Freitag, 14. September 2018

Die Marienburg - ein Besuch im Mittelalter

Als wir heute früh aus dem Fenster schauten, bemerkten wir, dass unser Übernachtungsplatz doch schöner war als wir bei Dunkelheit dachten. Wir standen mitten im Grünen und relativ direkt am See. Nachts sah das alles anders aus. Der Grund weshalb wir normalerweise auch bei Tageslicht unseren Schlafplatz suchen. Wir frühstückten gemütlich und ausgiebig, da wir wussten, dass uns wieder eine lange Fahrt bevorstand. Heute machte Jonas die Spitze, während wir ihm folgten.

Wir legten lediglich einen Halt an der Tankstelle ein um unsere durstigen Wohnmobilenzu befüllen. Ansonsten fuhren wir über teils miserable Strassen immer in Richtung Marienburg. Es war beinahe 12:30  Uhr als wir uns dort auf die Suche nach einem Parkplatz begaben. Die touristischen Parkplätze vor der Marienburg kosteten 3 Euro die Stunde, was für polnische Verhältnisse mehr als nur überteuert ist. Park4Night zeigte uns jedoch einen Parkplatz, welcher nur 50 Meter von den touristischen entfernt war und nicht annähernd so viel kosten sollte. Wir bezahlten vier Zloti (ca. 90 Rappen) und zogen ein Ticket, welches uns das Parken bis Montag 09:47 Uhr erlaubte. Also über zwei Tage. Wir beschlossen gleich im Womo noch zu essen ehe wir uns zur Marienburg begaben.
Im 13. Jahrhundert wurde die Marienburg vom deutschen Orden erbaut. 1309 bis 1454 war sie der Sitz der Hochmeister des Deutschordenstaats. Später gehörte sie bis 1722 zu Polnisch-Preussen und diente als Sitz der polnischen Könige. Nach der Teilung von Polen fiel die Burg Preussen zu. Im zweiten Weltkrieg wurde die Burg arg in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nicht zerstört. Fortan gehörte die Burg wieder zu Polen und kann seither von der Öffentlichkeit besucht werden. Die Marienburg, benannt nach der heiligen Jungfrau Maria, wurde ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen und gilt als grösste und am besten erhaltene mittelalterliche Burg Europas.

Gespannt stellten wir uns an der Kasse an und nahmen nur kurz später unsere Eintrittstickets entgegen. Umgerechnet zahlten wir pro Person ungefähr 11 Franken. Ein fairer Preis, vor allem wenn man bedenkt, dass ein deutscher Audioguide in dem Preis inbegriffen war. Dieser Audioguide gilt es dann auch besonders hervorzuheben. Ohne diesen wäre der Rundgang nicht annähernd so spannend. Die angenehme und perfekt Deutsch sprechende Stimme führte uns durch das Schloss und wartete überall mit kurzen aber interessanten Infos auf. Untermalt wurde das ganze mit Soundeffekten und passender Musik. Wo es weiter ging war ebenfalls immer klar. Der Audioguide besass einen Bildschirm auf welchem immer der Weg beschrieben war, was dank GPS auch bestens funktionierte. Lief man bestimmte Zonen an, geschahen passende Sachen. Den Geocachern unter den Lesern wird diese Art wohl von Wherigos bekannt sein. Der Audioguide „Jakob“ und sein Helfer „Thomas“ waren mein persönliches Highlight. Definitiv der beste Audioguide, welchen wir jemals sahen.

Wir begannen unsere Rundreise im Vorhof, betrachteten Gebäude wie Kaserne, Stallungen, Personalhäuser und Handwerksbetriebe von Aussen. Wir durchschritten die Strassen, welche damals vor Leben gesprüht haben mussten. Heute war es hier überraschend ruhig. Wir betraten kurz danach das Vorschloss, in welchem sich ein wunderschöner Innenhof befand. Dieser war auch immer wieder Ausgangspunkt von vielen Erkundungen mit Jakob und Thomas. Immer wieder tauchten wir ins Innere und betrachteten die Krankenstation, die Gemächer des Hochmeisters, Festsäle und Esssäle. Auch wurden immer wieder interessante Ausstellungen gezeigt, bei denen Jakob uns das Wichtigste in Kürze erzählte, uns danach aber alleine auf Erkundungstour entliess. Nach einer Ausstellung über Schmuck und Kunst aus dem hier typischen Bernstein, entschlossen wir uns eine Pause zu halten. Wir genossen einen Drink im burgeigenen Restaurant, ehe wir wieder in den Hof traten. 






