Dienstag, 21. August 2018

Brunnen, Autofriedhof und ein Ausflug ins Mittelalter

Heute klingelte der Wecker wieder wie immer, nur konnten wir uns heute auch schnell aufraffen. Nachdem Melanie das Fenster öffnete und wir den blauen Himmel entdeckten, war es ein Leichtes und nach dem Frühstück ging es auch gleich los. Und zu unserem ersten Halt mussten wir auch gar nicht lange reisen. Das Womo liessen wir sogar geparkt, denn das Gebäude unseres Interesses, stand gleich auf der anderen Strassenseite. Gestern Abend rätselte wir noch, worum es sich bei dem Bauwerk handelt und konnten dies dank Dr. Google auch herausfinden. Der Betonklotz wurde für die olympischen Sommerspiele 1980 gebaut, welche in der Sowjetunion stattfanden. Diese Arena hier stellte den Hauptbau der Spiele im westlichen Teil der Union dar und zerfällt seither. Wie praktisch alle olympischen Bauten. Für uns noch immer eine Idiotie, solche riesigen Bauten zu erstellen um sie verlottern zu lassen (sahen wir bereits in Barcelona) oder gleich nach den Spielen wieder abzureissen (so gesehen in London). Die Arena hier in Tallinn wird trotz ihrer tollen Lage nur noch von Graffitikünstlern und Touristen besucht, welche den Ausblick über die alte und die neue Skyline von Tallinn geniessen möchten. Wir erkundeten das Gebäude, genossen ebenfalls die tolle Aussicht und machten uns wieder auf den Rückweg zum Womo. 





Mit diesem wollten wir nun in den Süden fahren. Ein erster Halt legten wir an der Tankstelle ein um neues Frischwasser zu tanken und ein zweiter sollte an einem Supermarkt folgen. Doch die Fahrt durch die Stadt war gar nicht so einfach. Die Fahrweise der Einheimischen entspricht viel mehr der russischen Fahrweise als bei den Russen selbst. Hier wird gerast, überholt und gedrängelt. Alles klappt – aber es bleiben oft nur wenige Zentimeter Platz. Bis wir an einer roten Ampel standen. Quietschende Reifen, ein dumpfer Knall, Scherben und verbogenes Blech. Ein Kleintransporter fühlte sich so frei einem ziemlich noblen Audi eine neue Form zu verpassen. Alle nahmen es locker, stiegen aus, schossen Fotos. Bei Grün zogen wir weiter und waren froh, bald am Supermarkt angekommen zu sein. Die Preise hier in Estland liegen einiges unter den Preisen in Skandinavien und Finnland und ich freute mich so günstiges Bier zu entdecken und leistete mir gleich drei Halbliterdosen. An der Kasse nahm sie mir der Kassierer aber wieder ab und stellte sie weg. Hallo? Ich bin doch schon lange 18! Der Kassierer erwiderte, dass es in Estland verboten sei vor 10 Uhr morgens Alkohol zu kaufen oder verkaufen. Wie bitte? Ich will das ja nicht jetzt trinken. Auch Melanies Apple Cidre blieb am Kassierer hängen und so verliessen wir eben nur mit Wasser und Gemüse den Laden.

Das nächste Ziel wurde im Navi einprogrammiert und mit grossem Schrecken musste ich feststellen, dass der Weg wirklich ein Mal durch die Stadt führte. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie schaffte ich es durch die Strassen auf die Autobahn am Stadtrand zu kommen ohne dass unser Womo irgend einen Schaden davontrug. Autofahren in Zürich wird in Zukunft wohl Entspannung pur sein. Auf der Autobahn lief jedoch alles gesittet ab. Einigermassen. Denn hier fährt alles auf der Autobahn – vom LKW über Autos, Traktoren bis zu Fahrrädern. Und ab und an gibt es sogar Fussgängerstreifen oder Fahrradwege, welche die Autobahn kreuzen. Wir rollten einfach bis zu unserem Ziel, dem Hexenbrunnen von Tuhala. Dabei handelte es sich um einen ganz normalen Brunnen. Aus einem 4 Meter tiefen Loch schöpften die Menschen vor hunderten von Jahren hier schon Wasser aus einem unterirdischen Fluss. Das Problem: immer wenn der Pegel des Flusses sehr hoch ist, überläuft der Brunnen und setzt die ganze Umgebung unter Wasser. Über 100 Liter pro Sekunde schiessen aus dem Loch, überschwemmen alles und sorgen natürlich für die Sensation schlechthin. Bei dem trockenen Sommer 2018 war der Brunnen heute natürlich ruhig und fast nichts deutete auf die verborgene Kraft hin. Nach drei Ausbrüchen im 2011 setzte der Brunnen jedoch nur je einmal im 2012, 2013 und 2016 das Umland unter Wasser. 




