Montag, 9. Juli 2018

Ein Tag unter Tage

Ein Vogel versüsste mir heute früh das Aufwachen mit seinem Gesang. Leider war es aber erst gerade 00:20 mitten in der Nacht. Hell war es im Womo aber schon wieder (oder noch immer) als ob es 20 nach 12 am Mittag wäre. Zudem erspähte ich aus der Ferne schon wieder Ungemach. Die Bedieneinheit der Heizung blinkte schon wieder rot auf. 6 Mal – dann Pause. Na super. Mit dem Vogel und der defekten Heizung konnte ich beinahe nicht mehr einschlafen und so schlug ich mir die Nacht sehr unruhig um die Ohren.

Nach dem Frühstück sorgte Melanie aber dafür, dass ich schnell auf Touren kam. Eine kleine Wanderung sollte uns ganz in der Nähe zur Oyfjellgrotta führen. Das klang spannend und die Wanderung wurde mir als leicht angepriesen. Sie begann auch ganz okay. Ein schöner Weg, gefolgt von einem Trampelpfad, welcher auch mal durch ein Bächlein führte. Ohne Brücke. Aber alles im gemütlichen Rahmen. Plötzlich war die Grotte nur noch 92 Meter entfernt. Das Problem: laut Navi war sie auch stolze 100 Höhenmeter über uns. Grosszügig gerechnet ergibt dies 100% Steigung oder für Winkelfetischisten 45°. Serpentinen? Fehlanzeige. Treppen? Nicht hier. Einfach nur ein direkter Pfad den Hang hoch. Die 45° erkannte man relativ gut während man sich auf allen Vieren im Weiterkommen versuchte. Wir schwitzten und schnauften als wir den Hügel endlich erklommen hatten. Wir waren echt am Ende von 100 Metern. Und dann fanden wir die Grotte nicht! Wir suchten hier und da und zum Glück hatten wir ein Wandernavi mit Koordinaten beim Eingang, welche uns durch einen Geocache vorgegeben waren. Wir waren schon am Parkplatz froh um diesen Cache, zumal die Norweger nicht gerade die fleissigsten Wegmarkierer sind. Dieser Geocache rettete uns und wir standen dann irgendwann doch noch vor dem riesigen Tor zur Unterwelt. Eisige Luft drang aus dem Untergrund und ein Blick in den Eingang erklärte auch weshalb. In der Höhle lag noch immer Eis. Meterdick schimmerte es hellblau am Boden und nur wo Tropfen von der Decke fielen, waren Löcher im Panzer zu sehen. Wir wagten uns ein paar Meter hinab bis zum Eingang in das Höhlensystem. Weiter trauten wir uns aber nicht. Kennt man sich mit einem Höhlensystem nicht aus kann es schnell gefährlich werden. Der Verlust der Orientierung ist das Eine – der plötzlich mögliche Einschuss von Wasser das Andere. In vielen Höhlen kann es sein, dass sich zu einer gewissen Uhrzeit Gänge füllen und Rückwege versperren oder einem sogar in die Wassermassen einschliessen. Warnschilder gibt es in einer Höhle keine. So loggten wir den Cache (coord.info/GC34Z4R), welcher seit beinahe zwei Jahren (!!!) keinen Besucher mehr empfangen hatte und machten uns an den Abstieg. Fasziniert waren wir aber auch so von diesem Ort. Alleine in dieser Höhle zu stehen und dem Tropfen zu lauschen war einfach genial. 





Unten am Womo angekommen, versuchte ich mich nochmals an der Heizung und das Ding lief wieder. Irgendwie scheint es eine Nacht-Phobie zu haben. Aber uns soll es recht sein. Wir geben dem Ding noch eine Chance. Wir fuhren aus unserem kleinen Seitental wieder raus in das Dorf. In diesem Dorf, mit Namen Mosjoen, besuchten wir noch kurz die Altstadt und machten uns danach auf die Weiterfahrt. 




Es zog uns zügig wieder weiter nordwärts. Überall bauen sie hier die Strassen aus. Felsen werden weggesprengt, abgetragen und durchbohrt – eine Autobahn bis ans Nordkapp soll es wohl werden. Wir waren froh, dass wir noch auf der alten Strasse durch die Wälder düsen durften. So liessen wir uns kurz später auch einen Umweg nicht nehmen und fuhren auf das Korgfjell statt durch den Tunnel unten durch zu brettern. Oben wollten wir essen, hatten aber noch gar keinen Hunger. So befassten wir uns mit der restlichen Route und entdeckten einen tollen Ort, den wir unbedingt besuchen wollten. Eine Führung soll dort um 15:00 Uhr starten. So planten wir dies ein und kurvten gemütlich runter von dem kleinen Fjell.

Mo i Rana hiess unser nächstes Ziel. Die Kleinstadt knapp unterhalb des Polarkreises ist sehr bekannt für ihre Altstadt und diverse Museen. Die Museen interessierten uns wieder eher weniger. So machten wir uns nach dem Mittagessen am Hafen auf den Weg die kleinen Häuser der Moholmen zu besichtigen. Fast schon ein wenig klischeehaft reihen sich hier die kleinen Holzhäuser aneinander. Alle sauber gestrichen, mit vielen Accessoires behangen und die Fenster mit bedacht geschmückt. Trotzdem waren wir die einzigen zwei Menschen hier. Wo sind denn bloss alle Touristen hin? Anscheinend liessen sie sich heute von den Wolken ein wenig abschrecken. Wir besuchten noch zwei Caches und machten uns danach auf den Weg zum Womo. Wir mussten uns schliesslich beeilen um noch pünktlich am nächsten Ziel anzukommen. 





Wir erreichten den Parkplatz der Setergrotta knapp 20 Minuten vor der Führung. Und der Parkplatz war leer. Nur ein Motorrad stand da und ein junger Herr sass auf seinem Stuhl in einem der beiden kleinen Häuschen. Dieser stellte sich uns sofort als Hovard vor, schüttelte uns die Hand und hiess uns Willkommen. Wir hatten heute früh ja trainiert und das Fazit gezogen, dass unbekannte Höhlen alleine zu gefährlich sind. Doch wir wollten so eine Höhle eben doch erleben und darum standen wir jetzt hier vor Hovard. Er freute sich über unser Kommen und meinte, dass er auch noch keine Anmeldungen hätte für die Tour von 15:00 Uhr. Wir wurden ausgerüstet mit einem Overall, Handschuhen und einem Helm mit Helmleuchte. Und da sich keine anderen Besucher hier einfanden gingen wir alleine mit Hovard auf den Weg zur Grotte. 500 Meter führte er uns durch den Wald ehe wir am riesigen Eingang der Grotte standen. Wir wurden auf die wichtigsten Regeln aufmerksam gemacht, die Helme wurden aufgesetzt und los ging es. Der Raum hier war riesig – doch es schien keinen Ausweg zu geben ausser dem riesigen Loch, welches in den Wald führte. Zielsicher führte uns Hovard aber zu einem sehr kleinen Loch in dem Raum, durch welches es in den Untergrund hinab ging. Sofort hüllte uns die Dunkelheit, Feuchtigkeit und Kälte ein. Die Wände in der Grotte glänzten und waren mit Eiskristallen überzogen. Hier sind das ganze Jahr knapp unter Null Grad und die Luft gefriert immer wieder an den Wänden. Wir stiegen weiter hinab und trafen dort auf das Höhlenklima von 4 Grad.

