwei Stunden bis zur Führung mit Arbeiten. Ich schrieb Tagebuch und loggte endlich einmal alle Caches, welche wir seit dem 12. September gefunden hatten. Schlussendlich war die Zeit beinahe zu kurz und ich konnte mir gerade noch die Regenjacke überziehen, ehe wir abermals zum Eingang spazierten. Dort angekommen war erst nicht klar, wo wir nun hin mussten. Doch die netten Angestellten wussten uns zu helfen und erklärten uns den Weg. Am Eingang standen wir dann noch in einer langen Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Wie am Flughafen mussten alle metallischen Gegenstände abgelegt werden und man durchlief einen Metalldetektor. Taschen, welche grösser als das Format A4 waren, mussten hier sogar abgegeben werden. Nach der Kontrolle erhielten wir einen Kopfhörer und ein Empfangsgerät um unseren Guide auch immer optimal zu verstehen. Es war schon 10:33 Uhr und die Führung schon im Gange. Wir entdeckten die kleine Blondine mit der deutschen Gruppe aber schnell im Innenhof und stiegen in die Führung ein.

Was wir in den folgenden Stunden im Konzentrationslager Auschwitz erlebten, ist schwer zu beschreiben. Ich schoss zu Beginn zwei Fotos vom Innenhof, danach verging mir das Fotografieren an diesem Ort. Gestattet wäre es. Doch es erging den Meisten so. In unserer Gruppe waren etwa 20 Leute. Doch wir trafen immer wieder auf andere Gruppen. Und obwohl sich so viele Menschen hier befanden, war es bedrückend ruhig auf dem Gelände und in den Gebäuden. Wir besichtigten Orte, welche einem auf schrecklichste Weise vor Augen führte, was hier in Auschwitz zu der Zeit der Nazis passierte. In einem riesigen Raum, hinter einer Glasscheibe auf der ganzen Länge einsehbar, wurden über zwei Tonnen (von insgesamt 7 Tonnen) Haare gelagert, welche allen gleich nach der Ankunft abgeschnitten wurden. Aus den persönlichen Habseligkeiten blieben Kleider und Schuhe liegen. Auch solche von Kleinkindern. Denn hier in Auschwitz wurden auch Frauen und Kinder umgebracht. Wer sich als nicht arbeitsfähig herausstellte, wurde in diesem Lager keine drei Tage alt. Somit traf es die Frauen und Kinder sehr schnell. Wir wechselten nach der Führung durch den Kern von Auschwitz auch noch in das Konzentrationslager Birkenau II. Die Busfahrt dorthin liess einem wieder ein wenig Luft. Doch dort angekommen ging es gleich schrecklich weiter. Das eindrücklichste für mich war die Tatsache, dass in den vier Hochöfen von Auschwitz täglich 4'000 tote Menschen verbrannt wurden – doch das war weitaus zu wenig. Die Nazis mussten anfangen die Leichen unter freiem Himmel zu verbrennen. 4'000 Menschen pro Tag und doch zu wenig. Man stelle sich vor: die Bevölkerung der Stadt Frauenfeld wäre innerhalb sechs Tagen ausgelöscht. Auch hier in Birkenau II schoss ich lediglich Fotos der Aussenanlage. Wir haben zwar schon Dachau und Oranienburg besucht. Doch Auschwitz schaffte es wirklich noch brutaler zu sein als diese beiden KZ. Nachdem wir das Bettenlager besichtigten, indem sich 800 Häftlinge in 180 Betten quetschen mussten, beendeten wir die Führung im Gedenken an alle Menschen, welche hier ihr Leben lassen mussten.

In der Zeit von 1940 bis 1945 wurden 1'300'000 Menschen nach Auschwitz deportiert.
1'100'000 Juden
140'000 Polen
23'000 Sintis und Romas
15'000 Sowjetische Kriegsgefangene
25'000 Asoziale und Angehörige anderer ethnischen Gruppen

1'100'000 Menschen starben.






Nach dieser sehr harten Kost sassen wir alle drei bedrückt in unserem Wohnmobil. Durch die späte Uhrzeit war der Hunger immerhin so gross, dass wir etwas essbares hinunter brachten. Wir entschlossen uns nach dem Essen, dass wir noch weiter nach Krakau fahren und dort die Stadt besichtigen möchten.