Weiter ging es im Hauptschloss. Hier befand sich das Kloster der Marienburg und somit auch alle Räume der Geistlichen und Gläubigen. Wir entdeckten riesige Räume, die Küche, den Bankettsaal und natürlich auch die Kirche. Die Kirche wurde im zweiten Weltkrieg am heftigsten getroffen und stand viele Jahre zerstört im inneren der Festung. Um den Zerfall zu stoppen war man jedoch gezwungen die Kirche zu restaurieren und den zerstörten Teil zu ergänzen. Diese Arbeit war 2008 abgeschlossen worden und so ist die Kirche nun wieder zu bestaunen. Der neue Teil wurde dabei absichtlich in verputztem Weiss gehalten, während der alte Teil in hier üblicher Ziegelsteinoptik belassen wurde. Dies um klar abzugrenzen, was noch aus dem Mittelalter stammt. Allgemein wurde hier alles relativ der Zeit überlassen. Die Räume der Marienburg sind nicht renoviert und restauriert um zu zeigen, wie es damals aussah. Die Farben sind überall verblichen und man sieht, dass der Zahn der Zeit schon lange an der Burg nagt. Dies jedoch in einem super Rahmen. Uns gefiel die Burg auf diese Art wesentlich besser. 














Als wir uns von Jakob und Thomas verabschiedeten, hatten die Beiden uns über 4 Stunden lang durch die Marienburg geführt. Hier legt man einige Kilometer zurück, besteigt einige Treppen und hört viele interessante Geschichten. Ein wirklich spannender Rundgang, welcher sich mehr als nur gelohnt hatte. Wir tauchten hier völlig ins Mittelalter ab und bekamen alle wichtigen Infos um uns das Leben in der Burg so gut wie möglich vorstellen zu können.

Zurück beim Wohnmobil beschlossen wir, noch ein kleines Stück in Richtung Gdansk zu fahren. Obwohl wir bis Montag hätten parken dürfen, wollten wir natürlich vorwärts kommen. Es war schon wieder am dämmern als wir auf einer Wiese bei einem Fährhafen unsere Wohnmobile parkten und für die Nacht vorbereiteten. Nach einem sonnigen Tag war es frisch geworden und wir verlegten das Nachtessen in unser Wohnmobil. Jonas hatte sich in der Wolfsschanze noch eine Zecke eingefangen, welche wir noch gemeinsam entfernten, bevor wir bei einem gemütlichen Bier den Tag ausklingen liessen.

Donnerstag, 13. September 2018

Eine Reise zurück in die Vergangenheit

Wir müssen wohl nicht erwähnen, dass es gestern Abend mit Steffi, Lui und Jonas spät wurde. Es war sogar schon heute früh, als wir uns nach einem lustigen und interessanten Abend ins Bett legten. Steffi und Lui verabschiedeten sich zum Glück kurz nach Mitternacht, da sie ja heute morgens bei Zeiten nach Weissrussland wollten. Ansonsten wären wir wohl bei Sonnenaufgang noch draussen gesessen. Natürlich zeigte die Uhr heute schon nach 9 Uhr als wir uns langsam aus der Bettdecke schälten. Comewithus2 waren natürlich schon weg und vielleicht standen sie sogar schon an der weissrussischen Grenze vor dem streng dreinblickenden Grenzbeamten. Wir frühstückten und machten uns irgendwann nach 10 Uhr auf die Weiterreise.

Knappe 4 Stunden waren wir von der polnischen Grenze in den Süden in diesen Nationalpark gefahren. Sogar noch ein bisschen länger sollte unsere heutige Fahrt zurück in den Norden dauern. Wir liessen uns den Nationalpark einige Kilometer kosten, möchten den tollen Tag gestern jedoch nicht missen. Ein wenig verfluchten wir die Gegend nur zu Beginn der Fahrt, als wir die Odyssee mit den Baustellenampeln wiederholen durften. Heute fuhr Melanie, da ich einen längeren Tagebucheintrag zu verfassen hatte und immerhin regte sie sich nach zwei oder drei Ampeln ebenso auf wie ich vorgestern an gleicher Stelle. Der arme Jonas musste die Ampelpassage sogar zum zweiten Mal als Fahrer ertragen. Heute verloren wir nicht ganz so viel Zeit auf der Strecke und kurz später zogen wir auch schon ein wenig mehr westwärts als die Strasse, auf der wir die Gegend erreicht hatten.

