Dienstag, 4. September 2018

Quer durch Litauen in den Nationalpark

Nach einem erneut langen Abend ging es auch gestern nicht lange, ehe wir im Bett die Augen schlossen und sofort einschliefen. Morgens waren wir trotzdem bestens ausgeschlafen und blinzelten aus dem Womo der Sonne entgegen. Jonas und Jasmin hörten nachts einen Zug, welcher sie längere Zeit um den Schlaf brachte. Komischerweise hörte ich nichts davon. Wir frühstückten alle zusammen ehe wir uns auf unsere heutige Reise begaben. Heute standen vor allem viele Kilometer auf dem Plan. Litauen sollte von der Mitte des Nordens bis in den östlich gelegenen Aukstaitija Nationalpark durchquert werden. Eine beträchtliche Strecke, welche wir natürlich nicht an einem Stück fahren wollten.

Nachdem wir die Köpfe zusammensteckten, war der erste Halt auch schon bald festgelegt. Auf dem Weg dorthin sorgten wir jedoch in erster Priorität noch dafür, dass wir auch ein paar Tage im Nationalpark mit unseren Womos stehen könnten, wenn wir dies denn so möchten. So wurde Abwasser abgelassen, die Klos geleert und natürlich ganz viel Wasser nachgeladen. So ging es dann über gute Strassen, welche in ewigen Geraden durch die Landschaft führten. Die letzten Kilometer legten wir auf einer Schotterpiste zurück, welche immer mehr zu einem Feldweg mutierte. Doch eine Umkehr kam nicht in Frage. Wir manövrierten unsere Womos durch die Landschaft und parkten schon bald vor einer Kapelle. Die Niurkoniai Kapelle befand sich inmitten eines kleinen Wäldchens, welches auf einer Wiese im Nirgendwo gewachsen war. Seit vielen Jahren ist das Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert verlassen und zerfällt. Ein LostPlace also und genau deshalb waren wir nun hier. Wir wanderten durch den Vorgarten, dessen Tor offen stand, vorbei am externen Glockenturm, bis hin zum Eingang der riesigen Kapelle. Eine Eisen- und eine Holztüre sicherten den Eingang in das Innere. Doch beide waren offen. Die letzte, hölzerne, Türe zu öffnen war schon ein wenig gruselig. Muffig, feucht und dunkel lag das Innere vor uns. Frei von Müll und Vandalismus verzauberte uns der LostPlace schon bald. Wir erkundeten jeden Winkel, schossen Fotos und entdeckten sogar die alte, metallene Plakette, welche dieses Gebäude einst als wichtige Sehenswürdigkeit auswies. Ein wirklich interessanter Ort, welchen wir hier wieder entdecken durften. 






Ein wenig nagte der Hunger an uns, wir entschlossen uns jedoch zuerst noch eine halbe Stunde zu fahren. Ziemlich genau nach diesen 30 Minuten entdeckten wir auch ein kleines, lauschiges Plätzchen am See. Hier holten wir wieder unsere Decke raus und trafen uns darauf zu einer längeren Brotzeit. Wir quatschten über alles mögliche, ehe wir uns auf die zweistündige Fahrt begaben.

Unterbrochen wurde diese nur von einem kleinen Zwischenhalt, bei dem wir uns kurz die Beine vertraten und einen Geocache suchten. Doch auch der nächste Halt sollte ein Geocache sein. Ein spezieller. Seit zwei Tagen wartete ein Geocache an einem verlassenen Spielplatz nämlich auf seinen ersten Finder. Und wiedereinmal nahmen wir uns dessen an und standen so schon bald mit allen drei Fahrzeugen auf dem Basketballplatz, welcher schon länger keinen Ball mehr gesehen hatte. Die Örtlichkeit der Dose war schnell entdeckt und ich machte mich an die Bergung. Das Logbuch war wirklich noch leer und wir konnten auch in Litauen einen FTF verbuchen. Freudig fuhren wir danach noch die letzte Viertelstunde zu unserem Schlafplatz im Nationalpark. 