Nachdem wir unterwegs den einen oder anderen Halt einlegten, parkten wir auf einem Parkplatz, auf welchem wir für 24 Zloti (6 Franken) fast 48 Stunden parken könnten. Wir zogen uns kurz um und machten uns auf den Weg in die Stadt. Wir spazierten etwa 15 Minuten, ehe wir die Innenstadt erreichten. Hier schien heute auch echt etwas los zu sein. Viele Menschen bevölkerten die Strassen, überall wurde Musik gespielt und die Restaurants waren gut gefüllt. Wir blieben an einer Bühne hängen, wo ein polnisches Trio typische Volksmusik präsentierte. Wir schlenderten durch einen Markt, über den Hauptplatz der Stadt und durch den einen oder anderen Laden. Es wurde dunkel in der Stadt und die Menschen zog es langsam in die Restaurants. So auch uns. Wir entschieden uns, heute polnisch essen zu gehen. Google empfahl uns ein Restaurant, bei welchem laut Rezensionen das Preis- Leistungsverhältnis am Besten stimmen sollte. Die Schlange vor dem Restaurant liess ebenfalls vermuten, dass dieses Lokal sehr beliebt zu sein scheint. Wir mussten nicht so lange warten wie vermutet und wurden an einen Tisch geführt. Dort begann dann das grosse Warten. 30 Minuten bis jemand unsere Bestellung aufnahm. Eine Stunde bis Getränke und Vorspeise auf dem Tisch standen. Wir waren schon ein wenig genervt, als das Essen dann aber kam, war alles vergessen. Ein polnischer Grillteller in diesem Lokal besteht aus einem Kilogramm Fleisch. Mit Reis, Kartoffeln und Kraut als Beilage. Zum Glück hatten wir uns den Teller zu dritt bestellt. Doch die Vorspeise war schon gross und so kämpften wir uns eine ganze Weile durch den Teller, ehe wir völlig überfüllt das Restaurant wieder verliessen. Ein super Lokal mit genialem, polnischem Ambiente. Das Essen war richtig lecker und die Portionen riesig. Lediglich die Wartezeit könnte man kritisieren. Wir bezahlten dann schlussendlich aber für drei warme Vorspeisen (eine Art Ravioli), einen riesigen Grillteller, einen Hugo, einen Apfelsaft, drei Biere und einen Espresso umgerechnet 46 Franken und 35 Rappen.







Müde und mit vollen Bäuchen machten wir uns auf den Heimweg, legten uns in unsere Betten und schliefen auf der Stelle ein. Ein anstrengender Tag mit vielen Eindrücken lag hinter uns. Vor uns liegt morgen dann dafür der letzte Tag mit Jonas, welcher nach Krakau die Heimreise antreten wird. So werden sich nach einem knappen Monat gemeinsamen Reisens unsere Wege wieder trennen.



Freitag, 21. September 2018

Die Schädelkappelle und ein Besuch in St. Annaberg

Erneut verbrachten wir eine ruhige Nacht am Parkplatz in Adrspach. Diese Nacht gesellten sich doch einige Wohnmobile zu uns auf den Parkplatz, was der Ruhe jedoch keinen Abbruch tat. Heute hatten wir keine Wanderung mehr vor und schliefen ein wenig länger. So konnten wir während dem Frühstück schon zusehen, wie sich der Wanderparkplatz stetig füllte und auch die ersten Reisebusse ihre Insassen in den Park entliessen. Wir setzten uns hinters Steuer und begaben uns auf eine Fahrt, welche ein wenig mehr als eine Stunde dauerte. Für mich perfekt um den Tagebucheintrag von gestern zu verfassen und online zu stellen.