Nach einem kleinen Spaziergang in der Umgebung setzten wir uns wieder ins Womo und programmierten ein Ziel ins Navi, welches vor allem ich mir aussuchte. Eine knappe Stunde später erreichten wir in Järva-Jaari auch den angepeilten Friedhof. Feld der alten Technik nennt sich dieser übersetzt. Wir bezahlten am Eingang zwei Euro, indem wir die Münze in ein altes Polizeiauto einwarfen. Auf dem Feld der alten Technik fanden viele viele Fahrzeuge ihre letzte Ruhestätte und zerfallen in ihre Einzelteile. Und wir kamen um ihnen dabei zuzusehen. Gleich zu Beginn entdeckten wir die vielen Autos und obwohl ich mich mit Autos auskenne, erkannte ich kein einziges Model. Natürlich handelt es sich bei sämtlichen Fahrzeugen um Fabrikate aus dem Osten, der alten Sowjetunion. Dasselbe galt auch für die Reisebusse, welche als nächstes folgten und in welche man sich sogar noch setzen konnte. Auch ein Tram stand auf der Wiese und wir nahmen im Führerstand platz. „Nääächster Halt Helvetiaplatz!“. Nach einer riesigen Sammlung an gepanzerten und teils beraupten Militärfahrzeugen erreichten wir dann den für mich interessantesten Teil. Feuerwehrfahrzeuge. Ganz ganz viele Feuerwehrfahrzeuge. Von der Autodrehleiter über Tanklöschfahrzeuge bis zu riesigen Fahrzeugen der Flughafenfeuerwehr war alles hier. Hier mischten sich zum ersten Mal einige Volvo-Aufbauten unter die roten Rostlauben. Natürlich schoss ich unzählige Fotos ehe wir uns wieder zum Womo begaben und dort auch gleich unser Mittagessen zubereiteten. 






Gestärkt ging es wieder in nördliche Richtung. Der nächste Punkt wurde von Melanie ausgesucht und überraschenderweise handelte es sich dabei um eine Burg. Die Burg Rakverde erwartete uns nach kurzer Fahrt mit einem grossen Parkplatz und den üblichen Ruinen. Gar nichts liess von Aussen darauf schliessen, dass hier irgendwas anderes zu entdecken sein sollte als in jeder 0815-Burg in der Schweiz. Und dafür wollten die dann auch noch 9 Euro Eintritt pro Person. Natürlich dachten wir da zwei Mal darüber nach, doch die Bewertungen und unser Gefühl liessen uns den Preis bezahlen und eintreten. Sofort bemerkten wir, dass das hier keine normale Burg war. Überall stand mittelalterliches Zeugs herum und die Mitarbeiter waren alle in alte Fetzen gehüllt. 36 Punkte waren auf unserem Plan, welchen wir erhielten, eingezeichnet und wir arbeiteten uns von Punkt zu Punkt. Bei Punkt 5 betraten wir den „Barber-Shop“ also den Rasur-Laden. Dort sass eine mittelalterliche Dame am Empfang und nahm uns gleich in Beschlag. Sie erklärte uns den Job des Barbiers, der auch kleinere medizinische Eingriffe ausführte. Weiter führte sie uns in die Welt der Prostitution und der mittelalterlichen Geschlechtskrankheiten ein. Sie erklärte uns den Grund des Keuschheitsgürtels (Schutz vor Vergewaltigung, welche im Mittelalter oft vorkam) und dass Syphilis im Mittelalter etwas war, dass einem das Ansehen der Mitmenschen beschaffte. Nur Reiche konnten sich den Geschlechtsverkehr mit Prostituierten leisten und sich dort mit der Krankheit anstecken. Die Dame führte uns gut 10 Minuten durch die Räume, erklärte alles in bestem Englisch und liess uns danach noch für Fotos alleine. Wow. Wirklich sehr freundlich hier fast noch eine Führung zu erhalten. 






Wir erkundeten weiter die Schmiede, die Schreinerei, das Restaurant, die Stallungen und den Innenhof in welchem Gänse, Hühner, Schafe, Ziegen und ein Esel ihr Zuhause fanden und um Streicheleinheiten und/oder Essen bettelten. Als nächstes entdeckten wir viele dunkle Zwischengänge, kletterten auf die Burgmauer, stiessen zur Kirche vor und betrachteten Ballsaal, Speisesaal und Weinkeller. Als nächstes trafen wir auf einen Keller, welcher uns an ein Chemielabor erinnerte. Hier war ein Alchemist zuhause, welcher mit uns zusammen begann Schwarzpulver herzustellen. Aus Kohle, Salpeter und Schwefel mixte er das schwarze Pulver und erklärte uns viele interessante Dinge über die Verwendung, Herstellung und Lagerung. Auch das war wieder sehr interessant. Doch nun wollten wir uns an das Herzstück der Burg warten. Drei Räume, welche in allen Bewertungen hervorstechen und für welche die Burg auch bekannt ist. Die Folterkammer, die Kammer des Todes und die Hölle. Eine mittelalterliche Dame holte uns wieder am Eingang ab und führte uns in die Folterkammer. Nur mit wenigen Kerzen erleuchtet herrschte eine düstere Stimmung, während uns die Instrumente gezeigt wurden mit welchen die Menschen verhört, gefoltert und schlussendlich hingerichtet wurden. Auch in der Kammer des Todes herrschte gruslige Stimmung. Viele Puppen, ein aufgestellter Sarg sowie Licht- und Toneffekte sorgten für das richtige Ambiente ehe wir von der Dame, ohne ihre Begleitung, in die Hölle geschickt wurden. Nach ein paar Treppenstufen erwartete uns wirklich ein Trip durch die Hölle. Zahlreiche Licht- und Toneffekte, viele Puppen und anderes grusliges Zeug, Hindernisse am Boden und überall. Wie eine wirklich gut gemachte Geisterbahn. Wir fühlten uns wie an den Horror-Nights im Europapark ehe wir nach ein paar Minuten wieder ans Tageslicht traten. Wow! Was für ein Erlebnis. Das wollten wir bei einem kühlen Getränk in der Schenke sacken lassen und bestellten uns dort ein Bier und einen Cider – war ja jetzt nach 10 Uhr. Pünktlich um 16:00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in den Innenhof. Das selbst gemischte Schwarzpulver fand nun Verwendung, indem die schwedische Kanone im Innenhof abgefeuert wurde. Mit einem lauten Knall verpuffte das Pulver und natürlich sind wir wie alle anderen auch ganz schön erschrocken. 