Der erste Halt heute war ein Besuch im Supermarkt. Wir entdeckten einen Kaufland, welcher uns eine riesige Auswahl bot. Die Preise brachten uns auch heute wieder zum Staunen. Die meisten Artikel sind hier in Polen beinahe kostenlos. Für ein Snickers bezahlte ich z.B. ein bisschen weniger als 50 Rappen, für 200 Gramm Schinkenaufschnitt knappe 1.20 Franken, für 400 Gramm Lätta Margarine 82 Rappen. Das abgepackte Fleisch sah jedoch auch im Kaufland nicht besonders schmackhaft aus. Wir kauften uns jedoch fünf wunderschöne Schweins-Plätzli an der Offentheke – für unter 2 Franken. Wer denkt er hätte in Deutschland ein günstiges Land gefunden, kennt Polen nicht. Sogar unser deutscher Mitreisender konnte es manchmal kaum glauben.

Der obligate Halt zur Brotzeit stellte sich an unserer Route heute schwierig dar. Keine Rastplätze, keine Picknickplätze, keine Abfahrten. Schlussendlich endeten wir zwischen der vielbefahrenen Strasse und einem Friedhof. Die Brötchen schmeckten jedoch trotzdem und stärkten uns für die nächsten 2,5 Stunden Autofahrt. Diese unterbrachen wir dann nochmals kurz um unser Klo zu leeren, fuhren ansonsten jedoch durch. Als nächstes besuchten wir einen Ort, der geschichtsträchtiger nicht sein könnte und dessen Vergangenheit hier den Tagebucheintrag sprengen würde.

Wir standen schon bald auf dem Parkplatz des sogenannten Führerhauptquartiers, der Wolfsschanze. Von hier aus leiteten Adolf Hitler und sein Stab ab 1941 die taktischen Belange des zweiten Weltkrieges. 2100 Personen lebten und arbeiteten in den Bunkern inmitten des preussischen Waldes, darunter auch die Spitzen der NSDAP und der SS. Mit 6 bis 8 Meter dicken Betondecken, einem 10 Kilometer langem Stacheldrahtzaun und einem 150 Meter breiten Minengürtel galt die Anlage als eine der sichersten in Deutschland. Doch die Anlage schützte nicht von Angriffen, welche von Innen kamen. Am 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg während einer Lagebesprechung das berühmte Bombenattentat auf Adolf Hitler. Durch die Tatsache, dass an diesem Tag überraschenderweise Benito Mussolini erwartet wurde, blieb von Stauffenberg jedoch zu wenig Zeit um beide Bomben scharf zu machen, ehe er das Gelände der Wolfsschanze verliess. So detonierte nur eine Sprengladung und der Zufall, dass Adolf Hitler sich gerade über den massiven Tisch beugte um den Norden der Karte zu betrachten, führte zu einem Misserfolg des Anschlages. Es wurden von den 24 Anwesenden Personen deren vier getötet, drei schwer verletzt und diverse, darunter auch Adolf Hitler, leicht verletzt. Dieser begrüsste nur drei Stunden später den italienischen Ministerpräsidenten und freute sich bester Gesundheit. Von Stauffenberg und seine drei Komplizen wurden gleich nach der Ankunft in Berlin festgenommen und noch am selben Tag in der deutschen Hauptstadt erschossen. Im Zusammenhang mit dieser Operation Walküre wurden in den Monaten nach dem Anschlag noch über 200 Personen hingerichtet, welchen vorgeworfen wurde, sich an der Verschwörung zum Sturz von Adolf Hitler beteiligt gewesen zu haben. Die Wolfsschanze wurde noch weiter genutzt, im Januar 1945 drückte die Rote Armee jedoch so fest gegen die Grenzen, dass die Deutschen sich zurückzogen. Dies jedoch nicht ohne die Bunker und Gebäude zuvor zu sprengen, um sie für den Feind unbrauchbar zu machen.