Es war heute ausnahmsweise noch nicht so spät als wir unsere Fahrzeuge in Form eines „U“ an den See stellten. So hatten wir noch etwas vom Abend. Die Mädels entschlossen sich einen Beauty-Abend einzulegen, was auch wir Männer tun wollten. Doch da fiel mir auf der Karte ein weiterer Cache auf, welcher noch nicht gefunden wurde. Nur ein Kilometer entfernt. So sattelten Jonas und ich die Fahrräder und machten uns auf den Weg zu diesem Cache. Ewigkeiten stocherten wir danach mit Hint und Spoilerbild im Wald herum und fanden einfach keine Dose. Doch ohne Fund nach Hause zu den Mädels konnten wir nicht. Das hätten wir noch ewig gehört. Freudig rief Jonas nach einer Weile durch den Wald: „Ich hab den gefunden!“. Und auch hier reichte es noch für den FTF. Wir radelten mit geschwollener Brust zurück zu den Mädels, welche unsere grosse Errungenschaft nicht so zu würdigen wussten wie wir uns das dachten. So machten wir uns eben ohne Lobeshymnen, Wein und erholende Massagen an das Schneiden von Jonas Haaren. 



Dass ich kein Profi an der Maschine bin, machte ich Jonas von Beginn an klar. Doch wir alle vier fanden das Ergebnis meiner Arbeit wirklich sehr ordentlich. Leider begann es langsam zu regnen und wir mussten meinen Termin verschieben. Zudem sollten wir ja auch noch unser Nachtessen nachholen, welches bisher irgendwie vergessen ging. Wir setzten uns zu viert in unser Womo und speisten, was wirklich gut klappte. Ein Gewitter bewegte sich mittlerweile über unseren Standort und Blitze zuckten am Himmel, ehe der Donner das Blech zum vibrieren brachte. Schon bald verabschiedeten wir uns voneinander und jeder genoss noch ein wenig die prasselnden Tropfen in seinem eigenen, kleinen Zuhause. Wir schauten noch ein wenig in unsere Tolinos, ehe auch uns die Augen zu fielen.

Montag, 3. September 2018

Das religiöse Litauen

Am Hundeplatz nächtigten wir ruhig, waren jedoch trotzdem ein wenig müde als morgens der Wecker klingelte. Ich bearbeitete Fotos, schrieb den Blog und frühstückte. Wir hatten für heute einiges vor uns so fuhren wir auch bei Zeiten los in Richtung Berg der Kreuze.

Zum ersten Zwischenziel zeigte das Navi ein wenig über zwei Stunden Fahrt. Diese führte durch eine wunderschöne Landschaft, welche derjenigen der Schweiz sehr ähnelte. Der Unterschied war aber auch hier, dass nicht alle zwei Kilometer ein Dorf zu sehen war. Nein. Wir fuhren und fuhren über gerade Strassen durch Wälder und Wiesen. Die Fenster waren offen und es duftete nach Heu und Sommer. Ein Feeling wie im Film. Nach einer guten Stunde machten wir einen kleinen Halt an einer steinernen Kirche. Wir schauten uns das grosse Bauwerk an, welches jedoch verschlossen war. Als wir kurz später bei unseren Mobilen standen hörten wir den Pfiff des Gärtners, welcher uns die Kirche geöffnet hatte und uns auch das Betrachten der inneren Schönheit ermöglichte. 



Frisch erholt ging es weiter. Kurz vor dem ersten Etappenziel sichteten wir einen See, welcher sich fürs Mittagessen anbot. Leider war dieser jedoch nicht zu erreichen und wir landeten in einem kleinen Dorf, welches nur aus einem Altersheim zu bestehen schien. Mit unseren drei Mobilen waren wir die Attraktion im Dorf, welches wohl noch nie Touristen sah. Die Menschen versammelten sich an der Strasse, lockten ihre Freunde ins Freie und winkten uns teilweise zu, während wir unsere Womos in der Sackgasse wendeten. Wir entschlossen uns kurzerhand, auf einer Wiese bei einem Parkplatz ein Picknick im Freien abzuhalten, was nicht weniger eine interessante Sache für die Einwohner zu sein schien. Nach dem Essen fütterten wir noch die Ziegen, welche uns aus der Ferne so neidisch beim Essen zuschauten, und fuhren dann weiter. 