Nun war alles gesehen und wir machten uns auf den Weg zum Womo. Wir waren uns einig: das war jetzt etwas richtig geiles! Ein Mittelaltermuseum zum Anfassen. Sehr freundliches Personal, welches immer freudig strahlt, wenn es einem etwas erklären darf. Man könnte hier auch noch auf Pferden reiten, Bogenschiessen, mit Lanzen üben und vieles anderes. Also für die 9 Euro kann man locker einen halben Tag unterhalten werden. Eine geniale Sache. Wir tratschten noch lange über die tolle Burg während wir zu unserem Übernachtungsplatz fuhren. Dort gab es schon bald Nachtessen und wir starteten in einen gemütlichen Abend. 

Montag, 20. August 2018

Weiter geht es in: Tallinn

Früh klingelte heute der Wecker. Doch nicht so früh wie erst gedacht. Kurz vor dem Schlafengehen bemerkten wir gestern noch, dass die Fähre erst um 09:00 Uhr ablegt und somit ein Check-In bis 08:00 Uhr möglich war. Also alles eine Stunde später. Wir nutzten die Hälfte der „gewonnenen“ Stunde, um längerzu schlafen und die andere Hälfte um gemütlich zu frühstücken. Danach ging es aber wieder auf direktem Wege in die Stadt. Auf den Strassen war um diese Zeit natürlich der Berufsverkehr am Rollen. Doch auf den vier Spuren konnte man durchgehend 90km/h fahren, bei erlaubten 80km/h. Doch da jeder Verkehrsteilnehmer anständig und vorausschauend fuhr, war dies kein Problem. Und trotz der vielen Autos kamen wir am Fährhafen an, ohne eine Minute auf die Ankunftszeit des Navis verloren zu haben. Rush-Hour geht also auch anders. Wir checkten ohne Wartezeit ein, nur ein paar Meter vom Check-In nach St. Petersburg entfernt. In der Schlange mit vielen Womos warteten wir dann auf die Ankunft der Fähre und lasen in unseren Tolinos.

Der Himmel verdunkelte sich als die riesige MS Finnlandia an unserem Womo vorbeizog und schon bald die ersten Lastwagen an Land spuckte. Wieder eine riesige Fähre und trotzdem konnten wir nicht glauben, was hier alles an Motorrädern, Autos und LKWs aus dem Bauch des Schiffes fuhr. Bald schon stand unser Womo auch in diesem Bauch und wir machten uns mit dem Lift auf den Weg nach oben. Deck 8 war unser Ziel und wir stöberten ein wenig durch die Gänge auf diesem Unterhaltungs-Deck. Bald schon merkten wir, dass sich das Deck mit Menschen füllte und wir entschlossen uns, schnell einen Sitzplatz einzunehmen, bevor diese alle besetzt wären. Wir taten dies im Konzertsaal, in welchem aber noch nichts los war. Die Tolinos lenkten uns ab, bis wir dann ablegten. Schon bald trat die dreiköpfige Band auf die Bühne und schmetterte uns Hits von Elvis, CCR, Tina Turner oder Elton John um die Ohren. Es wurde getanzt, geklatscht und gewippt. Die Stimmung war wirklich bestens. Nach einer Pause gab es auch noch eine zweite Vorstellung und so waren schnell anderthalb Stunden Fahrtzeit vorbei. Wir schlenderten noch kurz durch die Läden und bemitleideten alle Leute, welche am Boden sassen und lagen, weil sie keine Sitzplätze fanden. Diese Fähre hier war eben wieder eine reine Reisefähre, wenn auch um einiges moderner als noch unsere Princess Anastasia. Schon bald sassen wir wieder im Womo, verliessen die Fähre und waren somit in Estland angekommen.





In blau, schwarz, weiss leuchteten uns von überall her die Fahnen entgegen und begrüssten uns in der Hauptstadt Tallinn. Nur eine kurze Fahrt war es bis zu einem Parkplatz, welcher in unserem App empfohlen wurde. Stadtnah und für 2 Euro pro 24 Stunden und vor allem im Gegensatz zu den meisten mit Bargeld zu bezahlen. In der Stadt parkt man ansonsten mit SMS an eine Nummer, was jedoch nur mit einem estnischen Handy funktioniert. Nicht gerade geschickt für eine Touristenstadt. Doch wir fanden einen Parkplatz neben anderen Womos, bezahlten unsere 2 Euro und machten uns auf den Weg in die Altstadt Tallinns.