Anfangs führte uns Hovard vor allem über grosse Steine, Geröll welches von der Decke fiel. Doch anhand der Spuren, welches das tropfende Wasser auf den Steinen hinterliess, kann man sagen, dass die Steine hier schon tausende von Jahren liegen. Einsturzgefahr besteht keine. Vor allem da die Höhle eine Decke aus massivem Schiefergestein besitzt. Die unteren Lagen bestanden aus weicherem Sandstein und wurden ausgespült. Von wem fragen wir uns, kriegen die Antwort aber bald in Form eines lauten Rauschen. Ein Fluss fliesst hier durch die Höhle. Weit unter uns frisst er sich noch immer durch den Fels. Nachdem wir die Geröllpassagen hinter uns liessen und durch grössere Räume stapften, konnten wir den Fluss auch noch besuchen und uns mit einem Schluck Wasser von der astreinen Qualität überzeugen. Von dort mussten wir aber ein kleines Stück zurück. Durch mehrere Räume wurden wir geführt. Hier fanden schon Konzerte, Kunstausstellungen und sogar einmal eine Hochzeit statt. Tief unter der Erde – mit wundervoller Akkustik. Nun sei der gemütliche Teil vorbei warnte uns Hovard. Es werde nun eng und wir sollten uns melden, wenn es uns nicht mehr geheuer sei.

Wir stiessen in die Marmorgänge vor. Blendend weisser Marmor strahlte uns in immer dicker werdenden Schichten entgegen. Die Gänge waren eng, steil und rutschig. Doch es war ein riesiger Spass sie zu begehen. Einfach nur eindrücklich wie sich die Natur hier tief unten präsentierte. So roh. So nah. So einzigartig. Hovard merkte auch, dass er zwei junge Leute dabei hatte, welche das Actionprogramm ganz cool fanden. Er fragte uns ob wir auch bereit für etwas wirklich wirklich enges seien. Dieser Seitengang ist kein Bestandteil der offiziellen Tour und er sei ihn dieses Jahr noch mit keiner Gruppe gegangen. Doch wir wollten natürlich unbedingt. Und ja – wir kamen durch. Aber enger geht keinesfalls. Auf allen viel Seiten von Fels eingeschlossen schlängelten wir uns wie ein Wurm durch knappe 100 Meter Marmorgang. Zwei 90°-Kurven eingeschlossen, um welche man sich brutalst verbiegen musste. Immer vor dem Gesicht: Marmor. Tonnen und Tonnen Gestein über uns. Ein krasses Gefühl. Da waren die Gänge danach fast ein Spaziergang. Aber eben auch nur fast.

Wir erreichten nach über einem Kilometer den Endpunkt der Grotte. Ein kleiner See, welcher das Jahr überdauert. Die ganzen Marmorgänge hier unten sind von April bis Juni komplett mit Wasser gefüllt. Schmelzwasser dringt in die Höhle ein. Und aus den überlaufenden Bächen schwemmt es dann auch immer wieder Fische in die Höhle, welche dann in diesem Teich hier unten enden. Wir hatten Glück und konnten vier dieser armen Geschöpfe entdecken. Bis zu drei Jahre kann ein Fisch hier unten überleben und ist somit das einzige Lebewesen so tief in der Höhle – bis auf uns drei Menschen natürlich. Die Fische verlieren hier unten komplett ihre Farbe – werden weiss und erblinden. Wir löschten unsere Taschenlampen und bewegten uns für eine Minute nicht. Absolute Dunkelheit – absolute Ruhe. Fast schon beängstigend. Für den Rückweg nahmen wir den schnellsten Weg, Hovard liess uns aber einmal sogar einen ca. 150 Meter Marmorgang alleine begehen und nahm einen anderen Weg. Wir trafen ihn kurz später wieder, machten uns weiter auf den Weg zum Ausgang und so traten wir nach beinahe zwei Stunden wieder ans Tageslicht. Was für ein Abenteuer! Etwas wirklich richtig eindrückliches. Die Sonne hatte ihren Weg durch die Wolken gefunden und so war uns plötzlich sehr heiss als wir durch den Wald zurück zum Parkplatz wanderten. Wir bezahlten unsere 700 Kronen (80 Franken) und bedankten uns bei Hovard für die Führung. Er gab uns noch ein paar Tipps für die Lofoten, wo er früher arbeitete und schwang sich danach auf sein Motorrad.

(Das Mitnehmen von Fotokamera und Handy war leider nicht möglich und bei der Dunkelheit Fotos zu schiessen nicht leicht. Ich habe weite Teile jedoch mit der GoPro gefilmt und so gibt es hier leider nur ein paar PrintScreens aus den Videos)







Wir blieben noch hier auf dem Parkplatz. An der Sonne machten wir uns wiedereinmal an die Wäsche, kochten und kümmerten uns um die Heizung. Eine Chance bekommt sie noch – ansonsten geht es morgen eine Stunde Fahrtweg zurück zu einem Truma-Händler. Neben uns breitete sich noch eine Familie mit Wohnwagen aus. Die Schilder waren norwegisch, die Sprache deutsch. Auswanderer. Seit 20 Jahren wohnen sie nun hier und konnten uns auch noch mit ein paar Tipps versorgen. Wir geniessen nun den Abend und hoffen auf eine warme Nacht.

Sonntag, 8. Juli 2018

Endlich in Nord-Norwegen

Ganz alleine standen wir gestern Abend auf unserem Parkplatz am Wasserfall. Bis etwa um 22:30 ein weiteres Womo auf den Platz fuhr. Um gerade zu stehen haben wir uns ein wenig breit gemacht und so stieg ich aus um den beiden Deutschen anzubieten, ein wenig zur Seite zu fahren. Doch sie lehnten ab. Sie wollten nur kurz den Wasserfall betrachten und danach weiter. Um 22:30? Tja... wenn man nur zwei Wochen Urlaub hat und Norwegen entdecken will, muss man die lange Helligkeit eben ausnutzen. Denn Licht war auch gestern wieder vorhanden als ob 16 Uhr wäre. Also falls sich jemand jetzt dazu angestachelt fühlt dieses wundervolle Land zu besuchen: wir können euch jetzt schon sagen, dass alles unter zwei Monate keine Option ist. Einen Monat würde vielleicht knapp für den Süden reichen. Wir sind bisher über einen Monat in Norwegen und noch immer nicht in Nord-Norwegen angelangt. Hier an dieser Stelle des Textes auf jeden Fall noch nicht.