Der nächste Halt war nun das ersehnte Etappenziel. Zuerst erwartete uns gleich am Parkplatz ein Mahnmal, der eindrücklicheren Sorte. Ein Holzkreuz auf einem Stein, auf welchem eine Inschrift angebracht war. Litauen gedenkt an diesem Ort 100'000 verlorenen Einwohnern, welche zwischen 1939 bis 1941 (dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges) von der Roten Armee verfolgt wurden. 36'472 Menschen wurden verbannt, darunter 6'011 Kinder. Über 50'000 Menschen landeten in Gefängnissen, gegen 15'000 Menschen zwang man in den Westen zu emigrieren. Ein eindrücklicher Ort. Dass man genau an diesem Ort diesen Menschen gedenkt hat ebenfalls einen Grund. Hier ist vor vielen vielen Jahren einem gläubigen Menschen die heilige Maria erschienen. In dem sehr gläubigen Land ist dieser Ort deshalb zum Pilgerort geworden, man baute zwei riesige Kirchen und 1994 war sogar Papst Johannes Paul II hier zu Besuch. Und auch heute war viel los. Man strich die Aussenwände und Gartenarbeiten wurden erledigt. Denn auch 2018 erwartet man hier den Papst. In gut drei Wochen besucht das Oberhaupt der katholischen Kirche diesen besonderen Ort und Litauen wird wohl auch 2018 wieder Kopf stehen. Wir besichtigten die beiden Kirchen und den grossen Platz, schossen diverse Fotos und machten uns danach auf die Weiterfahrt. 





Hier in der sehr religiösen Region war auch unser nächster Halt von religiöser Natur. Das Kloster der Bernhardiner hatte nichts mit den in der Schweiz bekannten Hunden mit dem Fässchen zu tun. Trotzdem empfing uns hier eine wundervolle Kirche mit einem sehr schönen Klosterhof. Die fleissige Pilgerin Jasmin erklomm sogar die steinige heilige Treppe. Ordnungsgemäss auf den Knien. Nach dem schmerzhaften Intermezzo besichtigten wir die schön geschmückte Kirche und schossen viele Fotos. Es verging einige Zeit bis wir den sonnengetränkten Hof verliessen und uns auf den Weg nach Siaulai machten.





In dieser Stadt hatten wir wieder eine Kirche auf dem Programm, welche wir auch kurz besichtigten. Die dort stattfindende Messe hielt uns jedoch davon ab, in der ganzen Kirche herumzulaufen. Die Stadt bot uns jedoch auch wieder einen Lidl, welchen wir die letzten beiden Woche nicht so sehr vermissten wie gedacht. Die Läden in Estland und Lettland liessen auch keine Wünsche unerfüllt. Wir kauften ein und begaben uns auch noch in ein grosses Einkaufszentrum, um Dinge wie einen Volleyball und eine Bartschere zu kaufen. Erst danach ging es zum grossen Highlight des Tages. 




Der Berg der Kreuze erwartete uns nur 10 Minuten nördlich der Stadt. Einen wirklichen Berg gibt es hier nicht. Eher einen Hügel. Doch der Hügel ist mit Millionen von Kreuzen geschmückt, welche sich mittlerweile auch über die Wiese erstrecken. In der Sowjetunion begannen die Menschen hier ihre Kreuze aufzustellen um einen stillen Protest auszudrücken. Natürlich hatte die Union damals keine Freude an diesem Treiben und versuchte diverse Male die Kreuze zu entfernen und den Hügel zu planieren. Jeweils ohne Erfolg. Kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion begannen die Leute immer mehr Kreuze auf dem Hügel aufzustellen und zeigten damit den Willen zur Unabhängigkeit Litauens. Heute ist der Ort vor allem zum Pilgerort für Christen geworden und beherbergt über 20'000 grosse und unzählige kleine Kreuze. Wir wanderten über den Hügel, betrachteten die vielen Kreuze mit den Inschriften. Wir schossen viele Fotos und nahmen die sehr spezielle Ausstrahlung dieses Ortes auf. Das Gefühl auf diesem Hügel zu stehen und an all die Menschen zu denken, welche aus tiefem Willen und Glauben ihre Kreuze hier zum Berg tragen ist schon sehr eindrücklich.