So standen wir hier also in dem Gebiet, welches vor allem aus Betonruinen bestand. Bunker, welche gesprengt und überwuchert waren. Da hatten wir definitiv schon bessere Bunker gesehen. Doch niemals konnten die Betonwände so viele Geschichten erzählen wie diese hier. Führung auf Deutsch fand heute leider keine mehr statt und so etwas wie Infoschilder oder so gab es ebenfalls nicht. Wozu wir Eintritt bezahlen mussten erschloss sich uns nicht. Aber war ja auch egal. Denn die Touristen verliessen gerade allesamt die historische Stätte und immer weniger Menschen begegneten uns in dem weitläufigen Gebiet. Es war ein sehr spezielles Gefühl am Fundament der Baracke zu stehen, in welchem das Attentat auf Adolf Hitler gescheitert war. Noch spezieller war es dann im Bunker 13, dem persönlichen Bunker von Hitler. Mit seinen Füssen auf dem Boden zu stehen, auf dem auch dieser Mensch schon stand, den er ein wenig als sein Zuhause ansah – sehr sehr eindrücklich. Natürlich waren die Bunker alle mit „Betreten verboten“ - Schilder versehen. Dabei schien es jedoch mehr um die Haftung zu gehen als um sonst etwas. Sogar die Tourenguides führten ihre Kunden durch die letzten Überbleibsel und so taten wir es ihnen gleich. Wir erkletterten die eingestürzten Dächer der Anlage, von wo aus wir erstaunt über die Ruinen blickten. Zwischen 6 und 8 Meter dick waren die Betondecken der Bunker, welche mit teilweise bis zu 8 Tonnen Sprengstoff gesprengt wurden. Unglaubliche Kräfte mussten hier gewirkt haben. Es wurde immer dunkler in dem Wald der Wolfsschanze und wir waren bald froh, unsere Taschenlampen dabei zu haben. Irgendwann war es stockdunkle Nacht und wir noch als einzige Besucher in der Anlage. Wir besichtigten Bunker um Bunker und schossen hunderte von Fotos. Punkt 20 Uhr fuhren wir durch die Ausgangsschranke, welche gleich nach uns durch den Parkwächter für die Nacht verriegelt wurde. 















Wir hatten keine Lust mehr weit zu fahren. Zwei Kilometer waren es bis zum nächsten Parkplatz aus unserer App. Kein spezieller Ort, doch für eine erholsame Nacht sollte es reichen. Wir kochten ein einfaches Nachtessen und waren wirklich müde von der langen Fahrt und der Besichtigung der interessanten Stätte.

Mittwoch, 12. September 2018

Ein Abstecher nach Weissrussland

Heute klingelte der Wecker für einmal wieder ein wenig früher. Doch heute machte uns das gar nichts aus, da wir uns sehr über das anstehende Tagesprogramm freuten. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück machten wir uns auch voller Vorfreude auf die Fahrt zurück in den Ortskern. Wir parkten unsere Wohnmobile für 6 Zloti (1.50 Franken) und begaben uns zu dem deutsch sprechenden Guide, welcher sich um unsere „Visa“ kümmerte. Wir wurden freundlich begrüsst und bekamen mehrere Dokumente in die Hand gedrückt. Ein Passierschein, eine Buchung von touristischen Leistungen (Voraussetzung für den Besuch von Weissrussland) und eine Bestätigung, der abgeschlossenen Krankenversicherung für Weissrussland. Ebenfalls wurden wir hier mit Tipps versorgt und hätten auch noch eine Karte erhalten, welche wir jedoch nicht kauften, da ich doch wirklich auch für Weissrussland eine OSM-Karte heruntergeladen hatte, welche ich auf unser GPS geladen hatte. Nun brauchten wir nur noch ein Fahrrad für Jonas, welches gleich auf der anderen Strassenseite für ein paar Euros übernommen werden konnte. Und so waren wir startklar für unser nächstes Abenteuer.

Wir radelten gemütlich durch das kleine Dorf, bogen wie geplant an der Tankstelle links ab und fuhren danach auf direktestem Wege auf den Grenzposten zu. Schon von Weitem bemerkten wir, dass dies nicht einfach irgend eine Grenze ist. Alles war mit Zäunen befestigt, die Armee stand bereit und allgemein machte es den Eindruck, als würde man ein Gefängnis betreten. Die Überquerung der Grenze mit dem Auto an diesem Grenzübergang ist nicht möglich. Nur zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Somit waren wir ganz alleine auf weiter Flur in dem grossen, polnischen Teil des Geländes. Eine polnische Zollbeamtin kontrollierte unsere Pässe und liess uns nach dieser kurzen Prozedur passieren. Zwei Schlagbäume und Zäune später befanden wir uns dann am weissrussischen Zoll. Hier wehte wie erwartet schon wieder ein anderer Wind. Ein streng blickender, uniformierter Beamte, der ausser Russisch keine andere Sprache sprach, musterte uns und unsere Pässe mit viel Misstrauen. Er drückte minutenlang auf der Tastatur seines Computers umher, betrachtete vor allem unsere russischen Stempel in den Pässen, ehe er sie uns wieder aushändigte. Wir wollten das Gebäude gerade verlassen, als er uns schroff auf russisch hinterher rief. Wir blieben sofort stehen und mussten bemerken, dass die Prozedur noch lange nicht vorbei war. Die Sicherheitskontrolle stand noch an. Wir mussten unsere Rucksäcke komplett auspacken und sogar die Sandwiches aus der Alufolie nehmen. Nachdem der Beamte uns mit einem Metalldetektor absuchte, widmete er sich noch unseren Fahrrädern, welche auch ausgiebig kontrolliert wurden. Scheinbar war er mit allem zufrieden, denn er verschwand im Häuschen und war nicht mehr zu sehen. Der junge Soldat am Schlagbaum weiter vorne öffnete uns nett grüssend die Schranke und wir betraten wirklich weissrussischen Boden. 