Wir nächtigten also mit dem Rauschen des Wasserfalls im Rücken und hatten einen tiefen Schlaf. Als wir morgens unter der Bettdecke hervor krabbelten war aber ungewöhnlich kalt in unseren vier Wänden. Hatten wir vergessen die Heizung anzumachen? Ein Blick auf das Bedienfeld sagte, dass der Schalter zwar auf „ON“ steht, die Heizung jedoch eine Fehlermeldung anzeigt. Wir hatten gleich ein wenig Bammel, dass wir hier in Norwegen noch jemanden brauchen, der uns unsere Heizung repariert. Ein Blick im Internet beruhigte uns nur bedingt. Es handelt sich um den Fehler „Dieselkraftstoff nicht ausreichend“. Den Tank hatten wir gestern gefüllt und 80 Liter hatte die Heizung sicherlich nicht verheizt. Erst beim Anlassen des Motors bemerkten wir durch ein Pfeifen, dass sich die Batterie ebenfalls zu tief entladen hatte. Wir waren gespannt, ob es da einen Zusammenhang geben könnte. Eigentlich machten wir gestern viele lange Strecken und die Batterie sollte dadurch voll geladen sein.

Es half alles nichts und wir starteten knappe 100 Meter vor der Haustüre unsere erste Entdeckungstour des Tages. Der Wasserfall war gross, jedoch tief in einer Art Klamm und somit fast nicht sichtbar. Man sah aber der Umgebung an, dass der Wasserstand sehr tief war. Kein Wunder. Haben wir doch seit Wochen keinen wirklichen Regen mehr erlebt hier in Norwegen. Trotzdem war es ein schöner Ort hier und frühmorgens noch total ohne irgendwelche Besucher.



Wir zogen also weiter und legten gleich eine beträchtliche Fahrstrecke hin. Sicherlich gut für unsere Batterie. Am ersten Halt wurde dies auch überprüft und mit 12,8 und 12,9 Volt waren sowohl Fahrzeug- wie auch Aufbaubatterie in einem sehr guten Bereich – und siehe da: auch die Heizung liess sich wieder einschalten – ohne Fehlermeldung. Hoffen wir, dass dies so bleibt. Wir waren also an unserem nächsten Halt angekommen. Wieder ein Wasserfall. Mit diesem mündet der Tommeras in einen kleinen See. Baden soll hier wundervoll sein, besonders in einem kleinen Nebenarm, welcher sogar mit einer natürlichen Rutsche aufwarten sollte. Einfach in den Fluss setzen, sich durch die ausgeschliffenen Schären treiben lassen und zum Schluss in den See schweben. Etwas für die Mutigen. Momentan eher etwas für die Wahnsinnigen. Durch den niedrigen Wasserstand würde man sich hier wohl an den Schären höchstens grün und blau schlagen. Doch wir spazierten über die Schären zum grossen Wasserfall und beobachteten die Fischer, welche heute morgen als Einzige den Weg hier raus gefunden hatten. 




Zwischen Grong und Harran entschlossen wir uns zu einem kleinen Abstecher, welcher uns mit wenig Umweg zu zwei interessanten Orten bringen sollte. Zum Einen war dies der Grongstadfossen, welcher über mehrere kleine Wasserfälle über 70 Meter zu Tale stürzt. Den Fall sieht man sich dabei von einer kleinen Erhöhung an der gegenüberliegenden Talseite an. Der Fels, über den das Wasser schiesst, markiert hier ein Loch im sonst dichten Wald und sticht daher schön aus seiner Umgebung. Auch hier machte sich der fehlende Regen bemerkbar. Im Vergleich zu den Bildern im Reiseführer war es hier doch einiges weniger an Wasser, welches in die Tiefe drang. Schön anzusehen war der Grongstadfossen aber auch so. 



Der zweite Teil des Abstechers führte uns zur Hammerbru (nicht zu verwechseln mit dem Hamburger Stadtteil Hammerbrook). Eine gedeckte Holzbrücke im Nirgendwo. Aber nicht irgend eine gedeckte Holzbrücke. Nein, mit 30 Metern Länge ohne eine Stütze dazwischen gehört sie zu den Längsten der Welt. So spektakulär wie sich das anhört, war die Brücke dann aber nicht. Eine Holzbrücke wie so viele Andere auch, im Norwegischen Stil und eben einfach ein wenig länger, wobei 30 Meter jetzt optisch nicht so eine „WOOOW“-Distanz ist. Trotzdem war sie schön anzusehen und wartete mit einem Cache auf. 



Wir fuhren wieder eine grössere Distanz, ehe uns der Hunger zu einem Halt zwang. Wir parkten an einem Fluss und machten uns genüsslich über unser Mittagessen her. Eine halbe Stunde telefonierte ich danach noch mit Raphael, einem sehr guten Freund, welcher uns im Sommer in Finnland vielleicht noch über den Weg laufen wird, wenn er von Stockholm ans Nordkapp reist. Danach ging es wieder eifrig weiter.

Lange freuten wir uns auf den Moment, welcher uns nun kurz bevorstand. Die Ankunft in Nord-Norwegen. Ein kleiner Meilenstein auf unserer langen Reise ans nördliche Ende Europas. Die Einreise in diesen nördlichen Teil Norwegens kann man dann auch nicht verpassen. Nur eine einzige Strasse führt über norwegisches Gebiet in den Norden, ist das Land hier doch nur wenige Kilometer breit. Und über diese Strasse hat man dann auch eine riesige Willkommenstafel, ja ein Willkommensbogen, gehängt. Natürlich ist dieser ein beliebtes Fotomotiv, welchem auch wir nicht widerstehen konnten. Melanie stellte sich zwei Mal auf die leere Strasse – ein mal für den Blog und ein mal damit ich sie mit der Sofortbildkamera ablichten konnte. So standen wir noch einen Moment an diesem Parkplatz, schwenkten das kleine Foto in der Luft und suchten einen Cache. Eilig fuhren wir dann aber in diesen „Norden“ und erwarteten keine grosse Veränderung von jetzt auf gleich. 



Somit waren wir sehr überrascht, als schon wenige Kilometer nach der „Grenze“ die Landschaft eine komplett andere war als zuvor. Hier war der Norden zu spüren. Fertig war die Landschaft welche uns in den letzten Tagen wieder mehr an Schweden oder den Süden Norwegens erinnerte. Hier waren die Fichten dünner, brauner und weniger dicht gesät. Die ganze Landschaft wirkte wilder. Wie man sich das im Norden eben so vorstellt. Immer wieder eindrücklich wie schnell sich das in Norwegen ändern kann. Schon bald machten wir unseren ersten Abstecher um uns ein kleines Bad zu gönnen. Dies wollen wir auch im Norden so beibehalten. So lange es eben geht. Wir fuhren einen Badeplatz an, welcher mit süssen kleinen Hütten aufwartete.