Nach dem Besuch des Berges begaben wir uns nur ein paar hundert Meter weiter auf einen kostenlosen Parkplatz am Ende der grossen Wiese. Hier beschlossen wir die Nacht zu verbringen. Es war aber noch früh und so beschäftigten wir uns mit Volleyball spielen auf der nahen Wiese und einem leckeren Nachtessen. Als die Sonne weg war, wir alle geduscht hatten und die Dunkelheit langsam Überhand nahm, nutzten wir die Einsamkeit aus um ein Bierchen zu trinken und zu Musik zu tanzen. Bier gab es heute wieder nur eines. Der Grund dazu war noch verrückter als der in Estland. Denn auch hier wurde uns heute wieder der Alkohol an der Kasse eingezogen. Natürlich stellte ich die Dame an der Kasse zur Rede, nachdem sie wortlos unser Bier auf die Seite schob. Heute durfte man in ganz Litauen keinen Alkohol kaufen, da heute der erste Schultag des neuen Schuljahres stattfand. Den Zusammenhang habe ich bisher noch immer nicht kapiert. Betrinken sich die Schüler ansonsten schon am ersten Schultag? Ich konnte mir keinen Reim machen.

Bevor wir uns ins Bett begaben, wollten wir uns aber nochmals zum Berg der Kreuze begeben. Die beleuchtete Stätte könnte bei Nacht durchaus seinen Reiz haben. Wir spazierten die zwei Minuten zu dem Hügel und mussten feststellen, dass die Location nachts und alleine doch wirklich einen klein wenig grusligen Touch hatte. Wir waren gut ausgerüstet und konnten so viele tolle Fotos schiessen. Die Kreuze, das Licht, die Sterne – eine geniale Kulisse, welche wir versuchten respektvoll ins richtige Licht zu rücken. Natürlich verbrachten wir viel mehr Zeit dort als geplant und als wir zurück an unseren Wohnmobilen waren, fielen wir alle müde ins Bett. Ein spannender Tag mit vielen religiösen Stätten ging zu Ende. 





Sonntag, 2. September 2018

Klaipeda und die kurische Nehrung

Es war eine ruhige wenn auch kurze Nacht, welche hinter uns lag, als wir nach dem Frühstück schon sehr bald wieder die Schotterpiste zurück wackelten. Heute waren wir ein wenig früher unterwegs als die letzten Tage. Wir nahmen uns auch alle Vier vor, in Zukunft ein wenig früher auf Zack zu sein und in den Tag zu starten.

Dies taten wir heute mit einer längeren Autofahrt, welche uns schon ziemlich bald über die Grenze nach Litauen führte. Somit verliessen wir Lettland, ein Land welches mit traumhaften Sandstränden und schöner Natur aufwartet. Leider auch mit vielen vom Zerfall bedrohten Dörfern, riskantem Strassenverkehr und sehr schlechten Strassenverhältnissen. Schon bald erreichten wir die nördlichste Stadt in Litauen – Klaipeda. Hier parkten wir unsere Autos kostenlos an der Arena und legten uns einen Plan für den Tag zu. Dieser sah vor, dass wir Jakob und den Zoll Bulli an der Arena stehen liessen und mit einem Fahrzeug, unserem Wohnmobil, auf die kurische Nehrung hinüber schipperten. Die Fähre mussten wir gleich hin und zurück lösen, konnten uns aber gleich auf die knapp 5 Minuten lange Überfahrt begeben.