Wir wussten, dass uns hier eine historische Altstadt erwartet, waren aber doch überrascht. Die Stadt wirkt wie im Mittelalter stehen geblieben, wartet mit Kopfsteinpflasterstrassen und wundervollen Gebäuden auf, wirkt jedoch auch fast wie ein überdimensionales Museum. Die modernen Mercedes und BMW, welche in den Strassen parkten, wirkten wie Fremdkörper in dieser ansonsten so originalbelassenen Kulisse. Wir machten uns auf dem direkten Weg durch die Altstadt zum zentralen Raekoja Plads, wo wir auch unseren ersten Cache in Estland loggten. Schlendernd zogen wir weiter bis wir das Ende der Altstadt und dort den berühmten Kiek in de Kök besuchten. Der Wachturm steht auch heute noch auf dem Hügel am Rande der Altstadt. Das lustigste ist jedoch hier der Name. Keine Ahnung wie man Kiek in de Kök ausspricht, doch tut man es so wie wir, klingt es relativ bescheuert für einen Wachturm. Wir machten uns auf den „Rückweg“, welcher uns jedoch durch andere Gassen und in andere Himmelsrichtungen trieb. Die Altstadt war riesig und so wanderten wir auch heute wieder Kilometer um Kilometer. Immer auf Kopfsteinpflaster. Die Läden hier sind alle nur sehr spärlich angeschrieben um das Stadtbild nicht zu stören und sogar der McDonalds musste sich daran halten und ist nur an einer sehr kleinen Tafel zu erkennen. Ansonsten fanden wir viele Restaurants und Cafes, welche ihre Sitzbereiche auf den Strassen aufgebaut hatten. Natürlich fanden sich auch viele Souvenirshops, welche auch in Tallinn alle dasselbe anbieten. Hier waren es vor allem Artikel aus Holz oder Bernstein. Wir wanderten und wanderten bis heute einmal ich derjenige war, der langsam aber sicher am Ende war. Drei Städte, drei Länder, drei Tage – das war ein heftiges Programm. Doch natürlich musste erst noch die alte Hanse betrachtet werden, war doch auch Tallinn eine Hansestadt. Danach ging es aber wieder zum Womo.












Der Zeitpunkt war gar nicht so falsch. Kaum im Womo angekommen begann es zu regnen und wir machten es uns gemütlich. Wir suchten uns noch viele interessante Orte für unsere nächsten Tage in Estland aus dem Internet, ehe wir uns ins Bett legten und ich mein spannendes Buch endlich fertig lesen konnte. Nach einem leckeren Nachtessen werden wir nun auch den restlichen Abend gemütlich verbringen, ehe es morgen in das Land hinaus gehen wird. Wir freuen uns schon sehr auf die kommenden Wochen im Baltikum und sind sehr gespannt, was wir hier so alles erleben werden. 

Sonntag, 19. August 2018

Willkommen zurück in Helsinki

Aufgeweckt wurden wir heute früh von der Stimme von Prinzessin Anastasia. Sie verkündete in einer Lautstärke, dass wir bald am Hafen von Helsinki eintreffen werden und ab 08:30 Uhr mit dem Aussteigen begonnen werden könne. Mist. Haben wir den Wecker verpasst? Ein Blick aufs Handy zeigte jedoch, dass es noch nicht ganz 07:00 Uhr war. Doch trotz des grundlos frühen Weckens, waren wir heute wirklich munter. Eine gute Nacht lag hinter uns, in welcher wir nur gegen 3 Uhr einmal wegen des heftigen Seeganges aufwachten. Laut Anastasia regnete es heute in Helsinki und so hatten wir es auch gar nicht so eilig vom Schiff zu kommen. Gegen 08:00 Uhr entschlossen wir uns das Deck 7 aufzusuchen, um dort den Handyempfang zu erlangen und den Blogeintrag abzusenden. Trotz diversen Durchsagen, welche den Aufenthalt in Korridoren und auf Treppen verboten, mussten wir uns durch viele Leute kämpfen, welche alle schon auf die Türöffnung warteten. Deck 7 war somit praktisch leer und als der Blog online war und wir unsere Kajüte das letzte Mal aufsuchten, waren die Leute alle schon weg.

Wir trafen die Menschen dann wieder im Zollgebäude. Die ersten sechs Schalter waren für alle Nicht-EU-Bürger reserviert. Bei den vielen Russen und Japanern, welche hier ankamen waren die Schlangen dementsprechend lange. Ein Schalter jedoch stand nur für EU-Bürger bereit. Als Schweizer hat man ja das Glück, dass man auswählen kann. EU-Bürger sind wir ja nicht, dürfen aber als Angehörige eines Schengenstaates auch bei den EU-Bürgern in die Schlange. Wir entschieden uns jedoch für die Schlange an den letzten drei Schaltern. Automatische Passkontrolle für EU-Bürger. Perfekt. Hier ging es sehr flott voran. Ein Besucher nach dem anderen darf vortreten, den Pass einscannen und dann ein paar Sekunden in eine Kamera blicken. Passt alles, geht die Türe auf und man kann, hier nach Finnland, einreisen.

Unser erstes Ziel war die Tramstation vor dem Fährterminal. Doch hier kamen sämtliche Bürger an einem einzigen Ticketautomaten zusammen und wir bemerkten schnell, dass wir hier einige Trams verpassen, ehe wir ein Ticket in den Händen halten werden. Also spazierten wir 200 Meter weiter zu der vorhergehenden Tramstation. Ohne uns anzustellen zogen wir ein Ticket, sassen auf einen Sitzplatz im Tram und fuhren an die Station des Fährhafens, wo die selben Leute noch an derselben Stelle standen. In der Innenstadt wechselten wir vom oberirdischen Tram in die unterirdische Metro, welche uns sehr schnell zum Campingplatz am Stadtrand chauffierte. Wir spazierten durch den Eingang und da stand er. Abgestellt auf Platz F9 wartete unser Womo auf uns und begrüsste uns mit entzückten Blinken. Wir räumten kurz unser Gepäck in die Schränke und gönnten uns ein Frühstück. Da die Check-Out-Zeit des Campings erst auf die 15 Uhr angesetzt war, liessen wir das Womo aber nochmals auf seinem Platz zurück und bestiegen wieder die Metro in die Innenstadt.