Das erste Ziel war eine Kapelle, welche in deutscher Sprache „Schädelkapelle“ genannt wird. Wir parkten nur unweit der Kapelle auf einem kostenlosen Parkplatz, um uns die 7 Zloti zu sparen, welche man gleich vor dem Eingang der kleinen Attraktion bezahlen sollte. Von diesem Parkplatz aus wanderten wir über den bunten Friedhof. Die Polen schmücken und pflegen die Gräber in nie gesehener Blumenpracht. Alles blüht hier und die letzten Ruhestätten sind sehr schön anzusehen. Kurz nach dem Friedhof erreichten wir die Kirche von Czermna. Diese wartete mit einem reichlich verzierten Inneren auf und lud zu einer längeren Besichtigung ein. Der Hauptgrund unseres Besuches war jedoch um einiges kleiner und stand gleich neben der Kirche. Momentan war gerade eine Führung im Gange und wir waren gezwungen auf die Nächste zu warten. Schon bald erschien jedoch eine Ordensfrau, welche uns ein sehr kleines Eintrittsgeld gegen eine Karte tauschte und uns in die Kaplica Czaszek entführte. Als wir durch die Türe traten befanden wir uns plötzlich in einem Raum mit 23'000 Menschen. Schlimmer noch: mit 23'000 toten Menschen, oder besser gesagt deren Gebeinen. Die Wände bestanden aus lauter Oberschenkelknochen und vielen Schädeln. Auch an der Decke über unseren Köpfen hingen Schädel und andere Knochen, welche keinesfalls künstlich waren. Nein. Der Raum der Kapelle besteht tatsächlich aus Schädeln und Knochen von 3'000 verstorbenen Menschen. Die Überresten von weiteren 20'000 Menschen befanden sich unter unseren Füssen in den Katakomben, welche wir im Rahmen der Führung durch eine Bodenluke betrachten durften. Die Kapelle wurde von Pfarrer Czasezek erbaut, welcher im Umfeld der Kirche auf ein altes Massengrab gestossen war, indem sich die Opfer von Pest, Cholera und dem kalten Krieg befanden. Die Ordensfrau konnte die Führung (an welcher natürlich noch andere Besucher teilnahmen) nur auf Polnisch anbieten, stattete uns jedoch mit einem Zettel aus, auf welchem immerhin die wichtigsten Infos in Deutsch vermerkt waren. Fotos und Videos waren leider nicht gestattet. So greife ich hier ausnahmsweise auf Fotos aus dem Internet zurück, welche nicht von mir geschossen wurden (siehe Quellenangaben).



Quelle: Wikipedia

Quelle: globetrotter poland


Nach diesem speziellen Erlebnis starteten wir wieder unsere Motoren und programmierten unsere Navis wiederum mit einem Ziel in einiger Entfernung. Nach einem kleinen Einkauf bei Lidl war die Priorität Nummer eins jedoch das Mittagessen. Dieses nahmen wir an einem wundervollen See zu uns, an welchem die Sonne so heiss schien, dass wir uns in den Schatten setzen mussten. Für ein Bad in dem See konnten wir uns jedoch trotzdem nicht begeistern und fuhren weiter. Auf der Autobahn fuhren wir leider noch in den Stau einer Baustelle. Da die Autobahn hier Maut kostete, würde Jonas jetzt sagen, dass wir mehr fürs Geld bekommen hätten und uns doch freuen sollten. Wir waren jedoch erfreuter, als wir in St. Annaberg unser Wohnmobil auf den Parkplatz stellten.

Dieses kleine Dorf mit wenigen Einwohnern wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf. Die Erste, welche wir besuchten, war das riesige Amphitheater St. Annaberg. In einem ehemaligen Vulkankrater, welcher danach als Steinbruch diente, wurde 1930 ein riesiges Freilichttheater für christliche Aufführungen errichtet. Das Theater bot platz für 30'000 Menschen und nutzte man umliegende Wiesenflächen noch, konnten 50'000 Menschen die Festspiele betrachten. Später benutzten vor allem die Nazis das nahe an Auschwitz gelegene Theater. Leider für ganz andere Vorstellungen. Heute steht die Ruine noch immer gut gepflegt an diesem Ort, wird jedoch nicht mehr genutzt. Nur ein Hochzeitspaar nutzte die Kulisse heute um Fotos zu schiessen. In einer Kulisse mit solcher Vergangenheit – ich weiss nicht ob ich das das Richtige für mich finden würde. 




Weiter ging es zu Sehenswürdigkeit Nummer zwei. Oder zumindest einen Teil davon. Denn St. Annaberg besitzt auch mehrere Naturreservate. In vielen Geotopen kann man hier in der Geschichte der Erde lesen und sich mit den Spuren der Vergangenheit befassen. Als Cacher könnte man dies auch mit einem der 12 hier vorhandenen EarthCaches tun, von denen wir immerhin knapp die Hälfte lösten, was bei Jonas grösstenteils höchstens Kopfschütteln auslöste. Ja unser Hobby ist manchmal echt schwierig zu verstehen. 