Da waren wir nun also auf der kurischen Nehrung. Die Halbinsel, welche sich Russland und Litauen teilen, erstreckt sich auf über 100 Kilometer. Wir fuhren einfach südwärts um uns die Insel einmal anzusehen. In dem Naturpark, fuhren wir durch schönste Wälder und konnten die Fahrt wirklich geniessen. Es dauerte beinahe eine Stunde ehe uns ein Schild die letzte Ausfahrt in das südliche Dorf Nida ankündigte. Wir wollten sehen ob es noch weiter südlich noch eine Attraktion gab und landeten so unverhofft an einem Schild, welches uns die russische Grenze in 800 Metern ankündigte. Da wollten wir nun aber wirklich nicht hin und so wendeten wir in einem kleinen Waldweg kurz vor der Grenze und steuerten unser Womo nach Nida. Das schöne Dorf bot uns einen kostenlosen Parkplatz, an welchem wir eine kleine Brotzeit einlegten ehe wir uns in die Strassen begaben. Weit kamen wir nicht, ehe uns jemand mit einem Eis kreuzte. Ein Eis wie wir es noch selten gesehen hatten. Schnell war klar: so Eines brauchen wir ebenfalls. Schnell stellte sich raus, dass es sich dabei um ein Jogurt-Eis handelte und so entdeckten wir schnell den passenden Verkäufer. Melanie und ich teilten uns ein Eis, welches aus einer frischen, weichen Waffel, Jogurt-Eis, Oreo-Keksen und viel Schokolade bestand. Ein Traum! Wir führten unseren Dorfrundgang noch ein wenig weiter, durchstöberten die Souvenirläden und machten uns danach auf die Weiterfahrt. 





Als nächstes lockten uns die „toten Dünen“ an. Doch nachdem wir bereits 24 Euro für die Fähre und 15 Euro Eintritt in den Nationalpark bezahlten, wollten sie hier nochmals 2 Euro pro Person für die Begehung des Weges zu den Dünen. Ja auch hier wissen sie anscheinend, woher man sich das Geld holen kann. Melanie trug alle kleinen Münzen aus dem Womo zusammen und bezahlte den Eintritt mit lauter roten Cent-Münzen. So sind die auch endlich weg. Wir wanderten also auf den hölzernen Stegen durch den Kiefernwald, der sich schon bald zugunsten einer Wüste lichtete. Eine total andere Welt, welche uns sehr an Fuerteventura erinnerte. Die Sonne brannte vom Himmel als wir durch die sandige Landschaft in Richtung der Hauptdüne zogen. Schon bald endete der Holzsteg und wir mussten uns durch den Sand kämpfen. Die Schuhe liessen wir aber am Steg und wanderten fortan barfuss durch den warmen und feinen Sand. Oben angekommen erwartete uns noch ein kleiner Holzturm, von welchem aus wir eine wunderbare Aussicht über das Meer, die Wälder und den Sand hatten. Wir genossen die Aussicht und schossen Fotos. Ein wirklich wundervoller Ort, welcher uns gefühlt weit in den Süden transportierte. Das Baltikum vermochte uns einmal mehr zu überraschen. 






Nach einer erneut kurzen Fahrt parkten wir an der Kirche von Joudkrante. Diese besichtigten wir auch gleich innen und aussen. Die Kirche war wieder ein wenig prunkvoller eingerichtet und am Eingang wies ein Schild uns darauf hin, dass sie an einem Pilgerweg liegt, was vor allem Jasmin als aktive Pilgerin sehr freute. Zu Fuss machten wir uns danach auf, dieses kleine Dorf zu erkunden. Auch dieses Dorf wirkte extrem gepflegt und erinnerte uns an die touristischen Orte auf der Insel Föhr. Wir betrachteten die vielen Monumente und Sandstatuen entlang der Uferpromenade ehe wir uns entlang der Strasse zurück zum Wohnmobil begaben. Unterwegs begegnete uns noch eine interessante Holzskulptur, von der wir uns zu einem Abstecher durch den nahen Wald überreden liessen. Wir entdeckten auf dem kleinen Umweg einige interessante Holzfiguren ehe wir wieder unseren fahrbaren Untersatz erreichten. 





Den letzten kurzen Abstecher machten wir noch kurz vor dem Fähranleger. Wir besuchten einen feinsandigen Badestrand, welcher sich nun am Sonntagabend schon sehr geleert hatte. Beinahe alleine standen wir im feinen Sand und genossen das Meer. Nun wird es wohl wirklich bald das letzte Mal sein, dass wir auf unserer Reise am Meer stehen. Die letzte Möglichkeit wäre höchstens noch die Ostsee in Polen. Mal sehen. 