Der See war an diesem Ort jedoch ein wenig zu weit entfernt und wir stellten uns ein bisschen um. Nur ein paar hundert Meter weiter waren wir alleine und konnten mit wenigen Schritten an das Ufer des glasklaren Sees treten. Dieser war nicht so kalt wie andere Gewässer vor ihm und wir tollten relativ lange im Wasser herum. Draussen war es plötzlich wohlig warm geworden – oder fühlte sich zumindest so an – als wir uns auf die Weiterfahrt begaben. 



Diese endete schon bald auf dem Parkplatz des Laksfoss. Hier brühte ich mir gemütlich einen Kaffee und legte mir ein paar Kekse zurecht. Melanie freute sich über ihren Apfel. So waren wir beinahe glücklich als wir uns zum Wasserfall begaben. Aber eben nur beinahe. Denn die Pause zuerst einzulegen war auf zwei Gründen ungeschickt. Grund 1: nun regnete es. Grund 2: ein Reisebus voller Italiener lud gerade seinen Inhalt auf dem Parkplatz aus und dieser strömte nun über die nassen Felsen die wenigen Meter zum Wasserfall. So mussten wir eben mit der Menschenmasse mitmachen und uns langsam zum Fall bewegen. Dieser Wasserfall löste bei uns beiden genau den gleichen Gedanken aus. Einmal sehen ob es euch genauso geht:



Also als wir den Wasserfall betrachteten, fühlten wir uns als ob wir vor einer kleinen Version des Rheinfalles stehen. Mit den kleinen Felsen in der Mitte und einfach allgemein fühlte sich der Ort für uns beide so an. Der Laksfoss war wirklich ein toller Ort und auch wenn man den Rheinfall kennt einen Besuch wert.

Der nächste Halt sollte dann aber auch der Letzte für heute sein. Unser Platz für die Nacht. Diesen fanden wir in der Nähe einer kleinen Grotte, welche wir morgen früh besuchen möchten. Der Parkplatz war am Ende einer holprigen Schotterpiste, auf welcher unser Womo knapp noch voran kam. Der Platz war gut belegt, liess jedoch eine ebene Lücke für unser Womo frei. Ideal. Doch fürs Nachtessen war es noch zu früh und bei dem Regen wollten wir auch nicht zur Grotte. Da muss man sich zu beschäftigen wissen und mich packte plötzlich das Handwerker-Fieber. Dies muss man ausnutzen und ich holte sofort meine Werkzeugtasche. Seit einer Weile klemmen einige Küchenschubladen und dieses Problem verstärkte sich in dieser Woche massiv. Melanie flucht täglich mehrere Male laut im Womo herum (wer sie kennt weiss genau wie gut sie das kann) und dem wollte ich nun ein Ende setzen. Als ich endlich herausfand wie die Schubladen entfernt werden können, entdeckte ich lauter lose Schrauben und eine Seitenschiene war sogar komplett abgefallen. Auch der Schliessmechanismus, welcher schon länger nicht mehr funktioniert, kam mir beim auseinanderbauen entgegen. Das wird eine grössere Baustelle. Das merkte ich sofort. Und so wurde geschraubt, ausprobiert, angepasst und gefeilt – bis die Türen sich nach einiger Zeit besser öffnen und schliessen liessen als am ersten Tage. Auch die anderen Schubladen wurden bei der Gelegenheit alle revidiert und so öffnet und schliesst sich hier alles wieder lautlos (wegen den Flüchen) und Melanie ist überglücklich.



Wie ein echter Handwerker gönnte ich mir darauf ein Bier und liess mich bekochen. So muss das sein. Die Autos auf dem Parkplatz gehörten zudem einer Gruppe, welche sich mit zwei Führern tiefer in die Grotte wagten und waren plötzlich alle verschwunden. So stehen wir wieder ganz alleine hier im Grünen und geniessen den Abend.


Samstag, 7. Juli 2018

Weiter durch den Untergrund

Wie erwartet verbrachten wir eine ruhige Nacht hier auf dem Hügel bei der Festung. Ein zweites Womo gesellte sich spät Abends noch zu uns. Dessen Bewohner zogen jedoch gleich die Fenster zu und löschten die Lichter. Als wir uns morgens an den Frühstückstisch setzten waren sie auch schon wieder weg. Die haben anscheinend sogar den Besuch der genialen Festung ausgelassen.

Wir starteten mit der steilen Abfahrt von dem kleinen Hügel und fanden uns so wieder beim Flughafen von Trondheim. Von hier fuhren wir immer weiter in Richtung Norden. Es stand uns heute eine lange Fahrstrecke bevor und so waren wir auch nicht böse, dass die Sonne heute einmal von einer dicken Wolkendecke versteckt wurde. Die Stunden verstrichen bei der Fahrt durch die wilde Landschaft, welche immer noch ein wenig an die Schweiz erinnert. Einfach ohne Menschen, Häuser oder Autos. Wir verliessen bei Verdalsora sogar noch die Schulz-Route und machten einen Abstecher von 20 Minuten zu unserem ersten Ziel. Dort angekommen war schon Mittagszeit und wir genehmigten uns ein paar leckere Wasa mit Gauda.

Dann aber los. Zu diesem Abstecher, welcher in zwei Teile aufgeteilt war, verlockten uns wieder einmal zwei Geocaches, welche schon Zuhause unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Der erste (coord.info/GCYH8K) führte uns zum Blockhuset. Ein Wachtposten des Festungswerkes, welches sich etwas mehr als 2 Kilometer weiter taleinwärts in Richtung Schweden befand. Auf dem Navi fanden wir keinen Weg, welcher zu diesem Wachtposten führt und machten uns auf eine abenteuerliche Reise gefasst. Direkt an der Strasse entdeckten wir aber einen Wegweiser und über ein paar Serpentinen führte uns ein gut ausgetretener Trampelpfad in die Höhe. Und plötzlich sahen wir den Posten vor uns. Ein Bunker aus Stahlbeton, umzingelt von etlichen Lagen Stacheldraht. Ein super Fotomotiv. „Schatz hast du mir schnell die Kamera?“ - „Ähm hast die nicht du?“. Ja irgendwie schleppten wir verschiedene Objektive, Filter und diverse Helferlein den Berg hoch – doch die Kamera blieb im Womo. Nun wir liessen uns die Laune dadurch nicht verderben und schlichen uns durch drei metallene Tore, übersät mit Stacheldraht, an den Eingang des Betonkolosses. Den Eingang bewachte eine feine Holztüre, welche sich ohne Probleme öffnen liess. Hinter ihr führte eine Treppe hinab ins Dunkel. Modernder Geruch stieg in unsere Nasen und am Ende der kurzen Treppe stiessen wir auf eine schwere Eisentür. Auch diese liess sich öffnen, wenn auch nur mit grösserem Kraftaufwand. Gespannt starrten wir ins dunkle Untergeschoss und waren überrascht als wir unsere Taschenlampen anknipsten. Eine komplette Küche bestehend aus verrostetem Ofen, Rauchabzug und einer Küchenzeile aus Holz standen noch komplett da. Auch Tisch und Bank war noch vorhanden. Fast schon ein wenig unheimlich. Ansonsten fand sich in dem Keller nur die Treppe nach oben. Sie sah stabil aus und so trauten wir uns in den oberen Stock.