Wir verliessen die U-Bahn gleich bei der wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit der Stadt. Am zentral gelegenen Senatsplatz thront der Dom von Helsinki auf einer kleinen Anhöhe und blendet mit seinen schneeweissen Wänden jeden Betrachter. Trotz der pompösen Gebäude der letzten Tage, vermochte uns die Domkirche zu überraschen. Wunderschön steht sie dort und warf sich gleich auch noch mit einem Glockenspiel in Szene. Wir betrachteten noch die Statue von Alexander II, welche auf dem Senatsplatz zuhause ist. Weshalb man auf dem zentralsten und schönsten Platz der finnischen Hauptstadt die Statue eines Russen aufstellt erschloss sich uns irgendwie nicht. Wir betrachteten den Dom noch kurz von innen, was jedoch nach den Tagen in St. Petersburg nicht so überwältigend war. Nur die riesige Orgel löste ein kleines Staunen in uns aus.





Weiter verfolgten wir die Spur eines virtuellen Multicaches, welcher uns in die Krypta der Kirche führte ehe er uns auf eine Tour durch das Stadtzentrum mitnahm. Wir wanderten der Strasse entlang, deren grossen Läden auch Sonntags geöffnet hatten. So bummelten wir hier und da auch durch die Läden und entdeckten den wohl grössten Sportwarenhändler, welchen wir je sahen. Zu absolut jeder Sportart bekam man hier seine Ausrüstung. Egal ob Sommer- oder Wintersportart, Mainstream oder Nischenprodukt, alles war da. Am Ziel erreichten wir noch die Skulptur der drei Schmiede. Dank dem Cache wussten wir nun, dass der bröckelnde Sockel der Statue durch das bombardieren der Stadt Helsinki im zweiten Weltkrieg Schaden nahm und dass die Löcher in der Statue von Projektilen herführen. Wirklich eindrücklich an diesem Ort zu stehen, diese Spuren zu sehen und sich versuchen in die Lage der Stadt zu versetzen. Für unsere Generation unvorstellbar.





Mit Tram, Bus und Metro streunten wir weiter durch die Stadt. Besichtigten den botanischen Garten, die Hundeinsel Tervasaari mit seinen Hundestränden, Restaurants und Grünflächen und besuchten erneut das Zentrumsquartier Kluuvi. Schon bald mussten wir aber wieder die Metro zum Campingplatz besteigen und schafften es pünktlich um 14:55 Uhr auszuchecken. Wir hatten die Zeit also perfekt ausgenutzt. 15:05 Uhr angekommen – 14:55 Uhr verlassen. Besser geht es kaum. Wir besuchten mit dem Womo noch ein Randquartier um nochmals einen Virtualcache zu loggen, welcher gerade vor einem Lidl lag. So deckten wir uns noch ein letztes Mal mit den bekannten Lidl-Produkten ein. Erst in Litauen kommen wir wieder in den Genuss von den bekannten Supermärkten. Unser Übernachtungsplatz war dann auch bald erreicht. Westlich von Helsinki stehen wir auf einem Parkplatz am Meer, welcher für 24 Stunden kostenlos beparkt werden darf. Hier legten wir uns mit dem Badetuch an den Strand und beschäftigten uns mit unseren Tolinos. Die Sonne brannte mittlerweile vom Himmel und so war es ein wahrer Genuss. Von hier aus sind wir auch schnell wieder am Fährhafen von Helsinki, welchen wir morgen schon wieder aufsuchen werden. Um 08:00 Uhr verlassen wir Finnland mit der Fähre in Richtung Estland. Für die Fahrt nach Tallinn müssen wir bis 07:00 Uhr eingecheckt haben und somit klingelt morgen der Wecker schon sehr früh.




Samstag, 18. August 2018

Noch ein letzter Tag in St. Petersburg

Nach einem Abend mit viel Wellness konnten wir uns entspannt ins Bett legen und in das Reich der Träume schweben. Kein Wunder schliefen wir nach so einem Tag tief und fest, erwachten erst wieder als der Wecker klingelte. Dies war heute relativ früh, da wir auch an unserem letzten Tag viel vor hatten. Dazu stärkten wir uns an dem riesigen Frühstücksbuffet mit Croissants, Speck, Kartoffelpuffern, Müsli, Früchten und Kaffee. Nach dem Frühstück mussten wir leider schon wieder unsere Sachen zusammenpacken. Dieses luxuriöse Hotel werden wir wohl schon ein wenig vermissen. Doch wie immer freuten wir uns auch auf das was vor uns lag, als wir an der Reception auscheckten.

Kaum vor der Türe angekommen, hatten wir das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte. Es war so ruhig und praktisch kein Auto war unterwegs. Klar, es war Samstagmorgen. Doch wir befanden uns in St. Petersburg und nicht in Frauenfeld. Hier wird doch was los sein. Wir setzten unseren Weg ins Stadtzentrum fort und entdeckten bald einige Polizeiautos, welche die Strasse sperrten. Ebenso konnten wir Rauch entdecken und hörten laute Motorengeräusche. Was war denn hier los? Plötzlich rauschten zwei Supersportwagen über die nahe Brücke und blieben an einer Ampel stehen. Dort liessen sie die Motoren spielen ehe sie mit rauchenden Reifen davon schossen. War das nun wieder so ein Russen-Ding? Spielen hier die Reichen in der Stadt am Samstagmorgen ein wenig mit ihren Boliden? Das wäre voll klischeehaft und so erlebten wir Russland bisher überhaupt nicht. Und so auch hier nicht. Die Wagen stellten sich bald erneut an die gleiche Stelle, schossen erneut davon. Wir standen da schon weiter vorne und entdeckten, dass die Sportwagen von einem BMW mit riesiger Dachkamera und diversen Drohnen begleitet wurden. Zudem standen überall Leute mit Funkgeräten, Securitys und auch stapelweise Ersatzreifen standen bereit. Hier wurde also ein Film gedreht. Auch der Gehweg war dazu noch eine Viertelstunde gesperrt, welche wir auf einer Anhöhe mit Beobachten der Szenerie verbrachten. Plötzlich schien die Szene im Kasten und von Null auf Hundert war er wieder da. Der Verkehr. Der Stadtlärm. Auch wir konnten uns nun auf den Weg in die Stadt begeben.