Zum Schluss das Beste dachten wir uns und machten uns noch auf den Weg zur berühmtesten Sehenswürdigkeit. Dies ist in St. Annaberg die wunderschöne Kirche mit angeschlossenem Kloster. Wir folgten der Jakobsmuschel, welche den Pilgerweg an diese Stätte markierte, und fanden uns schon bald im kleinen Innenhof wieder. Wir betraten die Kirche und blieben mit offenen Mündern stehen. Diese Kirche hier war nicht nur reichlich sondern wirklich auch wunderschön verziert. Die Gemälde an der Decke, die vielen hölzernen Figuren, der riesige Altar und eine aufwändig verzierte Orgel machten das Innere zu einem wahren Augenschmaus. Wir konnten uns beinahe nicht an der tollen Kirche sattsehen und verbrachten doch einige Zeit in ihrem Inneren. 





Wieder am Tageslicht angekommen, machten wir uns auf den Weg zum Wohnmobil. Für morgen planten wir den Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und wollten auch schon dorthin fahren. Tickets für das Lager I sollte man sich am besten schon Monate im Voraus sichern, was wir jedoch nicht wussten und auch wenn – auf unserer Reise konnten wir niemals so weit voraus planen. Wir standen also bald schon auf dem kostenlosen Parkplatz am Hintereingang des Museums und machten uns über unser Sushi her. Wir werden es morgen in der Früh einmal versuchen und sehen, ob wir noch irgendwie zu Tickets und einer Führung durch die interessante Stätte kommen.

Donnerstag, 20. September 2018

Die Adrspacher Felsenstadt und Teplicer Felsen

Eine ruhige aber kurze Nacht lag hinter uns, als der Wecker uns früh aus dem Schlaf klingelte. Der Parkplatz auf dem wir unsere Nacht verbracht hatten, lag ruhig vor uns. Dies stimmte uns positiv, da es bedeutete, dass noch nicht die ganzen Touristenhorden in die Adrspacher Felsenstadt geströmt waren. Diese wollten wir heute nämlich besuchen und erhielten schon vor ein paar Tagen die Warnung von Jasmin, dass hier nach 10 Uhr sehr viel los sei. Ein Blogeintrag, welchen Melanie gestern Abend noch gelesen hatte, erzählte davon, wie die Besucher im Gänsemarsch durch die imposanten Felsformationen watschelten. Darauf hatten wir keine Lust. Also schnell ein paar Brote geschmiert und den Rucksack gepackt.

Kurz später standen wir an der Tourist-Info und deckten uns mit Infomaterial ein. Die nette Dame am Schalter erklärte uns dann noch die verschiedenen Wanderungen. Der Hauptteil (und somit touristische Teil) der Felsenstadt wäre eine 3,5 Kilometer lange Wanderung über angenehme Wege. Dies schien uns jedoch viel zu kurz, waren wir doch auf eine Tageswanderung eingestellt gewesen. Variante zwei würde zu den 15 Kilometer entfernten Teplicer Felsen führen. Ebenfalls imposante Felsen. Von dort aus gäbe es auch einen Zug zurück nach Adrspach zu unserem Parkplatz. Wir entschlossen uns, Variante 3 anzupeilen und zu den Teplicer Felsen zu laufen und ebenfalls wieder zurück. Wir verliessen die Tourist-Info, standen aber eine Minute später schon wieder in dem kleinen Büro. Für die Felsenstadt mussten wir eine Eintrittskarte lösen, konnten an der Kasse jedoch nur Bar in tschechischen Kronen bezahlen. Um mit Karte bezahlen zu können mussten wir wieder zur Information. Mit den Tickets in der Hand konnte es nun losgehen.