Die erste Reise führte uns zum Infocenter des Nationalparks, welches nur gerade 100 Meter hinter der Grenze steht. Eine Dame nahm uns auf der Strasse schon in Empfang. Sie sprach nur russisch, sodass wir kein Wort verstanden. Doch wir wussten vom deutsch sprechenden Guide ja zum Glück, dass wir hier Eintritt bezahlen mussten. Die touristische Leistung eben. Diese bestand aus Tickets zu drei verschiedenen Attraktionen des Nationalparks. Wir hatten sowieso vor diese Orte zu besuchen und so waren die paar Euro auch völlig okay für uns. Nachdem die Dame uns die Kreditkarte und die Tickets in die Hand drückte konnten wir uns wirklich auf den Weg durch Weissrussland machen.

Geteerte Strassen führten uns von Anbeginn an durch den schönen Wald, der sich auch auf der weissrussischen Seite über eine riesige Fläche erstreckte. Die Strassen waren komplett leer und als wir nach etwa 15 Minuten an einem wunderschönen See angelangt waren, hatten wir noch keinen einzigen Menschen gesehen. Wir schossen Fotos und fuhren danach weiter durch den Wald. Schon bald machten wir einen Abstecher über eine Schotterpiste zu einer ganz speziellen Eiche. Hier, im fast letzten verbliebenen Urwald von Europa, stehen natürlich viele alte Bäume. Doch die 600 Jahre alte und 32 Meter hohe Eiche gehört zu den ganz Grossen. Um die Eiche mit zwei Metern Durchmesser zu Umfassen bräuchte es fünf Leute. Diese fünf Menschen könnten dann auch gleich in dem schönen Haus wohnen, welches sich komplett aus dem Holz des Kolosses anfertigen lassen würde. Wir betrachteten den Riesen, welchem auch ein Blitzeinschlag nur ein kleiner Kratzer zufügen konnte, schossen Fotos und machten uns auf die Weiterreise. 





Der nächste Halt war natürlich einer der Wichtigsten für einen Cacher. In Weissrussland befinden sich nicht viele Caches. Doch genau hier im Nationalpark befand sich eine einzige Dose, welche uns den Länderpunkt bringen sollte. Wir mussten nicht lange suchen, ehe wir die Tupperdose in einem Baumstrunk am Wegesrand entdeckten und uns zum ersten Mal in einem weissrussischen Logbuch eintrugen.

Schon bald konnten wir unser erstes Ticket zücken, als wir vor einem grossen verschlossenen Holztor standen. Hier ist jemand ganz besonderes Zuhause und wir machten uns nun daran ihn zu besuchen. Die hölzerne Türe wurde geöffnet und wir standen im Innenhof des speziellen Ortes. Viele Holzstatuen standen auf den grünen Wiesen, welche sich zwischen den vielen hölzernen Häusern befanden. Das erste Haus war gleich das prächtigste und auch die Heimat des berühmten Einwohners. Doch einfach nur so sein Haus anzusehen war uns zu langweilig. Wir standen davor und riefen zögerlich er solle doch bitte aus dem Haus treten. Verstand er kein Englisch oder wollte er uns einfach nicht sehen? Zwei Russen kamen gerade auch am Haus an und begannen sogleich in enormer Lautstärke den Bewohner zu rufen. Nach dem dritten Rufen öffnete sich wirklich die Türe und er trat hinaus. Väterchen Frost höchst persönlich. Die russische Version vom Weihnachtsmann, erschien traditionell hell gekleidet und begrüsste uns. Er sprach nur russisch, doch die Russin sprach fliessend englisch und konnte so alles für uns übersetzen. Väterchen Frost stellte uns noch ein Rätsel, schoss ein Foto mit uns und verabschiedete sich dann wieder in sein Haus. Wir durchschritten mit seiner Erlaubnis dann noch seinen Vorgarten, in welchem neben seinem Schlitten auch noch die magische Windmühle, die glückliche Brücke und diverse andere Orte zu finden waren. Die Sonne schien heiss vom Himmel als wir uns in dem Park hinsetzten und unsere Brotzeit genossen. Danach besuchten wir noch den Stuhl vom Grossmütterchen Frost, lichteten uns darauf ab, ehe wir zum Schluss noch das versprochene Geschenk in Empfang nehmen durften. Worum es sich handelte verraten wir hier natürlich nicht. Dafür müsst ihr Väterchen Frost schon selbst besuchen. 