Wir wollten an unserem letzten Tag einfach ein klein wenig durch die Stadt spazieren und das Flair dieser Stadt nochmals aufnehmen. Wir lasen im Internet damals so viel, dass man einen Guide braucht um durch die Stadt zu spazieren. Zu gefährlich sei es, zu chaotisch, zu schwierig. Keine Ahnung ob hier Propaganda betrieben wird oder ob man uns allen einfach teure Dienste andrehen möchte. Aber ein Guide in St. Petersburg ist so nötig wie in jeder anderen Grossstadt. Zu jedem Zeitpunkt fühlten wir uns sicher und die Stadt ist für diese Grösse kein wenig chaotisch. Gegen das Sprachproblem kamen wir mit Händen und Füssen an und wir brauchten im Gegensatz zu vielen Berichten auch keinen einzigen Rubel Bargeld. Mit VISA kamen wir gut durch die Stadt. Beim nächsten Mal würden wir vielleicht versuchen umgerechnet 20 Franken in Rubel mitzunehmen um an den Strassenständen ab und an was kleines zu Essen oder Trinken zu kaufen – diese akzeptieren nämlich keine Kreditkarten. Zudem fiel uns heute auf dem Rundgang, welcher uns auch durch Quartiere fern der Touristenroute führte, die Sauberkeit der Stadt auf, die nicht zuletzt den Einheimischen zu verdanken ist. Die Russen werfen jedes Papierchen in einen Mülleimer, von denen es wirklich viele hat. Kein Zigarettenstummel, kein Kaugummi, kein Müll – nichts wird hier an den Boden geworfen. Und das bisschen, das eben doch anfällt, wird schnell von Reinigungskräften aufgesammelt. Zum Abschluss wanderten wir nochmals dem Nevsky Prospect entlang, besuchten den einen oder anderen Laden und sogen nochmals die Stadtluft in uns auf.






Bald schon mussten wir diese wunderschöne Stadt wieder verlassen. Doch zuvor hatten wir noch einen ganz kurzen Termin neben dem Hotel erhascht. Nachdem das in Tromso mit dem Tattoo nicht geklappt hatte, fanden wir einen Künstler hier in St. Petersburg, welcher heute kurz Zeit hatte um uns ein Andenken unter unsere Haut zu stechen. Ich tätowierte mir einen Spruch, welchen ich schon seit Jahren an mich bringen wollte, während Melanie sich für eine sehr schöne Erinnerung an diesen speziellen Trip entschied. Man könnte hier nun Pistolengeschichten von russischen Hinterhöfen und einem versoffenen Tätowierer erzählen, welcher mehr Vodka als Tinte verbrauchte. Doch auch das war überhaupt nicht so. Ein sehr ordentliches Studio, optisch eine Mischung aus Coiffeursalon und Arztpraxis, nutzte Anatoliy als seine Werkstätte. Heute war zudem noch eine nette junge Dame am Empfang hier, deren Mutter Englischlehrerin war und die deshalb sehr gut englisch sprach. Das half ungemein, da Anatoliy kein Wort verstand, von dem was wir ihm sagten. Wir fühlten uns in dem Studio wirklich wohl, alles war auch hier sehr sauber und auch mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden, als wir das Studio verliessen. Mein Tattoo sieht noch ein wenig deplatziert aus, da die Umgebung, wie schon länger geplant, im Herbst in der Schweiz gestochen wird. Melanies Tattoo bleibt so und ist wunderschön und weiblich fein.

Da sassen wir nun wieder in der Lobby unseres Hotels. Der Zeitplan ging perfekt auf und auch die anderen Reisenden, welche wir schon von dem Hinweg kannten, hatten sich zur Abreise eingefunden. Die Visumfrei-Regel wird hier wohl öfters angewendet. Nach einem Coke Zero und einem frischgepressten Orangensaft traf auch schon der Shuttlebus ein, welcher uns wieder zum Hafen brachte. In gemächlichem Tempo fuhren wir ein letztes Mal durch die Stadt, in das ältere, baufällige, aber ebenfalls sehr saubere Hafengebiet. Der Check- in klappte auch hier wieder bestens und nach einer längeren Zollkontrolle durften wir Russland wieder verlassen. Ein riesiges Abenteuer in eine Stadt, welche für mich zu den absoluten Lieblingsstädten gehört. Und auch Russland hat mich sehr von sich und seinen freundlichen Menschen überzeugt und so denken wir beide, dass wir nicht zum letzten Mal hier waren.