Wieder waren wir überrascht. Der Bunker war auch im oberen Stock noch mit der originalen Einrichtung versehen. Ein Dutzend harte Holzpritschen erzählten die Geschichten von kühlen Nächten und eine Menge Tische und Bänke stand herum. Doch was uns viel mehr überraschte war die restliche Einrichtung. Als ob wir eine Ferienwohnung betreten hätten wurden wir begrüsst und der Bunker wartete mit allerlei Luxus auf. Ein Regal bot Gulasch, Chilli con Carne und Ravioli in Konserven. Eine grosse Plastikbox bot Gewürze, Zucker, Kaffee, Tee, Becher, Servietten, Besteck, Trockengebäck, Suppentüten und Rechaudkerzen. Auch Kochutensilien waren vorhanden, mit der Bitte nur im Freien an der Kochstelle hinter dem Haus zu kochen. Wasser und Feuerholz waren vorhanden – nur der Ofen war defekt, wie uns ein angebrachter Zettel warnte. Zwei Bedingungen zur Benutzung der vielen tollen Dinge gab es: die Putzutensilien waren auch zu gebrauchen (Spülmittel, Schwämme, Lumpen und Besen) und der entstandene Abfall sei selbst mitzunehmen und zu entsorgen. Keine Ahnung wer diesen Bunker so wohnlich und gastfreundlich einrichtete – bekannt scheint es jedenfalls nicht zu sein. Da uns die Kamera fehlte machten wir viele Videos, welche wir jedoch hier aufgrund der grossen Datenmenge leider nicht online stellen können – sogar fürs WLAN sind die 4K-Aufnahmen zu gross. Für ein paar Fotos mit dem Handy reichte es aber noch. Völlig zufrieden verliessen wir das Blokhuset und machten uns an den Abstieg.






Das Womo und die Kamera warteten schon auf uns als wir wieder im Tal angekommen waren. Doch lange dauerte die nächste Fahrt nicht. Wir wollten uns natürlich nun auch noch die Festung begutachten, welcher das Blokhuset als Vorhut diente. Die Hauptfestung besteht aus zwei Teilen, einem nördlichen und einem südlichen Teil, welche wesentlich touristischer angepriesen werden als das Blokhuset. Für beide muss man jedoch sein Auto stehen lassen und einen Kilometer durch den Wald wandern. Auch hier wieder ein guter Trampelpfad, welcher an gewissen Stellen von Stegen um Felsen und Brücken ergänzt wurde. Diese machten jedoch einen wirklich schlechten Eindruck. Die Stege waren ungesichert, die Hängebrücken defekt und verrostet mit morschen Böden. Wir schafften es jedoch über sämtliche Wegstrecken und standen schon bald vor einem metallenen Container, welcher mitten im Wald abgestellt war. Die Türe liess sich öffnen und ein fast noch betriebsfähiges Notstromaggregat kam zum Vorschein. Wow – alles noch vorhanden. Sogar die technischen Unterlagen wie Betriebsanleitung, Schemas, Wartungstabellen waren noch in einem Ordner vorhanden. Voller Erwartungen machten wir uns noch knapp hundert Meter weiter zur Festung und betraten diese. Typisch touristisch war auch diese wieder beleuchtet. Teilweise auf jeden Fall. Defekte Leuchtmittel scheinen hier nicht ersetzt zu werden. Die Kabel dazu wurden einfach irgendwie durch die dunkeln Gänge gezogen und die Klemmverbindungen lagen offen herum. Ab und an informierte ein Schild, was hier einmal gewesen war. Komisch bunte Fähnchen und rot weisse Ketten sperrten diverse Örtlichkeiten ab. Stühle und Tische standen wirr herum. LostPlace oder touristische Festung – es hatte von beidem Etwas, aber doch nichts richtiges. Irgendwie völlig komisch. Es war spannend in der alten Festung herumzuwandern und die Geschützstellungen und diversen Räume zu entdecken und fotografieren. Doch so richtiges Feeling kam irgendwie nicht auf. Es schien hier eher wie eine riesige Abstellkammer eines Bastlers und Messies. Schade um den tollen Ort, den man hier scheinbar verkümmern lässt ohne ihm wenigstens den Charme eines LostPlaces zu geben. Immerhin den Cache (coord.info/GCY4E6) fanden wir auf Anhieb. 









So machten wir uns voller Hoffnung auf den kurzen Weg bergab und über den Fluss, welchen wir auf einer noch kriminelleren Brücke als die bisherigen überquerten. Die durchgerosteten Eisenstäbe der Bodenkonstruktion wippten im Takt mit unseren Schritten. Als wir die ewig scheinende Treppe zur Festung Süd dann endlich erreichten, war diese versperrt. Ein am Boden liegendes Schild zeigte uns die Eintrittspreise. Erst dachten wir, dass dieser Teil hier wohl besser in Schuss wäre weil es ja Eintritt kostet. Aber da die Türe an einem Samstag in den Schulferien um 14:30 geschlossen war, denken wir nicht dass hier noch irgendwas läuft. Den Rückweg zum Womo absolvierten wir jedoch am Rande der Hauptstrasse. Dies schien uns an diesem Ort hier sicherer zu sein.

Kurz später waren wir schon zurück auf der Route, welche der Reiseführer für uns bereithielt. Es dauerte nicht lange, ehe wir den Norwegischen Pilgerort Nummer Eins erreicht hatten. Stiklestad heisst der Ort, welcher jeder Norweger in seinem Leben einmal besucht haben muss. Im Jahre 1030 starb hier König Olav Harraldsson in einer grossen Schlacht. Er versuchte den störrischen Teil des Volkes zum Christentum zu bekehren und verlor diesen Krieg. Kurz nach seinem Tod wurde der König heilig gesprochen und seither ist der heilige St. Olav die zentrale Figur in der Norwegischen Kirche. Zu diesem Zwecke wurde hier ein riesiges Zentrum erbaut, welches auch ein Freilichttheater bietet, in welchem seit 40 Jahren jährlich das Stück zum Tode St. Olavs aufgeführt wird. Als Angehörige eines anderen Staates ist dieser Ort dann hier auch nicht sonderlich spannend und wir machten uns schnell auf die Weiterreise. So hatten wir mehr Zeit für den nächsten Teil. 