Weiter ging es durch den endlos scheinenden Wald. Immer wieder begegneten uns riesige Bäume und dichte Waldabschnitte. Die ebenen Teerstrassen führten uns jedoch schnell und gut durch diesen Wald. Es war kein sehr spektakulärer Wald. Vielleicht nicht so, wie man sich ein Urwald vorstellt. Doch wir genossen die Stille in dem riesigen Gebiet und die Unberührtheit der Natur. So radelten wir einfach immer weiter. Bis wir das nächste Ziel erreichten.

Dieses Ziel sollte in Tierpark innerhalb des Nationalparks sein, welches einheimische Tiere beherbergte. Doch schon bald mussten wir bemerken, dass der Osten auch in einem Nationalpark eine komplett andere Auffassung von Tierhaltung hat als wir. Als Gegner von Tierparks und Zoos wurde ich erst vor ein paar Monaten in Schweden dank dem Kolmarden Tierpark ein wenig vor dieser Ablehnung befreit. Doch je länger wir durch diese Gehege schritten, desto mehr kam sie zurück. Die meisten Tiere hier wurden ganz okay gehalten. Mehr aber auch nicht. Sie sahen gesund und gut genährt aus, hatten grosse Gehege, waren jedoch in diesen permanent ausgestellt. Doch die Bären, der Luchs und ein Raubvogel wurden in Gehegen gehalten, die den Begriff beinahe nicht verdienten. Das Herz weinte als ich die wunderschöne Raubkatze in ihrem kleinen Holzverschlag betrachtete, die in der Natur in riesigen Revieren umherstreift. Wütend war ich vor allem, dass ich diesen Park mit meiner touristischen Leistung noch finanziell unterstützt hatte. Doch wer weiss wie es den Tieren hier ergehen würde, wenn dieser Pflichtbeitrag von jedem Nationalparkbesucher auch noch ausbleiben würde. Wir verweilten nicht besonders lange in dem Park und zogen schon bald weiter. 




Die dritte Attraktion, für welche wir Tickets besassen, war das Naturkundemuseum auf der anderen Strassenseite. Wir betraten das Gebäude und trafen auf eine junge Dame, welche unsere Tickets kontrollierte und uns anwies: „Two floor. Don't touch animals“. Wir begaben uns also einen Stock höher und betrachteten die vielen ausgestopften Tiere, welche in mehreren aufwändig gestalteten Räumen ausgestellt waren. Es war interessant die Tiere aus der Nähe anzusehen. Doch leider waren sämtliche Infos nur auf russisch und so waren wir auch hier schon bald wieder durch.





Wir hatten schon viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt und beschlossen darum, uns langsam auf die Rückfahrt zu begeben. Wir mussten schliesslich auch bis spätestens 20:00 Uhr das Land verlassen haben und durch den Zeitzonenwechsel wurde uns ja bei der Einreise schon eine Stunde geraubt. Kurz nachdem wir losfuhren streikte jedoch plötzlich Jonas geliehenes Fahrrad. Die Kette hatte sich total aus dem Kettenspanner gelöst und eine Weiterfahrt war nicht möglich. So standen wir mitten im weissrussischen Wald und hatten natürlich kein Werkzeug dabei. Dies hatten wir alle im Wohnmobil gelassen um an der Grenze keinen Ärger zu riskieren. So mussten wir uns eben selbst helfen. Mit dem Sattel und der Feststellschraube dessen schafften wir es nach etwa 20 Minuten das Problem in den Griff zu bekommen und konnten weiterfahren. Es waren viele Kilometer ehe wir wieder an dem kleinen Infohäuschen standen. Wir hatten noch ein wenig Zeit und entschlossen uns darum dort noch kurz nach rechts abzubiegen und uns ins Kerngebiet des Urwaldes zu begeben. Dieses begutachteten wir wiederum von der Strasse. Ein unaufgeräumter, sehr dichter Wald in welchem wirklich überdurchschnittlich viele grosse Bäume standen. Nach zwei Kilometer wendeten wir, froh jedoch diesen kurzen Abstecher noch gemacht zu haben. 