Nicht weit mussten wir wandern, um die ersten Sandsteinformationen zu entdecken, welche das Wahrzeichen der ganzen Region darstellen. Viele der Felsen besassen einen Namen, der von der Form herführte. Manchmal erkannten wir den Frosch, Hund, Mönch oder was auch immer schnell. Manchmal erkannten wir die Figur jedoch auch nach längerer Betrachtung nicht. Dank dem deutschen Führer in Papierform kamen wir auch an interessante Hintergrundinfos und betraten schon bald den „inneren Kern“ der Felsenstadt durch das alte gotische Tor. Hier fühlten wir uns wie schon vor einigen Jahren im luxemburgischen Mullerthal. Zwischen den hohen Felstürmen führten schmale Stege durch die Schluchten und die Temperatur sank plötzlich um gut 10 Grad. Das wirkt sich an solchen Orten auch auf die Flora aus und die ganze Umgebung veränderte sich somit beim Durchwandern der Formation. Nicht lange später standen wir aber schon am Scheitelpunkt des kleinen Rundgangs. Hier könnte man für 2 Euro mit einem Boot eine Rundfahrt über den gefühlt kleinsten See der Welt geniessen. Der Grund für diese Bootsfahrt erschloss sich uns nicht und wir verfolgten lieber den Weg in Richtung Teplicer Felsen.







Dieser Weg wollte uns von Anbeginn zeigen, wer hier das Sagen hat. Über viele Treppen wurden wir immer und immer wieder bergan und bergab geführt. Durch schmale Passagen, Tunnels und ausgesetzte Felsquerungen. Ein wahres Abenteuer in schönster Natur. Als die Passstrasse überstanden war, wechselten wir in eine Sumpflandschaft, welche wir auf typisch finnischen Stegen überquerten. Es folgte ein dichter Tannenwald, welcher eine Stimmung wie im Film verbreitete. Es dauerte über eine Stunde ehe wir im Park der Teplicer Felsen angelangt waren. Den Eintritt hier mussten wir nicht bezahlen, da das Ticket von Adrspach hier ebenfalls Gültigkeit besass.




In diesem Park war, bedingt durch die Uhrzeit, nun schon viel mehr los. Wir kreuzten viele Wanderer, welche immer mit einem freundlichen „Dobre“ grüssten. Noch vor den ersten Felsformationen standen wir an einer Treppe, welche in die Unendlichkeit zu führen schien. Ein Schild warnte vor über 300 gefährlichen Stufen und kein Mensch schien die Herausforderung anzunehmen. Wir nahmen sie natürlich an. Der erste Teil der Treppe war einfach nur unendlich lang. Danach änderte sich die Stufenlandschaft und aus Treppen wurden schon eher Leitern, welche mit wackeligen Holzsprossen steil nach oben führten. Mein permanenter Gedanke: „Wenn die Aussicht da oben nicht grandios ist, flippe ich aus!“. Verschwitzt und schnaufend kamen wir auf dem obersten Gipfel eines Sandsteinturmes an und die Aussicht war atemberaubend. Der Aufstieg hatte sich gelohnt und wir genossen die Ruhe und den Rundumblick von diesem schönen Ort. Die Mühe hatte sich gelohnt. 



Schon bald stiegen wir hinunter und machten eine kleine Rast auf einem Zwischenboden der Treppenstrecke. Nach der gemütlichen Brotzeit brachten wir die restlichen Stufen hinter uns und kämpften uns durch die Schulklassen, welche mittlerweile die Wege bevölkerten. Auch hier bei den Teplicer Felsen konnten wir viele wunderschöne Orte und Schluchten entdecken. Die schönste Strecke wartete mit wunderschönen Grünflächen und wusste sehr zu gefallen. 





Nachdem die Teplicer Felsen begutachtet wurden hatten wir schon ein bisschen über 15 Kilometer auf dem Navi. Doch der Rückweg zu Fuss schien uns noch immer Attraktiver als die Fahrt mit dem Zug. Die Sumpflandschaft und die vielen Stufen der Passstrasse mussten wir auch auf dem Rückweg passieren. Die vielen Treppen begannen in den Beinen ihre Spuren zu hinterlassen und so waren wir nicht mehr so spritzig als wir wiederum über eine Stunde später wieder auf den Rundweg der Adrspacher Felsenstadt stiessen. Auch hier waren noch immer Schulklassen unterwegs. Die Ruhe der Wanderung zwischen den beiden Parks war somit schnell verflogen. Doch wir waren alle so oder so nicht mehr so fit und hatten auch schon wirklich viele Felsformationen gesehen. Die letzten des Parks, die riesigen Türme der Bürgermeisterin und des Bürgermeisters oder das Liebespaar, beeindruckten uns aber nochmals. Nach über 27 Kilometern verliessen wir den Park wieder und waren geschafft. Von der Distanz her keine grosse Leistung, doch das ständige Auf und Ab über die Treppen hinterliess Spuren.