Dieser führte uns ein Stück nördlicher in die Botanik. Ein kleines Wandergebiet oberhalb Snasa wird als Orchideen-Wandergebiet beworben. In unserem Reiseführer jedenfalls. Vor Ort war nicht einmal ein Parkplatz in Sicht. Schilder oder so? Fehlanzeige. Trotzdem wollten wir uns die Chance nicht nehmen lassen hier wild wachsende Orchideen zu finden. Sogar der eher seltene Frauenschuh soll man hier mit viel Glück finden. Wir wanderten um die 15 Minuten an diversen Blumen vorbei, welche aber alle keine Verwandten der Orchidee waren. Wir dachten schon am falschen Ort zu sein, als wir eine schöne Blume entdeckten, deren Zeichnung uns eindeutig verriet, aus dem Bunde der Orchideen zu stammen. Geflecktes Knabenkraut ist der Name der tollen Blume, welche von nun an immer öfters am Wegesrand zu finden war. Doch konnten wir auch einen Frauenschuh finden? Wir verraten es euch erst am Ende des heutigen Eintrages. 





Nun war es schon nach 17 Uhr und der Pflichttermin des Tages war noch nicht wahrgenommen. Was für ein Glück, befand sich nur ein paar Minuten entfernt ein Badeplatz. Diesen steuerten wir an, beschlossen aber zuerst zu kochen. Nach einem leckeren Abendessen war es dann aber soweit und wir stürzten uns in den See. Zur Abwechslung einmal wieder Süsswasser und wir erhofften uns vom Binnengewässer auch eine wärmere Temperatur. Weit gefehlt – der See war kalt wie schon lange kein Fjord mehr. So war es ein kurzer Spass im Wasser. Wir erhofften uns hier am Badeplatz schlafen zu können. Der Parkplatz wäre zwar ideal gewesen aber durch umliegende Häuser kam man sich ein wenig vor wie mitten im Dorf.

So fuhren wir noch eine halbe Stunde weiter zum Wanderparkplatzes eines Wasserfalles. Diesen werden wir uns aber wohl erst morgen früh ansehen. Wir haben uns nach dem Baden so schön eingeknuddelt und wollen nicht mehr nach draussen. In diesem Sinne: einen schönen Abend und gute Nacht.

Ach ja... das mit dem Frauenschuh war noch. Wir trafen sogar zwei verschiedene Arten des Frauenschuhs an. Die erste Art war leider schon verblüht. Da hat man endlich einmal das Glück einen Frauenschuh in der Wildnis zu entdecken und dann ist man zu spät. Doch den anderen Frauenschuh konnten wir in voller Farbe und bester Blüte entdecken. Wir hielten diesen Fund natürlich fotografisch fest und ihr dürft euch nun daran erfreuen. Viel Spass. 









Freitag, 6. Juli 2018

Trondheim und die Festung Hegra

Einsam und ruhig verbrachten wir die Nacht an dem kleinen See. So konnten wir auch gut ein bisschen länger schlafen und machten uns erst so gegen 09:30 auf den weiteren Weg.

Trondheim wurde als Ziel ins Navi getippt und nach einer Stunde Fahrt mit diversen Mautstationen erreicht. Die letzten Meter zum Parkplatz am Stadion stellten sich als tückisch heraus. Erst verpasste ich irgendwie die 30km/h-Tafel und dann übersah ich noch einen komplett getarnten Verlangsamungshügel. Und nicht so einen süssen Kleinen. Nein einen, welcher unser Wohnmobil hüpfen liess. Die Achsen ächzten, die Pfannen klapperten und der Kühlschrank sortierte sich neu ein. Der nächste Hammer folgte aber schon am Parkplatz. Auch der letzte Gratisparkplatz der Stadt (laut unserem Reiseführer) ist verschwunden und wich einem kostenpflichtigen Feld für 24NOK (2.80 CHF) pro Stunde. Also schnell den Automaten gefüttert und los ging es in die Stadt.

Die drittgrösste Stadt Norwegens (nach Oslo und Bergen) wartet mit 200'000 Einwohnern und einigen sehenswerten Orten auf. Diese galt es für uns jetzt zu entdecken. Interessant zudem auch, dass von den 200'000 Einwohnern 30'000 Studenten sind, welche meist in der Technischen Universität Trondheim immatrikuliert sind. 10'000 Personen sind zudem im Städtischen Krankenhaus angestellt. Das riesige St. Olavs Krankenhaus bietet diverse nationale Spezialistenfunktionen und ist deshalb das wichtigste Krankenhaus Norwegens.

Eine Fussgängerbrücke brachte uns von unserem Parkplatz direkt in die Innenstadt. Nur ein kurzer Fussmarsch war es bis zum ersten Halt, dem Einkaufszentrum Trondheim Torg. Nein wir waren auch heute nicht zum shoppen hier. Doch dieses Einkaufszentrum muss man auch ohne einen Einkauf gesehen haben. Zwischen die alten, typischen Häuser wurde ein hochmoderner Komplex gebaut, die Altstadtsträsschen mit Glas überdacht und so die Fassaden und Läden der alten Häuser in das Zentrum miteinbezogen. Ein interessanter Ort an welchem sich überraschenderweise sogar die bezahlbaren Läden niederliessen. So hat sich Melanie doch noch eine neue Mütze gegönnt. 



Nächster Halt war der Nidarosdom. Den hohen Turm sahen wir schon von weit her. Doch erst wenn man wirklich um die Ecke biegt entdeckt man die reich verzierte Fassade des Doms. Wir staunten über so viel Detailreichtum und die vielen im Mauerwerk eingelassenen Statuen. Ein wahres Meisterwerk. Das Innere des Doms ist gemäss Bildern überraschend schlicht gehalten, weshalb wir auf einen Besuch verzichteten. Die Aussenansicht des Doms fesselt einem schon wirklich genügend. 




Bevor es weitergehen konnte mussten wir unseren knurrenden Mägen etwas zur Beschäftigung reichen. Wir blickten uns um und entschlossen uns, zum ersten Mal seit unserer Abreise einen McDonalds zu besuchen. Der Besuch dauerte ein wenig länger als geplant, da in Norwegen auch im McDonalds das Essen frisch zubereitet wird und wir so 15 Minuten auf unseren BigMac, die Chicken Nuggets und die Pommes warten mussten. Dafür war der Fastfood-Riese hier doch ein wenig günstiger als in der Schweiz. Wie schon die Konkurrenz von Burger King.

Frisch gestärkt wanderten wir über die berühmteste Brücke der Stadt. Die Gamle Bybroen verbindet seit 1862 das Zentrum mit dem Stadtteil Bakklandet. Dieses ist für seine bunten Holzhäuser bekannt. Die grössten, die Speicherhäuser, stehen direkt am Nidelv und ihre Fassaden spiegeln sich im Wasser des ruhigen Flusses. Die Front dieses Stadtteils lässt sich von der Brücke bestens beobachten und wirkt eigentlich noch imposanter als diejenige der Brygge in Bergen.