Wir betraten nun also wieder die Princess Anastasia und suchten gleich unsere Kabine auf. Nummer 5200 – die erste am Gang. Der grosse Vorteil ist, dass man nicht immer so weit laufen muss und nicht so lange hat um die richtige Kabine zu suchen in dem riesigen Labyrinth. Dafür läuft einfach jeder an dem Zimmer mit seiner hellhörigen Türe vorbei. Doch das war uns egal. Das Zimmer war wieder gleich vom Aufbau her, mit einem Kajütenbett und einem kleinen Bad. Sauber und gemütlich. Doch in der Innenkabine wollten wir nicht den Abend verbringen und wir begaben uns auf die oberen Etagen. Dort fanden wir noch freie Sitzplätze mit Blick auf den Hafen und das Meer. Wir setzten uns und lasen in unseren Tolinos. Erst als das Schiff ablegte, öffneten die Restaurants an Bord und wir begaben uns ins Mia Napoli, wo wir ebenfalls einen Fensterplatz erhielten. Wir verspeisten je eine sehr leckere Pizza und ich gönnte mir noch ein Lapin Kulta Bier, während die Stadt St. Petersburg immer mehr aus unserem Blickfeld verschwand. Wir sassen noch am Tisch und quatschten, bis es dunkel wurde. Dann wechselten wir in unsere Kajüte und widmeten uns wieder den geschriebenen Geschichten bis unsere Auge müde waren. Wir gönnten ihnen die Entspannung, schlossen sie und machten uns schlafend auf den Weg nach Helsinki. 

Peterhof und Hermitage

Früh klingelte heute der Wecker und riss uns aus unserem Schlaf. Wundervoll nächtigten wir in dem riesigen Bett, welches mit acht Kissen aufwartete. Ruhig, dunkel, bequem. Alles wichtige war gegeben. Gespannt machten wir uns auf den Weg zum Frühstück, welches in den Hotelbewertungen besonders gelobt wird. Der Frühstückssaal war überaus schön hergerichtet und ein riesiges Buffet lies absolut keine Wünsche offen. Wir liefen hin und her, füllten Teller um Teller und leerten ihn auch artig wieder. Ein gelungener Start in den Tag. Nach dem Nachtessen gestern hatte ich den Blog noch nicht fertig geschrieben, was ich nun nach dem Frühstück nachholte. Knapp wurde es zum Schluss, da es ein langer Bericht mit vielen Fotos war. Beim drücken des "Veröffentlichen"-Buttons eilten wir schon durch die Lobby. Doch es reichte noch knapp um im Wifi den Blog abzusenden.

Knapp erreichten wir den Bootshafen auf der anderen Flussseite. Im Hotel buchten wir gestern unsere Reise von hier zum Peterhof. Das Hotel empfahl uns diese Boote als schnellsten Weg. In 40 Minuten sollten wir die ehemalige Zarenresidenz aus dem 18. Jahrhundert erreichen und es somit gerade noch zur Inbetriebnahme der Fontänen um 11 Uhr schaffen. Wir checkten ein und konnten uns auch schon gleich in das Innere des Bootes begeben. In dem Speedboot sass man wie im Flugzeug. Zweierreihe an den Fenstern und Viererreihe in der Mitte. Wie ein Flug nach Übersee sah es aus und so fühlte es sich auch beinahe an, als der Kapitän das Gaspedal schon in der Stadt richtig durchdrückte. Das Tragflächenboot erhob sich aus dem Wasser und düste los. Eine Dame versuchte noch wie auf einer Verkaufsfahrt irgendwelche Souvenirs zu verkaufen, was jedoch keinen Anklang fand. Schnell war die Fahrt vorbei und wir traten an die heisse Sonne am Peterhof. Die Tickets für den Park mussten wir uns hier noch erkaufen, was wieder nicht ganz einfach war. Alles nur auf Russisch beschrieben und auch an der Top Sehenswürdigkeit der Region spricht niemand wirklich Englisch. Wir schafften es Punkt 11 Uhr einen ersten Blick auf die Springbrunnen zu erhaschen, welche mit Marschmusik in Betrieb genommen wurden. Also irgendwo wurde einfach von jetzt auf gleich der Hahn geöffnet. Nichts koordiniertes oder so. Da hätten wir uns ein bisschen mehr erwartet.

Was jedoch alle Erwartungen übertraf war das Schloss. Was sich der Zar hier nach der gewonnenen Schlacht von Poltawa leistete, ist nicht zu glauben. 11 Jahre Bauzeit beanspruchte der Prunkbau, welchen wir zuerst von Aussen besichtigten. Danach begaben wir uns in den Park, welcher nicht weniger beeindruckend war. Springbrunnen überall, goldene Figuren, viel Grün und unglaubliche Grösse. Stunden, ja Tage, könnte man hier durch den Park spazieren. Doch um 12 Uhr war der nächste Fixtermin. Denn nur von 12 bis 14 Uhr werden Tickets für einen Besuch der Inneren ohne Führung angeboten. Und da uns die Führungen meist nicht so interessieren, wollten wir uns den Palast alleine ansehen. Um Punkt 12 standen wir in der Schlange, welche gar nicht so lange war. Zwei Probleme waren da aber: Die Sonne schien und wir hatten nichts zu trinken - was jedoch nur ein Problem war. Das andere waren die Russen. Die Russen stehen an jedem Ticketschalter hier in St. Petersburg mit Pass, Geburtsurkunde und Stammbaum. Je nach dem wie Russisch man ist, erhält man hier Vergünstigungen oder gar freien Eintritt. Das dauert aber immer Ewigkeiten und so standen wir über eine Stunde in der Schlange. Wir erhielten das Ticket und mussten das Gebäude wieder verlassen um an anderer Stelle ins Schloss zu treten. Wir packten die Chance und rannten noch in das knapp 400 Meter entfernte Restaurant und deckten uns mit Getränken ein. Erfrischt ging es nun also in den Palast.