An der Grenze wurden wir vom freundlichen Soldaten am Schlagbaum mit „Guten Abend“ begrüsst. Er meinte er hätte uns sprechen gehört und spreche selbst auch einige Brocken Deutsch. Nach dem kurzen Gespräch landeten wir dann wieder beim gleichen Zollbeamten, welcher uns schon in das Land eingelassen hatte. Wir dachten uns, dass es ja super ist, wenn der uns schon kennt. Falsch gedacht. Hier an der weissrussischen Grenze verlief alles nach Vorschrift. So wurden die Pässe wieder akribisch kontrolliert und auch die Rucksäcke und Fahrräder wurden erneut unter die Lupe genommen. Nur 100 Meter weiter bei der Einreise nach Polen stand uns dann dasselbe nochmals bevor. Wieder Rucksäcke auspacken, Pässe kontrollieren, warten. Wir schienen aber kein Risiko darzustellen und durften wieder nach Polen einreisen. Nach genau 60 Kilometern mit dem Fahrrad erreichten wir den Fahrradverleih und Jonas konnte sein Rad zurückgeben, welches nach der Reparatur wieder bis zum Schluss bestens funktionierte. Wir setzten uns in unsere Mobile und machten uns auf den Weg zum gleichen Parkplatz, wo wir auch letzte Nacht übernachtet hatten.

Nicht ganz überraschend trafen wir dort auf zwei Bekannte. Schon am Vorabend tauschten wir Infos aus, um ihnen den Stress mit stundenlangem Googeln und Herumsitzen beim Tourist-Center zu ersparen. Und nur einen Tag später waren sie dann auch schon da. Lui und Steffi von Comewithus2 erwarteten uns schon auf dem Parkplatz und wir freuten uns sehr die Beiden wieder zu sehen. Wir parkten unsere Mobile zusammen und machten Tische, Stühle und den Grill bereit für den Einsatz. So endete ein spannender Tag in Weissrussland mit ebenso spannenden Gesprächen und ausgelassener Stimmung. Interessant einmal hinter die Fassade der aufwändigen Arbeit zu sehen, welche die Beiden jeden Tag erledigen. Es war super sie nochmals zu sehen, ehe sich unsere Reiserouten an diesem Punkt definitiv trennen werden. Wir werden die Zwei jedoch sicherlich auch in Zukunft auf Instagram und www.comewithus2.com verfolgen. 



Dienstag, 11. September 2018

Auf dem Weg in den Bialowieza Urwald

Unsere erste Nacht in Polen verlief ruhig und ohne dass man uns die Räder abmontierte. Natürlich erwarteten wir das Eintreffen dieses alten Klischees auch nicht. Polen machte nämlich schon gestern bei unserer Ankunft einen sehr ordentlichen und guten Eindruck. Gleich noch einen Ticken mehr als noch Litauen. So sassen wir entspannt beim Frühstück und stärkten uns für den zweiten Teil der langen Fahrt.

Dieser zweite Teil begann recht gemütlich, endete aber schon bald in einer Geduldsprobe. Ein Abschnitt über gut 20 Kilometer wurde neu ausgebaut. Dazu wurden auf dieser kurzen Strecke auf etwa 10 Teilabschnitten Ampeln eingesetzt. Natürlich war jede Ampel beim Eintreffen der Kolonne immer rot. So standen wir alle zwei Kilometer an einer Ampel, querten danach 500 Meter Baustelle und rollten einen Kilometer zur nächsten roten Ampel. Irgendwann würde man am liebsten ins Lenkrad beissen. Doch auch das hätte uns hier nicht weiter gebracht. Wir verloren über 30 Minuten auf dieser Route. Aber wir hatten ja keine Eile. So gönnten wir uns auch noch einen Halt an einer wunderschönen, grünen Holzkirche. Die typischen bunten Holzkirchen hier in Polen gefallen uns wirklich sehr und auch dieser Bau hier war uns ein paar Fotos wert. 



Weiter ging es dann schon wieder zu einem Zwischenhalt. Dieses Mal betrug der Umweg etwa 10 Minuten und bestand aus einem Geocache. Es sollte unser erster Fund in Polen werden und zugleich auch der erste Besuch, welchen diese Dose erhielt. Ein Erstfund (FTF) stand wieder auf dem Programm. Nach einigen abenteuerlichen Teerstrassen und einer kurzen Schotterpiste standen wir dann auch schon an der Brücke, an welcher der Cache versteckt zu sein schien. Brücke war ein übertriebener Begriff für dieses Bauwerk. Ein paar Pfosten und zwei Stammhälften führten wackelig über den kleinen Fluss. Es brauchte schon ein wenig Mut diesen Bau zu nutzen um auf beiden Seiten der Brücke nach dem Cache zu suchen. Immer ein wenig im Blickfeld eines anwesenden Fischers. Bald schon entdeckten wir die Dose und konnten ein blütenweisses Logbuch ans Tageslicht befördern. Somit war auch in Polen ein FTF geglückt. 