Weit kamen wir nach dem Park nicht. Wir hatten uns entschlossen, heute nochmals hier zu schlafen und zum Nachtessen wollten wir sehen was der Kühlschrank so hergibt. Dies war alles vergessen als wir den Duft von Pommes und Kebap vernahmen, welcher aus einer Bude beim Eingang verströmt wurde. Der Inhaber sprach sogar deutsch und bot uns einen wirklich guten Eurokurs, damit wir auch ohne tschechische Kronen uns zwei Dürüm, einen Kebapteller und eine Portion Pommes gönnen konnten. Wir bestellten die Speisen zum Mitnehmen und sassen einige Minuten später vor unseren Wohnmobilen, befreiten unsere Füsse aus den Schuhen und genossen das Nachtessen. Wir liessen den Abend gemütlich ausklingen und ich gab Jonas noch einen kleinen Kurs der Fotobearbeitung mittels Lightroom. So waren die Fotos schon erledigt, als wir ebenfalls erledigt ins Bett stiegen. Die Felsenstadt ist wirklich ein wunderschöner Ort und wir empfehlen jedem die Formationen zu besuchen, sollte er einmal hier in der Nähe sein. Und sei es nur der kleine Rundweg in Adrspach.

Mittwoch, 19. September 2018

Auf Schloss Fürstenstein

Die Nacht am Sportplatz war ruhig. Keine spontane Fussballspiele und keine Dorfjugend störte unseren Schlaf hier am Dorfrand. Da es aber gestern ein wenig später wurde und wir nach dem Untergrund-Trip sehr müde waren, trafen wir uns ein wenig später am Frühstückstisch. Wir versuchten den Tag ein wenig zu besprechen, was heute schwierig war, da wir eigentlich keine Ahnung hatten, wie lange wir an den jeweiligen Orten verweilen würden. So entschlossen wir uns den Tag spontan anzugehen.

Wir begannen mit einer anderthalbstündigen Fahrt durch die wunderschöne Natur Polens. Durch diese Landschaft wurde erst vor kurzem eine neue Autobahn eröffnet und so durften wir uns über bestens gelegten Fahrbahnbelag freuen. Zügig kamen wir anfangs voran und unterbrachen die Fahrt nur ein Mal kurz nach dem Beginn, um im Kaufland einkaufen zu gehen. Wir waren wieder verblüfft, als wir an der Offentheke über ein Kilo Rindfleisch-Steaks für knappe 4 Franken erstanden und freuten uns schon auf den Grillabend. Kurz vor Schluss bremsten uns jedoch zwei Stopps in einem Technikladen und zum Ablassen des Abwassers wieder ein wenig aus. Der Abwassertank hält übrigens wieder super dicht.

Es war schon Mittag als wir unser Ziel erreichten und nachdem wir 4 Franken für den Parkplatz bezahlten, setzten wir uns auch gleich dort zum Mittagessen zusammen. Der Parkplatz gehörte zum Schloss Fürstenstein, zu dessen Eingang wir uns nach einer kurzen Brotzeit begaben. Jonas bezahlte seinen Eintritt am Schalter und profitierte auch hier von einem grosszügigen Studentenrabatt. Die nette Dame am Schalter schien danach den Studentenpreis im Kopf gehabt zu haben, denn Melanie und ich bezahlten auch nur diesen. Nochmals Glück gehabt. Wir machten uns also in den Innenhof der schönen Schlossanlage. Schloss Fürstenstein ist das grösste Schloss in Schlesien und hat eine interessante Geschichte. Errichtet wurde sie Ende des 13. Jahrhunderts für Herzog Bolko I. Von Schweidnitz. Der Sohn des Herzog von Schlesien und Herr von Fürstenberg brachte jedoch keinen Nachkommen hervor und das Schloss ging in den Besitz dessen Witwe Agnes von Habsburg über. Die Habsburger erweiterten der Bau, bis 1392 der heutige Hauptteil der Anlage fertiggestellt war. Die Nebengebäude mit den Türmen und Fachwerkfassaden wurden dann erst viel später unter Hans Heinrich XI Fürst von Pless erbaut. Diese wurden 1905 dann auch von Kaiser Willhelm II gefürstet. 1943 wurde das Schloss durch den NS-Staat beschlagnahmt, da der Besitzer Hans Heinrich XVII nach England übersetzte, um sich vor dem zweiten Weltkrieg in Sicherheit zu bringen. Da dies Landesverrat darstellte wurde das Eigentum 1944 dann an den NS-Staat übertragen. Es wurde im Schloss ein Arbeitslager errichtet und die Gefangenen des nahen Konzentrationslager Gross-Rosen begannen damit unterirdische Fluchtstollen zu graben. Fürstenstein sollte zur Kommandozentrale der Nazis werden und höchste Funktionäre der Wehrmacht und SS beherbergen. Es gab sogar Pläne, dass Adolf Hitler in das Schloss einziehen sollte, um von hier aus die Truppen im Feld zu befehligen. Soweit kam es jedoch nicht und nach dem Rückzug der Nazis fiel das Schloss Polen zu, welches das Schloss renovierte und unter Schutz stellte. So können wir es heute besichtigen.