Nun begaben wir uns aber zum Fährterminal. Eine lange Autokolonne wies uns darauf hin, dass Sonntagabend wohl nicht der beste Zeitpunkt ist um von der Insel zu kommen. Nur alle 20 Minuten fährt eine Fähre und so stauten sich die Autos über eine riesige Distanz und es dauerte über eine Stunde ehe wir die Fähre zum Festland befahren konnten. Die Geduldsprobe standen wir zu viert aber bestens durch. Doch der Hunger machte sich so spät abends nun wirklich stark bemerkbar. Ohne den Zoll-Bulli oder Jakob abzuholen, machten wir uns auf den Weg in die Stadt Klaipeda. Diese soll mit einer wundervollen Altstadt aufwarten, was sich kurz später auch erfüllte. Wir spazierten in der Abendsonne durch die mit Kopfsteinpflaster befestigte Strasse der Innenstadt. Natürlich liessen wir uns mit unseren hungrigen Mägen schon bald von einem Restaurant anlocken. Ein schönes und gemütliches Restaurant an bester Lage sollte es sein und wir erwarteten dementsprechend hohe Preise. Eine 0,33 Cola kostete 1.50 Euro und auch die Menüs überraschten mit knapp 6 Euro. So stillten vier Personen ihren Hunger mit Vorspeisen, Hauptspeisen, Bier und Cola für 42 Euro. Für uns Schweizer ein absoluter Wahnsinn. Will man bei uns schon nur zu zweit für diesen Preis essen, muss man zu McDonalds. 




Die Strassen waren schon dunkel als ich unser Wohnmobil zur Klaipeda Arena lenkte, um dort die andern beiden Fahrzeuge abzuholen. In gewohnter Formation verliessen wir so die Stadt um uns zu einem Übernachtungsplatz ausserhalb zu begeben. Nach einem kleinen Umweg in die Tiefen des litauischen Waldes, entdeckten wir dann den Parkplatz direkt am See. Dieser war auch an einem Sonntagabend um 22:40 Uhr noch sehr gut besucht. Jugendliche mit Autos, Motorrädern, lauter Musik und reichlich Alkohol sassen überall in kleinen Gruppen zusammen und feierten. Eine friedliche Stimmung, welche wir jedoch nicht wirklich geniessen konnten. Alle waren heute ein wenig müde und wollten in Ruhe schlafen. Dies schien hier jedoch nicht möglich. Also suchten wir einen anderen Platz. Mithilfe von GoogleEarth entdeckten wir einen Platz, welcher sich bei unserer Ankunft als grosser Parkplatz einer Hundeschule herausstellte. Hier hatten wir unsere Ruhe und stellten unsere Mobile ab. Jonas und ich fotografierten noch ein wenig die Sterne, während Jasmin und Melanie sich bereits schlafen legten. Lange hielten aber auch wir nicht mehr durch, auch uns zog es ins Bett.



Samstag, 1. September 2018

Bunker und Wellen am Strand von Lettland

Es war auch heute ein wenig später, als wir uns aus dem Bett schälten und uns mit Blog und Tagebuch beschäftigten. Wie gestern galt auch heute das Motto: erst die Arbeit, dann das Frühstück. Auch Jasmin und Jonas waren schon wach und wir steckten schon bald die Köpfe zusammen, wohin es denn heute gehen sollte.

Bald schon bestiegen wir unsere Wohnmobile und machten uns auf den Weg zu einem nicht weit entfernten Strandabschnitt. Schon auf dem Weg zu diesem begegneten uns immer wieder Bunker. Die Betonbauwerke waren einst Teil einer riesigen Festung der Sowjets und zog sich nicht nur durchs Hinterland sondern auch der Küste entlang. Auch hier bildet eine Steile Klippe aus Sand die Küstenlinie und diese bricht immer mehr ein. Mit ihr fallen auch die Bunker der Festung der natürlichen Erosion zum Opfer und fallen ins Meer. Einer nach dem Andern. Wir parkten also unsere Womos am Parkplatz und lauschten dem Luft schneidenden Geräusch des dortigen Windrades. Einmal die Klippe erklettert, staunten wir über die Grösse der Anlage. Der ganze Strand war voller Betonklötze, welche bei näherem Hinsehen mit Treppen, Türen und Fenstern gespickt waren. Teilweise sind sogar ganze Betonteile vom Hauptgebäude abgebrochen. Meterdicke Betonwände brachen über die Jahre einfach durch. Wir schossen viele Fotos und erkundeten die vielen kleinen Bunker auf der Klippe und am Strand. Ein wirklich sehr interessanter Ort, wenn auch von einigen Leuten besucht und deshalb ein wenig vermüllt und auch mit einigen Graffiti verziert. Nachdem wir einige Zeit dort verbrachten, mussten wir aber weiter und nahmen das nächste Ziel ins Visier. 