Mitten in dem alten Stadtteil stiessen wir jedoch noch auf etwas ganz kurioses. Eine einzige Steigung verbindet die unteren Strassen mit den oberen. Die Steigung ist etwa 200 Meter lang und man kann sie echt als steil bezeichnen. Darum baute man hier auch einen Fahrradlift. Haben wir in unserem Leben noch nicht gesehen – doch hier in Trondheim gibt es das. Ein geniales Menschenwerk, welches die Radfahrer hier ohne Anstrengung in die oberen Strassen bringt. Wir finden diesen Fahrradlift eine geniale Sache und würden den Bau eines solchen an der Neuhauserstrasse in Frauenfeld sofort unterstützen. Lustig ist, dass es sich bei diesem Fahrradlift momentan um den einzigen der Welt handelt. Bisher hat nur eine einzige andere Stadt Interesse an dem patentierten Produkt angemeldet: Winterthur in der Schweiz. 


(Quelle Video: YouTube)

Wir hatten kein Fahrrad dabei, wodurch uns ein Fussmarsch nicht erspart blieb. Als Belohnung durften wir uns danach in der Stadtfestung Kristiansten umsehen. Die Festung thront über der Stadt und beschützte diese über die Jahre hinweg. Heute hält sie anscheinend noch als Public Viewing der Fussball-WM her. Brauchen wir jetzt auch nicht mehr. Wir bemerkten, dass unser Parkticket in 25 Minuten ausläuft und wir sicherlich noch 40 Minuten Fussweg vor uns hatten. So verliessen wir die Festung wieder und machten uns schnellen Schrittes auf den Rückweg. Dieser führte uns noch durch andere Teile der Stadt, welche wir im Vorbeigehen immerhin noch besichtigen konnten. 





Zurück am Wohnmobil wurde dann wie angekündigt das Buch gewechselt. Teil 2 wurde ausgegraben und wir mussten lachen, als wir den Fahrer im Wohnmobil neben uns beim Auspacken des Teil 2 „Der Norden“ beobachten konnten. Ja wir sind hier nicht alleine unterwegs. Auch ein Womo mit auffälligem Fahrradträger begegnete uns hier auf dem Parkplatz zum wiederholten Male. Wir schliefen sogar schon Türe an Türe. Wir machten uns ebenso mautgestraft aus der Stadt und hielten erst ausserhalb der Stadtgrenze wieder an einem Fjord. Badezeit! Das Wetter war frisch, windig und bewölkt geworden. Doch die tägliche Planscherei liessen wir uns auch heute nicht nehmen und stürzten uns ins kalte Nass. Der Platz lud zum Verweilen und Schlafen ein. Doch dafür war es noch zu früh.

Also schnell weiter zur Kirche von Vaernes. Diese berühmte romanische Kirche mit ihrem schönen, massiven Turm und dem schönen Kupferdach soll sehr interessant anzusehen sein. Wie wir das beurteilen würden? Seht selbst:



Ja es ist doch immer dasselbe. Könnten sie den Preikestolen eingerüsten hätten sie auch das gemacht. Doch ist jetzt eben so. Immerhin konnten wir hier am Flughafen von Trondheim die Flugzeuge beim Landen beobachten. Die Landebahn befindet sich nur etwa 300 Meter von der Kirche entfernt. Also auch nichts für einen ruhigen Schlaf. Der nächste Halt versprach das schon eher. Nach einer steilen Bergstrasse fanden wir uns auf dem Parkplatz der Festung Hegra wieder. Ein Kiesplatz – total verlassen – ein Cafe, ein Museum und die Festung selbst. Wir parkten das Womo und machten uns auf den Weg zur Festung. Diese lies uns dann beinahe eine Stunde mit offenen Mündern in ihrem Innern herumirren. Die 1910 fertiggestellte Festung ist in einem sehr guten Zustand und komplett beleuchtet. Man kann hunderte von Metern durch den Untergrund wandern und Bäckerei, Maschinenraum, Küche, Aufenthaltsräume, Krankenzimmer, Toiletten, Kommandoräume, Wachtposten, Geschützstellungen, Munitionslager – ach einfach alles erkunden. Ein riesiger unterirdischer Spielplatz. Zum Fotografieren leider völlig ungeeignet, doch ich hoffe die Videos wurden richtig cool. Die Location hat echt mal wieder riesig Spass gemacht und lud wirklich zum Verweilen ein. Eintritt kostete die Festung, welche 1940 stolze 27 Tage der Belagerung der Deutschen standhielt, übrigens keinen. 






Nun stehen wir hier auf dem Parkplatz der Festung. Mit den kleinen Häusern hier erinnert es fast ein wenig an die Waldzentren in den Amerikanischen Filmen. Kein Mensch ist hier oben (die beiden Autos verliessen gleich nach dem Foto den Parkplatz) und wir werden so sicherlich einen gemütlichen Abend und eine ruhige Nacht hier verbringen. 




Donnerstag, 5. Juli 2018

Kristiansund und der Weg nach Trondheim

.Nach dem sehr erfrischenden Bad im Meer war es ganz schön heiss unter der kuscheligen Bettdecke. Frieren mussten wir jedenfalls beide nicht und unsere Nachtruhe wurde auch von keinem Schiff oder sonstigen Ungetümen gestört. Die Sonne schien wunderbar über den Fjord, als wir heute früh mit offener Türe unser Frühstück genossen.

Die erste Fahrt führte uns nach Kristiansund. Nein da waren wir noch nicht, die Stadt, welche dem Leser jetzt im Kopf schwirrt ist Kristiansand. Die war weiter südlich und wurde von uns aber wirklich auch besucht. Hier nach Kristiansund rollt man wieder in einem Tunnel, welcher unter einem Fjord angelegt wurde. So spart man sich die Fährverbindung – nicht aber deren Kosten. 138 NOK (15 Franken) berappt man an der Mautstation, welche die erste von uns angetroffenen Mautstationen war, welche tatsächlich durch Personal besetzt war. Nachdem der steile Abstieg, das kurze flache Stück und der Anstieg mit 12% Steigung geschafft waren, erreichten wir nach dunkeln 5 Kilometern das sonnige Kristiansund.

Wir parkten unser Womo ziemlich zentrumsnah und machten uns zu Fuss auf den Weg die Stadt zu erkunden. Auch hier sucht man vergebens nach der hölzernen Altstadt. Leider wurde auch diese Stadt von den Deutschen 1940 bombardiert und komplett zerstört. Doch auch hier liessen sich die Einwohner nicht niederkämpfen und bauten die Stadt schnell wieder auf. Jedoch nicht ganz so schön und spektakulär wie wir dies in Alesund oder Molde sahen. Kristiansund hat ein schönes Hafengebiet und ein Einkaufszentrum. Ansonsten ist die Stadt jedoch einiges glanzloser als die Städte welche wir ein wenig südlicher besuchten. Mit ein paar Caches, ein bisschen schlendern und quatschen verging die Zeit trotzdem wie im Flug und unser Parkticket lief aus. 