Gleich in Sichtweite des Caches blinkten uns noch einige goldene Zwiebeltürme entgegen. Wir parkten unsere Mobile kurz um und begaben uns zu dieser Einrichtung. Viele Schilder auf polnisch prangten überall. Doch das Tor war weit geöffnet und obwohl es keine Touristen hier hatte, schien die religiöse Stätte besucht werden zu dürfen. Viele Menschen waren in dem umzäunten Gelände mit diversen Arbeiten beschäftigt. So konnten wir uns auch nicht überall bewegen. Doch auch ansonsten hatten wir anhand der Blicke nicht das Gefühl hier willkommen zu sein. Die geschlossene Gemeinde schien sich Besuch nicht gewohnt oder er war unerwünscht. Wir verzichteten darum auf Bilder und machten uns bald wieder auf den Weg nach draussen. Zurück über die Schotterpiste und danach über bessere Strassen ging es in Richtung Nationalpark.




Wir erreichten mit hungrigen Bäuchen die polnische Kleinstadt Bialowieza. Meine Mutter unterhielt uns auf der Fahrt mit Begriffen wie Raclette, IKEA-Hot-Dogs oder Pfannkuchen und so war meine erste Handlung am Zielort essen. Als der Hunger dann gestillt war, ging es zu der Tourist-Info, welche sich in einem wunderschönen Park befand. Unser Ziel hier war es zum Einen, den hiesigen Urwald zu sehen, welcher als einer der letzten in Europa zu bestaunen ist. Ebenso wollten wir hier in diesem Park von dem visumfreien Übertritt nach Weissrussland Gebrauch machen. Nur hier in diesem Nationalpark ist dies nämlich möglich. Jedoch nur wenn man sich zuvor über eine Homepage anmeldet, was nicht so leicht war, zumal die Internetseite seit Monaten nicht erreichbar war. Wir dachten, dass uns die Tourist-Info hier sicherlich weiterhelfen könnte. Doch weit gefehlt. Nur die weissrussische Seite könne uns da helfen, die wir ja aber ohne Visum gar nicht erreichen konnten. Man gab uns lediglich die Nummer einen Fremdenführerin, welche visumfreie Touren organisiere. Diese konnte uns mangels Sprachkenntnissen jedoch auch nicht weiterhelfen. Wir alle wühlten uns beinahe eine Stunde durch diverse Internetseiten und Foren, stiessen aber auf keine brauchbaren Infos. Ein letztes Mal stöberte ich noch in diversen Faltprospekten in der Auslage und entdeckte doch wirklich eine Firma namens PTTK, welche Fahrradtouren ohne Visum nach Weissrussland anbot.

Es dauerte nicht lange bis wir am Empfang dieser Firma standen, welche sich gleich am Rande des Parks befand. Wir wurden freundlich empfangen und der Inhaber sprach sogar fliessend Deutsch. Er klärte uns auf, dass er die Formalitäten alle für uns erledigen würde, wenn wir unsere Reisepässe dabei hätten. Die waren natürlich im Wohnmobil und so wurde ein zweiter Spaziergang fällig. Mit der Kopie des Reisepasses und 16 Franken pro Person konnte der Betreiber die Arbeit aufnehmen und meinte, dass wir uns morgen um 08:00 Uhr unsere Papiere für den Übertritt der Grenze bei ihm abholen könnten. Danach würden wir uns als freie Menschen auf der anderen Seite bewegen können und müssten einfach vor 20:00 Uhr wieder nach Polen einreisen. Das klang nun plötzlich alles ganz einfach und wir waren verwundert, dass uns die Dame in der Tourist-Info nicht diesen Ort empfohlen hatte sondern eine Reiseführerin ohne Sprachkenntnisse aus einer anderen Stadt.

Wir waren glücklich, dass sich unser Unterfangen nun schlussendlich doch noch einfacher gestaltete als erwartet und machten uns auf den Weg zu unserem Übernachtungsplatz. Es war noch nicht spät doch wir mussten ja sowieso auf morgen warten. Wir nutzten die Zeit um endlich einmal ein paar Pendenzen aufzuarbeiten, wie zum Beispiel alle Caches seit dem 4. September zu loggen. Es war schon beinahe 17 Uhr als wir uns noch dazu entschlossen die Wanderung, welche hier am Parkplatz startete, unter die Füsse zu nehmen. Der Trail führte uns über 9 Kilometer durch den wirklich wundervollen Urwald. Wir entdeckten viele Tiere und Pflanzen in dem naturbelassenen Gebiet. So war es dann auch schon fast dunkel als wir wieder am Parkplatz eintrafen. Nach einem gemütlichen Nachtessen, einem kurzen Videoabend und dem Schreiben der Tagebücher war es dann auch an der Zeit ins Bett zu hüpfen. Morgen steht schliesslich einiges auf dem Programm.