Dieses Ziel war die St. Nikolaus-Kirche in Liepaja und die Stadt war nur einige Minuten entfernt. Wir mussten dazu eine gute Viertelstunde durch die grosse Stadt kurven. Die Stadt war wirklich schön und sehenswert. Grösser als gedacht und auch sehr modern für lettische Verhältnisse. Als wir unsere Zieladresse erreichte, stand da keine Kirche und auch nichts dergleichen. Wir googelten wie wild und bemerkten, dass die Kirche sich am Stadtrand befindet und wir uns wohl wieder durch den Verkehr kämpfen müssen. Doch zuerst kauften wir noch ein und betankten unser Womo noch ein letztes Mal in Lettland. So verging eine gute Stunde ehe wir unser Womo wirklich zur orthodoxen Kirche St. Nikolaus steuerten und gleich davor parkten. Keine Menschenseele war hier zu sehen und hätten wir die goldenen Zwiebeltürme nicht gesehen, dann hätten wir uns erneut am falschen Ort vermutet. Wir machten eine kleine Brotzeit und spazierten danach die Allee zur Kirche entlang. Eine wirklich prunkvolle Kirche welche in diesem Quartier besonders heraussticht. Die zerfallenen aber bewohnten Mehrfamilienhäuser spiegelten sich im Gold der Kirche. Ein trauriger Kontrast. Wir umrundeten die Kirche ehe wir den Eingang entdeckten und uns ins Innere begaben. Dort waren wir wirklich überrascht. Kein Prunk oder dergleichen. Nur verputzte Wände, in Pastellfarben gestrichen, und einige hölzerne Schmuckstücke. Die Kirche wirkte fast wie ein LostPlace in dem sich ein paar wenige Gläubige zum Gebet aufhielten. Wir machten uns auf die Weiterreise und programmierten einen Strand ins Navi. 





Über eine Stunde dauerte die Fahrt an den Strand im Pape Park. Die letzten sechs Kilometer führten wieder über gewohnt schlechte Schotterpiste und unser Womo wurde wieder kräftig durchgeschüttelt. Der Parkplatz am Leuchtturm war trotzdem schon von einigen Wohnmobilen besucht, was uns wunderte, zumal wir hier im Baltikum sonst eigentlich immer alleine waren und selten Wohnmobile entdeckten. Wir machten uns auf einen über einstündigen Strandspaziergang, bei dem wir uns unterhielten und nebenbei nach Bernstein Ausschau hielten, der hier an der Küste oft angeschwemmt werden soll. Das Wetter und das Meer lockte uns die ganze Zeit und so zogen wir nach unserer Rückkehr unsere Badesachen an und stürzten uns in die Fluten. Das Meer war heute sehr unruhig und warf sich mit grossen Wellen an den Strand. Normalerweise kann das im Meer unangenehm werden. Doch das Wasser hier hatte Süsswasserqualität. Kein bisschen Salz schmeckte man und so konnten wir uns in den Wellen richtig austoben. In zwei Etappen waren Jonas, Melanie und ich über eine Stunde im Wasser und tollten herum. Wir durchtauchten die Wellen, liessen uns von ihnen mitziehen und genossen einfach das warme Nass. 





Es war schon nach Acht als wir uns alle wieder an den Womos zusammensetzten und damit begannen zusammen zu kochen. Wir bereiteten ein Curry mit Reis und Hähnchen zu. Das Curry von Jonas schmeckte dabei wirklich lecker und wir alle waren eine ganze Weile immer wieder etwas davon am essen. Den restlichen Abend liessen wir mit Bier, Musik und lockeren Gesprächen ausklingen. Nachdem sich Jasmin und Melanie ins Bett verabschiedeten, sassen Jonas und ich wieder bis 01:30 Uhr auf unseren Stühlen, ehe auch uns die Müdigkeit übermannte.