Wir setzten uns wieder in Bewegung, durften uns jedoch nicht zu sehr zurücklehnen. Nur ein paar Minuten später rollten wir am Parkplatz des Varden ein. Auch Kristiansund hat einen Aussichtspunkt über die Stadt. Und nachdem wir diesen in Molde ausliessen, beschlossen wir diesen hier zu besuchen. Ein hübscher, kleiner Turm empfing uns auf einem kleinen Hügel oberhalb der Hauptinsel der Stadt. Keine Menschenseele weit und breit und so hatten wir unsere Ruhe am und im Turm. Nachdem die wenigen Stufen geschafft waren, hatten wir hier eine wundervolle Aussicht. Die Stadt, der Fjord, das Meer – alles unter uns.




Jetzt verliessen wir die Stadt jedoch wieder. Wieder durch einen Unterwassertunnel. Wieder 5 Kilometer. Wieder steil runter und noch steiler wieder rauf. Doch dieses Mal umsonst. In diesem Tunnel herrschte auch mehr Verkehr. Wohl der Grund weshalb dieser hier schon abbezahlt war und der andere noch nicht. Die Strasse führte uns immer weiter nordwärts. Bis Trondheim folgt nun gemäss unserem Reiseführer eine eher „langweilige“ Strecke. Praktisch keine Sehenswürdigkeiten, nur wenig Kontakt zu Fjorden oder dem Meer und die Landschaft ein klein wenig wie Zuhause in der Schweiz. Und genau so war es dann auch. Doch den einen oder anderen Halt gab es dann doch noch.

Den ersten bei der Bergsoybrua. Diese Brücke sieht schon auf den ersten Blick sehr interessant aus. Auf grossen, runden Betonelementen überquert die Stahlkonstruktion den Fjord an einer schmalen Stelle. Ein recht grosses und ungewöhnliches Kostrukt. Doch die Unterkante der Brücke befindet sich nur knapp über der Wasseroberfläche. Und bei Flut? Ja bei Flut ebenfalls. Die runden, vermeintlich aus Beton gefertigten, Elemente schwimmen nämlich mitsamt der Stahlkonstruktion auf dem Wasser. Eine schwimmende Brücke also. Das kennt man – jedoch nicht in dieser Grösse. 930 Meter misst die Brücke und schmückt sich mit dem Titel der ersten solchen Pontonbrücke der Welt. Der Parkplatz, von welcher die Brücke betrachtet werden kann bietet wohl etwa 40 Parkplätze. Jedoch haben es 10 Wohnmobilfahrer geschafft mit ihren Womos diese komplett zu besetzen. Alle haben die Stühle in die Wiese gestellt, betrachten die Brücke und verdrücken ihr Mittagessen. Wieder ein Grund die Norweger zu verstehen, welche nicht immer so wohlgesinnt den Wohnmobilen gegenüberstehen. Uns war das zu viel und wir machten uns vom Acker, zumal wir sowieso keinen Parkplatz gefunden hätten. 



Wir fuhren also trotz Hunger noch ein kleines Stück. Plötzlich kam uns ein Konvoi von Wohnmobilen entgegen. Alles Italiener. Alle mit einer Nummer versehen und mit einem kleinen Reisecar als Abschluss der Fahrzeugkolonne. Eine geführte Wohnmobiltour mit dem Wohnmobil durch Norwegen – naja... wem sowas gefällt der soll. Wo da jedoch die Spontanität und Freiheit bleibt, welche dem Ganzen das Besondere verleihen, wissen wir nicht. Für unser Mittagessen fanden wir auf jeden Fall ein ruhiges Plätzchen auf dem wir alleine und ungestört ein paar Brote mit Schinken und Käse belegten und assen.

Mit vollen Bäuchen ging es weiter nordwärts. Der tägliche Badetermin stand an. Bei diesem traumhaften Wetter könnte das fast schon ein Vergnügen werden. Wir suchten uns einen Badeplatz aus dem Reiseführer, welcher uns ein wenig weg von der Hauptroute brachte. Dort angekommen trafen wir auch auf einen Badestrand, welcher alles bot, jedoch nur von Einheimischen besucht war. Dies jedoch zahlreich. Hier wurde gebadet, gegrillt, Beachvolleyball gespielt und die Kinder tummelten sich auf einem Floss mit Sprungturm im Meer. Scheint also nicht so kalt zu sein. Badehosen an, Badetuch schnell auf der Liegewiese deponiert und ab ins türkisblaue Wasser. Ins türkisblaue sehr kalte Wasser natürlich. Hier scheinen die Kinder schon abgehärtet zu sein, anders können wir uns das nicht erklären. Aber wärmer als gestern Abend war es auf jeden Fall. Wir konnten sogar einmal ein paar Minütchen im Wasser bleiben, tauchen und ein wenig planschen. Draussen an der Sonne bei 21 Grad war es dann schon wieder sehr warm und wir zogen unsere Tolinos bei. So verbrachten wir eine ganze Weile und ich konnte „Blinde Vögel“ von U. Poznanski abschliessen. Liebhabern von Krimis und Thrillern wärmstens zu empfehlen. Ist aber der zweite Teil der Reihe. Der erste Teil heisst „Fünf“ und handelt von einem Serienmörder, welcher in Geocachingkreisen tätig ist. 



Es war schon spät geworden und das Wetter wurde auch frischer. Ein kühler Wind zog auf und Wolken verdunkelten den Himmel im Norden. Also schnell abgeduscht und weiter ging die Fahrt. Wieder eine Fähre und einige Kilometer später rauschten wir am Trollheimen vorbei. Eine Trollattraktion welche wir auslassen. Wanderungen in diesem Gebirge haben wir uns lange angeschaut. Wie die ganze Gegend hier, sieht das alles wie wandern Zuhause aus. Und dafür wollten wir hier keine Tage investieren, zumal das Wetter hier in den Bergen die nächsten Tage sowieso nicht berauschend zu sein scheint. So fuhren wir auf einen gratis Stellplatz vor Trondheim. An einem lauschigen kleinen See stehen wir ganz alleine mit unserem Wohnmobil. Ob sich noch jemand mit dem gleichen Reiseführer zu uns gesellen wird? Um 19 Uhr darf man dies schon fast bezweifeln. So spät kommen selten noch welche an. Die rollenden Häuser stehen. Es wird Nachtessen gekocht, fern gesehen, gelesen, Karten gespielt und geschlafen. So in etwa machen wir das nun auch ehe es morgen nach Trondheim geht. Von dieser Stadt aus kehrt unser Reiseführer „Mit dem Wohnmobil nach Norwegen, Teil 1: Der Süden“ nach Oslo zurück. Doch wir haben ja zum Glück noch „Teil 2: Der Norden“ auf welchen wir uns nun wirklich sehr freuen.