Was soll man da bloss sagen. Den Palast kann man mit Worten nicht beschreiben. Die Räumlichkeiten und Schätze in diesen Gemäuern muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben. Ansonsten kann man nicht glauben wie die Zarenfamilie damals hier lebte. Wir wanderten zügig durch die Räume, verweilten uns aber doch über 40 Minuten in dem Protzbau. Wir stellen hier ein paar Bilder ein, welche jedoch der Schönheit und der Grösse des Palastes in keiner Weise gerecht werden. Wir überlegten uns lange, ob wir den halben Tag wirklich investieren möchten um hierhin zu fahren. Wenn man nur drei Tage in der Stadt hat ist so ein Halbtagesausflug doch recht viel. Doch egal wie lange man Zeit hat - den Peterhof MUSS man besuchen wenn man hier ist. Sowas erlebt man wohl nur hier an diesem Hof.





Nachdem wir auch den östlichen Teil des Gartens kurz unter die Lupe nahmen (und wieder einen Cache nicht fanden), mussten wir uns doch noch beeilen um unsere Rückfahrt um 15:00 Uhr zu erwischen. Im gleichen Speedboot ging es zurück nach St. Petersburg und pünktlich um 15:40 Uhr standen wir wieder in der tollen Stadt. Doch nun stand noch ein weiteres Highlight auf dem Programm. Eigentlich DAS Highlight jedes St. Petersburg-Besuches. Die Eremitage. Dabei handelt es sich um eines der grössten und bedeutsamsten Kunstmuseen der Welt. Es gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und beherbergt in über 300 Räumen und im unterirdischen Archiv über 3 Millionen Exponate, von welchen etwa 65'000 ausgestellt sind. Neben dem Louvre findet man hier die grösste Auswahl klassischer europäischer Kunst, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die Russen auf ihren Raubzügen durch Europa nicht ganz erfolglos waren. Böse Zungen behaupten es auf jeden Fall. Sogar diverse Bilder von DaVinci, Picasso, Rembrandt, Rubens, Matisse, Paul Gaugin  und Statuen von Michelangelo sind unter dem Dach der Eremitage zu finden. Beschützt werden die Werke seit 1745 von Katzen. Nicht vor Dieben aber vor Mäusen und anderen Nagetieren. Da die Nagetiere nur dann auftauchen, wenn keine Besucher in dem Gebäude sind, entdeckt man auch die Katzen nur dann. Tagsüber schützen sie vor allem das Archiv und faulenzen im kühlen Keller.

Natürlich war auch die Schlange für die Tickets zur Eremitage sehr lang. Vor dem Gebäude zog sie sich durch die Sonne und vom Ende aus war die Kasse beinahe nicht zu sehen. Doch wir kannten einen Trick. Im Innenhof finden sich Ticketautomaten, an welchen man sich Tickets selbst ausdrucken kann. Hier kann man nur Tickets ohne Vergünstigungen beziehen, weshalb keine Russen hier waren und auch sonst war kein Mensch an den Automaten, welche sogar auf Englisch funktionierten. Weshalb die Russen bei einem Ticketpreis von 10 Franken für eine Stunde in der Sonne stehen nur um einen kleinen Rabatt zu bekommen, können wir uns nicht erklären. Wir hielten nach einer Minute unser Ticket in den Händen und konnten ohne uns irgendwie anzustellen direkt in die Ausstellung. Beinahe hätten wir vor ein paar Tagen ein "Fast Pass ohne Anstehen" auf TripAdvisor für den doppelten Preis bestellt. Nun waren wir also in dieser weltberühmten Eremitage. Auch hierüber möchten wir eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren auch wenn man hier nun Stunden mit Superlativen um sich werfen könnte. Wer jemals die Chance hat diese tolle Stadt zu besuchen, kommt auch um einen Besuch der Eremitage nicht vorbei. Uns interessierten die Kunstwerke grösstenteils nicht besonders. Doch die vielen verschiedenen Räume des Hauses sind wohl nicht zu übertreffen. Jeder Raum ist anders, doch jeder ist grandios und man kann den Blick fast nicht von den aufwändigen Decken und Säulen zu den Kunstwerken richten. Wir schossen unzählige Fotos und ich war froh, "nur" mein Handy dabei zu haben. Mit der Spiegelreflex würde ich heute noch im Museum stehen. Die Zeitangabe für einen Besuch des Museums reichen von drei Stunden bis einer Woche. Je nach dem wie stark man sich für die tausenden Exponate interessiert. Wir waren nach ein paar Stunden einfach nur platt. Der kürzeste Weg durch alle Räume wird mit 24 Kilometern angegeben, was wir bei weitem nicht erreichten. Doch irgendwann ist man total gesättigt mit den vielen Eindrücken und es passt einfach nichts mehr in den Kopf rein.








Wir verliessen die Eremitage und machten uns auf den Weg zurück zum Hotel. Die letzten Kilometer an der Sonne waren nochmals streng und das Handy zeigten beinahe 20 Kilometer an. Klingt nach nicht wirklich viel. Doch die Kilometer waren hart erarbeitet und die ganze Distanz in der Eremitage und im Peterhof-Palast kamen ja noch dazu. Da hatten wir uns nun ein deftiges Nachtessen verdient, welches wir im Restaurant des Hotels einnahmen. Erst wollten wir im "Dans le noir" essen, welches sich ebenfalls im Hotel befindet. Hier kann man in totaler Finsternis essen und sich von blindem Personal bedienen lassen. Das klang sehr interessant doch wir waren dann doch so hungrig, dass uns nicht nach "Experimenten" zu Mute war. Und schliesslich wartete ja danach noch der Spa-Bereich auf uns. Auch diesen genossen wir noch bis beinahe um 23:00 Uhr und schon bald lagen wir müde in unserem Bett und schlossen die Augen.