Das Innere des Schlosses war interessant und schön anzusehen. Mit Schildern und Erklärungen wurde leider gegeizt, wo vorhanden waren sie aber immerhin auch auf Deutsch. Eine Führung durch die tollen Räumlichkeiten wird leider nur auf Polnisch angeboten und so waren wir auf uns alleine gestellt. Es hatte sehr wenig Besucher heute hier auf Fürstenstein und so genossen wir die Ruhe und die Zeit alles genau anzusehen. Im Gegensatz zur Marienburg war hier nicht alles so interessant doch wir würden auch hier jedem eine kleine Besichtigungsrunde empfehlen, die dann doch gerne einmal über eine Stunde dauert. Wir traten hinaus auf die berühmten Terrassen und betrachteten dort auch die schönen Gärten. Die vielen Springbrunnen waren aus Wassermangel, welcher in Polen noch immer ein Thema ist, nicht in Betrieb. Doch die vielen schön gestalteten Ebenen wussten auch so zu gefallen. 











Im Ticketpreis inbegriffen war auch noch die Besichtigung des Palmenhauses, welches für die Herzogin Daisy für eine damals unglaubliche Summe von 16 Millionen Mark errichtet wurde. Dieses Haus lag jedoch über einen Kilometer entfernt und hatte auch nur noch eine knappe Stunde geöffnet. Wir entschlossen uns trotzdem einen Blick in das Haus zu werfen und wanderten los. Auf dem Weg wurden wir von einem Gewitter überrascht. Die warmen aber riesigen Tropfen liessen uns schneller laufen und schon bald retteten wir uns ins grosse Gewächshaus. Im Gewächshaus war es heiss und feucht. Unsere nasse Kleidung trug ebenfalls zu dem tropischen Gefühl bei und wir konnten es nicht so wirklich geniessen in dem Gebäude. Wir schossen trotzdem viele Fotos und betrachteten vor allem die gigantischen Kakteen ehe wir uns auf den Rückweg machten. Das Gewitter war vorübergezogen und wir nahmen es wieder gemütlicher.





Nun stand uns nur noch die Fahrt an den Übernachtungsplatz bevor. Während dieser entdeckten wir plötzlich noch eine ganz spezielle Kirche und legten für diese einen Halt ein. Die Kirche wurde wohl im zweiten Weltkrieg zerstört und stand nun als riesige Kriegsruine mitten im Dorf. Wir schossen Fotos und spazierten noch kurz durch den Wald, in dem sich noch immer die zerstörten und verlassenen Gräber befanden. Die Weiterfahrt dauerte noch eine Stunde und führte uns nach Tschechien. In einem kleinen Zipfel dieses Landes fanden wir einen Parkplatz, welcher uns viel Platz bot um unser Fleisch zu grillen und leckere Beilagen zu kochen. Wir verbrachten einen witzigen Abend mit gutem Essen, fetziger Musik und einem aus der Ferne mitgeteilten Sieg des EHC Kloten von 13:0 im Schweizer Eishockey Cup. Die Nacht hier verspricht wieder ruhig zu werden und wir freuten uns beim Einschlafen über das morgige Programm.